mini|Jacob Weller mini|Freigut in Obernaundorf

Jacob Weller (auch: Jakob Weller von Molsdorf und latinisiert Jacobus Wellerus; * 5. Dezember 1602 in Markneukirchen; † 6. Juli 1664 in Dresden) war ein evangelischer Theologe. Er war Oberhofprediger am Hof des Kurfürsten von Sachsen in Dresden.

Leben und Wirken Jacob war ein Sohn des Markneukirchener Weißbäckermeisters Georg Weller, der aus dem Adelsgeschlecht Weller von Molsdorf stammte, und seiner Frau Dorothea Hesel, der Tochter des Bergpredigers von Marienberg, Johannes HeselSeine Geschwister waren der Oberhauptmann in Heinrichsgrün/Böhmen und späteren Ratsherrn in Zwickau Johann Weller, verh. mit Susanne Riedler (Schlackenwalde); David Weller, Johann Gottfried Weller, Otto Wilhelm Weller, Anna Barbara Weller, verh. mit dem Pfarrer in Pratau Wolfgang Hebenstreit. Nachdem er am 8. Dezember 1602 seine Taufe auf den Namen seines Großvaters erhalten hatte, besuchte er die Stadtschule seines Geburtsortes. Vom 10. Juli 1613 bis 1620 lernte er an der Schule in Schlaggenwald (Böhmen), besuchte ein Jahr lang die Schule St. Aegiden in Nürnberg und war ein Jahr am Gymnasium in Schleusingen.

Am 1. Oktober 1623 immatrikulierte er sich an die Universität Wittenberg (Leucorea), arbeitete während seiner Studienzeit als Hauslehrer bei Balthasar Meisner und erwarb sich Michaelis 1628 den akademischen Grad eines Magisters der philosophischen Wissenschaften. Am 9. Mai 1630 erwarb er sich als Magister legens die Vorleseerlaubnis an Hochschulen und wurde am 19. Oktober 1632 Adjunkt der philosophischen Fakultät. Nach theologischen Studien bei Martin Trost, Jakob Martini, Paul Röber, Wilhelm Leyser I. und Johann Hülsemann avancierte er am 1. Oktober 1635 zum Lizentiaten der Theologie und am 16. Oktober 1635 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert.Bernhard Weissenborn: Album Academiae Vitebergensis - Jüngere Reihe Teil 1 (1602–1660), Magdeburg, 1934 Er übernahm 1635 eine außerordentliche Professur an der theologischen Fakultät und am 6. Dezember 1636 die ordentliche Professur für hebräische Sprache und Orientalistik der Leucorea. Weller arbeitete besonders intensiv über griechische und hebräische Grammatik und veröffentlichte mehrere Werke darüber. Zudem war er 1636 und 1639 Dekan der philosophischen Fakultät. In Obernaundorf bei Dresden erwarb er im August 1663, ein Wüstes ,2.3/4 Hufengut von dem Dresdner Kutscher Christoph Fiedler und ein danebenliegendes 3,1/2 Hufengut von dem Dresdner Buchdrucker Wolff Seyfert, diese wurden zusammengelegt und vom Kurfürst von Sachsen als Freigut im selben Jahr beliehen. Sein Freigut gehörte nach seinem Tod der Witwe Christiane Dorothea Weller geborene Röber bis zum Jahre 1687. Auch gehörte ihm zwischen 1633 und 1655 ein Gehöft in Kleincarsdorf bei Kreischa.

Am 15. März 1640 wurde Weller in Wittenberg ordiniert und zog als Koadjutor nach Braunschweig, wo er ab dem 25. Juni 1641 als Superintendent tätig war. Nach dem Tod des sächsischen Oberhofpredigers Matthias Hoë von Hoënegg, wurde ihm 1645 dessen Stelle vorgeschlagen. Er nahm 1646 dieses Amt in Dresden an. Schon bald wurde er engster Berater des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen in geistlichen Fragen. Im Synkretistischen Streit zählte Weller zu den Vertretern der Orthodoxie gegen die irenische Position Georg Calixts. Das Amt des Oberhofpredigers übte Weller bis zu seinem Tod 1664 aus. Er fand am 17. Juli 1664 seine letzte Ruhestätte in der Sophienkirche von Dresden, wo man ihm auch ein Epitaph errichtete.

In den internen theologischen Lehrstreitigkeiten nach Luthers Tod 1546 nahm Weller stets eine vermittelnde Position ein und warnte eindringlich vor Spaltungen unter den protestantischen Theologen.Michael Wetzel, Weller von Molsdorf, Hieronymus, in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e. V., bearb. von Martina Schattkowsky, abgerufen am 26. Januar 2019

