mini|Marienkirche Die Marienkirche oder Sankt-Marien-Kirche () ist eine der Hauptkirchen der Stadt Flensburg. Die Gemeinde gehört zum Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Schleswig-Flensburg in der Nordkirche. Vom Nordermarkt gelangt man zur Marienkirche über den/die Schrangen, einen historischen Verbindungsbau aus dem Jahr 1595.
Geschichte mini|St. Marien auf dem Beyerschen Epitaph von 1591 mini|St. Marien, Ansicht vom Flensburger Hafen aus Vorgängerbau Der Vorgängerbau war eine romanische Steinkirche und ist wohl unter König Waldemar I. um 1165/70 errichtet worden,Udo Gräve: St. Marien zu Flensburg. Lindenberg 2010, S. 1 nach anderen Quellen aber erst nach dem Regierungsantritt des dänischen Königs Knut VI. im Jahre 1182. Im Bruderkrieg zwischen König Erik IV. von Dänemark und Herzog Abel von Schleswig wurde der Bau 1248 zerstört. Aus dieser Kirche ist ein Gießlöwe vom Ende des 12. Jahrhunderts erhalten, der heute im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg aufbewahrt wird.
Entstehung Die heutige Marienkirche wird zum ersten Mal in einem Ablassbrief des dänischen Bischofs Tycho von Aarhus am 2. Mai 1284 erwähnt. Er befindet sich im Stadtarchiv im Flensburger Rathaus. In diesem Brief heißt es, dass die Bürger mit dem Bau der neuen Kirche begonnen hätten. Errichtet wurde eine dreischiffige Hallenkirche als Backsteinbau in gotischem Stil. Sie steht in der Nähe des Nordermarktes, in der Großen Straße,St. Marien-Kirche zu Flensburg an derselben Stelle, an der sich der Vorgängerbau befand, und ist Maria geweiht. Sie ist die älteste Innenstadtkirche Flensburgs und gehört zu den größten und bedeutendsten Kirchen der Stadt.Udo Gräve: St. Marien zu Flensburg. Lindenberg 2010, S. 1
Im Laufe der Zeit erfuhr die Marienkirche immer wieder Umbauten. Der zunächst drei Joche umfassende Bau wurde um 1400 nach Osten um zwei Joche erweitert. An die Seitenschiffe wurden je zwei Kapellen unterschiedlicher Tiefe angefügt, deren Fenster dreiteilig ausgeführt wurden.St.-Marien-Kirche Die größere Kapelle im Norden wurde zur Taufkapelle.
1526 wurde die Reformation eingeführt, 1598 entfernte man Altäre und papistische Bilder aus der Kirche und schaffte einen neuen Hochaltar an, der als Hauptwerk der norddeutschen Spätrenaissance angesehen wird.Andreas Rumler: Schleswig-Holstein. Kultur, Geschichte und Landschaft zwischen Nord- und Ostsee, Elbe und Flensburger Förde. DuMont Reiseverlag, 4., aktualisierte Auflage, Ostfildern 2011, S. 81
Zunächst besaß die Kirche nur einen Dachreiter. Von 1730 bis 1731 wurde über dem westlichen Joch des Mittelschiffes auf verstärkten Eckpfeilern ein Turm gebaut und mit einer Barockhaube bekrönt. Ein Jahr später erhielt die Kirche eine neue Orgel, deren Prospekt bis heute erhalten ist. Um 1780 entstand ein Barockportal an der Südwand, 1788 wurden die drei Schiffe mit einem Mansarddach versehen. In den Jahren 1878–1880 wurde der barocke Turm durch einen neugotischen mit einem spitzen Helm ersetzt.Udo Gräve: St. Marien zu Flensburg. Lindenberg 2010, S. 2 Die doppelstöckige Sakristei wurde 1901 zusammen mit einem Treppenturm an der Nordseite angebaut.
