mini|Georg von Derfflinger mini|Fahne einer der im Vorfeld der Schlacht mobilisierten Bauernkompanien der Altmark mini|Karte der Schlacht von Fehrbellin mini|Kupferstich von Johann Gottfried Bartsch (1675) mit Schlachtbeschreibung mini|Die von den Brandenburgern verteidigte Höhe, Gemälde von Dismar Degen
Die Schlacht bei Fehrbellin war eine Schlacht im Verlauf des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges, in dem die mit Frankreich verbündeten Schweden aus ihren Besitztümern in Norddeutschland (Pommern, Rügen, Bremen, Verden) vertrieben werden sollten.
In der Schlacht am trafen in und in der Nähe der Gemeinde Fehrbellin, 60 km nordwestlich von Berlin, 12 km südlich von Neuruppin, schwedische und brandenburg-preußische Truppen aufeinander. Die Schlacht war ein Rückzugsgefecht, bei dem die brandenburgischen Truppen die schwedischen Truppen schlugen, die zuvor beim Schwedeneinfall 1674/75 Teile von Brandenburg besetzt hatten. Gemessen an der Zahl der Beteiligten handelt es sich um eine Schlacht von eher geringer Größe, deren Ausgang jedoch von großer Bedeutung war für das Selbstbewusstsein der Brandenburger und für den Verlauf der Geschichte von Brandenburg-Preußen.
Vorgeschichte
mini|hochkant|links|Kurfürst Friedrich Wilhelm, Porträt von Govaert Flinck Kurfürst Friedrich Wilhelm befand sich im Verlauf des Holländischen Krieges auf einem Feldzug gegen Frankreich im Elsass. Dort hatte die Armee des Kaisers, unterstützt von brandenburgischen Truppen, in der Schlacht bei Türkheim am keinen Sieg erringen können. Beide Heerführer waren gezwungen, den Ort zu räumen.
Schon am waren an der Ostseeküste schwedische Truppen unter dem Oberkommandierenden Generalleutnant Wolmar von Wrangel, einem Halbbruder Carl Gustavs von Wrangel, von Pommern aus in die Mark Brandenburg eingefallen. Als Verbündeter Frankreichs beabsichtigte Schweden, den brandenburgischen Kurfürst Friedrich Wilhelm zu zwingen, seine Truppen vom Oberrhein abzuziehen. Dies geschah auch auf Druck von Frankreich, das seinen Verbündeten Schweden mit der Drohung, die Subsidienzahlungen einzustellen, und geschicktem Taktieren zu diesem Schritt gedrängt hatte. In Erstein erfuhr Friedrich Wilhelm vom Einmarsch der Schweden in die Mark Brandenburg und führte seine Truppen nach Breit in das Winterquartier.
Zum Ende des Winters brachen die brandenburgischen Truppen am in drei Kolonnen auf und erreichten Magdeburg am . Dies war eine sehr gute Marschleistung, mit der man die Schweden überraschen wollte. Allerdings war die Kraftanstrengung mit einem Auseinanderziehen der Marschkolonne verbunden und hatte die Abwesenheit fast der kompletten Infanterie zur Folge, die zwei Tagesmärsche zurücklag.
Bei den Schweden, die noch nicht mit den brandenburgischen Truppen gerechnet hatten, blieb deren Ankunft tatsächlich unbemerkt, auch weil Kurfürst Friedrich Wilhelm Maßnahmen zur Geheimhaltung ergriffen hatte, um diesen Vorteil zu wahren. Währenddessen verwüsteten und plünderten aber die schwedischen Truppen weite Landstriche, obwohl Brandenburgische Bauernkompanien die Luch-Übergänge bei Oranienburg, Kremmen und Fehrbellin besetzt hatten, um den Schutz des Havellandes zu gewährleisten. Allerdings konnten diese Stellungen nicht gegen die Schweden gehalten werden, so dass Havelberg, Rathenow und Brandenburg an der Havel von schwedischen Truppen besetzt werden konnten. Daraufhin fasste Kurfürst Friedrich Wilhelm den Entschluss, das zwischen den beiden Orten Havelberg und Brandenburg gelegene Rathenow einzunehmen, um so die schwedischen Truppen voneinander zu trennen.
Kampf um Rathenow
Am setzten sich die brandenburgischen Truppen über Genthin in Bewegung und überquerten in der Nacht vom zum nördlich von Rathenow die Havel, um die Stadt von Süden her anzugreifen, während Reiter und Dragoner direkt über die Brücken hinweg angriffen. Die sechs Kompanien schwedischer Dragoner wurden vollkommen überrascht. Unter Führung des Generalfeldmarschalls Georg von Derfflinger drangen die Brandenburger in den Ort ein und überwältigten nach zähem Kampf die Verteidiger. Bis auf zehn Schweden wurde die gesamte Besatzung getötet oder gefangen genommen. Zwischen 500 und 600 Pferde konnten erbeutet werden.
