miniatur|Eine Seniorin wird in ihrer Wohnung ambulant betreut
Ambulante Pflege ist die professionelle pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung von pflegebedürftigen Menschen in ihrer häuslichen Umgebung, die durch mobile (ambulante) Pflegedienste erbracht wird. In der Schweiz wird die Bezeichnung Spitex verwendet (spitalexterne Pflege), in Österreich wird zwischen Heimhilfe und Hauskrankenpflege unterschieden.
Ziel der ambulanten Pflege ist es, dass pflegebedürftige Menschen in der häuslichen Umgebung verbleiben können. Dazu sucht der mobile Dienst den Klienten mehrmals wöchentlich bis mehrmals täglich zuhause auf. Erbracht werden die jeweils verordneten Pflege-, Untersuchungs- und Behandlungsleistungen in einem bestimmten zeitlichen Rahmen.
Manche ambulanten Dienste verfügen über Zusatzqualifikationen, beispielsweise in Palliativpflege für schwerstkranke und sterbende Menschen. Im Rahmen der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung können zusätzliche Leistungen erbracht werden, die über die allgemeine Grund- und Behandlungspflege hinausgehen. Außerklinische Intensivpflege als weitere Spezialisierung ambulanter Krankenpflege ermöglicht schwerkranken oder langzeitbeatmeten Patienten, im häuslichen Umfeld versorgt zu werden, wozu auch spezialisierte Wohn- und Pflegeeinrichtungen gehören.
Je nach Pflegegrad und ärztlicher Verordnung werden Leistungen der Ambulanten Pflege von den jeweiligen Kostenträgern übernommen.
Deutschland Leistungsumfang Pflegesachleistungen der häuslichen Pflege werden – abhängig vom ermittelten Pflegegrad – von der Pflegeversicherung nach SGB XI erstattet. Dagegen werden Leistungen der häuslichen Krankenpflege von der Krankenversicherung gemäß SGB V bezahlt. Entgegen pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen wird im Gesetzestext zwischen „Grund“- und „Behandlungs“pflege unterschieden, ohne diese Begriffe zu definieren. Nicht erreichbar am 29. Juni 2022. Zur Deckung der Grundpflege oder hauswirtschaftlichen Versorgung kann es sich dabei um Geldleistungen oder ambulante Pflegesachleistungen handeln. Die Behandlungspflege wird als Unterstützungsleistung für die ambulante ärztliche Versorgung nur aufgrund einer ärztlichen Verordnung erstattet.
Statistik Im Jahr 2009 wurden 69 % aller Pflegebedürftigen (1,62 Millionen) in ihrem häuslichen Umfeld versorgt. Bei 1.066.000 Pflegebedürftigen ist davon auszugehen, dass sie alleine durch Angehörige gepflegt, da sie ausschließlich Pflegegeld erhielten. Die Pflege der verbleibenden 555 000 Pflegebedürftigen wurde zusammen mit oder vollständig durch ambulante Pflegedienste erbracht.Statistisches Bundesamt: Pflegestatistik 2009 Unter den zugelassenen ambulanten Pflegediensten befand sich 2009 die Mehrzahl mit 62 % in privater Trägerschaft und 37 % in freigemeinnütziger Trägerschaft. Werden die Anteile der Trägerarten jedoch auf die Größe der Einrichtungen bezogen, so dürfte der Anteil der Privaten etwas geringer ausfallen, der von frei-gemeinnützigen und öffentlichen Einrichtungen etwas höher, da die privaten Betreiber bei den nach Personalbestand und Patientenzahl kleineren Einrichtungen überrepräsentiert sind. Da allerdings – so eine in den letzten Jahren vermehrt kommunizierte Befürchtung – das familiale/informelle und professionelle Pflegepotential nicht mehr ausreichend erscheint, um den erwarteten Hilfebedarf der älter werdenden Bevölkerung abdecken zu können, wird vermehrt freiwilliges Engagement in der Übernahme sorgender/pflegerischer Tätigkeiten für ältere Personen gefordert. Dies geht nicht nur zu Lasten der Bedürfnisbefriedigung derjenigen, die dieser Tätigkeiten bedürfen, hierdurch werden auch geschlechtsspezifische Ungleichheiten aus der familialen und professionellen Pflege reproduziert.Rubin 2018
