Die Triester Straße ist, historisch gesehen, die wichtigste Straßenverbindung Wiens nach Süden. Sie ist Teil der ehemaligen Bundesstraße B17. Ihre Funktion als Fernverkehrsstraße wurde seit den 1960er Jahren großteils von der Südautobahn A2 übernommen, zu der sie heute u. a. als Zubringer dient. Die bis heute sehr hohe Verkehrsfrequenz der Triester Straße beruht auf dem in den 1960er Jahren begonnenen Ausbau des Speckgürtels südlich von Wien (siehe z. B. Südstadt).

Geschichte Wo sich heute die Triester Straße befindet, verlief bereits seit der Römerzeit eine wichtige Ausfallsroute von Wien in den Süden, wobei die Strecke ungefähr von der heutigen Kärntner Straße über die heutige Wiedner Hauptstraße zur Triester Straße führte. Ziel war bei den Römern Scarabantia, das heutige Sopron (Ödenburg). Ein römisches Straßenstück wurde 1914 bei der Einmündung der Kundratstraße in die Triester Straße ausgegraben. Im Bereich von Inzersdorf hat man römische Meilensteine gefunden. links|mini|Triester Straße von der Spinnerin am Kreuz nach Wien um 1817 Im Mittelalter war die Triester Straße eine Fernhandelsstraße, die über den Semmering und die Steiermark nach Kärnten, Friaul und Venetien führte. Von der Höhe des Wienerberges bot sich den Abreisenden der letzte Blick zurück auf die Stadt Wien. Hier wurde im 15. Jahrhundert die spätgotische Bildsäule Spinnerin am Kreuz errichtet, um die sich eine Sage aus der Kreuzfahrerzeit rankt. Hier befand sich bis 1747 eine Hinrichtungsstätte, die 1805 bis 1868 neuerlich als solche genutzt wurde. An der heutigen Stadtgrenze in Siebenhirten befand sich an der Triester Straße die Teufelsmühle, die ebenfalls Schauplatz einer alten Sage ist.

1883 erhielt die Triester Straße ihren heutigen Namen, der den Endpunkt der langen Straßenverbindung in den Süden, die damalige kaiserlich-österreichische Hafenstadt Triest, bezeichnet. Die Reichsstraße, d. h. vom Staat erhaltene Straße, war bis dahin vorwiegend als Neustädter Poststraße bekannt gewesen, die besonders unter Kaiser Karl VI. Anfang des 18. Jahrhunderts ausgebaut worden war. Auf dem Gelände des Wienerberges befanden sich Ziegelfabriken. Erst Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die erste Verbauung an der Westseite auf den ehemaligen Steinbüchel-Gründen durch die Errichtung des Franz-Josef-Spitals. Auf der Höhe des Wienerberges wurden der Wasserturm und ein Hebewerk der I. Wiener Hochquellenwasserleitung errichtet. 1902 wurde in der Triester Straße vom Matzleinsdorfer Platz (Gudrunstraße) bis zur Troststraße der Straßenbahnbetrieb aufgenommen.

In der Zwischenkriegszeit entstanden einige städtische Wohnhausanlagen des Roten Wien, vor allem die großzügige Anlage des George-Washington-Hofes. Seit 1907 führte die Straßenbahnlinie 65 auf der Triester Straße bis zur Troststraße, seit 1924 fuhr die Linie 165 bis an die Grenze Inzersdorfs (siehe Abschnitt Öffentlicher Verkehr).

1934 wurden die beidseits der Straße verlaufenden asphaltierten Reitwege beseitigt und die Straße bis zur Spinnerin am Kreuz für den Autoverkehr verbreitert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie neuerlich ausgebaut, mit einem Mittelstreifen versehen, der die Fahrbahnen voneinander trennte, und die Straßenbahnlinie 65 wurde in die parallel verlaufende Knöllgasse verlegt, während die Linie 165 überhaupt eingestellt wurde.

