mini|hochkant=1.5|Luftbild der Stadt Bergen auf Rügen mini|hochkant=1.5|Panorama von Westen
Bergen auf Rügen liegt im Zentrum der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2005 ist Bergen Verwaltungssitz des Amtes Bergen auf Rügen, des mit über 20.000 Einwohnern bevölkerungsreichsten Amtes des Landes. Die Kleinstadt ist eines von 18 Mittelzentren in Mecklenburg-Vorpommern und Hauptort der Insel.
Geographie
Geographische Lage Bergen befindet sich in zentraler Lage von Deutschlands größter Insel Rügen. Die Stadt liegt in hügeligem Gebiet, unmittelbar am nordöstlichen Stadtrand erreicht der Rugard eine Höhe von . Das Gebiet um Bergen ist weitgehend landwirtschaftlich geprägt. Der Ort selbst liegt auf einer Anhöhe, die während der letzten Eiszeit beim Rückzug des Eises entstand.
Nur unweit vom Zentrum entfernt befindet sich in nordöstlicher Richtung der Kleine Jasmunder Bodden.
Im Nordwesten der Stadt befindet sich der Nonnensee, im Süden das Kiebitzmoor und im Westen das Hofstädter Moor. Unweit des Kiebitzmoor, befinden sich im Stadtpark zwei Teiche, die sich an der Stelle befinden, wo sich ursprünglich der Rote See befand. Dieser gab dem angrenzenden Stadtgebiet seinen Namen.
Stadtgliederung Zu Bergen auf Rügen gehören folgende Ortsteile:Hauptsatzung der Stadt Bergen auf Rügen, § 1. stadt-bergen-auf-ruegen.org
Geschichte mini|hochkant=1.3|Bergens ältestes Fachwerkhaus von 1538 am Markt und die St.-Marien-Kirche
Name Die Ursprünge des Namens sind auf das Jahr 1232 zurückzuführen. Zu dieser Zeit wurde auf Rügen ein Ort Gora = Berg genannt, dessen Name der polabischen Sprache der Ranen entsprang. Die Roeskilder Matrikel von 1294 erwähnte den Ort als Villa Berghe und 1278 schrieb man Berghe, 1302 dann Bergh in Ruya und 1306 Berghen. Im Jahr 1314 wurde Bergen unter dem Namen villa montis urkundlich erwähnt.
Am 6. November 1995 erfolgte die Umbenennung von Bergen/Rügen zu Bergen auf Rügen.
Mittelalter Bergen blickt auf eine über tausendjährige Geschichte zurück. Erste Siedlungen auf dem heutigen Gebiet Bergens sind jedoch schon deutlich älter. Der auffälligste Beweis dafür ist die Marienkirche südlich des Marktplatzes.
Bald nach dem Fall der Jaromarsburg 1168 wurde mit dem Bau der Marienkirche als Palastkirche des Rügenfürsten Jaromar I. begonnen. 1193 wurde die bereits bis auf den Westbau fertiggestellte und geweihte Kirche einem Zisterzienserinnenkonvent übergeben. Ab 1190 wurde der Westbau angefügt. Auch heute noch hat sie ein ganz besonderes Kuriosum zu bieten: Das Zifferblatt auf der Nordseite des Kirchturms zeigt 61 Minuten an. Durch die Gründung des Klosters begünstigt, entstand im Jahre 1232 der erste Krug.
Bis in das 15. Jahrhundert hinein blieb Bergen unter Führung des Klosters. Stadtbrände wie der von 1445 vernichteten fast den ganzen Ort, das Kloster und Teile der Kirche.
Frühe Neuzeit mini|hochkant=1.3|Ansicht von Bergen. Stralsunder Bilderhandschrift, um 1611/15 mini|hochkant=1.3|Ansicht von Bergen. Lubinsche Karte, 1618 Durch eine Beschlussfassung des Landtages zu Treptow 1534 wurde die Reformation in Pommern eingeführt. Das Kloster ging in den Besitz des pommerschen Herzoges über.
Erst 1613 erfolgte die Verleihung des Stadtrechts durch Herzog Philipp Julius von Pommern-Wolgast. Für die Gewährung verschiedener Privilegien und die Übernahme des Lübischen Rechts musste Bergen 8000 Mark an den Herzog zahlen. Schon bald kam es zu Streitigkeiten um die Auslegung der Rechtsverleihung, so dass bereits 1616 eine Kommission offene Fragen zwischen Herzog und Stadt zu klären hatte.Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern. Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden, Vorwort Robert Klempin. In Commission bei A. Bath (Mittler’s Sortiments-Buchhandlung), Berlin 1865, S. 40–41; books.google.de Der Dreißigjährige Krieg brachte ab 1628 auch für Bergen eine leidvolle Zeit mit sich. Krieg und Pest ließen die Einwohnerzahl auf 400 schrumpfen. 1690 und 1726 brannten erneut viele Häuser und das Ratsarchiv nieder.
