Der Tourismus ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in der Wirtschaft Österreichs. Insgesamt wurden allein im Jahr 2018 rund 149,8 Mio. Übernachtungen gezählt. Der direkte Wertschöpfungseffekt des Tourismus betrug 24,9 Mrd. Euro und die Gesamtausgaben der in- und ausländischen Besucher beliefen sich auf 42,4 Mrd. Euro.
Österreich verfügt in besonders hohem Ausmaß über Voraussetzungen für die Tourismusbranche. Zu diesen zählen einerseits die vielen naturnahen Gebiete und Gebirgslandschaften (z. B. die Alpen und das Granit- und Gneishochland), Seenlandschaften, zahlreiche Kulturdenkmäler, attraktive Städte und die gut ausgebaute Infrastruktur sowie andererseits die reichhaltige Geschichte. Insbesondere die „Marke“ Habsburg, welche allein für die österreichische Hauptstadt Wien für Tourismus-Umsätze von 60 Mio. Euro pro Jahr sorgt.Vgl. u. a. Gerhard Bitzan, Christine Imlinger "Die Millionen-Marke Habsburg" in Die Presse vom 15. Juli 2011.
Vorteilhaft für den Tourismus in Österreich ist die zentrale Lage in Europa und die gute Erreichbarkeit. Im Travel and Tourism Competitiveness Report 2017 des World Economic Forum belegt Österreich Platz 12 von 136 Ländern. Der Tourismus verteilt sich in Österreich gleichmäßig auf die Sommer- und die Wintersaison.
Wirtschaftliche Bedeutung mini|Das Hotel Sacher in Wien 2009 erzielte die Tourismusbranche, in der 1993 ca. 10 % aller Erwerbstätigen gearbeitet haben, Einnahmen von 21,89 Milliarden Euro, das sind 1666 Euro pro Einwohner. Das ist weltweit einzigartig.
Beherbergungsbetriebe und Gaststätten haben 2009 11,38 Milliarden Euro (−3,2 %) oder 4,1 % des Bruttoinlandsprodukts von 276,89 Milliarden Euro (−1,8 %) erwirtschaftet.Statistik Austria, Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftsbereichen Dazu kamen noch Einnahmen aus dem Kultur-, Unterhaltungs-, Sport- und Handelskonsum der Gäste sowie Einnahmen aus dem Tagungs- und Messegeschäft.
Der Tourismus verhalf der österreichischen Wirtschaft dazu, dass in den letzten Jahrzehnten stets ein Zahlungsbilanzüberschuss erzielt werden konnte; die Handelsbilanz der Industrie ist erst seit 2002 positiv. 2005 betrug der Überschuss in der Reiseverkehrsbilanz 5,1 Mrd. Euro und half die Leistungsbilanz fast auszugleichen.
2005 gab es in Österreich 69.981 Tourismusbetriebe. Der Anteil der klein strukturierten und einfach ausgestatteten Unterkünfte sinkt. Die Zahl der Betten in der 4- und 5-Sterne-Kategorie ist in von 1996 bis 2006 um 27 % gestiegen, die Zahl der Betten in Privatquartieren um 17 % zurückgegangen. Die Auslastung der Betten ist in den westlichen Bundesländern (Salzburg, Tirol und Vorarlberg) in den Wintermonaten höher als in den Sommermonaten. Österreichweit war die Auslastung 2006 in der Wintersaison (33,7 %) höher als in der Sommersaison (28,9 %) und in Wien am höchsten (62,8 % in der Sommersaison).
Der Export von österreichischem Tourismus-Know-how ist von erheblicher Bedeutung für die österreichische Dienstleistungsbilanz.
Beherbergung 2011 wurden in Österreich insgesamt 34.629.083 Gästeankünfte (+ 3,7 %) und 126.002.551 Gästenächtigungen (+ 0,9 %) registriert.Touristisches Marketinginformationssystem TourMIS Die Übernachtungen entfielen vor allem auf die Bundesländer Tirol (42,7 Millionen), Salzburg (23,9 Millionen), Kärnten (12,4 Millionen), Wien (11,4 Millionen) und Steiermark (10,9 Millionen).
Nächtigungsstärkste Quellmärkte 2011Touristisches Marketinginformationssystem TourMIS Quellmarkt Anteil Veränderung Ausland 72,0 % +0,9 % Deutschland 37,6 % −1,6 % Österreich 28,0 % +0,8 % Niederlande 7,1 % −1,9 % Schweiz 3,4 % +12,6 % Großbritannien 2,5 % −4,6 % Italien 2,4 % −0,2 % Belgien 2,0 % +4,1 % Tschechien 1,6 % +5,4 % Frankreich 1,5 % +2,7 % Ungarn 1,3 % +5,8 % Polen 1,2 % +6,7 % Russland 1,2 % +25,6 % Dänemark 1,2 % −3,3 % Vereinigte Staaten 1,0 % −3,2 % Österreich hat Hotels und gewerbliche Ferienwohnungen bzw. -häuser mit 641.300 Betten (Sommer 2009) sowie Privatquartiere mit ca. 315.000 Betten. Die gewerblichen Beherbergungsbetriebe sind mit durchschnittlich 40 Betten klein strukturiert (Dänemark, Portugal, Zypern und Schweden haben jeweils über 100 Gästebetten je Hotelbetrieb) und setzen sich zu 36,2 % aus Fünf- und Vier-Sterne-Betrieben, zu 32,7 % aus Drei-Sterne-Betrieben, zu 19,4 % aus Zwei-Sterne- und Ein-Stern-Betrieben und zu 11,7 % aus gewerblichen Ferienwohnungen zusammen.
