mini|Innsbruck mini|Blick vom Stadtturm des Alten Rathauses zum Innsbrucker Dom mini|Kufstein mini|Festung Kufstein mini|Hall in Tirol mini|Kappl im Paznaun mini|Lechtal mini|Oberinntal und Mieminger Plateau, im Vordergrund Seefeld mini|hochkant|Swarovski-Kristallwelten bei Wattens mini|Achensee mini|Stubaier Wildspitze, Stubaier Alpen mini|Hafelekar mini|Tirol – Topografische Karte
Tirol ist ein Bundesland im Westen der Republik Österreich. Es besteht aus zwei räumlich voneinander getrennten Gebieten, die innerhalb der historischen Alpenregion Tirol bzw. der ehemaligen Grafschaft Tirol nördliche und östliche Teile einnehmen: Der größere Landesteil ist Nordtirol, wo sich auch die Landeshauptstadt und zugleich bevölkerungsreichste Stadt Innsbruck befindet, der kleinere Landesteil ist Osttirol.
Geografie Mit einer Fläche von Quadratkilometern ist Tirol das drittgrößte Land Österreichs. Es grenzt im Westen an Vorarlberg, im Osten an die Länder Salzburg und Kärnten, im Norden an Bayern (Deutschland), im Südwesten an den Kanton Graubünden (Schweiz), im Süden an Südtirol und die Provinz Belluno (Italien). Von allen Bundesländern hat es mit insgesamt 719 Kilometern die längste Außengrenze und mit 12,44 % den geringsten Anteil an Dauersiedlungsraum der Landesfläche.
Topografie Der höchste Berg – und zugleich höchster Berg Österreichs – ist mit der Großglockner in Osttirol, der höchste Gipfel in Nordtirol ist die Wildspitze (). Gebirge
Täler und wichtige Seitentäler
Flüsse und wichtige Zuflüsse
Klima Tirol gehört der gemäßigten Klimazone an und liegt im Grenzbereich zwischen atlantischem, kontinentalem und mediterranem Einfluss. Vorherrschend ist das inneralpine Gebirgsklima, das subkontinentale Züge aufweist. Relativ feuchte Sommer, trockene Herbste, schneereiche Winter, aber auch starke lokale Unterschiede kennzeichnen das Klima.
Kettengebirge sind Wetterscheiden, während die Luft um isolierte Gebirgsstöcke herum strömen kann. Die nördlichen Kalkalpen bestehen vor allem aus Gebirgsketten, wo es an Staulagen zu Niederschlag kommt. Die Leeseiten sind meist mild und trocken. Tirol steht wie ganz Mitteleuropa unter dem Einfluss der Westwindzone, daher ist der nördliche Alpenrand am feuchtesten und schneereichsten.
Die inneralpinen Täler haben ein vergleichsweise mildes Klima aufzuweisen. Während die mittlere jährliche Niederschlagsmenge in Reutte noch 1375 Millimeter, am Nordrand des Karwendelgebirges etwa 2000 mm und in Kufstein 1330 mm beträgt, sind es um Innsbruck um die 900 mm und im obersten Inntal nur 600 mm. Prägend für die inneralpinen Täler sind auch große Tagesamplituden der Temperatur; so liegt das mittlere Tagesmaximum im Juli für Innsbruck mit 25,1 °C höher als das der meisten anderen Wetterstationen Österreichs.
Großen Einfluss auf die Temperaturen hat die mittlere Höhe von Tirol. Bis auf die Umgebung von Kufstein liegen die Siedlungen über 500 Metern. Das Gebirge verringert die mögliche Sonneneinstrahlung, besonders in den schmalen Nord-Süd-Tälern wie dem Ötztal und dem Pitztal.
Der Winter ist meist geprägt vom Wechsel zwischen schneereichen und schneearmen Witterungen. In den nördlichen Landesteilen (Unterland, Außerfern und Karwendelgebiet) sind dicke Schneedecken von 50 cm und mehr auch in Lagen unter 1000 m Seehöhe aufgrund des Nordstaueffektes, dessen Wirkung bei Kaltfronten besonders stark ausgeprägt ist, keine Seltenheit. Inneralpin schneit es bei solcher Witterung wenig bis gar nicht. Umgekehrt sind inneralpin gerade bei Eintreffen von Warmfronten größere Niederschlagsmengen möglich. Da die Niederschläge aufgrund der dann milderen Witterung in tieferen Lagen vielfach als Regen fallen, kommt es gerade im Oberinntal weitaus seltener zu einer dicken Schneedecke. So kommt es häufig vor, dass in Landeck und Innsbruck weniger Schnee liegt als in Wörgl oder Kufstein. Das Frühjahr ist im Alpenraum meist sehr unbeständig und regenreich, es kann zu Kälteeinbrüchen kommen. Im Sommer fällt der meiste Regen durch Gewitter. Der Herbst zeichnet sich oft durch lange Schönwetterperioden aus. Ein besonderes Wetterereignis ist der Föhn, der vor allem in den Übergangsjahreszeiten auftritt, am Patscherkofel Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h und in Innsbruck bis zu 120 km/h erreichen kann und selbst im Spätherbst und Vorfrühling Temperaturen von über 20 °C möglich macht.
