mini|Das Wappen der Stadt in den Jahren 1675, 1731 und 1809 auf Notgeldscheinen aus Waldenburg von 1921
Wałbrzych , (gebirgsschlesisch Walmbrig oder Walmbrich), ist eine Großstadt in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie bildete bis Anfang der 1990er Jahre das Zentrum des Waldenburger Steinkohlereviers. Bekannt ist die Stadt auch für das größte Schloss Schlesiens, das Schloss Fürstenstein.
Geographie mini|Waldenburger Land Wałbrzych liegt zwischen dem Riesengebirge und dem Eulengebirge im Waldenburger Bergland, etwa 65 Kilometer südwestlich von Breslau.
Stadtteile Zur Stadt Wałbrzych gehören folgende Stadtteile: Śródmieście (Stadtmitte) Biały Kamień (Weißstein; 1950 nach Wałbrzych eingemeindet) Gaj (Stadtparksiedlung)Historische und aktuelle Aufnahmen sowie geographische Lage Glinik Nowy (Neuhain, 1679 gegründet, gehörte zur Herrschaft Fürstenstein; 1934 Alt- und Neuhain zur Gemeinde Großhain zusammengeschlossen. 1973 nach Wałbrzych eingemeindet) Glinik Stary (Althain, 1549 erstmals erwähnt, gehörte zum Burgbezirk Neuhaus, später zur Herrschaft Fürstenstein. 1925 nach Dittersbach eingemeindet; 1934 Alt- und Neuhain zur Gemeinde Großhain zusammengeschlossen. 1973 nach Wałbrzych eingemeindet) Konradów (Konradsthal; 1958 nach Wałbrzych eingemeindet) Kozice (Neukrausendorf; gegründet Anfang des 18. Jahrhunderts als Kolonie von Reußendorf; 1958 nach Wałbrzych eingemeindet) Książ (Fürstenstein; 1973 eingemeindet) Lubiechów (Liebichau; 1305 erstmals erwähnt, gehörte zur Herrschaft Fürstenstein; 1973 nach Wałbrzych eingemeindet) Nowe Miasto (Neustadt; ab 1902 errichtet) Piaskowa Góra (Sandberg; Ortsteil von Obersalzbrunn, 1933 in den Stadtkreis Waldenburg eingemeindet. 1945 als Piaskowa Góra wieder selbständige Gemeinde. 1955 Eingemeindung in die Stadt Wałbrzych.Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien (= Kröners Taschenausgabe. Band 316). Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 14.) Podgórze I (Oberwaldenburg; 1934 in den Stadtkreis Waldenburg eingemeindet) Podgórze II/Dzietrzychów (Dittersbach; erstmals 1305 als Dittrichsbach erwähnt; 1934 in den Stadtkreis Waldenburg eingemeindet) Podzamcze (Siedlung ab 1976 neu errichtet) Poniatów (Seitendorf; Gutsbezirk 1929 in den Stadtkreis Waldenburg, Dorf 1973 nach Wałbrzych eingemeindet) Rusinowa (Reußendorf; 1950 nach Wałbrzych eingemeindet) Sobięcin (Hermsdorf; 1950 nach Wałbrzych eingemeindet) Stary Zdrój (Altwasser; 1929 in den Stadtkreis Waldenburg eingemeindet) Szczawienko (Niedersalzbrunn; 1950 nach Wałbrzych eingemeindet)
Nachbarorte sind Świebodzice (Freiburg) im Norden, Lubiechów (Liebichau) und Witoszów Górny (Oberbögendorf) im Nordosten, Bystrzyca Górna (Oberweistritz) und Zagórze Śląskie (Kynau) im Osten, Olszyniec (Erlenbusch) und Jedlina-Zdrój (Bad Charlottenbrunn) im Südosten, Rybnica Leśna (Reimswaldau) und Unisław Śląski (Langwaltersdorf) im Süden, Boguszów-Gorce (Gottesberg-Rothenbach) im Westen und Szczawno-Zdrój (Bad Salzbrunn) im Nordwesten.
Name Der polnische Ortsname Wałbrzych stammt vom schlesischen Namen Walbrich oder Walmbrich ab (Walmberg, Berg → „Birch“ → „Brich“).Henryk Borek: Wśród śląskich nazw. (deutsch: Unter schlesischen Namen) TUTOR, 1991, ISBN 978-83-900275-2-4, S. 48 ().Lokalny Program Rewitalizacji Wałbrzycha na lata 2008–2015 (Lokales Programm der Revitalisierung Waldenburgs für die Jahre 2008–2015), S. 7.
