mini|280px|Gelbe Rose 'Graham Thomas'
Die Körperfarbe Gelb wird wahrgenommen, wenn der lang- und mittelwellige Anteil des einfallenden weißen Lichtes von einer Oberfläche fast vollständig, der kurzwellige dagegen nicht oder nur sehr wenig zurückgeworfen (remittiert) wird. Diese Mischung von rotem und grünem Licht wird gelb gesehen, aber auch monochromatisches Licht mit Wellenlängen zwischen 575 und 585 nm.Einteilung des elektromagnetischen Spektrums, MPI Bonn, abgerufen am 23. April 2023
Die Kennzeichnung von Gelb erfolgt oft als Y (en: Yellow), da G für Grün steht (vergl. RGB). In der Elektrotechnik wird die Farbe mit ge abgekürzt.
Etymologie Das westgermanische Adjektiv mittelhochdeutsch gel, althochdeutsch gelo („gelb“), gehört (wie auch das Wort Galle) zu der indogermanischen Wurzel g̑hel[ə]-, g̑hlē „glänzend, (gelblich, grünlich, bläulich) schimmernd, blank“. Siehe auch DWDS („gelb“)
Farblehre mini|Reflexionsspektren in Prozenten von Referenzweiß für ausgewählte Gelbpigmente, nach Abney, 1891
Bei der subtraktiven Farbmischung ist Gelb eine der Grundfarben, bei additiver Farbmischung entsteht Gelb durch die Mischung der Farben Rot und Grün. Beispielhaft das Gelb beim Gelb im Fernsehbild.
Bei der Farbmischung ist (ein) Violett die Komplementärfarbe zu Gelb, obwohl ausgebildete Maler durch die spezifischen Ausprägungen der gelben Farbmittel intuitiv auch Indigo oder Blauviolett als komplementär empfinden. In der Gegenfarbtheorie steht (ein) Blau als Gegenfarbe definiert.
Farbsysteme Der Farbbereich ‚Gelb‘ liegt um folgende Werte eines reinen Farbtons RGB = (255, 255, 0) dezimal oder FFFF00 hexadezimal im HSV-Farbraum den Farbwinkel H = 60°, im Lab-Farbraum die Koordinaten (a, b) = (0, 127), beziehungsweise H = 90° in der Lab-Ebene
Im RAL-Farbsystem entsprechen die Bezeichnungen RAL 1000 bis RAL 1037 den gelben Farben, im PANTONE-Farbsystem 100-139 und 380-389, sowie einige Serienfarben.
Farbmischung mini|sRGB-Gamut am CIE-Diagramm (1931), das die tatsächlichen Farben der Bildpunkte eines üblichen Monitors annähert: Einige Gelbnuancen liegen außerhalb des darstellbaren Bereichs Ausmischungen von Gelb mit Rot ergeben Orangetöne, Mischungen mit Grün schon bei geringen Anteilen frische Grüntöne (Frühlingsgrün). Senkt man die Sättigung von Gelb, erhält man ein neutrales (Gelb-)Braun, und zwar schon bei kleinen Änderungen. Gelbe Farbmittel reagieren heikel auf (farbige) Verunreinigung. Ausmischungen in Weiß nennt man Hellgelb oder Pastellgelb, ab einem Anteil von der Hälfte in Weiß ergeben sich Naturfarben und gebrochenes Weiß (beige).
Am Bildschirm ist farbstarkes Gelb mit den Leuchtstoffen nur schlecht darstellbar. Zwar ergeben gelbe Bildpunkte wegen der additiven Farbmischung höhere Leuchtstärke, mithin Helligkeit, aber durch die substanzbedingte Lage der grünen Farbpunkte im CIE-Diagramm werden maximal 60 % Farbsättigung erreicht. Allerdings erreicht die Chrominanz bis 80 %, als relative Sättigung im Vergleich zur wellenlängengleichen Spektralfarbe. Insbesondere zitronengelbe Töne wirken – wie am obigen Farbmuster zu sehen – deshalb „schmutzig“.
Im Farbdruck wird Gelb als Grundfarbe des CMYK-Farbraums (Y aus en: Yellow für Gelb) eingesetzt. Der enge Farbbereich wirkt hier weniger ungünstig, da die verwendbaren Pigmente für die Prozessfarbtöne aufeinander abgestimmt sind. Allerdings ist im Vierfarbdruck die Darstellung reinster warmer Gelbtöne nicht möglich. Im Kunstdruck wird diese Kalamität mit Schmuckfarben gelöst. Die dafür nur durch die Druckeigenschaften begrenzte Pigmentauswahl bietet eine reichhaltigere Farbpalette.
Gelbtöne lassen sich mit optimalen Farbmitteln bis zu einer Sättigung von 95 % darstellen. Bei Blautönen sind mit Farbmitteln nur 60 % möglich.– Bruce MacEvoy: Color Vision. In: CIE a* b* plane Subjektiv wirkt Gelb als helle Farbe.
