mini|hochkant=1.25|Fußgängerzone Hauptstraße Wegberg ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Heinsberg im Regierungsbezirk Köln in Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Sie grenzt an die Niederlande. Die 14 historischen Wassermühlen um den Hauptort haben dazu geführt, dass der Stadt 2015 die Bezeichnung Mühlenstadt verliehen wurde.
Geographie Lage und Ausdehnung Die Stadt Wegberg liegt im Norden des Kreises Heinsberg, wenige Kilometer westsüdwestlich von Mönchengladbach im Quellgebiet der Schwalm. Sie liegt an der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden. Die höchste Stelle im Stadtgebiet liegt , die niedrigste bei . Die Gemeinde hat ihre größte Ausdehnung mit 16,7 Kilometern in nordwestlich/südöstlicher Richtung. Auf dem fast 85 km² großen Stadtgebiet liegen rund 40 Ortschaften.
Landschaft Wegberg liegt auf der Schwalm-Nette-Platte, einer Teillandschaft des Niederrheinischen Tieflandes. Die Landschaft ist geprägt durch Äcker, Wälder und Bruchgebiete, die hier ständig wechseln. Die Umgebung der südlichen Gemeindegrenze stellt auch eine Landschaftsgrenze dar. Hier beginnt die Erkelenzer-Bördelandschaft der Niederrheinischen Bucht.
Stadtgliederung Die Stadt Wegberg selbst besteht aus den 40 Ortsteilen Arsbeck, Beeck, Beeckerheide, Berg, Bischofshütte, Bissen bei Beeck, Bissen, Broich, Brunbeck, Busch, Dalheim-Rödgen, Ellinghoven, Felderhof, Flassenberg, Gerichhausen, Gripekoven, Harbeck, Holtmühle, Holtum, Isengraben, Kehrbusch, Kipshoven, Klinkum, Mehlbusch, Merbeck, Moorshoven, Petersholz, Rath-Anhoven, Rickelrath, Schönhausen, Schwaam, Tetelrath, Tüschenbroich, Uevekoven, Venheyde, Venn, Watern, Wegberg und Wildenrath.
Geschichte Mittelalter und Neuzeit Unter dem Namen Berck wurde Wegberg erstmals in einer Urkunde des Kaisers Otto I. aus dem Jahre 966 erwähnt. Der Ort gehörte damals zum Mühlgau. Der heutige Name Wegberg entstand etwa im 14. Jahrhundert und erklärt sich aus der Lage des Ortes an einer alten Heerstraße, die hier die Schwalm überquerte.
Mitten durch den Ort Wegberg verlief, entlang der Schwalm zwischen Mühlenbach und Beeckbach, jahrhundertelang die Grenze zwischen den Herzogtümern Geldern und Jülich. mini|Schöffensiegel Wegbergs Anfang des 17. Jahrhunderts mit der Umschrift: Gelrischer Scheffen-Segel zu Wegberck. In der Mitte zeigt das Siegel den Pfarrpatron St. Petrus, ein Kreuz (wohl mit Bezug auf das Kreuzherrenkloster) und anscheinend ein Brot (Weck).Geschichte der Gemeinde Wegberg. Von 1543 bis 1794 gehörte das ehemals geldrische Wegberg, das im Oberquartier Roermond lag, zu den Habsburgischen Niederlanden. Seit 1713 lag die Stadt in Österreichisch Geldern.
Der jülichische Teil Wegbergs lag in der Unterherrschaft Tüschenbroich, das als Wassenberger Lehen seit 1624 den Freiherrn von Spiering gehörte. Im Jahre 1639 übertrug Franz v. Spiering das Patronat an die in Wegberg ansässige Kirche des Kreuzherrenordens, die im Ort ein Kloster gegründet hatte.
1794 eroberten französische Revolutionstruppen das linke Rheinufer. 1797 verzichtete der römisch-deutsche Kaiser Franz II. in seiner Eigenschaft als Landesherr der habsburgischen Erblande im Frieden von Campo Formio auf seine linksrheinischen Gebiete, die nunmehr völkerrechtlich zu Frankreich gehörten. Das ehemals geldrische Wegberg lag nun im Kanton Cruchten (heute Niederkrüchten), Département Meuse-Inférieure (Niedermaas).
Nach 1794 wurde das jülichische Wegberg mit Tüschenbroich zu einer Gemeinde zusammengefasst. Diese wurde 1801 durch den Frieden von Lunéville offizieller Bestandteil Frankreichs und lag im Kanton Erkelenz, Département de la Roer. Beim Wiener Kongress 1815 gelangten beide Ortsteile an Preußen, Kreis Erkelenz. 1820 erfolgte die Vereinigung zur Bürgermeisterei Wegberg.
1937 ließ die Gemeinde Wegberg vom Architekten Heinrich Bartmann ein neues Rathaus bauen.
Am 23. Februar 1945, dem ersten Tag der Operation Grenade, überwanden Teile der 9. US-Armee die Rur und rückten östlich der Rur nach Norden vor. Sie befreiten am 27. Februar Wegberg, Millich, Schauffenberg, Ratheim, Luchtenberg, Orsbeck, Wassenberg und zwei weitere Orte.Chronologie, Eintrag vom 27. Februar 1945 (englisch).
