mini|hochkant=1.75|Die Funktionsweise von FUSE: Es gibt zwar ein Kernel-Modul, aber die eigentliche Programmlogik (libfuse) läuft im Userspace (oben). Das zugreifende Programm ls (links-oben) greift wie über ein normales Dateisystem darauf zu, erst das Kernelmodul leitet den Aufruf um. VFS: Virtuelles DateisystemNFS, Ext3, …: Dateisystemeglibc: GNU-C-Bibliothek
FUSE (Filesystem in Userspace) ist ein Kernel-Modul für Unix-Systeme, das es ermöglicht, Dateisystem-Treiber aus dem Kernel-Mode in den User-Mode zu verlagern.
Verwendung FUSE entstand aus der Notwendigkeit heraus, Benutzern mit Standardrechten die Einbindung (Mounten) von Dateisystemen ins System eines Computers zu ermöglichen. Üblicherweise wurden Dateisysteme nur auf Festplatten angelegt, die in einen Rechner fest verbaut wurden und deshalb gleich nach dem Einbau vom Administrator (oder dem Nutzer per Administratorenkonto) durch die Installation des passenden Treibers verfügbar gemacht wurden. Mit dem Aufkommen von mobilen Massendatenspeichern wie z. B. USB-Sticks oder externen Datensicherungssystemen zu günstigeren Preisen wurde es notwendig, Nutzern auch ohne Administratorenrechte die Installation und Verwaltung solcher Geräte zu ermöglichen. FUSE wird mit administrativen Rechten ins System eingebunden (installiert) und stellt danach nichtprivilegierten Computerbenutzern (mit Standardrechten) dieselben Funktionen zur Verfügung.
FUSE ist das laufwerksspezifische Modul (für die angeschlossene Hardware) und benötigt zur Einbindung des darauf enthaltenen Dateisystems zusätzlich den jeweils passenden dateisystemspezifischen Treiber. Der wohl bekannteste ist NTFS-3G, welches den Zugriff auf die weit verbreiteten NTFS-Dateisysteme (Windows) ermöglicht. Mit Hilfe von FUSE lassen sich unter GNU/Linux, FreeBSD, OpenSolaris, Mac OS X oder Android die meisten existierenden Dateisysteme wie NTFS oder UDF (DVDs) einbinden. Da FUSE-Dateisysteme – wie normale Anwendungsprogramme – im Benutzermodus (User-Mode) laufen, muss sich der Entwickler nicht mit den Beschränkungen und Besonderheiten des Kernel-Modes auseinandersetzen. FUSE-Dateisystemtreiber sind daher erheblich einfacher zu entwickeln und zu warten. So entstand eine Vielzahl von Treibern, die neben Speichermedien auch ganz andere Datenstrukturen als navigierbares Dateisystem abbilden.
Geschichte Am 15. Oktober 2004 wurde das FUSE-Projekt auf SourceForge gegründet, als Variante aus dem SHFS-Projekt hervorgehend. Seit dem 15. Januar 2005 war es Teil des mm-Kernels, bevor es am 13. September 2005 in den offiziellen Linux-Kernel 2.6.14 aufgenommen wurde. Durch Re-Implementation unter der ISC-Lizenz (Veröffentlichung: März 2013) wurde die Einbettung in OpenBSD erleichtert, was im Juni 2013 geschah.
Seit Linux-Kernel 2.6.31Julius Stiebert: Linux-Kernel 2.6.31 unterstützt USB 3.0. Golem, 10. September 2009 und NetBSD 5.0.Announcing NetBSD 5.0. The NetBSD Project (netbsd.org) ist CUSE ein integrierter Treiber innerhalb von FUSE.
Ein in den Zielen ähnliches Projekt war das Linux Userland Filesystem (LUFS), das mit der Einführung von FUSE jedoch an Bedeutung verloren hat und nicht mehr aktiv weiterentwickelt wurde.
Bekannte Dateisysteme und -Treiber NameBeschreibungQuelleCaptiveErmöglicht sicheren Schreibzugriff auf NTFS-Partitionen durch Einbindung des originalen Windows-Treibers ntfs.sys mit Hilfe einer Kompatibilitätsschicht (Entwicklung eingestellt)CloudFusionEinbinden von Dropbox, Sugarsync, Amazon S3, Google Storage und WebDAV AccountsCryFS (Cryptographic Filesystem)Verschlüsseltes Dateisystem für Dropbox oder andere Cloud-Anbieter.curlftpfsEinbinden der Daten eines FTP-Servers (beispielsweise persönliche Daten bei einem WebHoster ins lokale Filesystem einbinden)CUSE (Character Devices in Userspace)Kann mit Anwendungen, die im Benutzermodus laufen, wie Tastaturen, Mäusen oder anderen Geräten wie serieller Datenübertragung kommunizieren.davfs2Erlaubt den Zugriff auf WebDAV-Ressourcen und ist in der Lage, sich mit Client-Zertifikaten zu authentifizieren.EncFS (Encrypted Filesystem)Verschlüsseltes pass-through-Dateisystem ähnlich dem CFSexFATErmöglicht das Lesen und Schreiben auf Flash-Medien mit exFATfusedavErlaubt den Zugriff auf WebDAV-RessourcenglusterFSEin Cluster-DateisystemGmailFSErmöglicht es, Google-Mail-Postfächer als Dateiablage zu verwendenGnomeVFS2 FUSEIst eine Schnittstelle zum Gnome Virtual File SystemgPhotoFSBindet die Bilderschnittstelle von Digitalkameras als Massenspeicher einLoggedFSLoggt Operationen im DateisystemmysqlfsErmöglicht es, Daten in einer MySQL-Datenbank abzulegenNTFS-3GErmöglicht Schreib- und Lesezugriff auf NTFSntfsmountErlaubt das Mounten von NTFS-Partitionen mit Schreibunterstützung (aus dem Linux-ntfs-Projekt)s3fsErmöglicht das Mounten von Amazon Web Services Object Storage (Amazon S3)SSHFSErmöglicht es, ein Laufwerk über SSH zu mountenwdfsErlaubt den Zugriff auf WebDAV-RessourcenWikipediaFSErmöglicht das Arbeiten mit Artikeln aus dem Bestand einer MediaWiki-Installation (und somit nicht nur der Wikipedia), als wären es normale TextdateienZFS on FUSEErlaubt den Zugriff auf das moderne 128-bit-Dateisystem ZFS von Sun. Da ZFS unter der CDDL veröffentlicht ist, ist keine direkte Integration in den Linux-Kernel möglich. Die Portierung wurde im Rahmen des Google Summer of Code gesponsert. (Entwicklung eingestellt)
Weblinks Projektseite FUSE Offizielle Liste aller FUSE-Dateisysteme (engl.) macFUSE: Eine Implementierung von FUSE für macOS, entstanden im Rahmen von Google Summer of Code DokanY: Eine Implementierung von FUSE für Windows IBM developerWorks: Develop your own filesystem with FUSE, englischsprachiger Artikel (2006/2014) Jake Edge: Character devices in user space. Artikel bei lwn.net, 25. November 2008
Einzelnachweise
Kategorie:Betriebssystemkomponente