Mombach ist ein Ortsbezirk der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.
Der Ort mit heute fast 14.000 Einwohnern entwickelte sich durch die Industrialisierung zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer wohlhabenden Industriegemeinde im Großherzogtum Hessen, die im Jahr 1907 von der Stadt Mainz eingemeindet wurde. Seit der Rezession der 1970er Jahre und den damit verbundenen Werksschließungen durchläuft Mombach einen Strukturwandel zum Wohn- und Gewerbestandort. Aus jener Zeit stammt auch der hohe Ausländeranteil. Mit über 28 Prozent gemeldeter Ausländer und einem zweistelligen Prozentsatz gemeldeter Deutscher mit Migrationshintergrund ist Mombach der Mainzer Ortsbezirk mit dem höchsten Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund. Mombach ist direkt über Mainz oder über die Autobahn A 643 aus allen Richtungen, Anschlussstelle Mainz-Mombach oder Mainz-Gonsenheim, zu erreichen. Das Naturschutzgebiet Mainzer Sand liegt zu einem Großteil in der Gemarkung und der angrenzende Lennebergwald erweitert die zur Erholung geeignete Fläche. Das Mombacher Rheinufer mit seinem Naturschutzgebiet und den Wassersportvereinen ergänzt das Erholungsangebot.
Geographie Mombach liegt im zurückgewichenen Ufervorland links des Rheins im Mainzer Becken und damit am Rande der rheinhessischen Hochfläche. Der Rhein bildet dabei die nördliche Ortsgrenze von Mombach.
Mombach ist der nördlichste Stadtteil von Mainz.
Nachbarstadtteile und -gemeinden Folgende Gemeinden bzw. Mainzer und Wiesbadener Stadtteile grenzen im Uhrzeigersinn an Mombach:
im Norden über dem Rhein Wiesbaden-Schierstein und Wiesbaden-Biebrich, im Osten Mainz-Neustadt, im Süden Mainz-Gonsenheim sowie zu einem kleinen Teil Mainz-Hartenberg-Münchfeld und im Westen Budenheim.
Klima Wie ganz Rheinhessen liegt Mombach wettergeschützt durch Hunsrück, Taunus, Odenwald und Donnersberg.
Ortsgeschichte Mombach war ursprünglich ein Bauern-, Schiffer- und Fischerort.
Frühgeschichte und Mittelalter Archäologische Ausgrabungen bezeugen, dass das Gebiet von Mombach bereits in prähistorischer Zeit besiedelt war. Aus der Frühbronzezeit wurde beispielsweise ein Flachbeil in Mombach gefunden. Auch aus römischer Zeit liegen zahlreiche Funde vor. Die Gründung des Ortes erfolgte vermutlich im Zuge der fränkischen Landnahme. In dieser Zeit entstand Mombach, wahrscheinlich aus dem fränkischen Namen Muno (Munno) oder dem keltischen Mouno. Der Ortsname wird gedeutet als Bachsiedlung des Munno.Henning Kaufmann: Rheinhessische Ortsnamen, München 1976, S. 144. Mombach wurde erstmals im Jahre 1256 urkundlich erwähnt.Ludwig Baur: Hess. Urkunden, Nr. 144 vom 20. Jan. 1256, 2. Bd., Darmstadt 1862.
Frankreichs Drang zum Rhein Noch während des Dreißigjährigen Krieges, mit wechselhaften Besatzern von Mainz und Umgebung (u. a. auch Schweden Übergabe von Mainz am 23. Dezember 1631 und Kaiserliche), drangen die Franzosen unter dem Kommando des Vicomte de Turenne 1635 bis Mainz vor, wo er Bernhard von Sachsen-Weimar entsetzte. Aufgrund von Geld- und Proviantmangel konnte die Stadt nicht gehalten werden und fiel am 17. Dezember 1635 an die Kaiserlichen. Am 17. September 1644 wurde Mainz nach französischer Belagerung erneut französisch. Als die Garnison durch die Türkenkriege geschwächt war, kamen die Franzosen wieder und verwüsteten und okkupierten 1688 ohne Kriegserklärung die linksrheinischen Gebiete bis zur natürlichen Rheingrenze inklusive Mainz. Die besetzte Stadt wurde 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg von Reichstruppen belagert und zurückerobert.
Kurmainzer Zeit mini|100px|Grenzstein des Klosters Maria Dalheim mini|100px|Grenzstein des Klosters Jakobsberg mini|100px|Grenzstein des Mainzer Domkapitels in Mombach
In Kurmainzer Zeit war der Ort von einer Dorfmauer umgeben. Teile dieser Dorfmauer sind noch heute Bestandteil von alten Scheunen. Mombachs historischer Ortskern ist der Lindenplatz. Um die alte Dorflinde gruppierten sich die wichtigsten Gebäude, die erste Nikolauskapelle, Backhaus und Schulhaus. Wie die Grenzsteinforschung zeigt, waren außer dem Mainzer Domstift auch die Klöster Dalheim und Jakobsberg nachweisbar in dieser Zeit in Mombach begütert.