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag 2009 für ausländische Gäste bei 4,2 Nächtigungen, für Inländer bei 3,1 Nächtigungen pro Ankunft. Die Aufenthaltsdauer ist in den letzten 30 Jahren kontinuierlich gesunken. Die nächtigungsstärksten Monate waren 2009 August (16,7 Mio. Nächtigungen) Februar (16,1 Mio.) Juli (14,5 Mio.) Jänner (14,1 Mio.).
Während noch in den 1970er und 1980er Jahren die Sommersaison eine weitaus höhere Bedeutung hatte, nahmen die Nächtigungen im Winterhalbjahr kontinuierlicher zu. Seit 2006 ist der Wintertourismus etwas stärker als der Sommertourismus: Im Winter 2008/09 wurden ca. 62,9 Mio., im Sommer 2009 ca. 61,7 Mio. Nächtigungen registriert.
Andere Branchen Neben den Beherbergungsbetrieben machen viele gastronomische Betriebe und solche der Kultur-, Freizeit-, Sport-, Tagungs- und Verkehrswirtschaft sowie des Handels wesentlichen Tourismusumsatz.
Inlands- und Auslandstourismus, Einkaufsfahrten Der Inlandstourismus (Binnentourismus) macht etwa ein Viertel aller Gästenächtigungen aus; drei Viertel der Nächtigungen stammen von ausländischen Gästen. Unter diesen sind die Deutschen nach wie vor Nummer 1, aber anteilsmäßig nicht mehr so extrem stark wie noch in den 1970er Jahren. Weitere wichtige „Quellmärkte“ oder Herkunftsländer der Gäste sind die Niederlande, Großbritannien und in den letzten Jahren zunehmend auch Italien. Seit den 1980er Jahren sind die USA und Japan die beiden wichtigsten „Fernmärkte“. Steigende Besucherzahlen werden neuerdings aus Russland und China verzeichnet. Acht der zwölf nächtigungsstärksten Quellmärkte wiesen 2007 ein Plus auf.
Die Österreicher bevorzugten als Reiseziele im Inland die Bundesländer Steiermark (6,4 Millionen), Salzburg (5,5 Millionen) und Kärnten (4,7 Millionen).
„Grenztourismus“ besteht in Westösterreich, da das Preisniveau in der EU niedriger ist als in der Schweiz und der Benzinpreis in Österreich meist niedriger ist als in Deutschland. Aber auch in Ostösterreich hat der Tagestourismus (Einkaufs- und/oder Kulturfahrten) in den letzten Jahren stark zugenommen, da bevölkerungsstarke Regionen wie Südböhmen, Mähren, die Westslowakei und der Großraum Budapest dem Großraum Wien verhältnismäßig nahe liegen und zum Teil mit ihm, Niederösterreich und dem Burgenland in der Europaregion Centrope zusammenarbeiten.
Sparten des österreichischen Tourismus Sommertourismus: Bergsport und Badetourismus mini|links|Velden am Wörthersee Die Berge spielen für Aktivurlauber sowohl im Winter als auch im Sommer für Bergwanderungen und Bergsteigen, eine bedeutende Rolle. Die höchsten Berge in Österreich sind Dreitausender und befinden sich in den Ostalpen. Mit 3.798 m ist der Großglockner (Tirol/Kärnten) der höchste Berg. Österreich verfügt über zahlreiche Schutzhütten und Wanderwege, die von den Alpenvereinen und Fremdenverkehrsverbänden betrieben werden.
Der Badetourismus ist vor allem am Neusiedler See, im Salzkammergut und Salzburger Seengebiet und im Kärntner Seengebiet von Bedeutung.
Der Kneipptourismus wird durch viele in natürliche Fließgewässer eingebettete Wassertretstellen begünstigt.
