Die Bartholomäusnacht (auch Pariser Bluthochzeit genannt, ) war ein Massenmord an französischen Protestanten, den Hugenotten, in der Nacht vom 23. zum 24. August 1572, dem Bartholomäustag. Auch Admiral Gaspard de Coligny und weitere Führer der Hugenotten wurden dabei ermordet. Sie waren anlässlich der (vermeintlich der Versöhnung dienenden) Hochzeit des Protestanten Heinrich von Navarra (des späteren Königs Heinrich IV.) mit Margarete von Valois in Paris versammelt. In derselben Nacht wurden weitere Tausende Protestanten in Paris und in den Folgetagen frankreichweit ermordet.

Der Massenmord ist ein zentrales Ereignis der Hugenottenkriege. Es ist mit vier Ereignissen verknüpft: einem ersten fehlgeschlagenen Attentat auf Admiral de Coligny am 22. August 1572, Ermordung der Hugenottenführer einschließlich de Colignys zwei Tage später, dem danach einsetzenden Pogrom in den Straßen von Paris sowie einer Welle von Gewalt kurz darauf in fast ganz Frankreich.Mack P. Holt: The French Wars of Religion, 1562–1629. (= New approaches to European history Band 8.) Cambridge 1995, S. 82.

Die Bartholomäusnacht ist ein zentrales Datum in der Geschichte Frankreichs im 16. Jahrhundert und tief im kollektiven Gedächtnis der Franzosen verankert. Sie wird häufig in der Literatur und der bildenden Kunst behandelt.

mini|hochkant=2|Bartholomäusnacht in Paris, zeitgenössisches Gemälde von François Dubois: Le massacre de la Saint-Barthélemy

Frankreich und Europa im 16. Jahrhundert Frankreich und der entstehende Konflikt Unter Ludwig XII. und Franz I. konnte Frankreich seine bis dahin größte Macht entfalten. Im Inneren des Landes herrschte Ruhe, die Krone wurde anerkannt, und die Monarchie konnte ihre Autorität in bisher noch selbstständig agierenden Herrschaftsbezirken ausbauen.Ernst Hinrichs (Hrsg.): Kleine Geschichte Frankreichs. Von Heinz-Gerhard Haupt, Ernst Hinrichs, Stefan Martens, Heribert Müller, Bernd Schneidmüller, Charlotte Tacke (= Reclam. 9333). Stuttgart 2003, S. 125. Außenpolitisch stand Frankreich weiterhin im fortwährenden Konflikt mit den Habsburgern (siehe habsburgisch-französischer Gegensatz) und somit mit Spanien, Österreich und dem Heiligen Römischen Reich.

Die Ausbreitung des Protestantismus und die innenpolitischen Konflikte führten zu einer Krise des Königshauses und zur Erschütterung der Monarchie. Schon früh erkannten die französischen Könige die Bedrohung, die von den Reformierten ausging, denn die protestantische Bewegung, die zunächst in den südlichen Provinzen Anklang fand, erfasste bald die (rivalisierenden) Fürstenhäuser, auf deren Loyalität und Unterstützung die Krone angewiesen war und durch die eine Aufrechterhaltung des monarchischen Staates möglich war. Unter Franz I. wurden 1535 erstmals Protestanten in Paris verbrannt. Auch unter Heinrich II. und später unter seinem Sohn Franz II. kam es 1549 und 1559 zu Ausschreitungen gegenüber Protestanten.Ludwig Wachler: Die Pariser Bluthochzeit. Dargestellt von Dr. Ludwig Wachler. Leipzig 1826, S. 19f. Doch wurde die Konversion dadurch nicht aufgehalten: 1555 entstanden in Paris, Meaux, Poitiers, Angers und Orléans protestantische Kirchen, die Zahl der protestantischen Gemeinden betrug wohl 1200, und in Frankreich bekannten sich vermutlich über eine Million Menschen zur reformierten Kirche.Ludwig Wachler: Die Pariser Bluthochzeit. Dargestellt von Dr. Ludwig Wachler. Leipzig 1826, S. 21.

