Robert Charles „Bob“ Anderson (* 7. November 1947 in Winchester, Hampshire, England) ist ein englischer Dartspieler und Weltmeister mit dem Spitznamen „The Limestone Cowboy“ (zu Deutsch etwa: „Der Kalkstein-Cowboy“).
Anderson gewann die World Professional Darts Championship im Jahr 1988, zudem 1986, 1987 und 1988 die World Masters Championship. 1987 und 1989 war er an Position 1 der WDF-Weltrangliste. Heute lebt er in Clevedon, Somerset.
Anderson warf seine erste „180“ (maximale mit drei Dartpfeilen zu erreichende Punktzahl) bereits im Alter von sieben Jahren, zudem war er in Jugendjahren auch als hervorragender Athlet bekannt; er wurde als Speerwerfer in die britische Auswahl für die Olympischen Sommerspiele 1968 nominiert. Er brach sich den Arm, bevor das Team nach Mexiko aufbrach. Dies war gleichzeitig das Ende seiner Speerwurf-Karriere. 1990 musste er sich einer Operation am Rücken unterziehen, da auch seine Dart-Karriere durch die Beschwerden bedroht war.
Anderson war auch die treibende Kraft hinter dem Bob Anderson Classic, einem größeren Dart-Turnier, welches von 2002 bis 2005 jährlich stattfand. Zudem erfand Anderson das Darttrainingsspiel „Bob’s 27“.
Karriere Bis 1988: Erste Karrierejahre bis zum WM-Titel Bob Andersons Dartskarriere begann in den 1970er-Jahren. Im Jahr 1979 trat Anderson erstmals bei einem Major größer in Erscheinung. Beim World Masters scheiterte er erst im Achtelfinale an John Lowe. Zwei Jahre später schied er ebenfalls beim World Masters eine Runde früher aus.
Bei den British Open 1983 unterlag Anderson im Halbfinale mit 1:2 gegen Eric Bristow. Im Juni 1983 errang Anderson dann den Titel beim British Gold Cup, indem er gegen Paul Reynolds gewann. Beim World Masters zog er erstmals ins Viertelfinale ein. Dies verlor er mit 1:2 gegen Dave Lee.
Im Januar 1984 gab Anderson sein Debüt bei der BDO World Darts Championship. Er traf in Runde eins auf den Schweden Stefan Lord, welcher im Jahr zuvor den dritten Platz erreicht hatte. Anderson verlor mit 0:2 in Sätzen.
Im April 1984 erreichte Anderson das Finale des Double Diamond Masters, nachdem er zuvor Denis Ovens und Keith Deller hatte besiegen können. Er verlor das Endspiel jedoch gegen Dave Lee mit 1:3. Beim British Pentathlon zwei Monate später erreichte er Platz 4.
Eine Woche später spielte sich Anderson, nachdem er Bobby George, Cliff Lazarenko und Eric Bristow geschlagen hatte, ins Finale des Butlin’s Grand Masters. Mit 3:5 verlor er jedoch auch dieses Endspiel gegen Mike Gregory. Beim World Masters im Oktober schied Anderson im Achtelfinale aus.
Bei der BDO World Darts Championship 1985 konnte Anderson dann erstmals ein Spiel gewinnen. In der ersten Runde siegte er mit 2:1 über den Finnen Arto Lintunen. Er verlor jedoch sein Zweitrundenmatch mit 1:3 gegen Dave Whitcombe.
Das Finale des MFI World Matchplay im Oktober verlor Anderson knapp gegen Eric Bristow. Beim World Masters stand er erstmals im Halbfinale.
Bei der BDO World Darts Championship 1986 siegte Anderson zunächst mit 3:0 über Bobby George. Im Achtelfinale gab er ebenfalls keinen Satz ab. Mit 3:0 setzte er sich gegen den Finnen Kari Saukkonen durch. Im Viertelfinale kam es dann zu einem deutlich knapperen Spiel. Mit 4:3 gewann Anderson gegen John Lowe und zog in sein erstes WM-Halbfinale ein. Ein ähnlich spannendes Spiel ging diesmal jedoch besser für Andersons Gegner Dave Whitcombe aus, welcher sich mit 5:4 durchsetzte.
1986 konnte Anderson dann gleich mehrere Titel erringen. Zunächst gewann er an der Seite von John Lowe das MFI World Pairs. Kurz darauf siegte er auch beim British Gold Cup. Dafür schlug er im Finale Robert MacKenzie. Bei den Denmark Open im August gewann Anderson das Finale gegen Mike Gregory.
Im Oktober 1986 errang Anderson seinen bis dato größten Titel. Beim World Masters siegte er gegen Stefan Lord, Tony Payne, Dave Whitcombe und Chris Johns und traf im Finale auf den Kanadier Bob Sinnaeve, der ein gutes Spiel machte. Anderson gewann jedoch mit 3:2 in Sätzen und errang damit seinen ersten Major-Titel.