Der einzige von Brandenburgern unbesetzte Luch-Übergang war der bei Fehrbellin; die dortige Brücke war durch ein brandenburgisches Kommando unter Oberstleutnant Hennigs zerstört und der Damm durchstochen worden. Wrangel war bereits auf dem Weg von Brandenburg nach Rathenow, als er vom Fall des Ortes erfuhr. Daraufhin wandte er sich nach Nauen, das er vor den kurfürstlichen Truppen erreichte.
Gefecht bei Nauen
In Nauen kam es am zwischen den Brandenburgern und der zur Verzögerung des brandenburgischen Vormarschs zurückgelassenen schwedischen Nachhut Wrangels zu einem Gefecht um den Damm bei Nauen. Es gelang den Kurfürstlichen, den schwedischen Widerstand zu brechen und den Damm zu erobern. In Nauen erbeuteten sie 2000 Rinder und verbrachten die Nacht dort. Am marschierten die schwedischen Truppen, verfolgt von den Brandenburgern, nach Fehrbellin, um die dortige Brücke instand zu setzen und den Rhin zu überqueren.
Verlauf
Um ein Rückzugsgefecht zu führen und den nicht beteiligten Truppenteilen sowie dem umfangreichen Tross von über 1500 WagenBauer, S. 117 einen ungehinderten Abzug zu ermöglichen, stellte sich Wrangel etwas südlich von Hakenberg mit 7000 Mann aufJ. Mankel, S. 19 (in der deutschen Literatur 11.000–12.000 MannOpgenoorth, S. 169; Bauer, S. 120). Seine 38 Geschütze hatte er bereits vorausgeschickt, so dass er nur über sieben eilig zurückgeholte Geschütze verfügte. Die schwedischen Kräfte waren in acht Brigaden und 24 Schwadronen gegliedert. Zuvor hatte sich die schwedische Streitmacht bereits dreimal in Schlachtordnung aufgestellt, gab diese Aufstellung aber jedes Mal wieder auf.Bauer, S. 116 f.
mini|Verfolgung der schwedischen Armee durch die Brandenburger Auf brandenburgischer Seite standen ungefähr 5000 Kürassiere und 600 Dragoner mit 13 Geschützen.Bauer, S. 120 Die Musketiere hatten mit dem schnellen Vormarsch der Reitertruppen nicht mithalten können und lagen einen Tagesmarsch zurück. Der Mangel an Infanterie war ein Nachteil für die Brandenburger. Wrangel ließ seine Truppen, in zwei Treffen gegliedert, in einer klassischen Formation Aufstellung nehmen. Die Infanterie stand in der Mitte mit den Reitern an den Flanken. Die acht Infanterie-Regimenter wurden in sechs Brigaden zusammengefasst. In den Zwischenräumen des ersten Treffens wurden die Geschütze aufgestellt.Bauer, S. 124 Die Schweden hatten Hakenberg im Rücken, das Rhinluch zu ihrer Linken, ihre rechte Flanke lehnte sich an ein Gehölz, die Dechtower Fichten, an. Ein Stück vor ihrer rechten Flanke lag der Katharinenpfuhl. Die Brandenburger lehnten sich mit ihrer linken Flanke an den Katharinenpfuhl, mit der rechten an das Rhinluch. Wrangel hatte es versäumt, den Hügel an seiner rechten Flanke zu besetzen. Dies nutzte Friedrich Wilhelm aus, ließ dort seine von zwei Dragonerregimentern gedeckte Artillerie in Stellung gehen und nahm die Schweden unter Flankenfeuer.
Während die Brandenburger im Schutz von Frühnebel und Regen die Hügel besetzten, kämpfte Friedrich II., Prinz von Hessen-Homburg, auf der rechten Flanke der Brandenburger und lief Gefahr, abgeschnitten zu werden. Die Lage begann für die Schweden gefährlich zu werden, als um 8 Uhr morgens die in Stellung gebrachte brandenburgische Artillerie das Feuer eröffnete und die schwedischen Linien bestrich. Regen und Nebel waren inzwischen abgezogen, und so erkannte Wrangel die vom Hügel drohende Gefahr. Er befahl dem in schwedischen Diensten stehenden Oberstleutnant von Maltzahn einen Angriff mit der Kavallerie seines rechten Flügels und des Infanterie-Regimentes Dalwig. Es gelang den Schweden, die Reiterreserve der Artilleriebedeckung in die Flucht zu schlagen, und nur die fast zeitgleiche Ankunft des Kurfürsten hielt sie auf. Derfflinger hatte Verstärkung entsandt, die nun, unter dem herbeigeeilten Prinzen von Homburg und dem Kammerjunker von Buch, den Schweden in die Flanke fiel und sie zum sofortigen Rückzug zwang.