Verwaltungsgliederung Das Bundesland ist in neun politische Bezirke gegliedert (Innsbruck-Stadt ist Statutarstadt): Nordtirol Imst (IM) Innsbruck-Stadt (I) Innsbruck-Land (IL) Kitzbühel (KB) Kufstein (KU) Landeck (LA) Reutte (RE) Schwaz (SZ) Osttirol Lienz (LZ)
Einwohnerstärkste Städte und Gemeinden Städte sind in fett hervorgehoben. + Alle Tiroler Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern Stadt-/Markt-/Gemeinde Einwohner Flächekm² Politischer BezirkInnsbruck InnsbruckKufstein KufsteinTelfs Innsbruck-LandHall in Tirol Innsbruck-LandSchwaz SchwazWörgl KufsteinLienz LienzImst ImstSt. Johann in Tirol KitzbühelRum Innsbruck-LandZirl Innsbruck-LandKitzbühel KitzbühelWattens Innsbruck-LandLandeck LandeckJenbach SchwazReutte ReutteAbsam Innsbruck-LandVöls Innsbruck-LandAxams Innsbruck-LandKirchbichl KufsteinEbbs KufsteinHopfgarten im Brixental KitzbühelVomp SchwazKirchberg in Tirol Kitzbühel Kramsach Kufstein Kundl Kufstein Neustift im Stubaital Innsbruck-Land
Geschichte Zur Geschichte vor 1918 siehe Tirol #Geschichte (Gesamttirol). mini|Tirol bis 1919 (heutige Staatsgrenzen) Durch den Friedensvertrag von St. Germain 1919 von Südtirol (Autonome Provinzen Trient und Bozen) getrennt, kam das Land Tirol (Nord- und Osttirol) zur neu gegründeten Republik Deutschösterreich (später Republik Österreich). Der Teilung Tirols infolge des Ersten Weltkriegs wurde an einem „Landestrauertag“ am 10. Oktober (dem Tag der formalrechtlichen Annexion Südtirols durch Italien im Jahr 1919), der bis 1936 begangen wurde, gedacht. Es gab verschiedene Bestrebungen für ein autonomes oder selbständiges Land Tirol oder den „Anschluss“ an das Deutsche Reich. In den 1920er Jahren trat eine allmähliche Stabilisierung der Wirtschaft durch Industrie, Bauprojekte (Straßen, Elektrifizierung von Bahnstrecken, Kraftwerke) und das Wiedereinsetzen des Tourismus (erste Seilbahnbauten) ein. Die einsetzende Weltwirtschaftskrise und die 1933 von Hitler verfügte Tausend-Mark-Sperre sorgten für einen starken Rückgang der Nächtigungszahlen, was die Wirtschaft Tirols schwer beeinträchtigte. In einem Bürgerkrieg kam es am 13. Februar 1934 in Wörgl zu Gefechten zwischen dem sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbund und bewaffneten Kräften der autoritären Regierung Dollfuß.
Nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich 1938 wurde der Reichsgau Tirol-Vorarlberg gegründet und Osttirol dem Gau Kärnten angeschlossen. Durch das Umsiedlungsabkommen der zwei Diktatoren Hitler und Mussolini („Option in Südtirol“) verließen ab 1940 etwa 70.000 deutschsprachige Südtiroler ihre Heimat, die Hälfte davon fanden in den eigens für sie errichteten Siedlungen in Nord- und Osttirol Unterkunft. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde die Umsiedlung gestoppt. Ein Drittel der Ausgesiedelten kehrte nach 1945 wieder in ihre alte Heimat zurück.
Die Herrschaft des NS-Regimes war 1945 zwar zu Ende, aber die Kämpfe an allen Fronten hatten auch in Tirol zahlreiche Opfer gefordert. Zudem hatten ab 1943 die Luftangriffe der Alliierten zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert. Am 15. Dezember 1943 war dabei Innsbruck Ziel des ersten und zugleich folgenschwersten alliierten Luftangriffs, um die strategisch wichtigen Bahnverbindungen zu treffen. 126 Tonnen an Sprengbomben bewirkten 269 Tote, 500 Verwundete und Hunderte zum Teil völlig zerstörte Häuser.Michael Domanig: Als der Bombenkrieg über Innsbruck hereinbrach. In: Tiroler Tageszeitung, 14. Dezember 2015.