Die Kirche zum Kriegsende Bei den Luftangriffen auf Flensburg blieb die Kirche unbeschädigt. Anfang Mai 1945 hatte sich die letzte Reichsregierung nach Flensburg-Mürwik zurückgezogen. Seit dem 8. Mai 1945 fanden die Gottesdienste in der Heiliggeistkirche statt, da deutsche Truppen die Kirche als Notquartier belegten.Broder Schwensen: „In der Stadt gehen die wildesten Gerüchte um. Der Mai 1945 im Spiegel der Flensburger Stadt-Chronik“ in: Lange Schatten. Ende der NS-Diktatur und frühe Nachkriegsjahre in Flensburg. Stadtarchiv Flensburg (2000), S. 25 Einige der Fenster der Kirche wurden im Juni 1945 durch das Explosionsunglück bei Kielseng, eine Munitionsexplosion im Flensburger Hafengebiet, in Mitleidenschaft gezogen und zerstört. Die Flensburger Malerin Käte Lassen entwarf sechs neue Fenster, die zwischen 1949 und 1957 angefertigt wurden. Zusätzliche Fenster schuf ab 1959/60 der Glasmaler Hans Gottfried von Stockhausen. Das Gebäude ist heute durch einen Portalvorbau von 1958 erschlossen; er befindet sich an der Südseite des Turmjoches. 1991 schaffte man eine neue Bronze-Glocke an und 1994 zwei weitere.Udo Gräve: St. Marien zu Flensburg. Lindenberg 2010, S. 2–3
Flensburger Denkmalstreit Im Januar 1967 begann der „Flensburger Denkmalstreit“ (Nordkirche) beziehungsweise der „Flensburger Kirchen-Streit“ (Flensburger Tageblatt). Auslöser war ein Streit um das Denkmal der „Steinerne Krieger“, das drei Pastoren aus der Marienkirche verbannten. Der Streit, der Flensburg bundesweit in die Schlagzeilen brachte, „spaltete damals die Gesellschaft, bescherte der CDU eine Zerreißprobe und dem Flensburger Tageblatt ganze Seiten mit Leserbriefen.“ Der Pastorenstreit gilt als ein Vorläufer der Studentenrevolte Ende der 1960er-Jahre, als die Flensburger Pastoren Gerhard Jastram, Oswald Krause und Wolfgang Friedrichs „zu einer Chiffre eines linken Aufbruchs“ wurden.
Ausstattung
Ein großer Teil der in der Kirche vorhandenen Kunstschätze sind Stiftungen von wohlhabenden Bürgern., S. 5
Renaissance-Altar mini|Renaissance-Hochaltar (1598) An der Ostwand der Kirche steht der von Bürgermeister Dietrich Nacke testamentarisch gestiftete Hochaltar. Er ist der größte Altar der Spätrenaissance in Schleswig-Holstein. Angefertigt wurde er 1598 von Heinrich Ringerink und einem weiteren Schnitzer. Jan von Enum gestaltete die Malereien. Der Altar erhebt sich über drei Geschosse, ist durch Säulen und Karyatiden gegliedert und besitzt ein reich verziertes Gebälk.
Sockelgeschoss Im Sockelgeschoss sind außen die Figuren der Apostel Petrus und Paulus aufgestellt. Petrus, auf der linken Seite, hält den Schlüssel des Himmelreichs in der Hand, Paulus trägt als Attribut ein Schwert, das als Zeichen der Verteidigung des Glaubens angesehen werden kann und auch auf seinen Tod durch Enthauptung hinweist. Durch die beiden Türen neben den Aposteln ist der Zugang hinter den Altar möglich. Die linke Tür ist mit einem Gemälde geschmückt, das die Beschneidung Jesu in Verbindung mit seiner Darstellung im Tempel zeigt. Im Bogenfeld darüber ist ein Bild von Jesus in einem Medaillon zu sehen. Die Taufe Jesu im Jordan ist das Thema der rechten Tür, im Bogenfeld ergänzt durch ein Medaillonbild Johannes des Täufers.Udo Gräve: St. Marien zu Flensburg. Lindenberg 2010, S. 10
Hauptgeschoss mini|hochkant|Miracula Christi – Vorlage von Hendrick Goltzius mini|hochkant|Das letzte Abendmahl mini|hochkant|Passio Christi – Vorlage von Hendrick Goltzius Das Hauptgeschoss ist in drei Bildfelder unterteilt, wobei das mittlere Feld breiter ist als die beiden seitlichen und als Hauptbild das letzte Abendmahl nach einem Stich von Johann Sadeler zeigt. Die beiden Seitenflächen enthalten je zwei mittelgroße quadratische Bilder, die übereinander angeordnet sind, und von denen jedes von einem Rahmen aus 16 kleinen Bildern umgeben ist. Diese vier Gemälde, einschließlich der jeweils zugehörigen kleinen Bilder, sind nach vier Stichen von Hendrick Goltzius von 1578 gefertigt. Die obere Hälfte der linken Seitenfläche ist Christus als Vorbild der Tugenden gewidmet, unten werden seine Wunder thematisiert. Auf der rechten Seite wird oben das Leiden Christi geschildert und unten geht es um seine Auferstehung. Die kleinen Bilder illustrieren jeweils acht biblische Geschichten aus dem Neuen Testament im Wechsel mit acht symbolischen Darstellungen aus Neuem und Altem Testament. Alle Überschriften und angegebenen Bibelstellen sind in lateinischer Sprache verfasst.