Einen weiteren Titel errang Anderson bei den Swedish Open und im darauffolgenden Jahr auch die British Open.
Bei der BDO World Darts Championship 1987 gewann Anderson zunächst mit 3:0 gegen Peter Locke und zog nach einem 3:1-Erfolg über Paul Lim ins Viertelfinale ein. Dies verlor er jedoch mit 3:4 gegen Alan Evans.
Nach zwei Finals bei den Finnish Open und den Canadian Open gewann Anderson zusammen mit der englischen Mannschaft beim WDF World Cup. Wenig später gewann er ebenfalls das MFI World Matchplay nach 5:1-Erfolg über John Lowe und trat Ende Oktober 1987 zur Titelverteidigung beim World Masters an. Diese gelang ihm auch nach einem 3:1-Sieg im Finale über John Lowe.
Bei der BDO World Darts Championship 1988 startete Anderson mit einem 3:1 über Bert Vlaardingerbroek aus den Niederlanden. Im Achtelfinale besiegte er dann mit 3:0 den Australier Russell Stewart. Ebenfalls keinen Satz gab Anderson gegen Peter Evison ab. Mit 4:0 erreichte der Limestone Cowboy sein zweites WM-Halbfinale. Gegen den Außenseiter Rick Ney aus den Vereinigten Staaten musste Anderson ebenfalls keinen Satz abgeben. Mit 5:0 gewann er und traf damit im Finale auf seinen ewigen Rivalen und den Titelverteidiger John Lowe. Diesen konnte er mit 6:4 in Sätzen besiegen und damit seinen ersten und einzigen Weltmeistertitel erringen.
Bei den Finnish Open, Canadian Open und den North American Open kam Anderson jeweils ins Finale. Im Juni gewann er das British Matchplay mit 3:2, wieder gegen John Lowe.
Beim World Masters spielte sich Anderson nach Siegen über Magnus Caris, Ronnie Baxter und Mike Gregory erneut ins Finale. Seinen Gegner, erneut John Lowe, besiegte er dieses Mal mit 3:2 und gewann damit zum dritten Mal in Folge den Titel beim World Masters.
1989–1993: Die letzten Jahre bei der BDO Als Titelverteidiger ging Anderson also zur BDO World Darts Championship 1989. Mit 3:0 gewann er das erste Spiel gegen Ken Summers. Auch gegen Wayne Weening aus Australien gewann er. Diesmal mit 3:1. Im Viertelfinale gegen Dave Whitcombe erkämpfte sich Anderson einen Sieg gegen Dave Whitcombe, den er mit 4:3 schlug. Einen ähnlichen Kampf lieferten sich er und Jocky Wilson. Diesmal verlor Anderson jedoch mit 4:5 und verpasste damit die Titelverteidigung.
Nach dem Sieg beim Dry Blackthorn Cider Masters im März gewann Anderson im Juni 1989 das Finale des British Matchplay gegen Cliff Lazarenko und verteidigte somit seinen Titel. Mit der gleichen Intention startete Anderson beim World Masters, musste sich jedoch im Achtelfinale Magnus Caris geschlagen geben.
Gesetzt an Position zwei startete Anderson in die BDO World Darts Championship 1990. In seinem ersten Spiel gegen den Dänen Jann Hoffmann musste Anderson nach 2:2 in Sätzen in die Verlängerung. Beim Stand von 3:4 für Hoffmann verpasste der Limestone Cowboy drei Darts auf Doppel, woraufhin der Däne mit Triple 10 und Doppel 16 das Match auscheckte.Hoffmann v Anderson - Lakeside World Championship 1990 (Part 4) abgerufen am 18. Februar 2022
Anderson ließ sich von diesem Misserfolg jedoch nicht beirren. Er gewann die erstmalig ausgetragene World Champions Challenge und später im Juni die Canadian Open, indem er im Finale Phil Taylor besiegte. Ende des Monats folgten zwei Finalteilnahmen beim British Gold Cup und dem British Matchplay, bevor er im September am WDF Europe Cup 1990 teilnahm. Gemeinsam mit Phil Taylor errang er dabei den Doppeltitel im Finale gegen John Lowe und Eric Bristow. Diese vier waren es auch, welche sich im Teamwettbewerb gegen Schweden durchsetzten.
