mini|Flagge von Orkney

Orkney (; deutsch veraltet auch Orkaden, weiterhin gebrauchtes Adjektiv orkadisch) ist ein aus der Hauptinsel Mainland und etwa 70 kleineren Inseln bestehender, zu Schottland gehörender Archipel. Er liegt nördlich von Caithness in Sichtweite der schottischen Nordküste, von ihr durch den Pentland Firth getrennt.

Namen Die Entstehung des Namens Orkney ist unbekannt. S. Tomany geht davon aus, dass im lateinischen Namen orcades das keltische Wort ork „junger Eber“ steckt, möglicherweise ein Stammesname. Die norwegischen Eroberer hätten eine lautliche Verwandtschaft mit dem Wort orkn „Seehund“ zum Anlass genommen, die Inselgruppe Orkn-eyjar zu nennen, also „Seehundsinseln“.Tomany, S. 115.

Im 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. verdrängten die norwegischen die ursprünglichen piktischen Ortsnamen praktisch vollständig. Es gibt über 10.000 Ortsnamen, von denen die meisten Derivate oder Verfälschungen eines altnordischen Namens sind. Diese Wörter wurden mit wenigen Wörtern keltischen Ursprungs und einer Handvoll späterer schottischer Importe vermischt.

Verwaltungsgliederung Community Council Areas Im Juli 2012 gab es 20 Community Council Areas auf den Orkneyinseln. Die mit einem Stern gekennzeichneten haben aktive Community Councils. Birsay* Eday* Evie and Rendall* Firth and Stenness* Flotta* Graemsay, Hoy and Walls* Harray and Sandwick* Holm* Kirkwall and St Ola* North Ronaldsay* Orphir* Papa Westray* Rousay, Egilsay, Wyre & Gairsay* Sanday * Shapinsay* South Ronaldsay and Burray* St Andrews and Deerness* Stromness* Stronsay* Westray*

Civil Parishes

Birsay and Harray Cross and Burness Eday Evie and Rendall Firth Holm Hoy and Graemsay Kirkwall and St Ola Lady Orphir Papa Westray Rousay and Egilsay Sandwick Shapinsay South Ronaldsay St Andrews and Deerness Stenness Stromness Stronsay Walls and Flotta Westray

Die Inseln mini|Übersicht von Orkney Der Archipel verteilt sich über ein Gebiet von knapp 50 km Ost-West und 85 km Nord-Süd, zwischen dem 58. und 59. Grad nördlicher Breite. Das entspricht der geografischen Höhe von Tallinn und Stavanger (Norwegen). Von den 990 km² Fläche entfällt mit 492 km² ziemlich exakt die Hälfte auf die Hauptinsel The Mainland.

Alle wichtigen Inseln außer Mainland haben Namen mit dem Suffix „ay“,orkneyjar.com das sich aus dem altnordischen Wort für „Insel“ ableitet (der erste Teil des deutschen Wortes Eiland ist auch damit verwandt).

Der holozäne Meeresspiegelanstieg veränderte die Fläche der Orkneys. Er erreichte seine gegenwärtige Position vor etwa 4000 Jahren.

Liste der Inselnmini|Die Orkney vom Pentland Firth aus Aufgelistet sind die größeren unbewohnten und die meist dauerhaft oder saisonal bewohnten Inseln.

Heutige Namen Skarðsá annál (14. Jh.)„Biskupatal“ in: Diplomatarium Islandicum Bd. 3. S. 50/51. Nummerierung und Orthografie wie in der Vorlage. Mainland Die nördlich vorgelagerten Inseln Auskerry Calf of Edayhttp://www.orkneyjar.com/placenames/pl-isle.htm Damsay Eday Egilsay Eynhallow Faray Gairsay Helliar Holm Holm of Faray Holm of Grimbister Holm of Huip Holm of Papa Holm of Scockness Linga Holm Muckle Green Holm North Ronaldsay Papa Stronsay Papa Westray Rousay Sanday Shapinsay Stronsay Sweyn Holm Westray Wyre Die südlich vorgelagerten Inseln Burray Calf of Flotta Cava Copinsay Fara Flotta Glims Holm Graemsay Hoy Hunda Inner Holm Lamb Holm Rysa Little South Ronaldsay South Walls Switha Swona Die westlich vorgelagerten Inseln Sule Skerry Sule Stack Pentland Skerries Muckle Skerry Little Skerry Louther Skerry Clettack Skerry Rinarzey Sandey Papey Straumsey Sudey færey Vesturey Eigilzey hrossey (heute Mainland) Grossey Eiginn helga Vigur Gärekzey Daminzey gjälpandisey hinz ey kolbeinzey Borgarey Grimsey kalfaey færey dúnorey flatey Rǫgnvalldzey Düney oder diney.