Farbnuancen mini|Gelbliche Pigmentpulver: Eisenoxidgelb, Siena und Cadmiumsulfid-Pigmente, von links nach rechts
Die drei typischen gelben Farbmittel sind Cadmiumgelb (PY35, giftig, frühes 19. Jahrhundert), Hansagelb (PY1, PY3, eine Monoazoverbindung, Arylidgelb, bedenklich, seit 1909) und Produkte des Benzimidazolongelb (Hoechst, 1960). Sie sind in nahezu allen Tönen einsetzbar.
Eine Übersicht findet sich unter Liste gelber Farbstoffe und in Liste der gelben Pigmente.
Neutralgelb Während die Rot-, Grün- und Blaubereiche im kontinuierlichen Spektrum neutral wirken, umfassen die Gelbtöne im Spektrum nur einen sehr engen Bereich, in dem sie farbneutral erscheinen. Die Auswahl des „richtigen“ Neutralgelbs war unter Farbtheoretikern lange eine Streitfrage. Elementargelb nach Helmholtz liegt bei 575 nm. Urgelb nach der Prozesstheorie von Hering liegt bei 570 nmThe geometry of color perception. Hering's opponent processes – MacEvoy: Color Vision., also etwas näher an Grün.
An dem Punkt, wo die Reizantwort von den empfindenden M- und L-Zapfen gleich stark ist, müssen sich Grün- und Roteindruck abgleichen, damit der Eindruck Gelb entsteht. Die Reizantwort des S-Typs (Blaurezeptor) ist klein, aber nicht null. Beachtenswert ist dabei, dass sich an den reinen physiologischen Sehapparat noch eine psychologische und psychische Anpassung bis zur Wahrnehmung anschließt. Je nachdem, ob man diesen Aspekt berücksichtigt, wird in zwei grundlegende Neutralgelb unterschieden: Primärgelb Prozessgelb Eine Darstellung solcher Unterschiede ist am Bildschirm nicht möglich. Das Gelb FFFF00 (electric yellow) entspricht allerdings durchaus einem Neutralgelb, wobei die passende Auswahl von Leuchtstoffen förderlich oder eben hinderlich sein kann.
Geschichtliche Betrachtung Die meisten Menschen empfinden ein leicht warmes Gelb als „das typische Gelb“, so wie es für die LAB-Gegenfarbe Mittelblau zu beobachten ist. Mittelgelb umfasst typischerweise LAB-Farbtöne H = 80°–90°
Auripigment ist ein seit alters her bekanntes sehr giftiges Pigment. Bis zur Entdeckung, Herstellung und Nutzung von Cadmiumgelb ab 1825 war ein Neutralgelb nicht in voller Kraft darstellbar. Seit 1797 gibt es Chromgelb (PY34), das weniger farbstark ist. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist Zinkgelb beschaffbar, das ebenfalls einen blassen Gelbton hat. Alle diese historischen Pigmente sind giftig und nur noch für künstlerische Zwecke in Gebrauch. Im Druckwesen werden primär Benzimidazolongelb (PY151 Brillantgelb, PY154) eingesetzt, vor allem Diarylgelb-Pigmente, insbesondere Pigment Yellow 12 und Pigment Yellow 13.
Primärgelb, Reingelb Primärgelb liegt exakt auf dem Schnittpunkt der L- und M-Kurven eines Normalbeobachters. Der Farbton ergibt sich nach dem ersten Graßmanschen Gesetz unmittelbar aus den drei von der CIE definierten Primärvalenzen R (700 nm), G (546,1 nm) und B (435,8 nm) anhand der CIE-Tristimulus-Werte.Arbeiten von Leo Hurvich, Dorothea Jameson: 1955, 1957, sowie Complexities of Perceived Brightness. In: Science 133/3447 01/1961, S. 174–179 Idealisiert liegt es, weil der (real vorhandene) Blauanteil vernachlässigbar ist, außerhalb des menschlichen Wahrnehmungsbereiches beim Lab-Farbwinkel H = 90°
Primärgelb ist definitionsgemäß ein visuell neutrales Gelb, das weder warm noch kalt wahrgenommen wird. Daher ist die Bezeichnung Reingelb bei KünstlerfarbenFarbmuster nach www.farbatlas.com, H. Schmincke & Co. GmbH & Co. KG (11. August 2012) üblich.
Prozessgelb, Eurogelb
Prozessgelb (auch Optimalgelb, Pigmentgelb, engl. pigment yellow, printer’s yellow) beruht auf einem (nur theoretischen) Farbmittel, das rotes und grünes Licht gleich stark reflektiert und alles Blau absorbieren sollte. Der Name folgt aus der Anwendung als Grundfarbe des CMY-Farbsystems als farbmetrisch neutrale Grundfarbe. Sein Lab-Farbwert ist etwa H = 97° Im Farbsystem nach DIN 6164 hat es den Referenzwert T = 1 PANTONE Process Yellow ist ein theoretisches Prozessgelb, das visuell deutlich grünstichig ist.
In Europa wird es als Eurogelb bezeichnet, da eine andere Standardisierung verwendet wird. Sie ist etwas grünstichiger. Der Farbton wird (vorrangig) durch RAL 1016 Schwefelgelb erreicht, wie es häufig bei Fahrzeugen des Rettungsdienstes verwendet wird.