Neben diesen religiösen Problemen kam es ab 1559 zur konstanten Schwächung der Monarchie durch die Rivalitäten der verschiedenen Hofparteien und durch den äußeren Einfluss und Druck auf die Politik im Land. Der Tod Heinrichs II. im Jahre 1559, die einjährige Regentschaft seines Sohnes Franz und die des zehnjährigen Karl IX. erschütterten die bis dahin gefestigte Monarchie. Die steigende Rivalität der französischen Adelsgruppen, die sich nun neben politischen Streitfragen auch mit religiösen beschäftigen mussten, und ihr Kampf um die Macht am Hofe schwächten den königlich geleiteten Staat, der auch noch Gefahr lief, bankrottzugehen.N. M. Sutherland: The Massacre of St Bartholomew and the European Conflict 1559–1572. London/Basingstoke 1973, S. 3 f. Von der Auflösung der innenpolitischen Struktur versuchte Spanien zu profitieren. Die Hochzeit Elisabeths von Valois mit dem spanischen König Philipp II. 1559 sollte im Rahmen des Vertrages von Cateau-Cambrésis die Freundschaft zwischen Frankreich und Spanien stärken, ermöglichte es aber dem unter päpstlichem Einfluss stehenden streng katholischen Spanien, religiös motivierten Druck auf die französische Innenpolitik und deren Umgang mit der neuen Religion auszuüben. Philipp unterstützte die Partei der radikalen Katholiken, um den Einfluss der Protestanten auf die französischen Politik zu schwächen.N. M. Sutherland: The Massacre of St Bartholomew and the European Conflict 1559–1572. London/Basingstoke 1973, S. 10f. Im März 1560 versuchten die Hugenotten gegenzuhalten. In der so genannten Verschwörung von Amboise sollte der König abgesetzt, das Haus Guise, das zu den strengen Katholiken gehörte, entmachtet und der Prinz von Condé auf den Thron gesetzt werden. Nachdem dieser Plan schon im Anfangsstadium gescheitert war, konnte das Haus Guise, welches an der Niederschlagung des Komplotts beteiligt war, seinen Einfluss auf den jungen Franz II. ausbauen.Ludwig Wachler: Die Pariser Bluthochzeit. Dargestellt von Dr. Ludwig Wachler. Leipzig 1826, S. 23. Dessen frühes Ableben im Jahre 1560 führte allerdings zu einer weiteren Machtverschiebung: Katharina von Medici, die nun zusammen mit oder für ihren Sohn Karl regierte, konnte ihre eigene politische Stellung enorm ausbauen; das Haus Guise, das unter Heinrich II. und Franz II. lange die Regierungsgeschäfte kontrolliert hatte, verlor dementsprechend an Macht und konkurrierte am Hof mit dem Haus Bourbon.

Religionsfrage zwischen 1560 und 1570 Ab 1560 beherrschten drei große Themen die Politik am Hof und im Staat: Krone, Katholiken und Protestanten.N. M. Sutherland: The Massacre of St Bartholomew and the European Conflict 1559–1572. London/Basingstoke 1973, S. 10. Katharina und der gemäßigte Chancelier de France Michel de l’Hôpital arbeiteten daher an einem Erlass, der die religiöse Duldung der Hugenotten beinhalten sollte. Mit dem Edikt von Romorantin wurde die Ketzerfrage der Kirche übergeben.Ludwig Wachler: Die Pariser Bluthochzeit. Dargestellt von Dr. Ludwig Wachler. Leipzig 1826, S. 24. Auch das „Religionsgespräch in Poissy“ zeigt die Bemühungen der Krone um Ruhe und Einheit. Die strengen Katholiken, die eine königliche Duldungspolitik entschieden ablehnten, versuchten weiterhin, ein Gegengewicht zur Politik Katharinas aufzubauen: Das 1561 zwischen François de Lorraine, duc de Guise, Anne de Montmorency und Saint-André geschlossene religiös-politische Bündnis, das als Triumvirat bezeichnet wurde, bezweckte daher die Aufrechterhaltung des katholischen Glaubens in Frankreich mit der dazugehörigen monarchischen Verfassung.Ludwig Wachler: Die Pariser Bluthochzeit. Dargestellt von Dr. Ludwig Wachler. Leipzig 1826, S. 27. Auch Spanien unterstützte solche Abkommen, um die Präsenz von gemäßigten Politikern wie dem Kanzler l’Hôpital und Protestanten im Zentrum der Macht zu verhindern.N. M. Sutherland: The Massacre of St Bartholomew and the European Conflict 1559–1572. London/Basingstoke 1973, S. 15. Wie weit Philipps Bemühungen in Frankreich reichten, hatte schon sein Angebot im März und im September 1560 verdeutlicht, Frankreich Hilfe für den Kampf gegen die Hugenotten zu entsenden.N. M. Sutherland: The Massacre of St Bartholomew and the European Conflict 1559–1572. London/Basingstoke 1973, S. 24. Katharina betrachtete jedoch jegliche Stärkung der extremen Katholiken als Gefährdung ihrer Politik und der Autorität der Krone. Sie rechnete eher mit einem Entgegenkommen der Hugenotten, da diese auf eine Tolerierung ihres Glaubens und somit persönliche Sicherheit durch die französische Regierung setzten.