Als am 3. Mai 1945 amerikanische Truppen in Innsbruck einrückten, kam die Stunde der kleinen Widerstandsbewegung, die den neuen Machthabern eine provisorische Landesleitung übergaben. Im Sommer 1945 wurde Tirol dann Teil der französischen Besatzungszone, während Osttirol der britischen Zone zugeschlagen wurde. 1947 wurde Osttirol wieder mit Nordtirol vereinigt.
Nach dem österreichischen Staatsvertrag am 15. Mai 1955 verließen die Besatzungstruppen das Land wieder. Ein merkbarer wirtschaftlicher Aufschwung setzte danach ein, und das Land wandelte sich von einer agrarischen in eine Industriegesellschaft mit einem bedeutenden Dienstleistungssektor. Dazu trug auch ein Wiederaufschwung des Tourismus bei. Ende der 1950er Jahre setzte ein regelrechter Straßenbauboom mit wichtigen Autobahn- und Tunnelbauten ein. Innsbruck war gemeinsam mit anderen Austragungsorten zweimal Schauplatz von Olympischen Winterspielen (1964 und 1976).
Auf Anregung des Landeshauptmanns Eduard Wallnöfer wurde 1972 die Arbeitsgemeinschaft Alpenländer (Arge Alp) gegründet, um Fragen des Alpenraums von grenzüberschreitendem Interesse erörtern zu können. In den 1980er Jahren regte sich in der Bevölkerung Kritik an den negativen Auswirkungen des zunehmenden Autoverkehrs und des Massentourismus.
Mit dem EU-Beitritt Österreichs 1995 und dem Beitritt zum Schengen-Raum am 1. Dezember 1997 konnte die wirtschaftliche, kulturelle und politische Zusammenarbeit beiderseits der Brenner-Grenze zu Südtirol intensiviert werden, wozu auch die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino beiträgt.
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung
Oberdeutsche Dialekte In Tirol werden vorwiegend südbairische Dialekte gesprochen (siehe Bairisch). Kennzeichnend für das Tirolerische ist die scht-Aussprache des st im Wortinnern und das besonders im Anlaut angeriebene k als kch. Die Dialekte im Tiroler Unterland weisen Übergangsmerkmale zum Mittelbairischen auf, und die in Osttirol gesprochenen Dialekte haben Ähnlichkeiten mit dem Pustertaler Dialekt in Südtirol und mit den Dialekten in Kärnten. Weiters werden in Teilen des Außerferns Alemannische Dialekte gesprochen. Die Dialekte im Westen Tirols weisen insgesamt deutliche Übergangsmerkmale zum Alemannischen und Schwäbischen auf. So verläuft die Grenze zwischen dem alemannischen Alp(e) und dem bairischen Alm östlich von Imst, etwa zwischen dem Pitztal und dem Ötztal.
Religionen Laut Statistik Austria waren im Jahr 2021: 502.600 Personen (66,2 % der Bevölkerung) Katholiken. Tirol hatte damit den höchsten Katholikenanteil aller österreichischen Bundesländer. 22.700 (3,0 %) waren evangelisch, 23.400 (3,1 %) gehörten einer orthodoxen Kirche an und 7.600 (0,9 %) gehörten einer anderen christlichen Glaubensgemeinschaft an. 65.900 (8,7 %) der Bevölkerung waren Muslime, 134.800 (17,8 %) konfessionslos."Religionszugehörigkeit 2021"Statistik Austria: Pressemitteilung 12.813-111/2, 25.5.2022 (PDF; 70 KB), abgerufen am 5. März 2024.
Seit der Volkszählung 2001Die Tiroler Bevölkerung. Ergebnisse der Volkszählung 2001 (PDF; 3,9 MB), abgerufen am 3. September 2017. hat in Tirol wie überall in Österreich insbesondere der Anteil der konfessionslosen Bürger, aber auch der Muslime und orthodoxen Christen zugenommen, der Anteil der katholischen Christen hingegen abgenommen. Leicht zugenommen hat auch der Anteil der evangelischen Christen.
Politik mini|Das Alte Landhaus in Innsbruck ist Sitz des Landtages
Landesverfassung Die gegenwärtige Landesverfassung, die „Tiroler Landesordnung“, trat 1989 in Kraft und wurde seither mehrfach geändert.Landesverfassungsgesetz vom 21. September 1988 über die Verfassung des Landes Tirol (Tiroler Landesordnung 1989) auf dem Rechtsinformationssystem des Bundes, abgerufen am 24. Januar 2023. Aufgrund der föderalen Struktur Österreichs und des bundesstaatlichen Prinzips seiner Bundesverfassung verfügt Tirol über eigene Exekutiv- und Legislativorgane sowie mit dem Landesverwaltungsgericht auch über ein eigenes Judikativorgan. Den Sitz haben alle Organe der Exekutive, Legislative und Judikative in der Landeshauptstadt Innsbruck.
Landtag