mini|290x290px|Das Herzstück von Neubrück – der Marktplatz.
Neubrück ist ein rechtsrheinischer Stadtteil von Köln im Stadtbezirk Kalk. Die Großsiedlung wurde ab dem Anfang der 1960er-Jahre geplant und von 1965 bis 1970 auf dem Rollfeld eines ehemaligen Militärflugplatzes im Südwesten des Stadtteils Brück errichtet. Da Uneinigkeit im damals von der SPD dominierten Rat der Stadt Köln über den von der CDU-Fraktion vorgeschlagenen Namen Konrad-Adenauer-Siedlung bestand, erhielt die Siedlung nie offiziell diesen Namen, wurde jedoch von der Bevölkerung so genannt. Nach Änderung der städtischen Hauptsatzung am 24. September 1992 wurde das weit vom Hauptort entfernte Siedlungsgebiet am 14. Dezember 1992 der 85. Stadtteil von Köln und gleichzeitig Neubrück benannt.
Bei der Stadtplanung wurden eine ausgewogene Mischbebauung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie eine umfangreiche Begrünung des Siedlungsgebiets festgelegt. Da viele Haus- und Wohnungsbesitzer ihre Immobilien selbst nutzten und die Mieten der verfügbaren Einheiten im Vergleich zu anderen Stadtteilen höher lagen, war die Mehrheit der Einwohner soziologisch betrachtet der Mittelschicht zuzuordnen. Seit der Eigenständigkeit des Stadtteils verringerte sich die Anzahl der Einwohner infolge der demografischen Entwicklung ohne nennenswerten Leerstand von Wohnraum kontinuierlich.
Geographie Neubrück liegt im ehemals sumpfigen Gebiet der Niederterrasse des Rheins. Der Boden des früher meist bewaldeten Gebietes ist stark löß- und lehmhaltig. Das größtenteils ebene Ortsgebiet liegt zwischen 51 und 55 Meter über NN, die rund 1,1 Quadratkilometer große Fläche wurde bis zur Mitte der 1930er-Jahre landwirtschaftlich genutzt. Der Stadtteil ist flächenmäßig der fünftkleinste von Köln, von dessen Zentrum Neubrück etwa 9,5 Kilometer in östlicher Richtung entfernt ist.
Der nördlich des Heumarer Dreiecks gelegene Stadtteil grenzt im Nordosten mit dem Rather Kirchweg an den Stadtteil Brück, mit der Grünfläche östlich des Neubrücker Rings an den Stadtteil Rath/Heumar, im Südwesten mit der Rösrather Straße und der Bundesautobahn an Ostheim und mit der Grünanlage im Westen an den Stadtteil Merheim.
Geschichte Notwendigkeit der Siedlung Obwohl in den 1950er-Jahren mit der Bruder-Klaus-Siedlung und der Stegerwaldsiedlung in Mülheim sowie den Großsiedlungen der GAG in Vingst und Ostheim im rechtsrheinischen Stadtgebiet bereits intensiver Wohnungsbau betrieben wurde, benötigte die Stadt Köln zusätzlichen Wohnraum für Industrie- und Verwaltungsmitarbeiter sowie für Heimatvertriebene. Deshalb beschloss der Rat im Jahre 1959 den Bau einer weiteren Großsiedlung für bis zu 15.000 Einwohner.
