The Smiths war eine britische Rockband, die 1982 von dem Gitarristen Johnny Marr und dem Sänger Morrissey in Manchester gegründet wurde. Nach dem Weggang von Marr löste sich die Gruppe im September 1987 auf.
Die Smiths werden oft als Vorläufer des Indie-Rock angesehen. Die Band hatte vor allem auf den Britpop der 1990er Jahre großen Einfluss. In der Musik der Smiths finden sich Elemente von traditionellem Rock, eingängige Refrains mit markanten Hooklines sowie Versatzstücke aus Punk und Rockabilly. Charakteristisch ist zum einen das Gitarrenspiel Johnny Marrs, insbesondere aufgrund der harmonisch komplexen Pickings und der für Popsongs teilweise ungewöhnlichen Akkordprogressionen. Zum anderen ist Morrisseys Gesangsstil markant, in dem er Belcanto-Elemente, vor allem Koloraturen, und Traditionen des Croonings verbindet. Auf der Textebene finden sich häufig Variationen von Topoi der Melancholie, die mit ironisierendem Sarkasmus konterkariert werden. Morrissey avancierte durch seine assoziationsreiche Lyrik, die teils extravagante Performance und provokante Statements gegenüber der Musikpresse in den 1980er Jahren zu einer Popikone.
Obwohl die Smiths außerhalb Großbritanniens kommerziell kaum erfolgreich waren, stehen sie heute im Rang einer sogenannten Kultband. Viele Rockbands und Musiker (darunter etwa Radiohead, Oasis, Deftones, Placebo, The Libertines, Belle and Sebastian, Muse, Suede, Blur, Paul van Dyk) haben den Smiths Einfluss auf ihre Musik bescheinigt.
Geschichte 1982–1983: Die Gründung von The Smiths Anfang 1982 beschloss der damals 18-jährige Gitarrist John Martin Maher (später: Johnny Marr), der als Verkäufer in einem Bekleidungsgeschäft in Manchester arbeitete, eine Band zu gründen. Als Bandmitglied wünschte er sich den in der Musikszene Manchesters als exzentrische Außenseiterfigur bekannten Steven Patrick Morrissey, dem Maher 1979 bei einem Konzert der amerikanischen Rocksängerin Patti Smith begegnet war. Mit Hilfe eines Freundes soll er den damals 23-jährigen Morrissey ausfindig gemacht und ihm einen Besuch abgestattet haben. Bald darauf begannen Marr und Morrissey gemeinsam Songs für ihre Band zu schreiben, wobei Marr für die Musik und Morrissey für Texte und Gesang zuständig war. Kurze Zeit darauf wurde Mike Joyce als Schlagzeuger und Dale Hibbert als Bassist engagiert, der aber bald durch Andy Rourke, einen Klassenkameraden von Marr, ersetzt wurde. Im Zuge der Bandgründung beschloss Morrissey als Künstlernamen nur seinen Familiennamen zu verwenden. Maher änderte hingegen seinen Namen zu Johnny Marr, angeblich wegen Verwechslungen mit John Maher, dem Schlagzeuger der Band Buzzcocks.
Als Bandnamen habe er The Smiths gewählt, so Morrissey in einem Interview, weil es ein ganz gewöhnlicher Familienname sei und es an der Zeit sei, dass gewöhnliche Leute der Welt ihre Gesichter zeigten. Fans deuteten die Wahl des Bandnamens dennoch auch anders. Verbreitete Vermutungen besagen, Morrissey und Marr huldigten mit der Namensgebung etwa Patti Smith, dem Sänger der Band The Fall Mark E. Smith oder auch David Smith, der der Polizei den entscheidenden Hinweis zur Überführung der Moormörder gab.
Den ersten Live-Auftritt hatten The Smiths im Lokal Ritz in Manchester; wobei bei den ersten Auftritten noch der Sänger James Maker, ein Bekannter von Morrissey, als Gogotänzer auf der Bühne agierte, jedoch später nicht mehr auftrat. Bald folgten erste Demoaufnahmen. Einen Vertrag mit der stilprägenden Plattenfirma Factory Records aus Manchester, bei der unter anderem New Order und Joy Division veröffentlichten, lehnten The Smiths angeblich ab. Anfang 1983 erhielten sie dann von Rough Trade Records das Angebot für die Produktion einer ersten Single: Hand in Glove wurde am 13. Mai 1983 veröffentlicht und gelangte, obwohl das Lied, wie auch viele spätere, von dem englischen Radio-DJ John Peel empfohlen wurde, in der britischen Hitparade nur auf Platz 124.