Verlauf und Charakteristik links|mini|Triester Straße am Beginn bei der Quellenstraße Die Triester Straße verläuft vom Matzleinsdorfer Platz am Margaretengürtel (Bezirksgrenze 5 / 10) Richtung Süden, zunächst auf die Höhe des Wienerberges und von dort hinab zum querenden Liesingbach, wo die Straße den 10. Wiener Gemeindebezirk, Favoriten, verlässt (bis 1938 Stadtgrenze) und im 23. Gemeindebezirk, Liesing, durch die Bezirksteile Inzersdorf, Erlaa und Siebenhirten weiter bis an die seit 1954 geltende Stadtgrenze Wiens verläuft. In den im Süden anschließenden niederösterreichischen Gemeinden an der B17 wird oft ebenfalls der Name Triester Straße verwendet. (Als Bundesstraße hieß der Straßenzug bis 1971 bis zur italienischen Grenze so.) mini|Triester Straße im Bereich südlicher Wienerberg Als Hauptverkehrsstraße, die in Favoriten pro Fahrtrichtung dreispurig ausgebaut ist, ist die Triester Straße von enormem Autoverkehr und geringer Lebensqualität für die Anrainer geprägt. Dementsprechend finden sich Wohngebäude lediglich am Beginn der Straße an der Ostseite bis zur Höhe des Wienerbergs (sie stammen großteils aus der Zeit vor der Automobilisierung) und dann wieder in Resten in Inzersdorf und Siebenhirten, wobei dort die ursprünglichen ebenerdigen Wohnhäuser zunehmend von Firmen und Gewerbebetrieben verdrängt werden. Die Westseite der Straße im 10. Bezirk wird zunächst ebenfalls von Gewerbebetrieben gesäumt, gefolgt vom Gelände des Franz-Josef-Spitals. Auf der Höhe des Wienerbergs steht das Wahrzeichen der Spinnerin am Kreuz und liegt die weitläufige Wohnhausanlage des George-Washington-Hofes. Danach bilden die Hochhäuser der Wienerberg City eine schon von weitem sichtbare Skyline im Süden Wiens. Den Hang des Wienerberges hinab verläuft die Triester Straße durch das unverbaute Erholungsgebiet Wienerberg, an dessen Fuß die Triester Straße von einer Brücke mit den Bahngeleisen der Pottendorfer Linie und dem unterführten Liesingbach gequert wird. Anschließend befindet sich die Anbindung der Triester Straße an die Süd Autobahn bzw. die Südosttangente. Ab hier bis zur Stadtgrenze ist der Verlauf durch dörfliche ebenerdige Häuser der ehemaligen Ortsgemeinden Inzersdorf und Siebenhirten geprägt.

An der Triester Straße liegt Ecke Kundratstraße der Martin-Luther-King-Park. Am Südhang des Wienerberges durchquert die Straße das für den Süden Wiens bedeutende Erholungsgebiet Wienerberg, das Ende des 20. Jahrhunderts auf dem wenig ansehnlichen Gebiet der ehemaligen Ziegelfabriken gestaltet wurde. In Inzersdorf entlang des Liesingbaches erstreckt sich der Draschepark, ein ehemaliger Schlosspark, der heute Radwege und andere Freizeiteinrichtungen beherbergt.

Öffentliche Verkehrsmittel links|mini|Triester Straße und Gleise der Badner Lokalbahn in Siebenhirten

Im stadtzentrumsnächsten Abschnitt der Straße, bis zur Troststraße, verkehrte seit 1902 die städtische Straßenbahn, seit 1907 als Linie 65. Sie wurde, um für den Individualverkehr in der Triester Straße mehr Platz zu schaffen, seit 1967 über die erste Parallelstraße ostwärts, die Knöllgasse, geführt, und verkehrt seit 2008 als Linie 1 von der Raxstraße, Stefan-Fadinger-Platz, durch die Knöllgasse, später über einen Teil der Ringstraße und den Franz-Josefs-Kai in den Prater, Hauptallee. In den Freitag- und Samstagnächten wird der zentrumsnächste Teil der Triester Straße von der ebenfalls von den Wiener Linien betriebenen Nachtautobuslinie N62 bedient.

Als Verlängerung des 65ers fungierte 1924–1962 die auf dem südlichen Abhang des Wienerbergs direkt auf der Triester Straße bis Inzersdorf verkehrende Straßenbahnlinie 165. Sie wurde dann auf Autobusbetrieb umgestellt (Linie 65A) und fährt heute die Strecke vom Reumannplatz (U1) bis zur Wienerberg City bzw. einmal pro Stunde, teilweise auf der Triester Straße, bis zur Zetschegasse in Inzersdorf.

Im südlichsten Abschnitt der Triester Straße in Wien, an dem großteils nur die Häuser am westlichen Straßenrand zu Wien gehören, die Straße selbst und ihre östlichen Anrainer zu Niederösterreich, begleitet die Lokalbahn Wien–Baden, die so genannte Badner Bahn, den Straßenzug direkt parallel. Hier stehen den Anrainern die Haltestellen Neuerlaa, Schönbrunner Allee und Vösendorf-Siebenhirten (gegenüber der Teufelsmühle, Triester Straße 342) zur Verfügung. Auf diesem Streckenteil der Badner Bahn gilt der Wiener Straßenbahntarif, es werden pro Stunde im Allgemeinen vier bis acht Züge Richtung Stadtzentrum geführt.

