Weil am Rhein (alemannisch Wiil am Rhii) ist eine südbadische Mittelstadt mit rund 30.000 Einwohnern im äußersten Südwesten Deutschlands unmittelbar im Dreiländereck Deutschland-Schweiz-Frankreich. Deshalb darf sie seit dem 1. Oktober 2022 die Bezeichnung 3-Länder-Stadt führen.Bekanntmachungen des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg über die Genehmigung von sonstigen Bezeichnungen vom 1. September 2022 – Az.: IM2-2200-6/1, GABl. BW (2022), S. 820.

Nach dem Anschluss ans badische Eisenbahnnetz um 1913 kam es zu einer regen Bautätigkeit und einem Bevölkerungswachstum, insbesondere in der Nachkriegszeit, als Weil zum Wohnort vieler in Basel (Schweiz) Beschäftigter wurde. Zusammen mit ihrer direkt angrenzenden Nachbarstadt Lörrach bildet sie in Baden-Württemberg ein Oberzentrum. Nach Lörrach und Rheinfelden (Baden) ist Weil am Rhein die drittgrößte Stadt des Landkreises Lörrach. Seit dem 1. Januar 1972 ist sie eine Große Kreisstadt. Weil am Rhein ist eine typische Zoll-, Grenz- und Eisenbahnerstadt. Sie ist heute ein direkt an die Schweizer Großstadt Basel angrenzender und in deren Nahverkehrssystem eingebundener Vorort und somit Teil der trinationalen Agglomeration Basel mit rund 830.000 Einwohnern, damit auch Teil der Metropolregion Basel mit rund 1,3 Millionen Einwohnern.

Geographie Lage mini|hochkant=1.7|Luftbild von Weil am Rhein, rechts im Hintergrund Basel (Schweiz) und das Rheinknie Weil am Rhein liegt in der Rheinebene am Rande des Tüllinger Bergs im Osten und reicht im Westen bis an den Rhein. Die besondere Lage zwischen dem Rhein und den Ausläufern des Schwarzwaldes begünstigt u. a. auch durch die Nähe zur Burgundischen Pforte ein außergewöhnlich südländisches Klima und bietet hervorragende Voraussetzungen für den Weinbau. Die Vogesen und die Alpen liegen in Sichtweite. Die höchste Stelle der Stadt liegt knapp unterhalb des Gipfels des Tüllinger Bergs auf 455 Meter Höhe,Abteilung Landesbeschreibung des Staatsarchivs Freiburg im Breisgau: Der Landkreis Lörrach. Band 2: B. Gemeindebeschreibungen Kandern bis Zell im Wiesental. Herausgegeben von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Lörrach. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X, S. 742. die tiefste Stelle des Stadtgebiets liegt am Rhein bei 238 Meter Höhe.

Geologie

Der größte Teil der Weiler Gemarkung breitet sich auf den Schottermassen aus, die in der letzten Kaltzeit (Würmkaltzeit) von Rhein und Wiese hierher verfrachtet wurden. Im Osten bezieht die Gemarkungsgrenze Hangpartien des Tüllinger und Ötlinger Bergs mit ein. Somit hat Weil auch Anteil am südlichsten Ausläufer des Markgräfler Tertiärhügellandes.

Der sich nacheiszeitlich eintiefende Rhein hat einen Teil seiner Schotter wieder ausgeräumt und umgelagert, so dass heute die Rheinebene verschiedene Niveaus aufweist. Der höchste – in der Nacheiszeit von der Erosion verschonte – Teil der Ebene bildet die etwa 1,5 km breite sog. Niederterrasse, auf der sich die alten Ortskerne von Haltingen und Weil (später die Leopoldshöhe) angesiedelt haben. Ein etwa 20 m tief abfallender Rain, die westliche Begrenzung der Niederterrasse, markiert als Erosionsrand ein ehemaliges Rheinufer. Vor dem Fuß dieses Hochgestades breitet sich ein tiefer liegendes, bereits nacheiszeitlich entstandenes Feld aus, die Talaue, auf dem Friedlingen und Märkt liegen. Das Rheinbett befindet sich in einem noch etwas tieferen Niveau der Talaue. Es tritt außer im Dreieck Einkaufs-Insel – Otterbach – Hellerain allerdings erst bei Märkt deutlicher in Erscheinung. Auch bei der Wiese lassen sich Niederterrasse und Aue unterscheiden. Ihrem Hochgestade folgt streckenweise die in der Aue verlaufende Umgehungsstraße (B317), deren Abzweigung bei der Einkaufs-Insel zum Niederterrassenniveau aufsteigt. Bei der Anlage des Verschiebebahnhofs waren gewaltige Terrainveränderungen nötig, um das Hochgestade zu überwinden. Das Gleisfeld südlich der Friedensbrücke ist eine große, künstlich aufgeschüttete Rampe, nördlich der Brücke waren umfangreiche Aushubarbeiten in den Niederterrassenschottern nötig.