Erwerb der Baugrundstücke Die geeignetste Baufläche war nach Ansicht des Rats das bundeseigene, unbebaute ehemalige Rollfeld des von 1937 bis 1945 betriebenen Fliegerhorstes Ostheim im Südwesten des Stadtteils Brück. Da das Bundesverteidigungsministerium eine zukünftige Nutzung des Geländes für militärische Zwecke nicht ausschließen konnte, erwiesen sich die Kaufverhandlungen als schwierig. Erst als der damalige Bundeskanzler – und ehemalige Kölner Oberbürgermeister – Konrad Adenauer auf Bitte des Generaldirektors der Deutschen Wohnungsgesellschaft (DEWOG), Karl Erbertz, in einem Gespräch mit dem damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß auf die Verhandlungen Einfluss nahm, gab das Ministerium das birnenförmige Areal für die zivile Nutzung frei. Anfang des Jahres 1965 schlossen die DEWOG und der Bund einen Kaufvertrag über die 57 Hektar große Kernbaufläche der Siedlung. Die notwendigen angrenzenden Flächen erwarb die Wohnungsbaugesellschaft von mehreren Landwirten.Schriftliche Auskunft des Bürgervereins Neubrück e. V. vom 25. Oktober 2009
Uneinigkeit bei der Namensgebung mini|Briandstraße 13, Grundstein der„Konrad-Adenauer-Siedlung“ mini|Wohnhaus, Thomas-Dehler-Weg mini|Standard-Bungalows
In seiner Rede zur Grundsteinlegung am 26. August 1965 bezeichnete Altbundeskanzler Adenauer das Großbauprojekt als „die fortschrittlichste Siedlung in ganz Deutschland, vielleicht sogar der ganzen Welt“. Weiter führte er aus: „Man kann mir kein größeres Geschenk machen, als diese Siedlung nach mir zu benennen.“ Anschließend legte Paul Lücke, der damalige Wohnungsbauminister, den Grundstein und benannte das Stadtviertel als Dank für die Bemühungen des Altkanzlers in Konrad-Adenauer-Stadt – ohne den vorher notwendigen Beschluss des Rates der Stadt Köln einzuholen. Die unabgestimmte Namensgebung nach dem Politiker stieß bei der SPD, die im Kölner Rat die Mehrheit hatte, auf Widerstand. Der Fraktionsvorsitzende John van Nes Ziegler warnte vor einem Personenkult: „Nach Konrad Adenauer kann jede Prachtstraße in Köln benannt werden, aber nicht ein ganzer Stadtteil.“ Er verglich die Namensgebung mit der Umbenennung von Chemnitz in Karl-Marx-Stadt im Jahre 1953 in der DDR. Ein AntragProtokoll der Ratssitzung vom 30. September 1965 – angegeben in einem Aufsatz des Bürgervereins Neubrück über die Siedlungsgeschichte der CDU zur offiziellen Benennung des Neubaugebietes mit dem umstrittenen Namen wurde von Oberbürgermeister Theo Burauen nicht zur Abstimmung gestellt. Die Debatte wurde ohne Ergebnis beendet, nachdem sich die SPD-Fraktion über die Richtigkeit ihres Verhaltens gegenüber dem verdienten Kölner Ehrenbürger nicht vollkommen sicher war. Da die CDU keine weitere Beschlussvorlage einbrachte, erhielt die Siedlung keinen offiziellen Namen und wurde von der Stadtverwaltung unter dem Arbeitstitel Neu-Brück geführt.Friedrich K. Kurylo: Streit um Adenauer-Siedlung In: Die Zeit, Nr. 34/1972
Auf besonderen Antrag der bauverantwortlichen CDU-nahen DEWOG, deren Geschäftsführer inzwischen der Wohnungsbauminister a. D. Paul Lücke war, veranlasste der Tiefbaudezernent Franz Braun im Kommunalwahljahr 1969 die Aufstellung eines Hinweisschildes „Konrad-Adenauer-Siedlung“ am Siedlungsanfang, das ungefähr dreimal so groß wie ein Straßenschild war. Trotz des erneuten Widerstandes der Sozialdemokraten konnte das Schild stehen bleiben, da es nach Auffassung des Kölner Oberstadtdirektors, des Juristen Heinz Mohnen, nicht rechtlich verbindlich war. Als die Siedlung 1970 planmäßig fertiggestellt wurde, hatte sich der inoffizielle Name im Sprachgebrauch der Bevölkerung durchgesetzt.
Streitigkeiten um überhöhte Verkaufspreise Der Bauherr DEWOG erhielt das bundeseigene Bauland zum Kaufpreis von 10,90 DM pro Quadratmeter, als ausführender Generalunternehmer wurde die gesellschaftseigene Firma Blivers ausgewählt. Die Miete der Wohnungen lag 1970 bei 3,07 DM je Quadratmeter; einige Wohnungen wurden 1969 als sozialgeförderte Eigentumswohnungen zum Quadratmeterpreis von 770 DM angeboten. Das Unternehmen behielt sich vertraglich vor, den endgültigen Kaufpreis mit einer Zahlungsfrist von sechs Wochen erst nach Fertigstellung zu nennen. Die DEWOG erhöhte aufgrund angeblich gestiegener Baukosten dann den Preis auf 930 DM je Quadratmeter, gleichzeitig wurden die Mieten auf 5,21 DM erhöht. Als einige Käufer Einsicht in die Akten forderten, lehnte der Verkäufer dies ab, da die erforderlichen Unterlagen zur Prüfung beim Wohnungsamt seien. Die Käufer vermuteten, dass Blivers deutlich höhere Forderungen gegenüber der Muttergesellschaft DEWOG geltend gemacht hatte. Der Quadratmeterpreis für das Bauland wurde in den Endabrechnungen ohne Nachweis mit 55 DM beziffert. Die Käufer mussten aufgrund der abgelaufenen vertraglich vereinbarten Sechswochenfrist den erhöhten Kaufpreis begleichen. Das Landgericht Köln urteilte später, dass diese nicht nachvollziehbare Kaufpreiserhöhung nicht rechtmäßig war.Die DEWOG legte Berufung gegen dieses Urteil beim Oberlandesgericht Köln ein, das endgültige Urteil ist nicht bekannt.