Bevölkerung 20 Inseln sind bewohnt. Papa Stronsay als Klostersiedlung (Transalpine Redemptoristen) mit beschränktem Zugang für die Öffentlichkeit, eine weitere Insel ist in den letzten Jahren saisonal bewohnt. Die wichtigsten Städte sind Kirkwall als Verwaltungsort und Drehscheibe des gesamten Verkehrs mit etwa 7000 Einwohnern und Stromness als einer der Fährhäfen vom/zum Festland mit etwa 2000 Einwohnern; beide liegen auf Mainland. Die Inseln hatten 1861 mit über 32.000 Einwohnern die höchste Bevölkerungszahl. Sie sank bis 1971 kontinuierlich (17.000) und lag im Jahre 2011 bei etwa 21.000.

Administration Der Verwaltungsbezirk (Unitary Authority) heißt offiziell „Orkney Islands“, wird aber auch in Gesetzen und Verlautbarungen von der schottischen Regierung oftmals verkürzt nur als „Orkney“ angesprochen. Die Orkneys bilden eine eigenständige Lord-Lieutenancy (lieutenancy area). Wichtigstes politisches Gremium ist das Orkney Islands Council mit 21 Mitgliedern, das auch Orkney Ferries besitzt und betreibt, die Fährgesellschaft, die zwischen den Orkney-Inseln verkehrt.

Amts- und Verkehrssprache auf den Inseln ist Englisch, weitverbreitete Umgangssprache ist das Orcadian, eine Variante des Insular Scots. In diesem Dialekt haben sich bis heute insbesondere im Vokabular, in der Aussprache, aber auch in der Grammatik Reste der zwischen 800 und 1700 n. Chr. verwendeten – doch im Verlauf des 18. Jahrhunderts erloschenen – skandinavischen Sprache Norn erhalten.

Geschichte Vorgeschichte mini|links|Orkadisch-shetländische Megalithanlagen Links: idealtypischer Stalled Cairn. Mitte: generalisierter Chambered Cairn vom Maeshowe-Typ. Rechts: idealtypischer Heel-shaped Cairn (auch Horned Cairn), der nahezu ausschließlich auf Shetland vorkommt. Möglicherweise gehört der mit einer zu den Seiten hin spitz auslaufenden „Fassade“ versehene Isbister Cairn auf South Ronaldsay als einziges Beispiel auf den Orkneys zu den Heel-shaped Cairns.

Bis 11.500 v. Chr. lagen die Orkney-Inseln unter dem Eis der Gletscher. Wann der Pentland Firth überschwemmt wurde, so dass die Landmasse zum Archipel wurde, ist umstritten. Die Datierungen liegen zwischen 10.000 und 8000 v. Chr. Zwei Rückenmesser aus Feuerstein, die 2007 auf Stronsay gefunden wurden, könnten der früheste Beleg menschlicher Aktivität auf den Inseln sein. Die Archäologen Caroline Wickham-Jones und Torbin Ballin wiesen die 12.000 bis 10.000 Jahre alten Artefakte den Jägern und Sammlern der Ahrensburger Kultur zu.

Um 5900 v. Chr. bedeckten Farne, Gras und Haselsträucher den Archipel. Die Mittelsteinzeit ist durch Mikrolithen der Narrow-Blade-Tradition (schmale Klingen) und Haselnussschalen von Longhowe auf Tankerness belegt, die auf 6740 ± 80 Jahre v. Chr. datiert sind. Ein Pollendiagramm aus Quoyloo (Mainland) mit Holzkohleablagerungen belegt eine Rodungsepisode um 6500 v. Chr.

