Risiko weist je nach Fachgebiet einen unterschiedlichen Begriffsinhalt auf, allgemein wird hierunter die Möglichkeit des Eintritts künftiger Ereignisse, die nachteilige Auswirkungen wie Verlustgefahren in sich bergen, verstanden. Komplementärbegriff ist die Sicherheit.

Etymologie Die Wortherkunft ist nicht vollständig geklärt. Das heutige Wort Risiko ist ein Lehnwort (aus ), das in viele Sprachen übernommen wurde (, , , , ). Es stammt wohl aus dem altitalienischen Wort „“ ab, das in der früheren italienischen Seeschifffahrt so viel wie „Klippe“ bedeutete, also eine von Untiefen ausgehende Gefahr für den Schiffsverkehr. In dieser Form tauchte es in italienischen Handelsbriefen des 12./13. Jahrhunderts als Umsegeln einer Klippe () auf.Adolf Schaube, Die wahre Beschaffenheit der Versicherung in der Entstehungszeit des Versicherungswesens. In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Vol. 3, 1893, S. 46. Auch in Griechenland sprach man von der Klippe (, auch: „Wurzel“). Andere Quellen lassen Risiko auf arabischen Ursprung zurückführen (, „Lebensunterhalt, der von Gott und Schicksal abhängt“),Nabil Osman, Kleines Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft. 3., verbesserte und erweiterte Auflage. Beck, München 1992, ISBN 3-406-34048-2, S. 102. wobei nicht nur negative Erwartungen einer Verlustgefahr, sondern auch positive Aspekte eines glücklichen Zufalls oder ein zufälliges Geschenk dazugehören.Gregor Krämer, Ziele, Adressaten und Risiken der Bankenaufsicht, 2000, S. 150. 1477 erreichte es als „arreschg“ den deutschen Sprachraum und wandelte sich 1479 in „arisch“.Thomas Cramer, Wege in die Neuzeit, 1988, S. 132. In Oberschwaben tauchte dann erstmals „uff unser Rysigo“ auf, das sich 1518 als „Risigo“ verfestigte.

Während Großwörterbücher des Deutschen (Duden, Wahrig) das Wort über das vulgärlateinische, nicht belegte („Gefahr laufen, wagen“) auf das altgriechische ( „Wurzel, Klippe“) zurückführen, nennt das Etymologische Wörterbuch des Deutschen als etymologischen Hintergrund nur das postulierte vulgärlateinische („Felsklippe“), das als Verbalsubstantiv zu („abschneiden“) den „vom Festland abgeschnittenen Felsturm, der zur Gefahr für Handelsschiffe wird“ bezeichnet. Auch das viel ältere Romanische etymologische Wörterbuch (1911) sieht die Entwicklung des Wortes im griechischen ( „Klippe“) und der dazugehörigen lateinischen Ableitung begründet.

Im Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache (1995/1999) wird dagegen eine vorromanische Form diskutiert, die als Ableitung vom lateinischen („streiten, widerstreben“) die unkalkulierbaren Folgen eines Widerstands im Kampf bezeichnen würde. Eine weitere Herkunft liefert der Fremdwörter-Duden. Dort wird der Begriff vom arabischen rizq abgeleitet.

Begriffliche Abgrenzung Gefahr, Exposition, Risiko, Wagnis mini|Ein Tiger in einem Käfig ist eine Gefahr, aber kein Risiko.

Die Begriffe Gefahr, Risiko und Wagnis sind in vielen Fachsprachen exakt definiert (siehe Wagnis (Begriff), Wagnis (Wirtschaft), Wagnis (Psychologie), Wagnis (Pädagogik)). Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dies oft nicht berücksichtigt; die Begriffe werden häufig synonym verwendet. Daraus entstehen bisweilen Missverständnisse. Eine Gefahr besteht, wenn eine Sachlage intrinsisch eine schädliche Wirkung haben kann. Gefahren sind also beispielsweise eine Unebenheit in der Straße, eine unbeaufsichtigte Maschine, ein Feuer, ein Terroranschlag. Der zweite zu betrachtende Faktor ist die Exposition, also wie sehr eine betrachtete Person oder ein betrachteter Gegenstand der Gefahr ausgesetzt ist: Ein Terroranschlag in München ist für eine Person in Hamburg ungeachtet der Gefühlslage vergleichsweise ungefährlich. Ein Risiko besteht nur dann, wenn eine Gefahr und die Exposition gemeinsam auftreten. Da nicht alle Einflussfaktoren bekannt sind bzw. sie vom Zufall abhängen, ist das Risiko mit einem Wagnis verbunden. Unter einem Wagnis wird fachsprachlich „das Eingehen eines Risikos bzw. das Einlassen auf eine risikohaltige Situation“ verstanden.Siegbert A. Warwitz: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten. 3. Auflage. Schneider, Baltmannsweiler 2021, S. 16. Deshalb wird das Wort Risiko als partielles Synonym zu Wagnis verwendet.Duden, Das Fremdwörterbuch, Band 5, 2007, 9. Auflage. So kann man bei einer Entscheidung mit ungewissen Folgen davon sprechen, ein Risiko oder auch ein Wagnis einzugehen. Jedoch ist der Risikobegriff nicht identisch mit dem Begriff Wagnis. Einen Unfall kann man durch grob fahrlässiges Verkehrsverhalten zwar „riskieren“, aber nicht „wagen“. Die klar definierten Begriffe sind nicht austauschbar.Siegbert A. Warwitz: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten. 3. Auflage. Schneider, Baltmannsweiler 2021, S. 13–18.