Veränderungen brachte auch die Rheinkorrektion in der Aue. Märkter Wörth, Bändlegrund, Schusterinsel waren einst Inseln im Strom. Auf der Gemarkung von Weil verzahnen sich die aus Schwarzwaldmaterial bestehenden Wiese-Schotter mit den Geröll- und Kiesmassen vorwiegend alpinen Ursprungs, die der Rhein hierher transportierte. Zur Mächtigkeit der Schotterdecken: Im Nonnenholz, ebenso in Friedlingen und Märkt wurde bei Bohrungen der tertiäre Untergrund in um die 10 m Tiefe erreicht, nahe der Einmündung der Bühlstraße in die B 3, also von der (höheren) Niederterrasse aus, in fast 30 m.

Überall besteht der Untergrund unter den Schottern aus tertiären, genauer: oligozänen (Rupel-)Sedimenten der Froidefontaine-Formation, die auf der Gemarkung über Tage nur am Westfuß des Ötlinger Berges angetroffen wurden. Jünger als diese grauen, vorwiegend tonig-mergeligen Schichten sind die hellen Kalke und Mergel des Tüllinger Berges. Sie gehören ebenfalls noch ins Oligozän (Chatt). Während die Sedimente im Untergrund aus der Zeit stammen, als der Oberrheingraben noch von einem sich zurückziehenden flachen Meer überflutet war, sind die Mergel und Kalke des Tüllinger Berges wieder unter festländischen Verhältnissen als Süßwassersedimente in einem Seebecken abgelagert worden. Unter diesen lagern am Tüllinger Berg Brack- und Süßwassersedimente der Übergangszeit, die Elsässer Molasse (guter Aufschluss: die ehem. Sandgrube über Fischingen). Diese bildet unter der Löss(-lehm)decke auch den Untergrund des Ötlinger Berges.

Die Lehmdecke erschwert den Einblick in den Untergrund des Tüllinger Berges. Steilstufen an dessen Hang deuten darauf hin, dass unter dem verschleiernden Hanglehm eine wechselnde Abfolge von weicheren (Mergel-)Schichten und harten, die Versteilungen bedingenden Kalksteinbänken anzunehmen ist, was durch spärliche Aufschlüsse und Quellen über den stauenden Mergeln belegt wird.

Am Fuße des Tüllinger Berges bedecken Abschwemmmassen von dessen Hang die Niederterrassenschotter, stellenweise bis zur Römerstraße. Sowohl über Weil als auch über Haltingen haben sich größere Hangrutschungen ereignet. Das ist zum einen der Weiler Schlipf, der zeitweise sogar die Wiese aus ihrem Bett drängte und das Rutschgebiet über Haltingen am Tüllinger Weg (Gewanne Ober und Unter dem Tüllinger Weg).

Klima

* Temperatur: Nachbargemeinde Eimeldingen, Niederschläge: Stadtteil Haltingen

Der mittlere durchschnittliche Jahresniederschlag liegt mit 879 mm/a vergleichsweise hoch und fällt in das obere Viertel der in Deutschland durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) erfassten Werte. Der niederschlagsärmste Monat ist der Februar. Die meisten Niederschläge fallen im August, sie entsprechen dem 1,7-fachen der Niederschläge im Februar. Die monatlichen Niederschlagshöhen variieren sehr stark. An nur 22 % der Messstationen des DWD werden höhere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Nachbargemeinden mini|Weil am Rhein im trinationalen Ballungsraum Basel Im Norden beginnend und im Uhrzeigersinn aufgelistet, grenzen folgende Kommunen an die Stadt Weil am Rhein: die Gemeinden Efringen-Kirchen, Eimeldingen, Binzen und die Stadt Lörrach im Landkreis Lörrach, die Gemeinde Riehen und die Stadt Basel im Kanton Basel-Stadt/Schweiz sowie die Gemeinden Huningue (Hüningen) und Village-Neuf (Neudorf) im Département Haut-Rhin/Frankreich.

Stadtgliederung mini|Karte zur Stadtgliederung von Weil am Rhein Das Stadtgebiet besteht aus der Kernstadt, die sich von der Schweizer Grenze bei Riehen im Osten über Alt-Weil (auch: Weil-Ost genannt) als lang gezogenes Gebilde entlang der Hauptstraße und über die Leopoldshöhe nach Westen erstreckt, sowie dem südlich der Kernstadt gelegenen Stadtteil Otterbach und dem westlich am Rhein gelegenen Stadtteil Friedlingen. Diese Stadtteile dienen der rein statistischen Aufgliederung des Gebietes der Kernstadt, wie sie beispielsweise für Wahlen benötigt wird. Der Innenstadtbereich Weil am Rheins entspricht der Leopoldshöhe.