Neolithikum Etwa um 3900 v. Chr. begann das Neolithikum auf den Inseln. Die älteste Keramik, die sich auch im nordwestlichen Schottland findet, ist die Unstan Ware (benannt nach einer Megalithanlage auf Mainland). Aus dieser Zeit stammt die Siedlung Knap of Howar und die spezifische Form der megalithischen Stalled cairns, die zum Orkney-Cromarty-Typ der Passage Tombs gehören. Die 58 Stalled Cairns sind auf allen großen und einigen der kleinen Inseln (Faray, Swona, Eday, Helliar, Papa Westray) vertreten. Allein Rousay beherbergt noch 15 Anlagen und damit mehr als Mainland (10). Die jüngeren Ganggräber des Maes-Howe-Types mit kreuzförmigen Kammern finden sich auf Eday (1), Egilsay (1), Mainland (5), Sanday (2), South Ronaldsay (2), Westray (1) und Papa Westray (1). Die Unstan Ware wird um 3300 v. Chr. durch die Grooved Ware (geriefte Ware) des Rinyo-Untertyps abgelöst, die sich zum Beispiel in Skara Brae, Rinyo, Barnhouse und an der Einfriedung bei Sandwick fand.

Außer Megalithanlagen wie Blackhammer, Cuween Hill, Isbister Cairn – „Tomb of the Eagle“, Knowe of Yarso, Maes Howe, Midhowe Cairn, Quoyness, Taversoe Tuick, Unstan Cairn und Wideford Hill Cairn sind Steinkreise und Henges (wie der Ring of Brodgar) bekannt. Die Felskammern von Crantit Cairn (gemauert) und der Dwarfie Stane (gepickt) sind baulich ebenso einmalige Anlagen wie der Cairn auf dem Head of Work. Die Siedlung Smerquoy bei St Ola auf Mainland wurde 2013 ausgegraben und auf 3200 v. Chr. datiert. Funde der Glockenbecherkultur stammen von etwa 2000 v. Chr. aus der Sand Fiold cist. Die Orkney cists sind nur bedingt vergleichbar mit den kontinentalen Steinkisten; ähnlich sind allenfalls die kleinen Steinkisten der Uckermark, wobei die Steinkisten der Inseln im Durchschnitt deutlich kleiner sind, meist nicht breiter als 0,6 m und nicht länger als 1,0 m. Sand Fiold ist mit den Maßen von 1,6 × 1,0 × 1,0 m eine der größten. Zugleich zählt sie zu den wenigen freistehenden Exemplaren. Sie wurde in einer etwa 3,0 × 3,2 m messenden, künstlich angelegten Felsgrube errichtet und wiederholt genutzt. Aus anderen Steinkisten ist Goldschmuck belegt.

Bronzezeit Zwischen 1000 und 400 v. Chr. entstanden die Burnt Mounds (ancient cooking place), von denen über 200 bekannt sind. Es handelt sich um Haufen verbrannter Steine, die immer in der Nähe von Süßwasser liegen und einen Durchmesser von bis zu 30 m haben können. Ausgegraben wurde der Liddle Burnt Mound auf South Ronaldsay.

Zwischen 2500 und 700 v. Chr. sind (eventuell durch einen Klimaeinbruch bedingt) keinerlei bauliche Spuren feststellbar.

Eisenzeit Die Eisenzeit, die zur Periode der Brochs wurde (Gurness, Midhowe, Birsay, Borwick, Bu, Windwick etc.), begann um 700 v. Chr. Die Rundhäuser von Pierowall und Quanterness entstanden ebenfalls in dieser Periode. Souterrains oder Earth houses sind auch aus anderen Teilen der Britischen Inseln und der Bretagne bekannt. Sie stammen aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend. Die Anlagen Crantit, Grain Earth House (bei Kirkwall) und Rennibister (alle auf Mainland) können aber nicht genau datiert werden.

Altertum mini|Teilkarte der Orkneys: Bereich um Scapa Flow Um 325 v. Chr. soll der Grieche Pytheas auf seiner Erkundungsreise das „Cape Orcas“ besucht haben, das gewöhnlich mit den Orkneys gleichgesetzt wird. Er beschreibt die Einwohner als Pretani. Nach Tacitus (Agricola) sandte der römische Statthalter im Jahre 83 n. Chr. eine Flotte zur Erkundung der Inseln. Claudius Ptolemäus nennt die Inseln in seinen Geographika Orcades. Eine Missionsreise zu den Inseln durch Cormac soll um 580 n. Chr. stattgefunden haben. Man geht davon aus, dass die Bewohner vor der Landnahme durch die Wikinger (siehe unten) Pikten waren. Der Piktenkönig Bridei mac Bili und seine Flotte zerstörten 682 die wachsende Seemacht der Inseln. Nennius berichtet noch nach 900, dass die Pikten zu dieser Zeit dort lebten.Nennius: Historia Britonum, cap. 5 (Monumenta Historica Britannica. 1848. Bd. I. S. 56), bevor sie den Wikingern wichen.

Wikingerzeit