19. Jahrhundert Erste handwerkliche Unternehmen entstanden erst in den Jahren 1823 und 1853, als hier Lederfabriken ihre Arbeit aufnahmen. 1883 erreichten die ersten Züge den Bahnhof Bergen aus Altefähr kommend. 1877 wurde der Ernst-Moritz-Arndt-Turm auf dem Rugard vollendet. 1890 nahm die Molkerei die Arbeit auf, und 1891 folgte die Errichtung des Postgebäudes am Markt. Landratsamt, Amtsgericht, Zoll- und Steueramt folgten. Als dann in den Jahren 1898 und 1899 Wasser- und Elektrizitätswerk in Betrieb genommen wurden, verfügte Bergen über eine einer Kreisstadt angemessene Infrastruktur.
20. Jahrhundert Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Rügen ab dem 4. Mai 1945 kampflos von der Roten Armee besetzt.
Nach Gründung der DDR 1949 wurde die Industrialisierung vorangetrieben. 1952 begann am nordwestlichen Stadtrand der Bau des Industriegeländes. 1953/58 entstand nördlich vom Bahnhof die neue Molkerei, die täglich 300 t Milch verarbeitete. Hier wurde bis zur Schließung der Molkerei im Oktober 2019 der Rügener Badejunge, ein überregional bekannter Weichkäse hergestellt. 1955/56 entstand der VEB Brot- und Backwaren. 1957/58 nahmen Schlachthof und Fleischwarenfabrik unter dem Namen VEB Fleischwirtschaft Bergen die Produktion auf. Eine leistungsfähige Nahrungsgüterindustrie entstand in Bergen, welche die Insel und Teile des Festlandes versorgte. Von 1965 bis 1988 entstanden die großen Wohngebiete Bergen-Süd mit 1923 Wohnungen und Rotensee mit 2464 Wohnungen in der damals üblichen Plattenbauweise.
Nach der politischen Wende wurden ab 1991 der historische Stadtkern und ab 1995 die Großwohnsiedlung Rotensee im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert. Die Neubauviertel wurden modernisiert und den neuen Anforderungen angepasst. Ferner wurden einige Schulen geschlossen und neue Hotels errichtet.
Geschichte der Orts- und Stadtteile Dramvitz: Bereits 1795 wurde Dramvitz in einem Dorfregister als Ortschaft mit einem Bauernhof erwähnt.
Dumsevitz: Das Gut in Dumsevitz hieß zeitweise Dumsevitz B. Die Kulturfläche blieb mit 225 ha konstant. Die Eigentümer wechselten mehrfach, u. a. Hermann Stuht, dann Anton Günther.
Fabrik: Die Gemarkung Fabrik bestand vor der Bodenreform aus 36 ha Fläche im Besitz von Siegfried Diedrich.
Lipsitz: Der Ort wurde 1307 erstmals urkundlich erwähnt. Das Gut war im Besitz der Familien von der Lancken (bis 1382), zu Putbus (bis 1603), von der Osten (bis 1730), von Platen (bis 1829). Der letzte Herr von Platen starb im gleichen Jahr als Leutnant in einem Duell. Die Familie von Wackenitz besaß Lipsitz bis 1834, fortfolgend die Freiherren von der Lancken-Wakenitz bis 1945. Letzte Eigentümer waren der 1917 gefallene Kavallerie-Leutnant Hans Malte Freiherr von der Lancken-Wakenitz, dann sein Onkel, der Major a. D. Gustav Freiherr von der Lancken-Wakenitz (1872–1963), der in der DDR blieb und in Bergen lebte.Walter von Hueck, Klaus Freiherr von Andrian-Werburg, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. B (Briefadel). 1989. Band XV., Band 96 der Gesamtreihe GHdA. Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1989, , S. 279–288. Das wahrscheinlich im 18. Jahrhundert erbaute Gutshaus zu Lipsitz ist seit Jahren verfallen.
Neklade: Der alte Besitz war im Eigentum der briefadeligen Familie von Scheele, dann der Uradelsfamilie von Kahlden. Nutznießer des Rittergutes Neklade mit 482 ha Umfang war seit 1. Juli 1907 Ludolf von Veltheim-Ostrau (1859–1944). Er war mit der Gutsherrin auf Neklade, Viktoria Gräfin von Wylich und Lottum (1861–1933), Tochter des Fürsten Wilhelm Malte II., verheiratet. Veltheim-Neklade war Major a. D. sowie Rechtsritter des Johanniterordens. Bis zur Bodenreform gehörte das Gut ihrer Tochter Adelheid, verehelichtete von Dungern (1898–1992). Verwalter war Major Carl Conrad. Der älteste Sohn des Hauses Veltheim-Neklade, Malte, war seit 1938 in Namensänderung Malte von Putbus und starb zu Beginn 1945 im KZ Sachsenhausen.