Die ursprüngliche Pfarrkirche von Mombach war St. Theonest im Gartenfeld. Das Dorf und seine Gemarkung lag in der stiftischen Immunität von St. Peter. Es wird vermutet, dass die alte Nikolauskapelle den Verwüstungen des pfälzischen Erbfolgekriegs zum Opfer fiel. Als Ersatz wurde am 19. August 1703 die erste Nikolauskirche durch den Mainzer Weihbischof Johann Edmund Gedult von Jungenfeld geweiht und damit Mombach vom Stiftsadel in St. Peter unabhängig.Josefa Emrich: St. Nikolaus Kirche in Mainz-Mombach, in: Mainzer Kirchenführer Leinpfad Verlag, 2004, ISBN 3-937782-18-4. Der Domvikar Heinrich Georg de La Roche hatte kurz vor seinem Tod die hierzu notwendige Finanzierung in Form einer Stiftung von 1000 Talern geleistet.Karl Anton Schaab: Geschichte der Stadt Mainz, Band 3, Seifert’sche Buchdruckerei, Mainz 1847, S. 467. Am 14. Dezember 1700 wurde die Vereinbarung zwischen Petersstift und Gemeinde geschlossen. Die Kirche unterstand der Oberaufsicht des Mainzer Dompropsts.Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntina in Archidiaconatus distincta Commentationibus Diplomaticis Illustrata Band I; Mannheim 1767. Während der darauffolgenden Zeit wurde ein neues Rathaus und ein Schulhaus errichtet. Mitte des 18. Jahrhunderts setzte unter den Adeligen eine Begeisterung für das Landleben ein, wovon Mombach profitieren konnte. Belege hierfür sind z. B. die Anlage des „Walderdorfschen Geländes“, die „Kesselstadtsche Anlage“ und das „Rondell“.
Zweite französische Besatzungszeit 1792 hob General Custine die kurfürstliche Verwaltung auf. Mit der erneuten Besetzung der linksrheinischen Gebiete des Kurstaates durch die französische Revolutionsarmee wurde die stiftische Verwaltung Mombachs durch Amtleute des Domkapitels vollständig beendet.Sigrid Schmitt: Ländliche Rechtsquellen aus den kurmainzischen Ämtern Olm und Algesheim Franz Steiner Verlag, 1996, ISBN 978-3-515-06786-7, S. 402, 403 online Während der Belagerung von Mainz (1793) wurde Mombach immer wieder von beiden Kriegsparteien ausgeplündert. Auch als die Franzosen Mainz zurückerobern wollten (Mainzer Linien), standen die Truppen zwischen Mombach und Budenheim. Am 12. November 1794 wurde eine Anhöhe bei Mombach von den Generalen Desaix und Michaud besetzt. Die Entsetzung von Mainz begann am 29. Oktober 1795 damit, dass Clerfait einen Scheinangriff auf Mombach, sowohl vom Hartenberg und Hartmühle als auch von der Ingelheimer Aue aus veranlasste.Karl Anton Schaab: Die Geschichte der Bundesfestung Mainz, historisch und militärisch nach den Quellen bearbeitet. Eigenverlag des Verfassers, Mainz 1835., S. 394–397. Durch den Frieden von Campo Formio und durch dessen Bestätigung im Frieden von Lunéville wurde Mombach den Franzosen zugeschlagen und lag von da an im Kanton Oberingelheim. Ab 1801 residierte der Präfekt Jeanbon St. André in Mainz und ließ die alten Ortspforten sowie diverse Heiligenhäuschen in Mombach niederlegen.
In diese Zeit fällt auch die Trockenlegung der ausgedehnten, niedriggelegenen Feld- und Wiesengelände entlang des Rheines, durch ein Damm- und Grabensystem. Mittels eines nahe der Stadt angelegten Stau- und Schleusensystems, der Inondationsschanze, konnte das Gartenfeld vor dem westlichen Außenwall im Belagerungsfall geflutet werden. Damit konnten sich die Verteidiger auf die Linien der Süd- und Ostwälle konzentrieren. Der weithin wässrige Boden erschwerte potentiellen Belagerern das Anlegen von Trinkwasserbrunnen, Laufgräben, Kommunikationswegen sowie trockenen Unterkünften und Batterien.