Der Gemeinde Wegberg wurden am 5. Juni 1973 die Stadtrechte zuerkannt.
Eingemeindungen Durch die kommunale Neugliederung wurde das Gemeindegebiet am 1. Januar 1972 erweitert. Die Gemeinden Arsbeck und Wildenrath wurden aufgelöst und Wegberg zugeschlagen, hinzu kam außerdem die Ortschaft Merbeck der Gemeinde Niederkrüchten.
Ausgliederungen Am 1. Januar 1972 wurde der Ort Geneiken an die Stadt Erkelenz im Kreis Heinsberg abgetreten.
Am 1. Januar 1975 trat Wegberg eine Fläche von elf Hektar mit damals 139 Einwohnern (Ortsteil Buchholz) an die Stadt Mönchengladbach ab.
Einwohner Bevölkerungsentwicklung Zahlen von 1975 bis 2022 jeweils zum 31. Dezember Jahr Einwohner 1975 24.184 1980 24.645 1985 24.553 1990 26.445 1995 26.989 Jahr Einwohner 2000 28.543 2005 29.580 2010 29.100 2011 29.116 2012 27.745 2013 28.085 2016 29.598 2019 29.307 2021 29.893 2022 30.298
Religionen mini|Pfarrkirche St. Peter und Paul mit ehemaligem Kreuzherren-Kloster zur Weihnachtszeit Die katholische Kirche St. Peter und Paul lag im jülischen Teil von Wegberg. Der Pfarrbezirk erstreckte sich aber auch auf den geldrischen Teil des Ortes. Im 16. Jahrhundert hatten die Freiherren von Spiering das Patronatsrecht an der Kirche. 1639 übertrug Franz von Spiering die Kollatur an den Kreuzherrenorden, der bis 1675 in Wegberg ein Kloster errichtete. 1802 wurde es von den Franzosen aufgehoben (Säkularisation) und 1956 von niederländischen Ordensleuten des Karmeliterordens wieder besiedelt. Sie übernahmen die Betreuung der Pfarre St. Peter und Paul sowie weiterer Pfarreien in der näheren Umgebung. Nachdem 2004 die letzten beiden Mönche das Kloster verlassen hatten, wurde im Jahre 2011 dessen formelle Aufhebung verfügt.E. Klueting/S. Panzer/A. Scholten: Monasticon Carmelitanum. Klöster des Karmeliterordens (O.Carm) in Deutschland von den Anfängen bis zur Gegenwart. Aschendorff Verlag, Münster 2012. Seiten 941–944. Seit dem 1. Januar 2013 gibt es in Wegberg nur noch eine katholische Pfarrei. Auf Anordnung des Aachener Bischofs Heinrich Mussinghoff haben die bisherigen 10 Gemeinden des Stadtgebietes zur Großpfarrei St. Martin fusioniert. Dies waren: St. Adelgundis Arsbeck, St. Vincentius Beeck, St. Rochus Dalheim, Heilige Familie Klinkum, St. Maternus Merbeck, St. Rochus Rath-Anhoven, St. Mariä Himmelfahrt Rickelrath, Heilig Geist Tüschenbroich, St. Peter und Paul Wegberg und St. Johann Baptist Wildenrath. mini|links|Symbol Mühlstein mini|Ev. Friedenskirche Der im Juni 2014 eingeweihte Mühlstein vor der Pfarrkirche ist das verbindende Symbol für die neue Großpfarrei: So wie St. Martin seinerzeit den Mantel teilte, um das Leben des Bettlers zu sichern, sichert der Mühlstein, indem er Getreide zu Mehl mahlt, das Überleben der Menschen. Die 20 Sterne rund um das St. Martinssiegel erinnern an die ehemaligen Gemeinden und Kapellengemeinden der Pfarrei. Der Mühlstein und das Symbol für die Pfarre St. Martin Wegberg wurden von Designer Michael Körner gestaltet.
Evangelische Christen, in Wegberg gern „Protestanten“ genannt, waren bis 1945 eine kleine Minderheit, etwa 1 % der Einwohner. Nach dem Kriegsende änderte sich das stark durch den Zuzug von vorwiegend evangelischen Ostvertriebenen und Flüchtlingen. So wuchs der Anteil an Evangelischen auf etwa 10 %. Auf dem Kirchengelände an der Martin-Luther-Straße, ein Geschenk Wegbergs, wurde 1952/53 für sie die Friedenskirche gebaut. Die evangelischen Christen Wegbergs gehörten kirchlich bis 1967 zur evangelischen Kirchengemeinde Schwanenberg. Seitdem sind sie die selbständige Evangelische Kirchengemeinde Wegberg. Auf dem Gelände um die Kirche stehen inzwischen ein Pfarrhaus, ein Gemeindehaus und ein Jugendheim.
