Eisenberg ist die Kreisstadt des Saale-Holzland-Kreises in Thüringen und liegt auf halbem Weg zwischen Jena und Gera. mini|Eisenberg, Luftaufnahme (2011) mini|Rathaus, Luftaufnahme (2011)
Geografie mini|Stadtgliederung Geologie Eisenberg befindet sich im Bereich der Saale-Elster-Sandsteinplatte in einer von mäßigen Höhen umgebenen Hügellandschaft, deren Vegetation teilweise aus Laub- und Nadelwald besteht. Geologisch besteht sie überwiegend aus Buntsandstein.
Eisenberg liegt zum größten Teil auf einer Hochebene, die sich rund 275 Meter über N.N. von Westen nach Osten erstreckt. Im Süden und Norden der Stadt fällt der Boden steil in zwei Täler ab, in denen der Malz- und der Raudabach fließen. Im Nordwesten befindet sich die Beuche, eine aus Muschelkalk bestehende bewaldete Anhöhe, die in das Thüringer Ackerhügelland übergeht., abgerufen am 9. Juli 2013.
Stadtgliederung Die Stadt Eisenberg besteht aus der historischen Altstadt und jüngeren Stadterweiterungen. Etwa einen Kilometer nördlich vom Stadtzentrum befindet sich die Heimstätten-Siedlung. Im Raudatal, südlich der Altstadt, stehen entlang des Baches acht Wassermühlen. Nach Eisenberg wurden die ehemaligen Nachbargemeinden Friedrichstanneck, Saasa und zuletzt Kursdorf (8. März 1994) eingemeindet.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Gösen, Hainspitz, Heideland, Petersberg, Rauda, Silbitz, Tautenhain und Weißenborn. Eisenberg gliedert sich in die vier Ortsteile Kernstadt, Friedrichstanneck, Saasa und Kursdorf. Nahe Kursdorf befindet sich der nördliche Einstieg ins Eisenberger Mühltal, ein beliebtes Ausflugsziel.
Klima Der durchschnittliche Jahresniederschlag der Jahre 1961 bis 1990 beträgt an der Messstation Eisenberg 646 mm und liegt damit außer in den Monaten April und August unter dem deutschen Durchschnitt. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni und August. mini|ohne|Niederschlagsdiagramm Eisenberg
Geschichte Ursprünge bis 1900 mini|Eisenberg um 1650 mini|Notgeld von 1921 mit einer Anspielung auf Herzog Christian mini|Die Eisenberger Altstadt mini|hochkant|Die Stadtkirche St. Peter Nachweislich gehen die Wurzeln der Stadt bis in die Steinzeit zurück. Die älteste bekannte Ansiedlung befand sich im Norden des heutigen Stadtgebietes. Diese wurde vermutlich im 14. oder 15. Jahrhundert aufgegeben. Unterschiedlichen Angaben zufolge wanderten die Bewohner ins heutige Polen aus oder zogen aufgrund der Zerstörungen im Sächsischen Bruderkrieg in die im 12. Jahrhundert entstandene neue Stadt nahe der Burg.Stadt Eisenberg, Thüringen (Hrsg.): Eisenberg - Bilder einer alten Stadt. GLAUX Verlag Christine Jäger, Jena 1995, ISBN 3-931743-04-7, S. 9. Selbige war ein Vorgängerbau des jetzigen Schlosses. Sie wurde im 12. Jahrhundert im Auftrag des Markgrafen von Meißen errichtet. Im 16. Jahrhundert wurde sie umgebaut, 1677–1692 dann unter Herzog Christian von Sachsen-Eisenberg zum heute noch erhaltenen und nach ihm benannten Schloss Christiansburg ausgebaut.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 73 und 75.
In der Flur des eingemeindeten Ortsteils Kursdorf ist ein Hügelgräberfeld südlich der „Alten Straße“ vorhanden, das aber durch ehemalige Truppenübungen beschädigt ist. Im „Jagen 88“ liegen zwei Grabhügel der Jungsteinzeit.Sven Ostritz (Hrsg.): Saale-Holzland-Kreis, Ost (= Archäologischer Wanderführer Thüringen. Heft 9). Beier & Beran, Langenweißbach 2007, ISBN 978-3-937517-51-3, S. 73 und 75.
Schon 1171 gab es eine Stadtbefestigung. 1219 wurde das Zisterzienserinnenkloster Eisenberg durch Verlegung des Klosters Zwickau und die Ausstattung mit den Gütern des kurz zuvor von Camburg dorthin verlegten Augustiner-Chorherrenstifts eingerichtet. 1219 wurde die Stadt als „civitas“ erstmals erwähnt. 1256 wurden mehrere Bürger genannt. Ab dem 13. Jahrhundert sind landgräfliche Ministerialen nachgewiesen.