Familie Jacob Weller war zweimal verheiratet. Die erste Ehe, geschlossen am 20. Oktober 1635 in Wittenberg mit Sibylla Grützmacher (auch: Gritzmacher; * 1. Juni 1591 in Dresden; † 25. Mai 1637 in Wittenberg), der Witwe des Wittenberger Organisten Christian Gräfenthal (* 1571 in Zwickau; † 3. Mai 1628), währte nur anderthalb Jahre und blieb kinderlosAus der ersten Ehe stammen ein Sohn und eine Tochter die die Mutter überlebten, sowie zwei Kinder die in Wittenberg starben. Es überlebten Elisabeth Gräfenthal verh. 21. November 1643 mit Johannes Bünemann und Martin Gräfenthal (studierte an der Universität Altdorf, wo er Lizentiat der Rechte wurde, und verstarb in Braunschweig). Am 17. Juli 1638 heiratete er in zweiter Ehe Christina Dorothea (* 18. Dezember 1620 in Halle (Saale); † 6. Mai 1697 in Freiberg), Tochter des Paul Röber. Aus dieser Ehe sind fünf Töchter und zwei Söhne hervorgegangen: Dorothea Maria Weller (~ 11. Dezember 1639 in Wittenberg; † 5. Juni 1667 in Lübben), verh. 21. Mai 1656 in Dresden mit Kanzler der Niederlausitz Lic. jur. Andreas JahnAndreas Jahn (* September 1611 in Belgern; † 16. Juli 1676 in Lübben) Vater: Andreas Jahn († 7. Februar 1631 Belgern) Besitzer des Lehngutes Wichtewis in Belgern, Mutter: Martha Schön (* Torgau; † 7. Februar 1633 Belgern) Privatlehrer, Schule Belgern, 1626 Schule Torgau, 1627 Stadtschule Belgern, 1630 Uni. Leipzig, 1634 Uni. Wittenberg, 1637 Hauslehrer Wittenberg, 1638 Privatlehrer (Informator) Jüterbog, nach kurzer Zeit wieder Wittenberg Hauslehrer bei Jeremias Reußner, 1640 Advokat Konsistorium Wittenberg, 1643 Protonotarius kurf. Hofgericht Wittenberg, Schöppenstuhlmitglied Wittenberg und Mitglied jur Fak. Uni. Wittenberg, 26. Oktober 1647 Lic. jur. Uni. Wittenberg, 1651 Stadtsyndicus Guben & Assessor kurf. Landgericht Niederlausitz; 6. Juli 1653 kurf. sächsischer Rat, Assessor Konsistorium Niederlausitz & Landvogt des Markgrafentums Niederlausitz, 14. Dezember 1654 Oberamtskanzler Niederlausitz, 1666 Oberamtsrat Niederlausitz, 1668 Konsistorialrat, verh. I. 19. September 1648 in Wittenberg mit Magdalena Reusner († 28. November 1654 in Lübben), die Tochter des Wittenberger Prof. jur. Jeremias Reusner. Aus der Ehe stammen Anna Margaretha Jahn († jung in Wittenberg), Jeremias Heinrich Jahn († jung in Wittenberg), Anna Dorothea Jahn († in Sachsen), Erdmann Jahn († in Sachsen), Ehe II. Kinder: Martha Dorothea Jahn († 22. Juni 1659 in Lübben), Jacob Andreas Jahn, Johann August Jahn, Christina Sybilla Jahn, Maria Dorothea Jahn, vgl. Fritz Roth: Restlose Auswertungen von Leichenpredigten und Personalschriften für genealogische Zwecke. Boppard/Rhein, 1967, Bd. 5, S. 437, R 4835; Sophia Christina Weller (* um 1643; † 1. September 1695 in Freiberg) verh. I. 10. November 1657 in Dresden mit dem Theologen Sebastian Gottfried Starke verh. II. mit dem Bürgermeister Freiberg Jeremias GraupitzSebastian Gottfried Starke (* 27. März 1612 in Mittweida; † 4. Dezember 1670 Freiberg/Sachsen) 1624 kurf. Landesschule St. Afra Meißen, 1630 Uni. Leipzig, 28. Februar 1635 Bacc. phil.,9. April 1635 Mag. phil. ebd., 1637 Tertius Nicolaischule Leipzig, 1638 Konrektor ebd., 19. März 1640 Bacc. theol. Uni. Leipzig, 1640 Konrektor Thomasschule Leipzig, 1642 Pfr. Michaeliskirche Lüneburg, 6. Juli 1643 Lic. Uni. Leipzig, 1651 Dr. theol., 1653 Superintendent in Freiberg, vgl. M. Christian Gotthold Wilischen: Kirchen Historie der Stadt Freyberg. Friedrich Lanckisch Erben, Leipzig, 1737, Teil II S. 40 ff. Georg Paul Weller (* 15. Mai 1642 in Braunschweig; † 8. Oktober 1679 in Freiberg) besuchte das Gymnasium in Freiberg, studierte ab dem 12. Mai 1662 Theologie an der Universität Wittenberg und wurde dort am 16. Oktober 1665 Magister der Philosophie, wurde Oktober 1670 Diakon an St. Nicolai in Freiberg, verh. Anna Dorothea Breszler, die Tochter des Dr. jur. anhaltinisch, gräflich Barby Rats und Assessor des Landgerichts der Niederlausitz Christoff Breszlervgl.: M. Christian Gotthold Wilischen: Kirchen Historie der Stadt Freyberg. Friedrich Lanckisch Erben, Leipzig, 1737, S. 210; Sächsisches Pfarrerbuch. Bd. II; S. 1009 Anna Elisabeth Weller (* 29. September 1644 in Braunschweig, † 22. Mai 1645 ebd.) Johann Jakob Weller, * Braunschweig, studierte ab dem 12. Mai 1662 Jura an der Universität Wittenberg, war Oberhüttenverwalter in Freiberg, verh. mit Sophia Elisabeth Stark Magdalena Sibylla Weller (* um 1645 in Braunschweig) verh. 17. November 1662 in Sophienkirche Dresdenvgl. Familiengeschichtliche Blätter. Döbeln, 1908, Bd. II, S. 141 mit dem Prof. der Rechte in Wittenberg Werner Theodor Martini Johanna Magdalena Weller (* um 1647 in Braunschweig) verh. 4. September 1666 in Dresden mit sächsischer Rat und Konsulent in Dresden Dr. jur. Rudolph GastRudolph Gast (* 1638 in Guben) Sohn des Flaminius Gast (auch: Gasto; † 1647), 25. Juli 1663 jur. Cand. Uni. Wittenberg, 21. September 1663 Lic. jur. ebd., 5. September 1665 Dr. jur. ebd., 14. Oktober 1673 Mag. phil. ebd., vgl. Matrikel Uni. Wittenberg