Bei der BDO World Darts Championship 1991 war Anderson nur noch an Nummer fünf gesetzt. Ihm gelang diesmal jedoch wieder ein Erstrundenerfolg. Mit 3:2 schlug er Sean Palfrey. Mit demselben Ergebnis gewann er auch in Runde zwei gegen Russell Stewart. Im Viertelfinale musste erneut der letzte Satz die Entscheidung bringen, wobei Anderson erneut die Oberhand behielt und nach 4:3 über Alan Warriner zum vierten und letzten Mal ins BDO-WM-Halbfinale einzog. Dieses verlor er dann jedoch mit 2:5 gegen Dennis Priestley.
Das Finale der Canadian Open im Juni daraufhin verlor Anderson gegen Mike Gregory. Beim World Masters unterlag er im Halbfinale Phil Taylor. Ansonsten konnte er bei keinen größeren Turnieren Aufmerksamkeit erregen.
Die BDO World Darts Championship 1992 startete Anderson erneut an Position 5. Nachdem er mit 3:1 gegen Ronnie Baxter gewonnen hatte, musste er sich in Runde zwei Graham Miller mit 2:3 geschlagen geben.
Daraufhin gewann Anderson die Canadian Open und nahm als Teil des englischen Teams am WDF Europe Cup teil. Im Einzel gelang ihm dabei kein großer Erfolg, viel besser lief es dafür in den Doppel- und Teamwettbewerben. An der Seite von John Lowe erreichte er das Halbfinale, welches die beiden gegen die Gastgeber aus Finnland (bestehend aus Kexi Hainaharju und Aulis Nissinsen) mit 3:4 verloren. Im Team gelang es dafür – neben Anderson und Lowe bestehend aus Phil Taylor und Alan Warriner – den Titel gegen das Walisische Team zu erringen.
Zusammen mit anderen Spielern des Dartsports begann auch Anderson damit, sich immer weiter von der BDO abzuspalten. Dies führte dazu, dass Anderson eines der Gründungsmitglieder des World Darts Council wurde. Bei dessen allererstem Turnier, den Lada UK Masters im Oktober 1992, scheiterte Anderson im Achtelfinale an Phil Taylor.
Bei der BDO World Darts Championship 1993 startete Anderson als Nummer 8 der Rangliste. Mit 3:1 gewann er in Runde eins gegen Scott Coleman und setzte sich ebenfalls gegen Eric Bristow durch, diesmal sogar mit 3:0. Sein letztes BDO-WM-Spiel, das Viertelfinale gegen Steve Beaton, verlor er schließlich aber mit 1:4.
Kurz darauf nahm er am UK Matchplay, einem weiteren WDC-Turnier, teil und scheiterte erst im Halbfinale an Dennis Priestley. Die WDC Samson Darts Classic im April konnte er dann sogar nach Finalsieg über Phil Taylor gewinnen, bevor er im Juni 1993 zu seinem letzten BDO/WDF-Turnier antrat. Im Finale der North American Open gewann Anderson gegen Shayne Burgess.
Bei den Lada UK Masters kam Anderson in diesem Jahr sogar ins Finale, musste sich allerdings mit 6:8 Mike Gregory geschlagen geben. Daraufhin startete Anderson bei der ersten Austragung der WDC World Darts Championship 1994 als Nummer 3 der Rangliste. In seiner Vorrundengruppe gegen die beiden US-Amerikaner Gerald Verrier und Dave Kelly konnte sich Anderson ohne Satzverlust durchsetzen. Er traf daraufhin im Viertelfinale auf Phil Taylor, gegen den er mit 2:4 verlor.
1994–2002: Erste Jahre und Formtief bei der PDC Beim UK Matchplay daraufhin spielte sich Anderson nach Siegen über John Lowe, Sean Downs und Rod Harrington ins Finale, welches er mit 5:7 gegen den Weltmeister Dennis Priestley verlor. Beim ersten World Matchplay gewann Anderson in Runde eins mit 8:4 gegen Mick Manning, bevor er im Achtelfinale in der Verlängerung Phil Taylor mit 11:9 schlagen konnte. Im Viertelfinale verlor er jedoch gegen Shayne Burgess mit 8:11.
Bei seiner Teilnahme an der WDC World Darts Championship 1995 war Anderson an Nummer fünf gesetzt. Mit 3:1 schlug er in der Vorrunde sowohl Jerry Umberger als auch Ritchie Gardner und zog damit wieder ins Viertelfinale ein. Wie im Vorjahr verlor er jedoch dieses gegen Phil Taylor, diesmal mit 1:4.
Im April 1995 verlor Anderson das Halbfinale des UK Matchplay gegen Alan Warriner-Little. Beim World Matchplay schied Anderson noch früher aus. Bereits in seinem ersten Spiel unterlag er John Lowe mit 8:10.
Bei der WDC World Darts Championship 1996 konnte Anderson zwar Gerald Verrier mit 3:1 besiegen, schied jedoch nach einem 2:3 gegen Jamie Harvey erstmals in der Gruppenphase aus.