Da Wrangels linke Flanke nicht mehr durch den Prinzen von Homburg bedroht wurde, entnahm er dort Kräfte und erneuerte seinen Angriff auf die angeschlagenen Verteidiger der Geschützstellung. Der Angriff entwickelte sich zum Nahkampf, in dem neben Karabinern auch Pallasche eingesetzt wurden. 69 hochrangige Offiziere, wie Derfflinger, befanden sich im Getümmel. Derfflinger musste vom Prinzen von Homburg und Oberst Berend Joachim von Mörner aus einer gefährlichen Lage herausgeholt werden. Hierbei kam Mörner um und wurde durch Oberstleutnant Hennigs ersetzt, der die Brandenburger zusammenhielt und den Schweden große Verluste zufügte. Nach langem, für beide Seiten verlustreichem Kampf gewannen die Brandenburger die Oberhand und schlugen die schwedischen Reiter in die Flucht. Dies führte dazu, dass das schwedische Infanterieregiment von Dalwig in eine isolierte Lage geriet und umzingelt wurde. Das Regiment wurde vollständig vernichtet, nur 20 Mann gelang die Flucht, 60 bis 70 Mann wurden gefangen genommen, und Oberstleutnant Maltzahn wurde getötet.
Die Schweden hatten schwere Verluste erlitten, ihre Kavallerie war in Unordnung geraten, und es war ihnen nicht gelungen, die Höhe zu nehmen. Darüber hinaus gab es Berichte, dass die Brandenburger kaiserliche Verstärkungen erwarteten. Wrangel beschloss, sich über Hakenberg auf Fehrbellin zurückzuziehen, obwohl der dortige Übergang noch nicht wiederhergestellt war. Laut Bericht des Kammerjunkers von Buch verloren die Schweden 2100 Tote, noch mehr Verwundete und 60 bis 70 Gefangene, während auf brandenburgischer Seite 218 Mann starben und 280 schwer verwundet wurden.Zitiert nach Lezius, S. 71
Um ungefähr 10 Uhr begannen die Schweden, in zwei Kolonnen geordnet, ihren Rückzug auf Fehrbellin. Die Brandenburger begleiteten den schwedischen Rückzug auf deren linker Flanke und hielten sie unter Artilleriefeuer, das von den Schweden erwidert wurde. Eine Kugel verfehlte den Kurfürsten knapp und riss Stallmeister Emanuel Froben das rechte Bein oberhalb des Knies ab, woraufhin er eine Stunde später starb. Eine Gelegenheit zum Angriff ergab sich jedoch nicht, da die Schweden auf ihrer Linken starke Infanterie stehen hatten und auch das Gelände nicht günstig war. Es kam nur zu einem schwachen Angriff, der sofort abgewehrt wurde. Um die Mittagszeit erreichten die Schweden das zur Verteidigung vorbereitete Fehrbellin. Die Erwägung seiner Offiziere, den Ort zu beschießen, lehnte der Kurfürst ab.
Über Nacht setzten die Schweden die Brücke notdürftig instand, und so fand der Kurfürst am nächsten Morgen, dem , das Gros der Schweden auf der anderen Seite des Luchs vor. Zwei Bataillone Musketiere des Regiments Gotha waren zurückgeblieben, um den Rückzug zu decken. Derfflinger griff sie mit 1150 Mann seiner Vorhutreiterei an und vertrieb sie nach hartem Kampf durch das Kreuzfeuer seiner Dragoner. Vor ihrem Abzug hatten die Schweden ihre Pulvervorräte in Brand gesteckt. Trotzdem erbeuten die Brandenburger fünf Geschütze, zehn Kugelwagen, vier Munitionskarren, neun Zentner Lunten und sieben Zentner Musketenkugeln. Die Schweden zogen sich über Neuruppin, durch die Prignitz und Mecklenburg zurück, wobei viele Nachzügler von ergrimmten Bauern erschlagen wurden. Der Kurfürst beendete in Wittstock die Verfolgung wegen völliger Erschöpfung von „Mann und Ross“, und um das Eintreffen seiner Infanterie und Artillerie abzuwarten.