Ehrungen In Johanngeorgenstadt wurde eine zur Kirche führende Gasse nach ihm benannt.

Werke (Auswahl) Weller verfasste zahlreiche Leichenpredigten, unter anderem für Mitglieder der kurfürstlich sächsischen Familie, für Beamte und Bürger Dresdens, sowie Braunschweigs.

Disp. publ., in qua imprimis Becani rationes, an Lutherani Dei verbum habeant, examinantur. Wittenberg, 1629 (Online) Nobiliorum Syro-Ebraicarum contra Jesuitas imprimis quaestionum. Wittenberg, 1630 (Online) Pudenda Pontificiorum Idololatria: Quam plurimis modis committunt, defendunt, excusant ac fatentur, Thesibus certis, ita ut prius Idololatria in genere consideretur, inclusa. Wittenberg, 1631 (Online) Disp. kataskeuastikē de maxime necessaria quaestione: an puncta hebraea literis coaeva? Wittenberg, 1631 (Online) Exas Triadon Sive Duo de vigintobilium Philologi-sophicarum Quaestiones. Wittenberg, 1632 (Online) Disputatio De Punctis Hebraeorum Tertia, Quae est anaskenasikon secunda. Wittenberg, 1632 (Online) … Seu Spicilegium Quaestionum Hebraeo-Syrarum Alterum. Wittenberg, 1633 (Online) Disputatio Theologica De Angelis. Wittenberg 1638, Wittenberg 1734 (Resp. Johannes Böhm; Online) Sylloge Positionum Philologicarum. Wittenberg, 1638 (Resp. Gottfried Meisner, Online) Psalmi primi, Beatitudinem veram describentis, Expositio. Wittenberg 1640 (Online) Hexas Thesium Theologicarum textum originalem Veteris Testamenti concernentium. Wittenberg 1640 (Online) Psalmi primi, beatitudinem veram describentis, expositio. Wittenberg 1640 (Resp. Johannes Schindler, Online); Wittenberg 1659 (Online); Wittenberg 1683 (Online) Frommer Obrigkeit Schwere/ doch selige Ritterschafft und GnadenKrone/ auß 2. Tim. 4.: Bey Volckreicher Christlicher Leichbestattung Deß … Herrn Christopff Leverich/ Der Stadt Braunschweig zum Hagen Wolverdienten Bürgermeisters: Welcher den 14. Novembris selig im Herrn entschlaffen/ und den … 19. eiusdem … in sein Ruhbettlein versetzet worden/ Erkläret und auff begehren in Druck gegeben. Braunschweig 1640 (Online) Geistliche Balsamirung. Des Edlen Königlichen Hertzens Hißkiae/ Das ist/ Kurtze Erklärung des schönen Macht-Spruches Hißkiae im 38. Cap. Esaiae v. 17.: Angestellet bey dem Adelichen Begräbniß Des … Georg Vicedoms von Eckstedt/ Der beyden Hochlöblicher ChurHäuser Sachsen und Brandenburgk gewesenen respective Cammer Junckers und Haubtmans/ Sel. Welcher am 22. Martii dieses 1641. Jahrs/ allhier in Braunschweig … verschieden/ und hierauff den 16. Aprilis/ in der Kirchen zu S. Martin/ Bey Volckreicher Versamblung/ zu seinem Ruhebettlein gebracht worden. Braunschweig, 1641 (Online) Israel hat dennoch Gott zum Trost. Das ist/ Wolgegründeter Beweiß/ wie der Autor, so unter dem Namen Massonii sich verdecket/ in seinem vermeintem Praeconio, so er Massonio Triumphanti unter zween andern erdichteten Namen vorgesendet/ nichts wenigers gethan/ als daß er ein eintzig Zeichen eines Siegs sich geben können. Braunschweig, 1641 (Online)