Geschichte mini|Schloss Fürstenstein, dessen Anfänge auf das 13. Jahrhundert zurückgehen
Waldenburg wurde vermutlich 1290–1293 bei der Rodung des Grenzwalds unter dem Schweidnitzer Herzog Bolko I. gegründet. Die gelegentliche Angabe, Waldenburg sei 1191 erbaut worden, ist wissenschaftlich nicht belegt. Es gehörte zum Bezirk der Burg Neuhaus, die 1365 erstmals erwähnt wurde. Sie ist identisch mit der Waldenburg, da die Besitzer des Burgbezirks immer auch Herren von Waldenburg waren. Für das Jahr 1372 ist in Waldenburg eine Pfarrkirche bezeugt, die vermutlich an der Stelle der heutigen Marienkirche stand. Zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz fiel es nach dem Tod des Herzogs Bolko II. 1368 erbrechtlich an Böhmen, wobei dessen Witwe Agnes von Habsburg bis zu ihrem Tod 1392 ein Nießbrauch zustand. 1426 wurde es erstmals als Städtchen bezeichnet, obwohl es um diese Zeit weder das Marktrecht noch andere Privilegien besaß. Die erstmalige Erwähnung des Bergbaus im Stadtgebiet erfolgte für das Jahr 1529. Erst 1545 erwirkte der damalige Grundherr Sigismund von Landritz beim böhmischen König Ferdinand I. das Brauprivileg und andere Handwerksrechte. Für das Jahr 1576 sind in Waldenburg vier Bauern nachgewiesen. Da die Grundherren Czettritz der Reformation nahestanden, breitete sie sich auch in deren Herrschaftsgebiet aus.
1604 wurde die Weberzunft gegründet. 1606–1628 ließ Diprand von Czettritz das Schloss in Oberwaldenburg erbauen. Unter seiner Herrschaft erweiterte der böhmische König Anfang des 17. Jahrhunderts die Waldenburger Privilegien. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Waldenburg weitgehend zerstört, danach jedoch wieder aufgebaut. 1654 wurde die Kirche, die während der Reformation als evangelisches Gotteshaus diente, den Katholiken zurückgegeben. Im Jahr 1675 erhielt Waldenburg das erste Stadtwappen. Nach der Erbteilung von 1682 gelangte Waldenburg an Maria Katharina Freiin von Czettritz und Neuhaus, verehelicht mit Sigismund Freiherrn von Bibra und Modlau. Deren Tochter Henriette Katharina verband sich 1701 ehelich mit Christoph Friedrich, Graf zu Stolberg-Stolberg, der die Herrschaft Waldenburg im Jahre 1719 von den Erben seiner Schwiegermutter kaufte. 1696 gewährte Kaiser Leopold I. in seiner Eigenschaft als böhmischer Landesherr der Stadt Waldenburg einen Wochenmarkt und zwei Jahrmärkte. Ab Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Leinenhandel.
Waldenburg als frühe preußische Industriestadt mini|links|Evangelische Kirche, erbaut zwischen 1785 und 1788 von Carl Gotthard Langhans mini|Waldenburger Rathaus von 1813, mit Erweiterungsflügeln von 1903 mini|Waldenburg im ersten Viertel des 19. Jh. mini|Schloss Fürstenstein auf einem Stich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mini|Waldenburger Ring, der Architektur aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert verbindet mini|Schloss Waldenburg – Palais Czettritz mini|Waldenburg vermutlich 1925–1930 Im Jahr 1738 erwarb Graf Konrad Ernst Maximilian von Hochberg auf Fürstenstein Oberwaldenburg.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Waldenburg zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Im selben Jahr erhielt die Stadt ein evangelisches Bethaus, das 1785 durch eine neue Kirche ersetzt wurde. Infolge der Zunahme der Steinkohleförderung im Waldenburger Revier wurde 1770 für die hier Beschäftigten ein Knappschaftlazarett errichtet. 1776 erhielt Waldenburg ein Leinwandgericht, 1776 ein Bleichgericht und 1788 wurde es zur Kommerzialstadt erhoben. Nachdem Heinrich Ernest Freiherr von Czettritz-Neuhaus kinderlos starb, fielen Stadt und Herrschaft Waldenburg 1783 an seinen Neffen aus dem Adelsgeschlecht derer von Dyhrn. Sie und ihre Miteigentümer, die Hochbergs, behielten ihren Grundbesitz in Waldenburg und Umgebung bis 1945. Von 1793 bis 1861 war Waldenburg Sitz eines Bergamtes. Nach der Aufhebung der Erbuntertänigkeit infolge der Preußischen Reformen erhielt die Stadt 1808 die Kommunale Selbstverwaltung. Die erste Stadtverordnetenwahl fand am 6. Februar 1809 statt.