1984–1985: „The Smiths“, „Hatful of Hollow“ und „Meat Is Murder“ Bald bildete sich um die Gruppe eine kleine Anhängerschaft und im Februar 1984 veröffentlichten The Smiths ihre erste Langspielplatte. Das bloß mit dem Bandnamen betitelte Debütalbum erreichte den zweiten Platz der britischen Hitparade. Die Rezeption war zwiespältig. Einige Fans behaupteten damals, den Liedern fehle aufgrund der Produktions- und Aufnahmetechnik die künstlerische Aura, die The Smiths als Liveband besäßen.
Nach der Veröffentlichung des Albums fokussierte sich die englische Musikpresse auf Morrissey, der seine depressive Jugend, eine nicht eindeutige sexuelle Orientierung sowie seinen angeblich zölibatären Lebensstil öffentlich machte. Zudem entwickelte sich eine Diskussion um die Texte der Lieder (Reel Around the Fountain, The Hand That Rocks the Cradle, Handsome Devil), die angeblich pädophile Andeutungen enthielten. Das umstrittene Lied „Suffer Little Children“, dessen Text die von Myra Hindley und Ian Brady in den 1960er Jahren in Manchester begangenen Moormorde thematisierte, stieß bei den Angehörigen der Opfer auf Empörung.
Im selben Jahr wurde außerdem das Album Hatful of Hollow veröffentlicht. Darauf sind B-Seiten der ersten Singles, BBC-Radio-Session-Mitschnitte sowie bis dahin unveröffentlichte Songs versammelt, darunter die UK-Top-10-Single William, It Was Really Nothing und das erst später als Single veröffentlichte Stück How Soon Is Now?.
Das Anfang des Jahres 1985 erschienene Album Meat Is Murder enthielt dezidierte gesellschaftspolitische Aussagen. Das Titelstück Meat Is Murder ist beispielsweise als musikalisches Bekenntnis in der Vegetarierbewegung populär. Seine Bekanntheit steigerte Morrissey zudem durch verbale Angriffe auf die damalige Premierministerin Margaret Thatcher und gegen das Hilfsprojekt Band Aid, das von zahlreichen populären Musikern unterstützt wurde.
1986–1987: „The Queen Is Dead“, „The World Won't Listen“, „Louder Than Bombs“ und „Strangeways, Here We Come“ 1986 war vor allem von extensiven Tourneen durch Großbritannien, die USA und Europa wie auch von der Arbeit an dem von der Kritik hochgelobten Album The Queen Is Dead geprägt. Ein großes Problem, das die Smiths in dieser aufregenden Zeit beinahe ins Wanken gebracht hätte, war die Heroinabhängigkeit des Bassisten Andy Rourke. Rourkes Sucht wurde jetzt so umfassend, dass er teilweise nicht mehr in der Lage war, auf der Bühne zu stehen. Nach langen Diskussionen entschied man, dass es das Beste sei, Rourke zeitweilig aus der Band zu entlassen und an seiner Stelle den Bassisten Craig Gannon einzustellen. Der schockierte Rourke erholte sich jedoch nach einem Entzug überraschend schnell und wurde nach nur zwei Wochen wieder in die Band aufgenommen. Auch Johnny Marr hatte in dieser Zeit mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen: Seit die Band von ihrer letzten US-Tournee zurückgekehrt war, hatte er die Gewohnheit angenommen, regelmäßig viel Alkohol zu trinken. Dazu kam, dass er gefährlich an Gewicht verloren hatte und sich vor fast jedem Liveauftritt der Band übergeben musste.
In der Zwischenzeit kletterte The Queen Is Dead auf die Nummer 2 der britischen Charts und wird heute als ein Meilenstein in der Musikgeschichte gesehen. Viele Musikzeitschriften wie der NME und der Rolling Stone platzierten es in die obersten Ränge der besten Rockalben, das Spin Magazine kürte es 1989 sogar zum „Best Album Ever Made“ („Das beste Album, das je aufgenommen wurde“). Die nicht auf dem Album enthaltene Single Panic brachte die Smiths neuerlich ins Rampenlicht der Klatschzeitschriften, da der Ich-Erzähler darin fordert, Diskjockeys aufzuhängen und Diskotheken niederzubrennen („Burn down the disco, hang the blessed DJ“). Morrissey und Marr schrieben den Song im April 1986, als der Radio-DJ Steve Wright zuerst die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl verkündet und gleich darauf den Wham!-Song I’m Your Man gespielt hatte, was sie als zynisch empfanden.