EXEMPLAR VIRTVTVM (Beispiel der Tugenden) ist der Titel des ersten Themenkreises. Im Mittelbild verkörpert eine Frau als Imitatio Christi (Nachahmung Christi) die menschliche Seele. Sie sitzt vor einer Staffelei und bemalt einen ausgehöhlten herzförmigen Gegenstand gemäß dem Motiv, das der vor ihr stehende Christus in seiner linken Hand hält: Jesus als Hirtenknabe mit einem Lamm. Umrahmt wird das Bild von acht Szenen aus dem Leben Jesu, denen bestimmte Tugenden zugewiesen werden. Das zur Fidelitas gehörige Motiv ist am Altar zwar gemäß der Vorlage von Goltzius als Bild dargestellt, es fehlen hier aber die Bibelstelle und der Name der Tugend.
Fidelitas (Treue): Jesus spricht so, wie es ihm sein Vater gesagt hat () MISERICORDIA (Barmherzigkeit): Eine Sünderin salbt Jesus die Füße () PIETAS (Frömmigkeit): Jesus geht auf einen Berg, um zu beten () HVMILITAS (Demut): Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße () BENIGNITAS (Güte): Jesus verurteilt die Ehebrecherin nicht () FORTITVDO (Stärke): Jesus wird vom Teufel versucht () PAVPERTAS (Armut): Jesus hat keinen Ort, sein Haupt zu betten () CHARITAS (Liebe): Jesus will die Kinder Jerusalems um sich sammeln ()
Zwischen den Tugenden befinden sich acht Symbole der Gottessohnschaft Christi wie der Hirtenstab des Herrn, die Hand des Herrn oder der Arm Gottes, die Krone des Lebens oder die Sonne der Gerechtigkeit.
MIRACVLA CHRISTI (Wunder Christi) ist das Leitmotiv des nächsten Zyklus. Der personifizierte Glaube, mit einem Kruzifix in der Hand, hat die kranke Seele zu Christus gebracht, die nun in Gestalt einer halbnackten Frau zu seinen Füßen liegt und mit ihrer Rechten mit einem Kelch das Blut auffängt, das aus Jesu Seitenwunde strömt. Christus wird als Medicus (Arzt) tituliert, hält in seiner Rechten das lasterhafte Herz der kranken Seele und in seiner Linken ein von einer Schlange umwundenes Kreuz. Die kleinen Bilder sind überwiegend Jesu Heilungen gewidmet.
Die erste Szene illustriert die Aussage der Bibel, dass Jesus Stumme, Krüppel, Lahme und Blinde wieder gesund macht (). Er heilt einen Mann von seiner Wassersucht (), einen Aussätzigen (), eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutungen leidet () und einen Kranken am Teich Betesda (). Auf das Gleichnis vom barmherzigen Samariter () folgt die Austreibung von Dämonen, die Jesus in eine Schweineherde fahren lässt (). Im Schlussbild erweckt Jesus den verstorbenen Lazarus zum Leben (). Die Symbole in diesem Bereich, wie der Mannaregen, der Baum des Lebens, Regenbogen und Feuersäule verweisen auf Jesu Heilsbedeutung.
PASSIO CHRISTI (Leiden Christi) lautet die Überschrift der oberen Gemäldeformation auf der rechten Seite. Christus sitzt als Schmerzensmann auf einem Stein und umklammert mit beiden Händen sein Kreuz. Eine Frau mit den Gebotstafeln, die den Gehorsam gegenüber Gott verkörpert, führt einen gläubigen Mann an der Hand zu Christus. Während der Gläubige auf den am Boden liegenden Amor-Knaben tritt und so die irdische Liebe überwindet, erscheint am Himmel eine Frau mit Kindern, die die Liebe zu Gott symbolisiert.
In den kleinen Bildern wird oben Christus am Ölberg gezeigt, gefolgt von seiner Gefangennahme und dem Verhör vor dem Hohenpriester, bei dem er ins Gesicht geschlagen wird. Im mittleren Bereich sind Geißelung und Dornenkrönung zu sehen. Unten sind Kreuztragung, Annagelung an das Kreuz und Kreuzigung dargestellt. In Symbolbildern mit Motiven wie dem Widder, den Abraham anstelle seines Sohnes Isaak opfert, dem Pelikan, der mit seinem Blut seine Jungen wieder zum Leben erweckt, oder einem Altar mit einem Opferlamm wird eine Verbindung zu Jesu Tod hergestellt.
RESVRRECTIO CHRISTI (Auferstehung Christi) ist der Oberbegriff für die letzte Motivzusammenstellung. Mit der Siegesfahne in den Händen steigt Christus aus dem Grab, ein Wächter flieht.