alternativtext=Grauer Turm mit spitzem, ziegelgedeckten Dach. Ein Schwarz-weiß-Foto von James Krüss ist so angebracht, dass es aussieht, als würde er aus dem Fenster schauen.|mini|Bild von James Krüss, aus dem Fenster schauend, am James-Krüss-Turm der Internationalen Jugendbibliothek in MünchenJames Jacob Hinrich Krüss (* 31. Mai 1926 auf Helgoland; † 2. August 1997 auf Gran Canaria) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller. Er benutzte auch die Pseudonyme Markus Polder und Felix Ritter. Sein bekanntestes Werk ist der Roman Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen, erstmals erschienen 1962.

Leben und Wirken James Krüss wuchs als ältester Sohn des Elektrikers Ludwig Krüss und seiner Frau Margaretha Friederichs auf Helgoland auf. Seine Schwester Erna heiratete 1951 den Helgoländer Kommunalpolitiker Henry Peter Rickmers. Im Zweiten Weltkrieg wurden Helgoländer Kinder zum Schutz vor alliierten Bombenangriffen 1941 nach Arnstadt in Thüringen, später nach Hertigswalde bei Sebnitz in Sachsen verschickt. Nach dem Abschluss der Mittelschule 1942 besuchte Krüss die Lehrerbildungsanstalt Lunden in Schleswig-Holstein, ab 1943 die Lehrerbildungsanstalt Ratzeburg und ab 1944 die Bernhard-Rust-Hochschule in Braunschweig.

Am 15. Januar 1944 beantragte Krüss die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 20. April desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 9.687.248).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/23620416Malte Herwig: Hitlers böser Schatten. In: Stern Nr. 24, 2011 Im Spätsommer 1944 meldete er sich freiwillig zur Luftwaffe und erlebte das Kriegsende in Aussig im Sudetenland. Von dort erreichte er zu Fuß und per Rad Cuxhaven, wo sich seine Eltern aufhielten. In seinem semi-biographischen Roman Der Harmlos stellte sich Krüss 1988 als zunächst überzeugten Nationalsozialisten dar, der sich aber nach Kriegsende auf dieser Wanderung von diesen Überzeugungen abgewandt habe.

In diesem Roman bringt Krüss auch sein homosexuelles Begehren durch die Romanfigur Jackie zum Ausdruck, die als sein Alter Ego fungiert. In seiner Jugend hatte er auf der Insel die Helgoländer Homosexuellenprozesse erlebt (vgl. § 175 Strafgesetzbuch).Eckhard Wallmann: Eine Kolonie wird deutsch – Helgoland zwischen den Weltkriegen. Bredstedt 2012. Von den Anschuldigungen war er als Zwölfjähriger selbst betroffen – wie auch sein Vater. Eine Rückkehr nach Helgoland war 1945 nicht möglich, da die Insel der britischen Luftwaffe als Bombenübungsziel diente.

Krüss veröffentlichte 1946 im Parus-Verlag sein erstes Buch Der goldene Faden und begann im selben Jahr ein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Lüneburg. Im Studium absolvierte er 1946 ein Schulpraktikum im niedersächsischen Meinholz. 1948 bestand er sein Examen als Volksschullehrer; als Lehrer tätig war er jedoch nie. Im selben Jahr zog Krüss nach Reinbek bei Hamburg und gründete die bis 1956 erschienene Zeitschrift Helgoland, in erster Linie für die von der Insel evakuierten Einwohner. 1949 zog er nach Lochham bei München und lernte neben anderen Erich Kästner kennen.

Ab 1951 schrieb er Hörspiele für Kinder. 1956 erschien sein erstes Kinderbuch Der Leuchtturm auf den Hummerklippen im Verlag Friedrich Oetinger. Zwischendurch unternahm er Reisen nach Italien und Jugoslawien. Zusammen mit Peter Hacks schrieb er 1954 während eines Aufenthalts an der jugoslawischen Adria Kindergedichte, zum Beispiel März Küsse, die sie später untereinander aufteilten.Klaus Doderer: James Krüss. Insulaner und Weltbürger. Carlsen, Hamburg 2009, ISBN 978-3-551-58213-3, S. 27. 1960 erhielt Krüss für Mein Urgroßvater und ich den Deutschen Jugendbuchpreis und wurde mit einem Schlag bekannt. Im selben Jahr kaufte er sich ein Haus mit Garten im bayerischen Gilching, wo er bis 1966 lebte. Sein wohl populärstes Buch ist das 1962 erschienene Timm Thaler, das 1979 als gleichnamige Fernsehserie verfilmt wurde und auf dem eine ebenfalls gleichnamige Animationsserie aus dem Jahr 2002 basiert. Erneut verfilmt wurde der Stoff 2017 unter der Regie von Andreas Dresen.