Großherzoglich Hessische Zeit Nach dem Scheitern Napoleons, dem Wiener Kongress und dem Staatsvertrag zu Frankfurt am Main kamen die Gebiete um Mainz, Bingen, Alzey und Worms nach Ablösung des Generalgouvernements Mittelrhein zum Großherzogtum Hessen. Seit dieser Zeit wird dieses Gebiet als Rheinhessen bezeichnet. Mainz wurde Bundesfestung. Zahlreiche Obstgebiete, Weinberge und Wälder wurden zu Militärgelände konvertiert. Die Landgemeinde profitierte in der Mitte des 19. Jahrhunderts von der Nähe zur Festung Mainz, da laut den Rayonbestimmungen, innerhalb der zweiten Rayonlinie keine Industrieansiedlungen erlaubt wurden. Deshalb griffen die Mainzer Kaufleute für ihre Fertigungsanlagen auf Standorte wie Mombach oder die rechtsrheinischen Gebiete zurück. 1845 wurde die Chaisen- und Eisenbahnwagen-Fabrik der Gebrüder Gastell aus Mainz zwangsverlegt. Derartig große feuerverarbeitende Fabriken durften aus Sicherheitsgründen nicht mehr innerhalb der Festungsmauern produzieren. Man entschied sich für die Anlage des Herrn Grafen von Walderdorf am Rande von Mombach. Die Mombacher erhielten mit der Fertigstellung der Bahnlinie Mainz-Bingen 1859 ihren ersten Personen- und Güterbahnhof, welcher sowohl die landwirtschaftliche als auch die industrielle Produktion förderte. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistete die Gründung der chemischen Fabrik 1856, heute Prefere Paraform. Schon im Jahr 1825 wurde bei Mombach, auf dem heutigen „Kleinen Sand“ der erste Mainzer „Turnplatz“ eingerichtet. 1869 wurde bereits die erste Turnhalle, sowie das Schulhaus an der Hauptstraße erbaut. Die zunehmende Industrialisierung in der Gründerzeit nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871/71, sorgte später für die Zuwanderung hauptsächlich von Arbeiterfamilien. Eine weitere Bahnlinie, die Hessische Ludwigsbahn, wurde 1871 entlang des Gastellschen Firmengeländes Richtung Gonsenheim geführt und ein weiterer Bahnhof entstand. 1885 bestand die Bevölkerung aus 2822 Personen, darunter 485 evangelische Christen, die im gleichen Jahr die Gründung einer evangelischen Gemeinde vorantrieben.
Der heutige Industriehafen wurde 1882 bis 1887 als Floßhafen angelegt, indem der Rheinarm zur Ingelheimer Aue teilweise zugeschüttet wurde, um stromaufwärts das Becken für den Mainzer Zoll- und Binnenhafen zu schaffen.
Im August 1890 nahm die Schmahlsche Kesselschmiede ihren Betrieb auf. Bald darauf wurde ein neues Schulhaus in der Weiherstraße erbaut.
20. Jahrhundert mini|Eingang zum Volksbad von 1909
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhielt Mombach Gas- und Wasserleitungen und eine Kanalisation – die Gas- und Wasserwerke entstanden. Der bedeutendste Scheibengasbehälter seiner Zeit stand in Mombach. Außerdem verband die elektrische Straßenbahn Mombach mit Mainz.
Am 1. April 1907 wurde Mombach unter Oberbürgermeister Karl Göttelmann als einer der ersten Vororte eingemeindet.Gesetz vom 27. März 1907. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 13. Mainz wuchs dadurch im Folgejahr zur echten Großstadt von über 100.000 Einwohnern. Das Wasserwerk zur hygienisch einwandfreien Versorgung mit Wasser wurde erweitert. Die Pestalozzischule, ein dreigeschossiger Zweiflügelbau, wurde 1908/1909, nach einem Entwurf des Mainzer Hochbauamts errichtet. Die Bildhauerarbeiten wurden von Ludwig Lipp senior ausgeführt. In diese Anlage war auch ein Volksbad integriert. Mit dem rasanten Wachstum der letzten Jahre tat sich auch in Mombach die Soziale Frage auf. Im Zusammenhang mit diesem Wachstum wurden weitere Kirchenbauten notwendig, so legte die evangelische Gemeinde am 10. April 1910 den Eckstein für die „Friedenskirche“ im Stil des Wiesbadener Programms. Das Bistum Mainz ließ 1911 von seinem Diözesanbaumeister eine Basilika mit Fassadenflankenturm als Grablege für den Sozialbischof Ketteler planen, die „Herz-Jesu-Kirche“.
Auf dem Großen Sand wurden viele Jahre lang regelmäßig Kaisermanöver abgehalten (beginnend mit den Kaiserparaden), das letzte Mal 1913. Kaiser Wilhelm II. nahm diese ab, wenn er in Wiesbaden zur Kur war.