Stefan Sell veröffentlicht im Mai 2019 Zahlen zur Altersstruktur in der ambulanten Pflege in Deutschland. Demnach sind 2017 etwa 40 Prozent der Pflegekräfte älter als 50 Jahre.Aus der Schattenwelt in das Scheinwerferlicht des Pflegenotstands: Ambulante Pflegedienste, Blog-Artikel vom 1. Mai 2019 (Link geprüft am 1. Mai 2019) Im Februar 2023 veröffentlichte die Pflegekammer Nordrhein-Westfalen Zahlen aus den Mitgliedsdaten. Demnach sind ein Drittel der registrierten Pflegefachpersonen, die in der ambulanten Versorgung arbeiten, über 55 Jahre alt und geht bald in Rente.Die Mitgliederdaten der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen zeigen: Jede dritte Pflegefachperson ist über 55 Jahre und geht bald in Rente, Artikel auf www.pflegekammer-nrw.de vom 2. März 2023 (Link geprüft am 4. März 2023) Nach Angaben der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege waren 290.700 Menschen im Jahr 2011 und zehn Jahre später 443.000 in der ambulanten Pflege beschäftigt. BGW, Zwischen Burn-out, Optimierung und Systemwechsel Ambulante Pflege in Deutschland – Trendbericht 2024, 1. September 2024, Online
Österreich Pflegegeld wird nach dem Bundespflegegeldgesetz je nach Pflegestufe zumeist vom Pensionsversicherungsträger ausbezahlt, dabei erhalten Pflegebedürftige in der Pflegestufe 7 den Höchstbetrag.Handbuch der österreichischen Sozialversicherung 2018. S. 101–102; abgerufen am 1. Dezember 2018 Über das Pflegegeld kann der Empfänger frei verfügen, um sich die seinen Bedürfnissen entsprechenden Hilfeleistungen zu sichern.Online-Ratgeber Pflegegeld der Österreichischen Sozialversicherung; abgerufen am 1. Dezember 2018
Als ambulante pflegerische Unterstützung werden Heimhilfe und Hauskrankenpflege angeboten:
Die Heimhilfe leistet unter anderem Hilfe bei der Haushaltsführung (beispielsweise Einkaufen und Kochen), unterstützt bei der Körperpflege und beim An- und Ausziehen, begleitet zum Arzt oder zur Apotheke. Diese Tätigkeiten dürfen von Heim- oder Pflegehelfern durchgeführt werden.Berufe in Pflege und Betreuung. auf pflege.at; abgerufen am 1. Dezember 2018
Die Hauskrankenpflege erfolgt durch diplomiertes Pflegepersonal, welches nur medizinische Leistungen und qualifizierte Pflegeleistungen durchführt. Sie gehört seit 1992 zu den Pflichtleistungen der sozialen Krankenversicherung.Österreichische Sozialversicherung; abgerufen am 1. Dezember 2018 Zu den Leistungen der Hauskrankenpflege gehört das Vorbereiten und Verabreichen von Arzneimitteln und Injektionen, Wundversorgung und Verbandwechsel; Blutdruckkontrolle, Blutzuckermessen, Setzen von Kathetern und Sonden, aktivierende Pflege, Mobilisation und schmerzlindernde Pflege.Caritas Pflege; abgerufen am 1. Dezember 2018
Ambulante Pflegekonzepte in anderen Ländern In weiteren Ländern mit herausforderndem demographischen Wandel existieren Ansätze, den ambulanten Pflegeaufwand bei Beibehalt oder Steigerung der Lebensqualität Pflegebedürftiger zu minimieren. Beim in den Niederlanden entstandenen Buurtzorg-Modell („Nachbarschaftshilfe“) erfolgt die ambulante Pflege durch Selbstorganisation in den jeweiligen Nachbarschaften. Die Betreuung Pflegebedürftiger eines Einzugsgebiets wird durch Fach- und Hilfskräfte gemeinsam übernommen und mit Krankenversicherungspauschalen und öffentlichen Beihilfen abgegolten.
Das japanische Fureai Kippu dokumentiert geleistete Nachbarschaftshilfe und Freiwilligenarbeit und schreibt den Helfern die geleistete Arbeitszeit gut. Diese können sie wiederum in späteren Lebensjahren selbst in Anspruch nehmen. Es handelt sich dabei um eine Sonderform des Timebankings.
Literatur Bernhard Mann: Problemlagen in der häuslichen Pflege. Wirkungsaspekte der Neuregelung zum Sozialgesetzbuch V (= Deutsche Hochschulschriften. Band 509). Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach / Frankfurt am Main / Washington 1994, ISBN 3-89349-509-6. Anne Buhrfeind: Im Hospiz oder zu Hause sterben? Wie hilft die Palliativmedizin – eine Hilfestellung. In: Chrismon. 21. November 2014. Yvonne Rubin: Freiwilliges Engagement in ‚sorgenden Gemeinschaften‘. Eine geschlechterkritische Analyse ehrenamtlicher Care-Arbeit für ältere Menschen (= Beiträge zur Sozialraumforschung. Band 19). Verlag Barbara Budrich, Opladen / Berlin / Toronto 2018, ISBN 978-3-8474-2242-6.
Einzelnachweise
Weblinks Pflegen zu Hause (Bundesministerium für Gesundheit (Deutschland)) Noten für ambulante Pflegedienste (Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz)
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