mini|Lea Rosh (2012)

Lea Rosh [] (* 1. Oktober 1936 in Berlin als Edith Renate Ursula Rosh) ist eine deutsche Fernsehjournalistin, Autorin und Publizistin. Sie war in den 1990er-Jahren Leiterin des NDR-Landesfunkhauses in Hannover und damit neben Ulrike Wolf beim MDR eine der ersten Frauen in Deutschland, die ein Funkhaus leiteten. Beim Politikmagazin Kennzeichen D war sie die erste Moderatorin.

Als ihr Lebenswerk gilt ihr erfolgreiches Engagement für das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.Susanne Stiefel: Ein großer Baum fängt viel Wind. In: taz, 18. Februar 2004; abgerufen am 15. Mai 2013. Sie ist sowohl Mitglied des Kuratoriums als auch Mitglied des Beirates der zugehörigen Stiftung.https://www.stiftung-denkmal.de/stiftung/gesetz-und-gremien/

Leben Rosh studierte Geschichte, Soziologie und Publizistik an der FU Berlin. Im Anschluss absolvierte sie mehrere Volontariate.

Im Jahr 1961 begann sie als Hörfunkreporterin beim RIAS und moderierte später eine Modesendung des SFB-Fernsehens. 1973 wechselte Rosh zum Norddeutschen Rundfunk (NDR) nach Hamburg und moderierte dort die Fernsehreihe ARD-Ratgeber: Technik. Sie entwickelte zusammen mit Luc Jochimsen beim NDR das Magazin Frauenforum. Ab 1982 arbeitete sie für das ZDF-Studio in Berlin und übernahm als erste Frau überhaupt die Moderation des Politikmagazins Kennzeichen D. Wegen ihrer „unerbittlichen Fragelust“ wurde sie mit den Talkshows III nach 9 (Radio Bremen, 1982 bis 1989) und Freitagnacht (SFB, bis 1991) berühmt.Thorsten Schmitz: Der Betonkopf, Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 17/2005, in: SZ-Magazin.de

Ab Januar 2002 moderierte Rosh zusammen mit Gaby Hauptmann die Literatursendung „Willkommen im Club – Menschen und Bücher 2002“, die einige Monate lang von den Fernsehsendern VOX und XXP ausgestrahlt wurde. Zudem verfasste sie mehrere Dokumentarfilme.

Leiterin des NDR-Landesfunkhauses Rosh leitete das NDR-Landesfunkhaus in Hannover von 1991 bis 1997 und war die erste Frau in dieser Funktion.NDR, Direktoren seit 1955 Ihre Berufung wurde vom damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder unterstützt. Sie sorgte dafür, dass das von ihr als „faschistoid“ bezeichnete Niedersachsenlied („Wo versank die welsche Brut? In Niedersachsens Bergen, an Niedersachsens Wut“) nur noch ohne Text ausgestrahlt werden durfte.zitiert nach: Lea Rosh ist am Ziel ihrer langen Belehrungsmission von Mariam Lau in: Die Welt vom 15. Dezember 2004

1992 hatte Rosh „auf kurzem Dienstweg“ eine NDR-Satire der Sendereihe extra Drei über eine Immobilienanfrage Roshs beim Potsdamer Oberbürgermeister und SPD-Parteifreund Horst Gramlich unterbunden. Der damalige NDR-Programmdirektor Jürgen Kellermeier zwang Rosh zu einer Entschuldigung.Mahnmal Mitte: eine Kontroverse - Seite 115, von Michael Jeismann - 1999

mini|Lea Rosh um 1990 Nach eineinhalb Jahren Amtszeit beschreibt der Journalist Heinrich Thies die Kontroverse beim NDR nach Roshs Amtsantritt. Ihre Gegner machten Rosh für erhebliche Einbrüche bei Hörer- und Zuschauerzahlen verantwortlich. „NDR-Radio Niedersachsen“ habe verschiedenen Studien zufolge seit ihrem Amtsantritt Hunderttausende von Hörern verloren, ähnlich sei die Einschaltquote der täglichen Regionalsendung „Hallo Niedersachsen“ von zwölf auf acht Prozent gesunken. . Der vormalige leitende Redakteur Peter Staisch, der CDU nahestehend, war als Chefredakteur zum Privatsender n-tv gewechselt, ähnlich wie Jürgen Köster als Programmdirektor des Radiosenders radio ffn. .Im niedersächsischen Funkhaus knistert es, von Heinrich Thies, Die Zeit vom 10. Juli 1992 - 08:00 Uhr

Demgegenüber tadelten 36 Unterzeichner eines offenen Briefs – Redakteure, freie und technische Mitarbeiter des Landesfunkhauses – Hörfunkchef Köster, der seinerseits Redakteure vergrault habe. Sie lobten den neuen Stil, der mit Lea Rosh ins Funkhaus eingekehrt sei: „Wo früher hinter verschlossenen Türen entschieden wurde, gibt es heute eine – wenn auch nicht immer einfache – offene Auseinandersetzung über Programme und Programminhalte.“