Abtrennung vom Brücker Stadtteilgebiet mini|Hans-Schulten-Straße, heute einziges Hochhausgebiet in Brück
Die Bewohner der beiden zwei Kilometer voneinander entfernten Ortsteile von Brück fühlten sich auch 25 Jahre nach Bezug der ersten Wohnbauten im neuen Siedlungsgebiet noch nicht zusammengehörig. Das gesellschaftliche Leben und die soziale Infrastruktur hatten ebenfalls kaum nennenswerte Berührungspunkte. Infolgedessen initiierte der damalige Bezirksvertreter Ralph Sterck (FDP) in Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein Neubrück die Abtrennung der Großwohnsiedlung vom bisherigen Stadtteilgebiet. Dieser Vorschlag war in der Bezirksvertretung mehrheitsfähig, so dass diese am 7. Mai 1992 bei der Stadt Köln beantragte, die Hauptsatzung dahingehend zu ändern, dass „aus den Wohnplätzen Brück und Neubrück im Stadtteil Brück zwei unabhängige und gleichberechtigte Stadtteile Brück und Neubrück der Stadt Köln werden“.
Dieser Antrag wurde auch von den Bürgervertretern des Alt-Stadtteils unterstützt, da die Einwohnerschaft die „Adenauer-Siedlung“ nie als einen Bestandteil von Brück ansah – im Volksmund wurde das ursprüngliche Besiedlungsgebiet von vielen Bürgern „Alt-Brück“ genannt. Die Bewohner eines zwischen den beiden Gebieten befindlichen Hochhaustraktes an der Hans-Schulten-Straße konnten bei einer Befragung im Februar 1992 demokratisch entscheiden, zu welchem Stadtteil sie gehören wollten und entschieden sich mit über 80 % für Brück. Am 24. September 1992 beschloss der Rat der Stadt Köln die Neugliederung des Stadtteilgebiets von Brück in die beiden selbstständigen Stadtteile Brück und Neubrück. Die erforderliche Änderung der Hauptsatzung wurde mit Veröffentlichung im Amtsblatt am 14. Dezember 1992 rechtskräftig, somit wurde Neubrück der 85. Stadtteil von Köln.
Wohnverhältnisse und Bebauung Statistische Daten mini|Terrassenhaus mini|Mehrfamilienhausblock mini|Einfamilienhausblock mit nachträglich aufgesetzten Satteldächern mini|Klinik Köln-Merheim,über Luftlinie nur ca. 500 m entfernt mini|Europaring –die „Verbindungsstraße“
Im Flächennutzungsplan sind 78 % des 1,1 Quadratkilometer großen Stadtteilgebietes als Wohnbaufläche ausgewiesen, knapp 17 % als Gemeinbedarfsfläche, 3 % als Grünfläche und 2 % als Wasserfläche. Im Stadtteilgebiet sind keine Gewerbeflächen verzeichnet.
Die 3779 in Neubrück vorhandenen Wohnungen, von denen 11,4 % öffentlich gefördert wurden, waren durchschnittlich 77,6 Quadratmeter groß. Die durchschnittliche Wohnfläche je Bürger lag bei 33,6 Quadratmetern. Mit 7959 Einwohnern je Quadratkilometer weist der Stadtteil die zehntgrößte Bevölkerungsdichte im Stadtgebiet auf. Im Jahre 2014 sind in der Statistik des Amtes für Stadtentwicklung 683 Ein- und Zweifamilienhäuser und 221 Mehrfamilienhäuser aufgeführt worden.
Städtebauliche Betrachtung, Gebäudebeschreibung und Bauausführung Charakteristisch für den Wohnungsbau der 1960er-Jahre wurde Neubrück als reines Wohngebiet konzipiert. Bei der Siedlungsflächengestaltung berücksichtigten die Stadtplaner hingegen viele Elemente des in den 1950er-Jahren üblichen Konzeptes der „gegliederten und aufgelockerten Stadt“. Mehrere Architekten führten die zeittypisch funktionsgerechte Wohnbebauung in Beton- und Plattenbauweise aus.In der einzigen verfügbaren Quelle, dem unter Literatur genannten Band 10 II der Stadtspuren, werden namentlich die Architekten H. Hartmann, H. Heidrich, I. Hommel, P. C. Hoppmann, C. Jaspert, G. Lange, H. Linde, H. Luxat, H. Muhlaupt und H. Schäfer genannt. Über ihre einzelnen Bauprojekte gibt es keine Informationen