Zur Wahrung der Unabhängigkeit der Regierung, des Friedens und der Ordnung im Staat entstand 1562 das Edikt von Saint-Germain-en-Laye. Die Krise von 1562 blieb ungelöst, die Spannungen zwischen Frankreich und Spanien bestanden auch im folgenden Jahrzehnt. Die Gewährung von eingeschränkter Glaubensfreiheit sorgte bei den Katholiken für Proteste und löste im März 1562 das Blutbad von Vassy aus. Der ausbrechende Bürgerkrieg verstärkte die Internationalisierung des Konfliktes: Admiral Gaspard de Coligny, seit 1561 öffentlich bekennender Protestant und militärisch-politischer Anführer der Hugenotten, wurde durch 9000 deutsche Krieger und der Herzog von Guise durch 3000 Spanier aus den Niederlanden unterstützt.Vgl. Ludwig Wachler: Die Pariser Bluthochzeit. Dargestellt von Dr. Ludwig Wachler. Leipzig 1826, S. 31. Der Papst, die katholischen Fürsten, Spanien mit den Niederlanden, England und Deutschland griffen in den französischen Konflikt ein. Neben dieser Internationalisierung des Konflikts sorgte der Erste Hugenottenkrieg für eine Verschärfung des Antagonismus zwischen Hugenotten und Katholiken, besonders zwischen dem Haus Guise und dem Admiral Coligny: François de Lorraine, Herzog von Guise, wurde in der Schlacht von Dreux 1563 durch einen Protestanten tödlich verletzt. In dem Verhör wurde dem Mörder die Aussage abgepresst, der Admiral sei für das Attentat verantwortlich. Die Fehde der beiden Häuser ermöglichte es den Katholiken, das Edikt von Amboise und das Edikt von Saint-Germain-en-Laye zu ignorieren, da sie nun aus persönlichen Motiven heraus handelten.Jean-Louis Bourgeon: L’assassinant de Coligny. (= Travaux d’histoire éthico-politique. 51). Genève 1992, S. 128N. M. Sutherland: The Massacre of St Bartholomew and the European Conflict 1559–1572. London/Basingstoke 1973, S. 27. Unterstützung bekamen die Guisen wiederum von Spanien. Philipp II. konnte einen Vertrag zwischen dem französischen Königshaus und den Hugenotten, die immer noch eine Bedrohung für die katholische Religion und den Staat darstellten, nicht akzeptieren; er schickte mahnende Appelle an Katharina.Karl Kupisch: Coligny. Eine historische Studie. 2., veränderte Auflage. Berlin o. J., S. 149. 1563 wurde der 14-jährige Karl IX. für mündig erklärt. Ein Jahr später erschienen dann die „Erklärungen“ zum Edikt von Amboise, in denen die Freiheit der Hugenotten wieder eingeschränkt und die Strafandrohungen gegen sie verschärft wurden. Diese Verschärfung könnte eine mögliche Reaktion auf die Unruhen in den seit 1555 von der spanischen Krone regierten Niederlanden gewesen sein. Da die französischen Protestanten mit ihren Glaubensgenossen in regem Kontakt standen, wäre ein erneutes Aufkeimen der Gewalt in Frankreich möglich gewesen.

Auch das französisch-spanische Verhältnis verbesserte sich: Im Juni 1565 kam es zu einem Treffen zwischen Katharina und ihrer Tochter Elisabeth von Valois, der Königin von Spanien, und anderen spanischen und französischen Adligen. Die Teilnahme der Hugenotten wurde abgelehnt. Dem Herzog von Alba, Fernando Álvarez de Toledo, späterer Statthalter der Niederlande, versicherte Katharina ein strengeres Vorgehen gegenüber den Hugenotten.Karl Kupisch: Coligny. Eine historische Studie. 2., veränderte Auflage. Berlin o. J., S. 155. Dass diese Zusage seitens der französischen Regierung nicht eingehalten wurde, zeigt Katharinas Versuch, jegliche Eingriffe und Abhängigkeiten von Spanien zu verhindern. Mangels finanzieller Mittel, sich der inneren und äußeren Gegnerschaft gleichzeitig zu erwehren, musste sich die Krone beiden Seiten gegenüber vage verhalten. Angesichts der europäischen politisch-religiösen Dynamik war mit dieser Taktik der französischen königlichen Politik weder eine Lösung des Problems, noch eine dauerhafte Stabilität zu erreichen.Karl Kupisch: Coligny. Eine historische Studie. 2., veränderte Auflage. Berlin o. J., S. 156f.