In ihrer weiteren Amtszeit verzeichneten die von Rosh verantworteten Hörfunk- und Fernsehprogramme schnell einen deutlichen Zuwachs an Reichweite. Laut Media-Analyse wurde NDR 1 Radio Niedersachsen 1993 zum Marktführer in Niedersachsen, wuchs bundesweit zu einem der meistgehörten Radioprogramme und behauptet die Position als das beliebteste Hörfunkprogramm in Niedersachsen in die 2010er-Jahre (Media-Analyse 2013/II: Marktanteil von 24,6 %, Personen ab 10 Jahren, Mo–So; das Programm wird täglich von knapp zwei Millionen Menschen gehört).Hörerschaft des NDR 1

Mit Rosh als Direktorin vollzog das Regionalmagazin „Hallo Niedersachsen“ am 4. Januar 1993 den schwierigen Umzug aus dem ARD-Gemeinschaftsprogramm ins NDR-Vollprogramm mit einer Ausdehnung auf eine halbe Stunde Sendezeit. Nach anfänglichen Reichweitenverlusten wuchs das Zuschauerinteresse für „Hallo Niedersachsen“ kontinuierlich und erzielte zeitweise eine Quote von mehr als 14 %, so dass Rosh 1997 zum Ende ihrer Amtszeit ihrem Nachfolger Arno Beyer ein erfolgreiches Hörfunk- und Fernsehprogramm übergeben konnte. Ab dem 7. März 1999 wird Hallo Niedersachsen täglich ausgestrahlt, auch am Wochenende (bis auf Feiertage), am Sonntag nach anfänglich einer viertelstündigen Sendezeit seit dem 6. Januar 2002 auch wie sonst üblich in der Zeit von 19:30 Uhr bis 20:00 Uhr.Geschäftsbericht NDR (PDF; 2,0 MB) Seite 27

PR-Agentur und Lehraufträge Rosh betreibt eine PR-Agentur in Berlin und war seit 2007 Lehrbeauftragte im Bereich Moderation und Medientraining an der University of Management and Communication (FH) Potsdam, deren Betrieb Anfang 2010 eingestellt wurde. Sie gründete mit ihrem Mann ein Kommunikations- und Medien-Büro und erarbeitete dabei zusammen mit ihm inhaltliche Konzepte zur Bekämpfung von „Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern“ sowie Fortbildungsveranstaltungen zu „Antisemitismus in Schule und Gesellschaft“ für verschiedene Landeszentralen für politische Bildung.Webseite von Lea Rosh

Öffentliche Rolle mini|Lea Rosh mit Moderator Marc Beinsen bei der Gedenkveranstaltung zum 79. Jahrestag der Buchverbrennungen in Hannover (2012) Lea Rosh wurde als Journalistin und Publizistin überregional bekannt, erhielt mehrere Auszeichnungen wie die Carl-von-Ossietzky-Medaille und war zu Zeiten der Regierung Gerhard Schröder mehrmals als Ministerin im Gespräch.

Im Jahr 1985 moderierte sie das erste große, von Rosa von Praunheim organisierte AIDS-Benefiz in Deutschland im Berliner Tempodrom.

2008 trat sie im Rahmen der von Christoph Schlingensief in der Berliner Akademie der Künste gedrehten Talkshowparodie Die Piloten auf.T. Forstner: Christoph Schlingensief – Die Piloten. Bei: artechock.de abgerufen am 15. Juli 2012

In Potsdam setzt sich Rosh für den Wiederaufbau der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten und 1968 abgerissenen Garnisonkirche ein.ZUR PERSON. „Die Garnisonkirche kann nichts dafür“ PNN 23. Dezember 2006

Rosh veranstaltet regelmäßig einen Salon in Berlin, in dem sie prominente Gäste zu einem kontroversen Thema öffentlich interviewt, zunächst gemeinsam mit Ulla Klingbeil, später, bis zu deren Tod, mit der Dahlemer FDP-Vorsitzenden Susanne Thaler.SL: Lea Rosh hat einen neuen Salon- aber ohne Ulla Klingbeil. In: Die Welt. Vom 1. April 2000 Zu ihren Gästen zählten u. a. Veruschka Gräfin von Lehndorff, Vera Lengsfeld, Kreszentia Flauger, Friedbert Pflüger und Thilo Sarrazin.Thorsten Denkler: Sarrazin: Abschied aus Berlin „Brosamen vom Tisch der Reichen“, Süddeutsche Zeitung vom 17. Mai 2010Lea Rosh Kommunikation & Medien, Salon Rosh ist seit 1968 Mitglied der SPD.