Ferner den im Zuge der Gemeindereform in den 1970er Jahren eingegliederten, ehemalig selbstständigen Gemeinden Haltingen, dem größten Stadtteil, Märkt und Ötlingen, die sich alle nördlich der Kernstadt befinden. Im Bereich des Rathauses östlich des Bahnhofs Weil am Rhein versucht die Stadtverwaltung seit Jahren durch umfangreiche Gestaltungsmaßnahmen eine Art Zentrum zu schaffen. Die Stadtteile Haltingen, Märkt und Ötlingen sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Demzufolge haben sie einen Ortschaftsrat, der von den Wahlberechtigten bei Kommunalwahlen jeweils neu gewählt wird. Vorsitzender des Ortschaftsrats ist der Ortsvorsteher. Ferner gibt es in jeder Ortschaft eine Ortschaftsverwaltung, gleichsam ein Rathaus vor Ort.

Zu einigen Stadtteilen gehören weitere Wohnplätze mit eigenen Namen und meist geringen Einwohnerzahlen wie zum Beispiel der „Luisenhof“ in Ötlingen oder „Hupfer“ in Haltingen. Mit Gartenstadt wird das südliche Quartier bezeichnet, welches sich rund um den Haltepunkt Weil am Rhein-Gartenstadt gebildet hat.

Raumplanung Weil am Rhein liegt am westlichen Rand der Region Hochrhein-Bodensee und bildet zusammen mit seiner Nachbarstadt Lörrach eines der 14 Oberzentren in Baden-Württemberg. Das Oberzentrum nimmt für die umliegenden Gemeinden Binzen, Efringen-Kirchen, Eimeldingen, Fischingen, Inzlingen, Kandern, Malsburg-Marzell, Rümmingen, Schallbach, Steinen und Wittlingen zugleich die Aufgaben eines Mittelzentrums wahr. Darüber hinaus gibt es grenzüberschreitende Verflechtungen mit den Schweizer Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie mit dem Gemeindeverband Saint-Louis Agglomération im Elsass, die im Trinationalen Eurodistrict Basel koordiniert werden.

Geschichte Weil am Rhein mini|hochkant=1.4|Schenkungsurkunde aus dem Jahr 786 In einem größeren Gebiet nördlich des heutigen Ortskerns wurden verschiedene Spuren römischer Ansiedlung gefunden, die entweder auf eine ländliche Ortschaft (Vicus) oder auf einen oder mehrere römische Gutshöfe (Villae Rusticae) schließen lassen.Rudolf Asskamp: Das südliche Oberrheingebiet in frührömischer Zeit (= Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg. Band 33). Theiss, Stuttgart 1989, S. 81 ff.; Max Martin: Die römische Zeit am rechten Rheinufer zwischen Augst und Kembs. In: Rolf Dehn u. a.: Lörrach und das rechtsrheinische Vorland von Basel (= Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Band 47). Mainz 1981, S. 64–91, hier S. 81 ff.

Der heutige Ort Weil wurde erstmals am 27. Februar 786 unter dem Namen Willa urkundlich erwähnt. Dieser Name ist vermutlich römischen Ursprungs. Ein gewisser Ercanpert schenkte dem Kloster St. Gallen seinen Anteil an der Kirche in Willa (Weil). Die Klöster St. Blasien und Weitenau hatten am Ort ebenfalls Besitzungen. Auch das Basler Domstift besaß hier Ländereien und den Domhof, der dem Einzug der kirchlichen Abgaben diente und der mit seinem Neubau von 1569 den wirtschaftlichen Mittelpunkt und den Ort der Gerichtsbarkeit für Weil darstellte. 1361 bzw. 1368 kam Weil an die Markgrafschaft Hachberg-Sausenberg und war Röttelner Lehen. Mit Rötteln kam der Ort 1503 an die Markgrafschaft Baden und war dem Amt Rötteln zugeordnet. Nach dessen Auflösung im Jahre 1809 kam Weil zum Oberamt Lörrach, aus dem 1939 der Landkreis Lörrach hervorging.

Während der Badischen Revolution 1848 war Weil am Rhein durch die kurzzeitige republikanische Besetzung der sogenannten Schusterinsel im April 1848 und durch den Tod der Weiler Musikanten nach dem Gefecht um Staufen im September 1848 betroffen.

mini|Denkmal für die Weiler Opfer des Eisenbahnunfalls vom 22. Dezember 1939 bei Markdorf.