Auch in mehreren südlich an Wien anschließenden Gemeinden verläuft die Badner Bahn direkt neben der Straße; es gilt der Tarif des Verkehrsverbundes Ost-Region (VOR). Dieser Tarif gilt auch auf den Regionalbuslinien nach Niederösterreich und ins Burgenland, die die Triester Straße teilweise auf volle Länge befahren.

Bemerkenswerte Adressen Vom Matzleinsdorfer Platz zur Wienerbergstraße Die Bahnhaltestelle Wien Matzleinsdorfer Platz an der Südbahn in Hochlage (S-Bahn-Stammstrecke) und die Straßenbahnstation in Tieflage unter dem Margaretengürtel bilden das „Tor“ zur Triester Straße, von der hier die Gudrunstraße nach Osten ins Zentrum von Favoriten abzweigt. Die Triester Straße steigt von hier zum Rücken des Wienerbergs an. Nr. 1: Evangelischer Friedhof Matzleinsdorf Am Beginn der Triester Straße befindet sich der Evangelische Friedhof Matzleinsdorf mit der markanten Christuskirche. 1858 wurde der Friedhof eingeweiht, die Kirche entstand 1858–1860 nach Plänen von Theophil Hansen im historistischen Stil. Sie wurde einer griechischen Kirche nachempfunden. Mit dem Verwalter- und dem Totengräberhaus, die alle in Sichtziegelbauweise errichtet wurden, bildet sie eine Einheit.

Auf dem Friedhof befinden sich die Grabstätten zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten des evangelischen Wien. Unter anderen liegen hier die Gräber der Schriftsteller Friedrich Hebbel, Heinrich Laube und Ada Christen, des Philosophen Otto Weininger, der Schauspieler Adele Sandrock, Zerline Gabillon und Heinrich Anschütz, des k.k. Finanzministers Karl Ludwig von Bruck, des Malers Hugo Darnaut, des austromarxistischen Sozialphilosophen Max Adler, des Großindustriellen Rudolf von Arthaber und des Wiener Originals Baron Karl.

Ecke Kundratstraße: Martin-Luther-King-Park Siehe Kundratstraße.

Nr. 33: ehem. Bankgebäude Das ehemalige Bankgebäude Triester Straße 33 wurde 1963–1966 nach Plänen des Architekten Carl Appel erbaut und war von 2006 bis 2015 im Besitz einer großen Wiener Digitaldruckerei (digiDruck). 2016 wurde die Liegenschaft von Michael Gitzi an die Caritas veräußert.

Nr. 46–50: Klinik Favoriten, bis 2020 Kaiser-Franz-Josef-Spital Hier schließt das Areal des von 1887 an errichteten Kaiser-Franz-Josef-Spitals an die Triester Straße an, das seit 2020 als Klinik Favoriten firmiert. Einfahrt und Zugang erfolgen heute von der Kundratstraße aus.

Nr. 51–53: Gemeindebau Die relativ kleine städtische Wohnhausanlage gegenüber dem Kaiser-Franz-Josef-Spital wurde 1929 nach Plänen des Architekten Johann Franz Würzl errichtet. Sie umfasst 37 Wohnungen. Die Fassade an der Triester Straße ist durch wuchtig hervortretende, symmetrisch angelegte Erker im Sinne des Kubismus akzentuiert. An der Rückseite des Gebäudes befindet sich ein begrünter Innenhof.

Nr. 52–56: George-Washington-Hof Auf der Höhe des Wienerberges liegt westlich der Triester Straße, mit seiner Schmalseite zu dieser, der weitläufige George-Washington-Hof, eine städtische Wohnhausanlage aus den Jahren 1927–1930 nach Plänen der Architekten Karl Krist und Robert Oerley. Die sich in fünf weiten Höfen entlang der Wienerbergstraße nach Westen erstreckende Anlage öffnet sich zur Triester Straße mit einem von Karl Krist gestalteten Straßenhof. An der Straße selbst liegt die ehemalige Mutterberatungsstelle, die eine Keramikplastik Mutter mit Kindern und reliefierte Fenstergewände von Josef Riedl aufweist.

Vor Nr. 52: Spinnerin am Kreuz Vor Nr. 52 befindet sich das wahrscheinlich bekannteste und auch älteste Bauwerk Favoritens, die spätgotische Bildsäule der Spinnerin am Kreuz. Auf einem stufenförmigen Fundament erhebt sich eine quadratische, 16 Meter hohe Säule, die auf jeder Seite Figurengruppen aus Stein trägt. Es handelt sich um die Geißelung Christi, seine Dornenkrönung, eine Ecce Homo-Darstellung und Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes. Darüber erheben sich Fialen, Strebebögen und Spitztürmchen mit Steinrosetten und Wasserspeiern, die schließlich von einem Steinkreuz bekrönt werden.