Engagement bei der deutschen Vergangenheitsbewältigung Der Tod ist ein Meister aus Deutschland und weitere Dokumentarfilme Lea Rosh verfasste eine Reihe von Dokumentarfilmen zu verschiedenen Aspekten der Judenverfolgung im Nationalsozialismus wie auch des Antiziganismus vor und nach 1945.SFB, 1985: Das Lustige Zigeunerleben – Sinti und Roma in der BRD Besondere öffentliche Beachtung fand ihre Dokumentation Der Tod ist ein Meister aus Deutschland über die Ermordung der Juden in Europa in der Zeit des Nationalsozialismus. Für diese Dokumentation recherchierte sie gemeinsam mit dem Historiker Eberhard Jäckel mehrere Jahre lang.Eberhard Jäckel wird 75 Der Dokumentarfilm ist eine Collage aus Diskussionen, Spielfilmszenen und historischem Material und wurde in vier Folgen, beginnend mit dem 29. April 1990, im deutschen Fernsehen (SFB/ARD) ausgestrahlt. Die Folgen wurden später Grundlage eines gleichnamigen Buches.

Walter Jens urteilte, „das große Verdienst dieses Films“ sei, dass er „[…] die Zuschauer in Zeugen, ja in potentielle Akteure verwandelt“.

Die Rabbinerin und Journalistin Elisa Klapheck kritisierte Zahlenhuberei, missglückte Interviews und fehlende Analyse.Martina Thiele: Publizistische Kontroversen über den Holocaust im Film. LIT Verlag, Münster 2001, S. 117

Lea Rosh und Eberhard Jäckel erhielten für die Dokumentation im Jahr 1990 den Geschwister-Scholl-Preis.

Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Nach einem Besuch in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und auf Anregung von Eberhard Jäckel begann Lea Rosh 1988 mit der Aufbauarbeit zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das seit 2005 der Öffentlichkeit zugänglich ist und als zentrale Gedenkstätte in Berlin im Umfeld des Regierungsviertels an die Judenmorde in Europa erinnert. Sie ist bis heute Vizevorsitzende des Kuratoriums der gleichnamigen Stiftung sowie Vorsitzende des gleichnamigen Förderkreises. Ihr jahrelanger und schließlich erfolgreicher Einsatz für dieses Ziel wurde mit hochrangigen staatlichen und privaten Ehrungen gewürdigt.

Andererseits führte Lea Roshs Vorgehensweise von Beginn der Initiative bis zu deren Abschluss zu einer Reihe von Kontroversen. Im Oktober 2003 kam es zu einer Unterbrechung der Bauarbeiten, als Lea Rosh ohne weitere Rücksprachen die Firma Degussa AG aufgrund der NS-Vergangenheit der Vorgängerfirma Degesch von der Mitwirkung am Bau ausschließen wollte. Nach heftiger Kritik, unter anderem vom Architekten Peter Eisenman,Eisenman. In: Die Zeit, Nr. 45/2003 beschloss das Stiftungskuratorium am 13. November 2003 den Weiterbau.

Mit Kritikern ihres Vorhabens hatte Rosh eine Reihe von weiteren Kontroversen, so auch mit verschiedenen jüdischen Vertretern, wie Julius H. Schoeps, Rafael Seligmann und anderen.Jan-Holger Kirsch: Nationaler Mythos oder historische Trauer? der Streit um ein zentrales „Holocaust-Mahnmal“ für die Berliner Republik. Böhlau Verlag, Köln/Weimar 2003, S. 161 Unter anderem Eike Geisel sah bei den Vorgängen um das Denkmal eine Renationalisierung der Erinnerungskultur und beschuldigte Rosh, eine Vormundschaft über die toten Juden in Anspruch genommen zu haben.Triumph des guten Willens. Posthum, Hrsg. Klaus Bittermann. Ebd. 2002, FAZ Rezension dazu

Galinskis Nachfolger Ignatz Bubis erkannte Roshs Engagement als „Nichtjüdin“Die Politische Meinung, Ausgaben 302–307 von Karl Willy Beer, Verlag Staat und Gesellschaft, 1995, S. 331 für das Gedenken an den Holocaust an. Auch Michael Naumann, der als Kulturbeauftragter der Bundesregierung dem Denkmal ebenso anfangs skeptisch gegenüberstand, wies 2005 darauf hin, dass Rosh den Einwänden deutscher Juden mit dem Hinweis begegnet sei, dass es ein Denkmal für Deutsche sein solle.

Eine Fundraising-Aktion unter dem bewusst provozierenden Motto den holocaust hat es nie gegeben und Spendenaufforderungen für das Mahnmal unter 0190-Rufnummern führten zu Protesten und Strafanzeigen.Schalten Sie nicht ab! Gedenkstätten in der Ökonomie der Aufmerksamkeit. Claus Leggewie / Erik Meyer, 9. August 2001, Neue Zürcher Zeitung Die Kampagne wurde nach den Protesten eingestellt.