Das Risiko drückt die Kombination aus Wahrscheinlichkeit und Gefahr aus, die etwa für eine betrachtete Person oder einen betrachteten Gegenstand auftreten kann. Ein Tiger kann als Gefahr betrachtet werden. Solange der Tiger in einem verschlossenen Käfig ist, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Schaden aber gering (keine Exposition), und es besteht nur ein geringes Risiko. Trotzdem besteht die Gefahr weiter, denn diese ist nur an die Existenz des Tigers und seine intrinsischen Eigenschaften geknüpft.

In der Risikoforschung wird zudem zwischen „Risiko“ und „Unsicherheit“ unterschieden: Risiko setzt neben Unsicherheit stets eine potenzielle Schädigung voraus („Risiko = Unsicherheit + Schädigung“).Stanley Kaplan; B. John Garrick: On the Quantitative Definition of Risk. In: Risk Analysis. Band 1, Nr. 1, 1981, S. 11–27. Ebenso wird Gefahrenquelle (hazard) vom Risiko abgegrenzt: Eine Gefahrenquelle bezeichnet die Quelle der Gefahr, während Risiko die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß der Schadensrealisierung unter Berücksichtigung vorhandener Schutzmaßnahmen ausdrückt; schon bloße Aufmerksamkeit kann als Schutzmaßnahme das Risiko senken. Risiko ist dabei beobachterrelativ („empfundenes Risiko“): Es hängt davon ab, was eine Person weiß; zwei rationale Beobachter mit identischem Wissensstand müssen jedoch zum gleichen Risikourteil gelangen.

Vertiefung Risiko wird im Allgemeinen als Kombination aus Eintrittswahrscheinlichkeit eines unerwünschten Ereignisses und Schadensschwere bei einem etwaigen Eintritt des Ereignisses angesehen. Eine übliche Vereinfachung ist es, das Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensschwere als Risiko zu bezeichnen. Dies ist dann angemessen, wenn dieses Produkt wohldefiniert ist und wenn das Ereignis so oft eintritt oder eintreten kann, dass der Übergang zu dem durch dieses Produkt beschriebenen Erwartungswert sinnvoll ist. Das Risiko wird in diesem Fall in der Einheit der Zielgröße bewertet.Lars Krause/David Borens, Das strategische Risikomanagement der ISO 31000, zweiteilig, ZRFG 4+5/2009.

Aufgrund des begrenzten Wissens über Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß ist es von einer Reihe von Begriffen abzugrenzen.

Im Unterschied zum Begriff Risiko ist der Begriff Wagnis tendenziell mit einer ethischen Komponente verbunden und findet deshalb bevorzugt in den Geisteswissenschaften (Theologie, Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Sportwissenschaften etc.) Verwendung (Wagnis Freundschaft, Wagnis Ehe, Wagnis Sport).Johannes Messner, Das Wagnis des Christen. Innsbruck-Wien-München 1960. Im Unterschied zum Risiko ist das Wagnis zudem immer mit einer Handlung verbunden: Es wird zwischen dem Sachverhalt einer objektiven Gefahrensituation, d. h. eines Risikos, und dem Sachverhalt, ob jemand sich auf diese Situation einlässt, unterschieden. Risiko ist danach immer Teil eines Wagnisses. Es gibt kein Wagnis ohne Risiken. Risiken sind aber nicht zwingend mit einem Wagnis verbunden. Ein solches erfordert vielmehr zusätzlich eine persönliche Handlungsentscheidung.Hermann Röhrs (Hrsg.): Bildung als Wagnis und Bewährung. Heidelberg 1966.