Wintertourismus mini|Skifahren im Zillertal mit Blick vom Hintertuxer Gletscher mini|Winter in Sölden Der Wintertourismus umfasst primär den Wintersport. Als vorwiegend von den Alpen beherrschtes Land gibt es in Österreich zahlreiche Möglichkeiten, den alpinen Skisport auszuüben. Insbesondere die Bundesländer Vorarlberg, Kärnten, Tirol und Salzburg bieten in beinahe jedem Alpental ein oder mehrere Skigebiete, die mit zahlreichen Aufstiegshilfen (Seilbahnen, Sessellifte, Schlepplifte) ausgestattet sind. Die großen Skiarenen in den österreichischen Alpen verfügen über 50 oder mehr verschiedene Liftanlagen und manchmal über 100 km präparierte Skiabfahrten. Aber auch in den östlichen Bundesländern gibt es viele Skigebiete, die häufig auch mit anderen Wintersportmöglichkeiten kombiniert sind, zum Beispiel mit Langlaufloipen, Rodelbahnen oder Thermalbädern. Zusätzlich gibt es in Österreich einige Gletscherskigebiete, die im Wesentlichen unabhängig von der Schneelage ganzjährige Wintersportmöglichkeiten bieten.
Im Umfeld Wintersport werden jährlich 7,11 Mrd. Euro an Wertschöpfung erwirtschaftet. Einschließlich „indirekter und induzierter Effekte“ beträgt der jährliche Wertschöpfungsbeitrag sogar etwas mehr als 11 Mrd. Euro. Der Anteil am gesamten österreichischen Bruttoinlandsprodukt des Wintersports liegt (2008) bei rund 4,1 %. Dabei entstammen jährlich rund 5,95 Mrd. Euro an direkter Wertschöpfung dem Wintersporttourismus (einschließlich Beherbergungs- und Gaststättenwesen, Transportdienstleistungen, Sport- und Unterhaltungsdienstleistungen sowie dem fachlichen Einzelhandel). Das jährliche Aufkommen an Steuern und Sozialabgaben wird mit einer Untergrenze von 1,8 Mrd. Euro angenommen. Schätzungen nehmen an, dass jeder 14. Arbeitsplatz in Österreich direkt oder indirekt vom Wintersport abhängt.
Auf Wintersporttourismus – aktiv oder passiv – bezogen sind 3,76 Mio. Ankünfte (12,1 % der Gesamtzahl) und 28,22 Mio. Übernachtungen (23,2 %), und rund 10,1 Mrd. Euro (etwa ein Drittel der Gesamtsumme in allen Sparten) werden von Wintersporttouristen in Österreich ausgegeben.
Die größten Wintersportgebiete liegen in Tirol und Vorarlberg (z. B. Arlberg, Lech/Zürs/Warth, Paznauntal, Ötztal, Zillertal, Stubaital, Kitzbühel, Seefeld) und in Salzburg (z. B. Skiverbund Amadé, Saalbach Hinterglemm, Radstadt/Altenmarkt/Zauchensee, Obertauern). Wintertourismus besteht auch in Kärnten (z. B. Nassfeld, Gerlitzen, Weißensee) und der Steiermark (z. B. Dachstein-Tauern-Region).
Kulturtourismus Ein Schwerpunkt des Kulturtourismus ist das Musikangebot: Am bekanntesten sind die Salzburger Festspiele, die jährlich in den Sommermonaten in Salzburg, der Geburtsstadt Mozarts stattfinden. Dort finden auch die Osterfestspiele statt. Die Bregenzer Festspiele werden seit 1946 veranstaltet. Hier befindet sich auch die weltgrößte Seebühne. Wiener Festwochen, Wiener Staatsoper, Wiener Philharmoniker und Theater an der Wien sind Stichwörter aus dem sehr intensiven Musikleben Wiens. Seefestspiele in Mörbisch und Opernfestspiele in St. Margarethen locken Musikfreunde ins Burgenland. Das Festival Ars Electronica findet seit 1979 jährlich in Linz statt. In Kärnten lädt der Carinthische Sommer zu Aufführungen in Ossiach und Villach ein. In der Steiermark bietet die Styriarte erstklassige Musik.
Naturtourismus Die oberösterreichische Gemeinde Hallstatt in der Nähe des Dachsteins ist bekannt dafür, anhand von Social-Media-Posts seiner See- und Berglandschaft, große Mengen von internationalen Touristen anzulocken. Eine geschätzte eine Million Menschen besuchen jährlich den Ort, dieser ist somit ein populäres Beispiel des Übertourismus.
Städtetourismus mini|Wien zog 2018 über 7,5 Millionen Gäste an, die 16,5 Millionen Nächtigungen buchten Der Städtetourismus in Österreich umfasst vor allem die Bundeshauptstadt Wien und die acht Landeshauptstädte.
Gäste halten sich in Städten meist wesentlich kürzer auf als in ländlichen Tourismusorten, geben aber pro Tag im Durchschnitt deutlich mehr aus als andere Österreich-Besucher. Die Besuchszwecke reichen vom Verwandten- bzw. Bekanntenbesuch und vom Erlebnis- und Kulturtourismus in der Freizeit bis zur vom Dienstgeber bezahlten Teilnahme an Kongressen, Messen und Firmentagungen. In den meistfrequentierten Städten fällt der Anteil der per Flugzeug anreisenden Gäste wesentlich größer aus als in Gesamtösterreich; auch der Nationenmix gestaltet sich vielfältiger.