Nach der Neugliederung Preußens gehörte Waldenburg seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1818 dem Landkreis Waldenburg eingegliedert, mit dem es bis 1924 verbunden blieb. Das Berggericht Waldenburg hatte hier von 1816 bis 1849 seinen Sitz.
1818 lebten 1836 Menschen in Waldenburg. Nachdem die Leinenausfuhr bedeutungslos geworden war, entwickelte sich Waldenburg von einer Handels- zu einer Industriestadt. Bereits 1853 erhielt es mit der Schlesischen Gebirgsbahn einen Eisenbahnanschluss mit Breslau, dem 1868 die Verbindung mit dem böhmischen Halbstadt folgte. Vom 1. Dezember 1869 bis zum 14. Januar 1870 streikten während des Waldenburger Bergarbeiterstreiks rund 7000 Waldenburger Bergleute. Das war bis dahin der größte Arbeitskampf in Deutschland. Auslöser war die Nichtanerkennung der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine durch die Bergwerksbesitzer. Der Streik endete mangels Unterstützung der Bergleute durch den Gewerkverein erfolglos, doch bewirkte er eine Radikalisierung der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Ab 1898 entstand ein Netz elektrischer Straßenbahnen, deren Betreiber die Waldenburger Kreisbahn war. 1903 verbanden sich die Steinkohlengruben zu einem Syndikat. Ab 1902 wurde der Stadtteil Neustadt errichtet.
Auf der Weltausstellung 1873 in Wien wurde die Waldenburger Firma des Fotografen A. Leisner für das Einbrennen von Fotografien auf Porzellan erstmals ausgezeichnet.Michael Sachs: ‘Fürstbischof und Vagabund’. Geschichte einer Freundschaft zwischen dem Fürstbischof von Breslau Heinrich Förster (1799–1881) und dem Schriftsteller und Schauspieler Karl von Holtei (1798–1880). Nach dem Originalmanuskript Holteis textkritisch herausgegeben. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 35, 2016 (2018), S. 223–291, hier: S. 233. 1903 wurde das Niederschlesische Steinkohlensyndikat gegründet, erste Kohlen-Funde sind bereits 1366 belegt.
Die Industrialisierung führte zu einem starken Anstieg der Einwohnerzahl: 1885 lebten rund 13.000 Menschen in Waldenburg, 1900 waren es 15.106 und 1910 19.681. Die Bevölkerung war überwiegend evangelisch. Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Waldenburg eine evangelische Kirche, eine altlutherische Kirche, eine apostolische Kirche, zwei katholische Kirchen und eine Synagoge.Meyers Großes Konversations-Lexikon- 6. Auflage, Band 20, Leipzig/Wien 1909, S. 328.
Da der Abbau der Kohlepfeiler zum größten Teil unter dem Stadtgebiet erfolgte, verlagerte sich das Wohngebiet auf die umliegenden Ortschaften, die deshalb nacheinander nach Waldenburg eingemeindet wurden. Bis 1924 erfolgten folgende Eingemeindungen: Gutsbezirk Reimswaldau (1914) Altwasser (1919) und Gutsbezirk Altwasser (1920) Teile des Gutsbezirks Seitendorf (1920) Gutsbezirk Oberwaldenburg (1921) Neu Weißstein (Kamionek) (1923) Hartebusch-Siedlung (1923) Graf-Hochberg-Schacht Fellhammer (1923)
1924 schied die Stadt Waldenburg aus dem Landkreis Waldenburg aus und bildete einen eigenen Stadtkreis. Für das Jahr 1925 sind 44.111 Einwohner nachgewiesen. Zwischen 1925 und 1934 erfolgten weitere Eingemeindungen: Rest des Gutsbezirks Seitendorf (1925) Oberwaldenburg (1934) und Dittersbach (Dzietrzychów/Podgórze) mit Bärengrund
Bis 1939 stieg, auch aufgrund von Eingemeindungen, die Einwohnerzahl auf 64.136, was innerhalb von weniger als 20 Jahren einen Zuwachs von rund 133 Prozent bedeutete. Im Zweiten Weltkrieg befand sich in Waldenburg ein Außenlager des KZ Groß-Rosen.
Vertreibung, Nachkriegszeit und Zeit bis heute mini|Sozialistischer Wohnungsbau in Wałbrzych-Podzamcze