Auch 1987 setzten die Smiths ihren Erfolg ungeachtet Marrs Alkoholismus fort und stiegen mit ihren Singles fast immer in die britischen Top 20 ein. Im Laufe des Jahres wurden zwei Compilation-Alben, The World Won’t Listen (für den europäischen Markt) und Louder Than Bombs (für den amerikanischen Markt), auf denen viele Singles und B-Seiten sowie einiges 12"-Füllmaterial enthalten sind, veröffentlicht. Trotz dieser Erfolge wuchsen die Unstimmigkeiten und Konflikte zwischen den Mitgliedern der Gruppe immer weiter an. Vor allem musikalisch hatten sich Morrissey und Marr in völlig verschiedene Richtungen entwickelt. Marr wollte neue Stile in die Arbeit der Smiths miteinbeziehen und mit anderen Musikern zusammenarbeiten, wogegen sich Morrissey wehrte. Obwohl nach der Veröffentlichung des vierten und letzten Studioalbums der Gruppe, Strangeways, Here We Come, kaum ein Beobachter mehr an das Weiterbestehen der Gruppe glaubte, war es ein großer Schock für Morrissey, als sein künstlerischer Partner Marr die Band Anfang August 1987 abrupt verließ. Morrissey, Rourke und Joyce versuchten danach kurzzeitig, mit anderen Gitarristen weiterzumachen, merkten aber recht schnell, dass The Smiths ohne Marr nicht existieren konnten. Die offizielle Trennung erfolgte daher bereits im September 1987.
Die Zeit nach der Trennung und „Rank“ (1988) Kurz nach der Trennung der Band begann Morrissey an seiner Solokarriere zu arbeiten und engagierte 1988 den Produzenten Stephen Street, der auch schon für das letzte Smiths-Album Strangeways, Here We Come verantwortlich zeichnete.
Marr spielte in den Folgejahren mit diversen Künstlern zusammen, u. a. The The, Talking Heads, The Pretenders, Paul McCartney und Electronic. Zurzeit ist er Bandleader von Johnny Marr and The Healers, in der u. a. Zak Starkey (Sohn von Ringo Starr von The Beatles) spielt. 2006 trat Johnny Marr der Indierock-Band Modest Mouse bei, welche 2007 ihr erstes gemeinsames Album veröffentlichten. Andy Rourke und Mike Joyce arbeiteten nach der Trennung zumeist als Studio-Musiker, u. a. für Julian Cope, Sinéad O’Connor, Badly Drawn Boy (nur Andy Rourke), Buzzcocks (nur Mike Joyce) und Vinnie Peculiar.
Im ersten Jahr nach der Trennung (1988) erschien plötzlich und unerwartet das einzige offizielle Live-Album von The Smiths mit dem Namen Rank. Hierbei handelt es sich um die Aufnahme eines der letzten Smiths-Konzerte (Kilburn, 23. Oktober 1986).
Als Bootlegs kursieren auch Aufnahmen des letzten Konzerts (12. Dezember 1986, Brixton Academy, London). Bei diesem Konzert spielten The Smiths als einziges Mal den bei Fans beliebten Song Some Girls Are Bigger Than Others vom 86er-Album The Queen Is Dead.
In der 50-jährigen Jubiläumsausgabe des einflussreichsten britischen Musikmagazins New Musical Express wurden die Smiths zum „Greatest Artist Of All Time“ gewählt, noch vor den Beatles und den Rolling Stones. Der Einfluss der Smiths auf die Musikgeschichte war und ist immens, angefangen vom Indie-Pop bis hin zum Britpop. Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Gerüchte um eine Wiedervereinigung der Smiths. Morrissey gab auf die Frage, ob er sich noch einmal eine Zusammenarbeit mit Johnny Marr vorstellen könne, die Antwort: „Lassen Sie es mich so ausdrücken: Nein“.