Im juristischen Sprachgebrauch wird das Risiko von der Gefahr abgegrenzt. Hier beschreibt Gefahr eine Situation, in der bei ungehindertem, nicht beeinflussbarem Ablauf des Geschehens ein Zustand oder ein Verhalten mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einem erwarteten Schaden führt. Die Gefahr stellt ein stärkeres Risiko dar.Lars Krause, Das Risiko im Gefahrstoffrecht. In: StoffR 1/2009, S. 20 ff. Ferner wird das Risiko vom Restrisiko abgegrenzt, das als schwächeres Risiko bezeichnet werden kann.

Zur Unterscheidung der Begriffe Gefahr, Risiko und Restrisiko wurde auch die „Je-desto“-Formel entwickelt. Sie besagt, dass bei größerem drohenden Schadensumfang infolge von Synergieeffekten die Ansprüche an die Eintrittswahrscheinlichkeit des Ereignisses geringer sind, um dennoch von einer Gefahr zu sprechen. Diese Abgrenzung wird jedoch schwierig, wenn es unmöglich erscheint, Aussagen über Schadenshöhe oder Eintrittswahrscheinlichkeit zu treffen.

mini|360px|Begrenzung der Aufenthaltsdauer im Gefahrenbereich kann ein Risiko so reduzieren, dass es als Restrisiko hinnehmbar wird (Olching, 2009).

In diesem Fall verfließen die Grenzen zwischen Gefahr und Risiko sowie Risiko und Restrisiko. Vorstellbar ist hier, dass das Schadenspotenzial eines benannten Restrisikos um ein Vielfaches höher sein kann als das einer klar definierten Gefahr. Beispiel: Bis zum 11. September 2001 konnte sich niemand vorstellen, dass Terroristen mit Flugzeugen das World-Trade-Center in New York zum Einstürzen bringen würden. Dieses Ereignis wurde bis dahin als sehr unwahrscheinlich und damit als Restrisiko betrachtet. Seit dem 11. September stellt ein terroristischer Angriff aus der Luft jedoch eine Gefahr dar.

In Gegensatz zu Ereignissen unter Ungewissheit und Unwissenheit ist das Eintreten eines Risikos kalkulierbar. Bei der Ungewissheit sind die möglichen Auswirkungen bekannt, man verfügt jedoch nicht über Informationen zur Eintrittswahrscheinlichkeit. Beim Unwissen sind auch die Auswirkungen der untersuchten Handlungsalternativen nicht oder nicht vollständig bekannt. In beiden Fällen ist das Ereignis – mehr als beim Risiko – unkalkulierbar. Es ist aber auch denkbar, dass weder die Schadenshöhe noch die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses bekannt sind.

Eine häufig zitierte, formal präzisierte Sichtweise definiert Risiko als „Menge von Tripeln“ aus (i) Szenario, (ii) dessen Wahrscheinlichkeit und (iii) der jeweiligen Schadensmaßzahl; damit beantworten Risikoanalysen systematisch die drei Fragen: Was kann passieren? Wie wahrscheinlich ist das? Und welche Folgen hätte es? Zur Darstellung wird eine „Risikokurve“ genutzt, welche die kumulierte Wahrscheinlichkeit gegen das Schadensausmaß aufträgt (im Ursprung als Treppenkurve). Für mehrere Schadenstypen (z. B. Menschenleben und Sachwerte) lässt sich die Darstellung zu einer Risikofläche verallgemeinern. Risiko wird nicht sinnvoll durch „Wahrscheinlichkeit × Konsequenz“ als Einzahlgröße erfasst, sondern durch die gesamte Verteilung (Kurve) – eine Reduktion auf einen Erwartungswert verwischt wesentliche Unterschiede zwischen selten-katastrophalen und häufig-kleinschadlichen Szenarien.

Allgemeines Risiko ist nach alledem die Verlustgefahr, die aus dem unvorhergesehenen Eintritt von künftigen Ereignissen resultieren kann.Rolf-Dieter Reineke/Friedrich Bock (Hrsg.): Gabler Lexikon Unternehmensberatung, 2007, S. 391. Verlustgefahren sind ökonomisch betrachtet unerwarteter erhöhter Aufwand oder erhöhte Kosten, geminderter Ertrag oder geminderte Erlöse.Silvia Rogler, Risikomanagement im Industriebetrieb, 2002, S. 6. Die Verlustgefahren oder wirtschaftlichen Nachteile betreffen den Eintritt zukünftiger Ereignisse, von denen sowohl ungewiss ist, ob sie überhaupt eintreten, als auch, mit welcher Intensität sie eintreten werden.