1450 soll im Sächsischen Bruderkrieg die Jacobskapelle im heutigen Staatsforst Hainspitz zerstört worden sein. Die Steine wurden Ende des 16. Jahrhunderts zum Bau der Kirche im heutigen Stadtteil Saasa und des Hundertmark’schen Hauses am Markt in Eisenberg verwendet. Reste der Kapelle waren bis in das 18. Jahrhundert vorhanden.Sven Ostritz (Hrsg.): Saale-Holzland-Kreis, Ost (= Archäologischer Wanderführer Thüringen. Heft 9). Beier & Beran, Langenweißbach 2007, ISBN 978-3-937517-51-3, S. 78.
1485 fiel das kursächsische Eisenberg bei der Leipziger Teilung an die Ernestiner. 1524 wurde die Reformation eingeführt. Von 1681 bis 1707 war die Stadt Residenz des Herzogtums Sachsen-Eisenberg, danach gehörte sie bis 1918 zu Sachsen-Altenburg. Eisenberg war Sitz des Kreisamts Eisenberg.
1880 wurde die Bahnstrecke nach Crossen gebaut, 1905 folgte deren westliche Fortsetzung nach Porstendorf zur Saalbahn bei Jena. Die Strecke nach Porstendorf/Jena wurde 1969 und die nach Crossen/Gera 1999 stillgelegt.
1900 bis jetzt mini|150px|10 tote Eisenberger durch Bomben, 8 tote Amerikaner durch Bomber-Absturz am 9. Februar 1945 im Mühltal
In der Zeit des Nationalsozialismus leisteten kleine kommunistische und sozialdemokratische Gruppen Widerstand gegen die NS-Herrschaft. Ein Kreis um die Sozialdemokraten Heinz Schubert und Friedrich Singer verbreitete Aufklärungsschriften, die sie über den Exilvorstand der SPD (Sopade) aus der Tschechoslowakei erhielten. Während des Zweiten Weltkrieges wurden mindestens 326 Zwangsarbeiter aus Osteuropa in Unternehmen eingesetzt, die Rüstungsgüter herstellten, in Unternehmen der Holzverarbeitung, Möbelherstellung, Leder- und Schuhwarenindustrie, Metallverarbeitung, Instrumenten- und Apparatebaus, der chemischen und pharmazeutischen Industrie und der Porzellanherstellung. Eine 1974 erneuerte Gedenkanlage auf dem Friedhof erinnert an 53 Opfer der Zwangsarbeit aus 27 Nationen, darunter 35 Häftlinge eines KZ-Todesmarsches. Ein weiterer Gedenkstein erinnert an 17 umgekommene Kinder von Zwangsarbeiterinnen.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 208 f.
Am 9. Februar 1945 kollidierten im Raum zwischen Jena und Eisenberg zwei Bomber der United States Army Air Forces vom Typ B-17 „Flying Fortress“, nachdem einer von ihnen durch Flak beschädigt worden war. Dem anderen war beim Zusammenstoß das Heck abgerissen worden, er stürzte im Mühltal ab, 50 Meter nördlich der Pfarrmühle. Acht Besatzungsmitglieder kamen ums Leben, der Heckschütze konnte sich retten. Vor dem Absturz entledigte sich die Maschine noch ihrer Bomben über Eisenberg. Diese explodierten zwar nicht, zerstörten dennoch zwei Häuser, beschädigten weitere und töteten zehn Menschen.Ulrike Kern, Jörg Petermann: Noch immer bewegt der Flugzeugabsturz über dem Mühltal vor 75 Jahren. In: Thüringische Landeszeitung. 8. Februar 2020.
Am 9. April 1945 wurden in zwei Attacken der Bahnhof, Lokomotiven und Gleisanlagen sehr effektiv von US-Bombern mit Spreng- und Brandbomben und von Jagdbombern mit Bomben und Bordwaffen angegriffen. Auch Wohnhäuser wurden getroffen, zwei Menschen starben.Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939–1945. Michael Imhof, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-636-7, S. 185.
Eisenberg wurde um den 13. April 1945 von der US-Armee besetzt und Anfang Juli an die Rote Armee übergeben. So wurde es Teil der sowjetisch besetzten Zone SBZ und ab 1949 der DDR.
Anfang der 1950er-Jahre bildete sich in Eisenberg der Eisenberger Kreis, eine Widerstandsgruppe von Oberschülern, der, sich auf die Tradition des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus berufend, Aktionen gegen die SED-Herrschaft plante und durchführte.Eisenberger Kreis auf jugendopposition.de, abgerufen am 19. Dezember 2010.