Wappen und Flagge
100px|zentriert 100px|zentriert Historisches Wappen (bis 1937)Stadtflagge (seit 1937)
Politik Gemeinderat mini|Rathaus der Stadt Wegberg mini|Skulptur „Der lachende Dritte“ von Loni Kreuder vor dem Rathaus in Wegberg Sitzverteilung 2025 CDU: 18 Sitze SPD: 7 Sitze FDP: 2 Sitze GRÜNE: 5 Sitze Aktiv für Wegberg (AfW): 3 Sitze Freie Wähler Wegberg (FWW): 5 Sitze Die Linke: 1 Sitz AfD: 3 Sitze
Bürgermeister Bürgermeister der Gemeinde von 1815 bis 1945 1812–1820 Johann Gottfried Dillen (für Wegberg und Niederkrüchten) 1813–1817 Joh. Schmitz (für Wegberg und Niederkrüchten) 1817–1819 Silvester Josten (für Wegberg und Erkelenz) 1820–1850 Johann Gottfried Dillen 1850–1854 Alexander Joseph Inderfurth 1854–1855 Hubert Dams (kommissarisch) 1855–1880 Hubert Beckers 1880–1892 Peter Wilhelm Hoeren 1892–1898 Peter Josef Brenig 1898–1904 Hugo Baurmann 1904–1919 Adolf Vollmer 1919–1926 Josef Sittart 1926–1933 Hubert Minartz 1933–1945 Albert Meyer (NSDAP) Bürgermeister der Gemeinde bzw. Stadt seit 1945 Gemeinde- bzw. Stadtdirektoren seit 1945 1945 Karl Peters 1946–1949 Wilhelm Jansen 1949–1958 Josef Kohlen 1958–1969 Wilhelm Hermanns 1969–1972 Mathias Seckler (CDU) 1972–1985 Karl H. Fell, Dr. (CDU) 1985–1994 Gottfried Jakobs (CDU) 1994–2009 Hedwig Klein (CDU) 2009–2014 Reinhold Pillich (CDU) 2014–2023 Michael Stock (SPD) 2024– Christian Pape (parteilos)wdr.de: Entertainer Pape erobert Wegberger Rathauschristian-pape.com 1946 Karl Peters 1946–1947 Karl Heutz 1947–1949 Karl Peters 1949 Gerhard Evertz (kommissarisch) 1949–1950 Peter Lövenich 1950–1973 Josef Karduck 1973–1985 Bernd-Josef Sieben 1985–1999 Horst Soemers
Partnerschaften Gemeinde Echt-Susteren, Niederlande Stadt Maaseik, Belgien
Mühlen-Partnerschaft Gemeinde Leudal, Niederlande
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Flachsmuseum in Wegberg-Beeck Museum für Europäische Volkstrachten in Wegberg-Beeck Dauerausstellung „Wegberg und das Tal der Mühlen“ in der Schrofmühle bei Rickelrath, einzige funktionstüchtige Getreide- und Ölmühle im Rheinland
Bauwerke mini|Reetgedecktes Fachwerkhaus in Schwaam
Die Motte Aldeberg – die größte Motte am gesamten Niederrhein Das Schloss Tüschenbroich Die Ulrichskapelle in Tüschenbroich Die Motte im Tüschenbroicher Weiher Die Burg Wegberg heute Hotel-Restaurant Das Forum Wegberg, Kongresszentrum, Party- und Event-Location Das Kloster der Kreuzherren in Wegberg Die Heiligkreuzkapelle in Kipshoven (erbaut um 1500). Hier sind spätgotische Wandmalereien zu besichtigen Die „Hl. Franziskus von Assisi“-Kapelle (erbaut 1746) in Moorshoven In Schwaam und im Angerdorf Rickelrath stehen einige pittoreske Wohnhäuser, die ein Reetdach haben.
Kunstwerke Im Stadtpark befinden sich vier lebensgroße Betonskulpturen der Künstlerinnen Laura Lechner und Christel Lechner aus der Reihe „Alltagsmenschen“, die aus der Entfernung zunächst wie reale Menschen wirken. Die Figuren stellen unscheinbare Szenen aus dem Alltag dar. Nach einem Spendenaufruf hatten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen mit ihren Spenden dazu beigetragen, dieses Kunstprojekt zu ermöglichen.
Gedenkstein für die Verfolgten und Opfer des Nationalsozialismus Eine Projektgruppe mit Schülern des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums unter der Leitung des Geschichtslehrers Jürgen Tenbrock befasste sich mit der Zeit des Nationalsozialismus in Wegberg. „Braunes Wegberg? So etwas gab es doch nicht bei uns … Oder doch?“ ist der Titel eines Buches, das die Projektgruppe 2012 herausgab. Zwei Jahre später bildete die Verlegung einer Gedenkplatte für die Verfolgten und Opfer des Nationalsozialismus auf dem Rathausplatz den Abschluss des Projektes. Das Buch und die Gedenkplatte wurden gestaltet vom Wegberger Künstler Michael Körner.
+ Die Inschrift lautet: zentriert|220px|Der GedenksteinFRAG NICHT WAS DU GETAN HAETTEST FRAG DICH WAS WERDE ICH TUN Den Verfolgten und Opfern des Nationalsozialismus gewidmet Mögen sie niemals vergessen sein Maximilian-Kolbe-Gymnasium 2014