Ramitz: Das sanierte Gutshaus wurde ursprünglich um 1800 errichtet. Ramitz gehörte zum Gutskomplex Lipsitz. Diesen allodifizierten und damit frei zum Verkauf gestellten Gutsbereich veräußerte per Kauf-Kontrakt vom 31. August 1829 Ernestine Charlotte Luise von Bredow, geborene von der Marwitz, verwitwete von Platen, an die Familie von der Lancken-Wakenitz. Den bald zu einem Majorat festgelegten Besitz übernahm der Offizier Gustav August Emil von der Lancken-Wakenitz (1835–1872), der sich mit der Professorentochter Anna Briese aus Putbus verheiratete.
Tetel: ist der kleinste Ortsteil von Bergen auf Rügen. Er liegt südöstlich von Bergen unmittelbar neben Zittvitz. In Tetel wohnen drei Familien. Das älteste Haus ist etwa 120 Jahre alt.
Thesenvitz: Der Ortsname kommt vom slawischen Tesenovici und bedeutet Leute des Tesen, ein Hinweis also auf die Siedler. 2009 hatte der Ort 399 Einwohner.
Trips: Im Jahre 1763 erwarb der Oberst Ritter Rutger von Barnekow-Ralswiek mehrere Besitzungen auf Rügen, auch die Herrschaft Streu, sowie Trips und andere Dörfer. 1772 erbte diesen Komplex samt Kirchenpatronat dessen Sohn, der Rittmeister von Barnekow. 1780 übernahm für 18000 Reichstaler Malte Friedrich von Putbus große Teile der Besitzungen. Trips verblieb dann als Teil von Silvitz dem Hause Putbus bis zu den Enteignungen 1944/45.
Zirsevitz: Der 39 ha große Hof des Erick Brinkmann war vor der Bodenreform an Erich Ockermann verpachtet. Reprint, in: Historische Adressbücher, Band 20, Klaus D. Becker, Potsdam 2020, ISBN 978-3-88372-229-0.
Zittvitz: Zwei größere Landwirtschaftshöfe der Familien A. Beckmann und H. Bruhn, mit jeweils um die 25 ha Bestand, weisen die Pommerschen Landwirtschaftlichen Adressbücher für Zittvitz aus.
Bergen Süd: ist der bevölkerungsreichste Stadtteil von Bergen. Er besteht hauptsächlich aus Plattenbauten und wurde Mitte der 1960er Jahre erbaut. Die Gebäude sind zwischen 1991 und 2018 saniert worden. Bergen Süd besitzt einen der zwei Friedhöfe der Stadt und ein Gewerbegebiet, in dem sich mehrere Autohäuser, eine Werkstatt für Menschen mit geistiger Behinderung, der städtische Bauhof und weitere kleine Unternehmen angesiedelt haben.
Rotensee: ist der zweitbevölkerungsreichste Stadtteil von Bergen und liegt im Westen der Stadt. Genau wie Bergen Süd besteht Rotensee aus Plattenbauten, die ab den 1980er Jahren errichtet wurden. Erst im Jahr 2000 wurden die ersten Häuser saniert. Aufgrund des Bevölkerungsrückgangs der Stadt wurden einige Häuser abgerissen oder zurückgebaut. Rotensee besitzt drei Kindertagesstätten, eine regionale Ganztagsschule, das soziokulturelle Nachbarschaftszentrum / Mehr-Generationen-Haus (NBZ Rotensee) sowie eine Förderschule.
Von 1952 bis 1955 war Bergen Kreisstadt des gleichnamigen Kreises im neu gegründeten Bezirk Rostock. Der Kreis Bergen wurde am 1. Januar 1956 mit dem Kreis Putbus zum Kreis Rügen vereinigt. Bergen blieb von 1956 bis 1990 Kreisstadt des Kreises Rügen im Bezirk Rostock und war von 1990 bis 2011 Kreisstadt des Landkreises Rügen im Land Mecklenburg-Vorpommern. Mit der Kreisgebietsreform 2011 verlor Bergen den Status als Kreisstadt und liegt seitdem im Landkreis Vorpommern-Rügen.
Eingemeindungen Am 1. Januar 2011 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Thesenvitz mit den Ortsteilen Lipsitz, Ramitz und Ramitz Siedlung nach Bergen auf Rügen eingemeindet.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1600 um 1.650 1630 400 1788 um 1.500 1890 4.000 1957 10.420 Jahr Einwohner 1990 19.068 1995 17.269 2000 15.616 2005 14.651 2010 14.030 2015 13.484 Jahr Einwohner 2020 13.572 2021 13.647 2022 13.678 2023 13.649 2024 13.457 ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres,Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden. Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern. ab 2022 auf Basis des Zensus 2022>
Politik Stadtvertretung