Dem Vierfarb-Farbdruck liegt das CMYK-Farbmodell zugrunde, mit zusätzlichem Prozessschwarz als Grundfarbe (für Farbtiefe). Die drei bunten Farben können so deutlich heller ausgedruckt sein als das farbmetrisch korrekte Prozessgelb, Prozessmagenta und Prozesscyan. Auf diesen Farbton nimmt PANTONE 803 Bezug (im Original ist diese Farbe bei den Farbkontrollstreifen zu betrachten). mini|Ein Zweig voller Zitronen
Zitronengelb, Schwefelgelb mini|Zitronenfalter
Farbtöne zwischen 575 nm Primärgelb, also einschließlich Prozess- und Eurogelb, und 560 nm Gelbgrün sind nach der Schale der Zitronenfrucht oder dem gelben Schwefel benannt.
Während es für die nahe dem Neutralgelb stehenden Nuancen H = 90° bis = 100° Pigmente gibt, fehlt in der Palette bis etwa H = 135° Phthalocyanin-Gelbgrün eine Lücke, in der kein farbstarkes Pigment existiert. Sehr kühle Gelbtöne müssen durch geeignete Kombinationen von gelben und grünen oder blauen Farbmitteln ermischt werden.
Als reine Farbmittel existieren: Kadmiumzitron (grünstichiges Kadmiumgelb), Hansagelb hell (PY3), Praesodymgelb (PY159, in Spinellmischphase) oder Bismutgelb (Vanadiumgelb, PY184)
Typische Farbnamen sind in diesem Nuancenbereich: Kanariengelb, Leuchtgelb RAL 1026, Lemon (englisch), Zitronengelb RAL 1012, Zinnobergrün (lasierende Ölfarbe) im Englischen steht für kühles Gelb light yellow, nicht mit „hell“, sondern allenfalls mit „Leucht-“ oder „Licht-“ zu übersetzen.
Nach der UNECE Regulation No. 37 waren die Frontscheinwerfer von Kraftfahrzeugen auf Weiß und Gelb beschränkt, in Frankreich waren gelbe Scheinwerfer bis 1993 Vorschrift. Der Vorteil wurde in der besseren Erkennung bei schlechten Sichtverhältnissen gesehen. Genormter Farbton dafür war Selektivgelb.
Goldgelb mini|Löwenzahn (taraxacum officinale)
Rotstichige, warme Gelbs heißen Goldgelb oder Goldfarben, farbintensive Töne Königsgelb, auch Sonnenblumengelb, Dottergelb und ähnliche vergleichende Trivialnamen werden benutzt. Wie auch gediegenes Gold(-pigment) je nach Legierungsbestandteil in den Varianten Gelbgold und Rotgold geführt wird, kann man diese Farbtongruppe mit dem Spektralbereich von 575 nm bis etwa 590 nm, bei dem sich der Übergang zu Gelborange vollzieht, ansetzen.
Für die Wiedergabe von Goldgelb steht eine breite Palette an Pigmenten und Farbmitteln zur Verfügung: Aureolin (Kobaltgelb, PY40), Barytgelb (Bariumchromat PY31), Nickeltitangelb (PY53)
Bleizinngelb, Massikot (Blei(II)-oxid), Orpiment (Arsen(III)-sulfid), Neapelgelb, Schüttgelb sind traditionelle aber teils giftige Pigmente mit jahrhundertealter Tradition Safran (Crocus sativus, Farbstoff: Crocetin, Kaisergelb Chinas), Gelbwurz (Curcuma longa), Gamboge (Garcinia hanburyi), Wau (Reseda luteola, Farbstoff: Luteolin) Indischgelb aus dem Harn des Rindes, wird seit 1921 nicht mehr gehandelt. Es galt lange Zeit als einzigartiges Goldgelb und kann bis heute in seiner Farbtiefe nicht ersetzt werden. Das typische Ocker deckt ein weites Feld zwischen farbschönen aber nicht zu bunten gelben und rötlichgelben Nuancen bis zu warmem Braun ab.
Weitere Farbnamen sind: Für warmes Gelb: Goldgelb RAL 1004, W3CSpezifikation CSS-3/SVG 1.0 des W3C, siehe Webfarbe#CSS 3, Narzissengelb RAL 1007, Kadmiumgelb (ehem. RAL 1021), Rapsgelb RAL 1021, Safrangelb RAL 1017, Senfgelb, Signalgelb RAL 1003, Sonnengelb RAL 1037, Verkehrsgelb RAL 1023 Für orangestichiges Gelb: Dahliengelb RAL 1033, Indischgelb, Ginstergelb RAL 1032, Melonengelb RAL 1028
mini|Entenküken (zartgelb) Gebrochenes Gelb Gelb und Schwarz (also entsättigtes und dunkles Gelb) ergibt Braun in allen möglichen Varianten, Ocker (neutral bis rötlich) und Umbra (grünlich-gelb). Die Ausmischung von Neutralgelbs mit Schwarz ergibt die Oliv-Gruppe.