Am 25. Oktober 1989 fand im überfüllten Luthersaal ein Friedensgebet statt. Anschließend formierte sich ein Demonstrationszug durch Eisenberg. Wöchentlich wurden nun immer mittwochs demokratische Grundrechte eingefordert und bald auch die Einheit Deutschlands.Info-Tafel an der Stadtkirche Eisenberg.
In Eisenberg gibt es das zentrale Aufnahmelager des Freistaats Thüringen für Flüchtlinge und Asylbewerber aus aller Welt. Das Gebäude spiegelt deutsche Geschichte der letzten 150 Jahre wider. Es wurde 1870 als Wurstfabrik gebaut, später war es Altersheim, Lazarett in beiden Weltkriegen, dann Kaserne für NVA und Volkspolizei sowie (bis 1979) Aufnahmelager für Übersiedler aus der BRD in die DDR.Bernd Stöver: Zuflucht DDR. Spione und andere Übersiedler. C.H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59100-6.Ulrich Stoll: Einmal Freiheit und zurück. Die Geschichte der DDR-Rückkehrer. Ch. Links, Berlin 2009, ISBN 978-3-86153-544-7. Ende 2013 beherbergte es über 500 Menschen.Daniela Egetemayer: Sie klingeln mitten in der Nacht am Eisentor. In: Thüringische Landeszeitung. 10. Dezember 2013.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerentwicklung der Stadt Eisenberg ist in der folgenden Tabelle dargestellt: mini|420px|Einwohnerentwicklung von Eisenberg (Thüringen) von 1830 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle
Jahr* Einwohner 1830 4.557 1946 15.299 1950 14.261 1960 13.839 1981 13.060 1984 13.361 1994 11.536 1995 11.266 1996 11.274 1997 11.281 1998 11.225 1999 11.175 2000 11.764 Jahr* Einwohner 2001 11.681 2002 11.532 2003 11.487 2004 11.545 2005 11.424 2006 11.392 2007 11.261 2008 11.072 2009 11.087 2010 11.154 2011 10.653 2012 10.694 2013 10.995 Jahr* Einwohner 2014 11.404 2015 13.699 2016 12.199 2017 10.842 2018 10.885 2019 10.849 2020 10.704 2021 10.673 2022 10.773 2023 11.008 2024 10.955 2025 10.585 * jeweils 31. Dezember außer 1830 (unbekannt), 1946 (29. Oktober) und 1950 (31. August)Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
Politik mini|Eisenberger Rathaus Stadtrat Der Stadtrat der Stadt Eisenberg besteht aus 24 Ratsmitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Kommune mit einer Einwohnerzahl zwischen 10.001 und 20.000 Einwohnern. Die 24 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.
Stimmberechtigt im Stadtrat ist außerdem der unmittelbar von den Bürgern gewählte hauptamtliche Bürgermeister.
Die vergangene Kommunalwahl am 26. Mai 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 57,8 % (2019: 49,7 %) zu folgendem Ergebnis:
Partei / Liste Stimmenanteil +/− %p Sitze +/− CDU 30,0 % − 14,7 7 − 4 SPD 16,5 % − 2,0 4 ± 0 Die Linke 8,5 % − 8,6 2 − 2 Grüne 2,4 % + 2,4 % 1 + 1 AfD 25,4 % + 25,4 6 + 6 BDS 17,1 % − 2,6 4 − 1
Bürgermeister Seit dem 1. Juli 2019 ist Michael Kieslich (CDU) Bürgermeister.
Hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Eisenberg war von 2000 bis 2018 Ingo Lippert von der SPD. Seit dem 29. Juni 2015 war Lippert vorläufig vom Dienst suspendiert. Erkenntnisse aus den Ermittlungen eines Disziplinarverfahrens (Dienstvergehen, derentwegen u. a. im April 2014 vom Schöffengericht Jena eine Geldstrafe von 33.000 Euro verhängt wurde), abgerufen am 4. September 2015. rechtfertigten die Annahme, dass „Herr Lippert im Rahmen der anhängigen Disziplinarklage endgültig aus dem Beamtenverhältnis entfernt werden wird“.Pressemitteilung Amtsenthebung, abgerufen am 4. September 2015. Der 1. Beigeordnete Götz Witkop übernahm vorübergehend die Amtsgeschäfte.
Von 1990 bis 2000 war Burkhardt Wartner Bürgermeister von Eisenberg.
Erfüllende Gemeinde Eisenberg ist die erfüllende Gemeinde für die Orte: Gösen Hainspitz Mertendorf Petersberg Rauschwitz
Wappen mini|150px|Stadtwappen