Krüss war auch selbst für das Fernsehen tätig, insbesondere für den Hessischen Rundfunk: 1963 entstand unter der Leitung von Josef Göhlen ABC und Phantasie für die ARD. Zwischen 1966 und 1969 wurde die Kinderserie James’ Tierleben mit Suzanne Doucet und Hans Clarin ebenfalls in der ARD ausgestrahlt. Die Musik komponierte Krüss’ langjähriger Freund Christian Bruhn (Tonträger LP und CD). Beide Sendungen wurden von Krüss auch moderiert. In der ebenfalls von Josef Göhlen initiierten Live-Show Bettys Beat-Box-Haus wurden Texte von James Krüss und Kompositionen von Christian Bruhn von bekannten Schlagersängerinnen wie Mary Roos oder Uschi Glas interpretiert. In einer Folge trat außerdem Erich Kästner auf und erzählte aus dem Stegreif eine Geschichte. Krüss’ letzte große Arbeit für das Fernsehen war die gemeinsam mit Udo Jürgens realisierte Kindersendung Jenny und Jonny – Alle Kinder dieser Welt (1971–1973). Auch daran wirkte wieder Hans Clarin als Darsteller mit. Die von Jürgens vertonten und gesungenen Lieder wurden auch auf Tonträgern festgehalten.

Das Helgoländer Friesisch (Halunder) war seine Muttersprache. Im Laufe seines Lebens entstanden zahlreiche Gedichte und kürzere Texte auf Friesisch, die verstreut in Zeitschriften, Büchern oder unveröffentlicht im privaten Kontext zwischen und in deutschsprachigen Werken auftauchten.James Krüss iip Lun – Das friesische Werk von James Krüss. Nordfriisk Instituut, 2026. ISBN 978-3-88007-464-4

Nachdem Krüss 1964 schon Teneriffa besucht hatte, erwarb er im folgenden Jahr im Dorf La Calzada auf Gran Canaria ein Haus, wo er von 1966 bis zu seinem Tod zusammen mit seinem einheimischen Lebensgefährten Darío Pérez wohnte.Klaus Doderer: James Krüss. Insulaner und Weltbürger. Carlsen, Hamburg 2009, ISBN 978-3-551-58213-3, S. 32 und 273. Im Jahr 1976 feierte er seinen 50. Geburtstag im Schloss Köpenick in Ost-Berlin. Seine Bücher erschienen auch in der Sowjetunion und der DDR, einige davon als Erstausgaben.

Während atheistische Zensoren im damaligen Ostblock seinen Werken ideologische „Unbedenklichkeit“ beschieden hatten, hat die Christliche Medieninitiative pro James Krüss 2026 zu dessen 100. Geburtstag als Autoren mit „christlicher Motivik“ bezeichnet.

Am 2. August 1997 starb James Krüss im Alter von 71 Jahren auf Gran Canaria. Er wurde am 27. September vor seiner Heimatinsel Helgoland auf See bestattet.

Nachwirkung Anlässlich seines 75. Geburtstages im Jahr 2001 übergaben seine Erben der Internationalen Jugendbibliothek in München den schriftstellerischen Nachlass; hierzu gehören mehr als 700 Kinderbücher des Autors in ihren Übersetzungen, darunter 476 Bilderbücher, Kinderromane und Erzählungen, außerdem 25 Ausgaben von Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen, 17 Ausgaben von Mein Urgroßvater und ich, 35 Ausgaben von Der Leuchtturm auf den Hummerklippen, sieben Ausgaben von Die glücklichen Inseln hinter dem Winde und 106 Anthologien. Hinzu kommen Manuskripte, Typoskripte, Briefwechsel, Fotografien, Zeichnungen, gedruckte Illustrationen, Schallplatten, Zeitungsberichte, Rezensionen und die wissenschaftliche Sekundärliteratur. Der Nachlass wurde mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft auf Kalliope erschlossen und damit zugänglich gemacht.

Der Nachlass wird im James-Krüss-Turm im Schloss Blutenburg ausgestellt, das seit 1983 der Sitz der Internationalen Jugendbibliothek ist. Da er aus Platzgründen im James-Krüss-Turm nicht komplett gezeigt werden kann, können im Studiensaal weitere Materialien eingesehen werden.

Auf der Insel Helgoland gibt es in zwei nachgebauten Hummerbuden auf dem Museumshof des Museums Helgoland ein kleines James-Krüss-Museum. Dort werden Fernsehaufnahmen, CDs, Fotografien, Manuskripte und Briefwechsel gezeigt, darunter auch ein Brief von Astrid Lindgren an James Krüss.

Sieben deutsche Schulen tragen seinen Namen, darunter die einzige allgemeinbildende Schule auf Helgoland und die James-Krüss-Grundschule in Berlin.

In der Internationalen Jugendbibliothek in München wurde 2013 im Gedenken an den Autor erstmals der James Krüss Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur vergeben, der seitdem alle zwei Jahre vergeben wird.

Bibliografie Bilderbücher Hanselmann reist um die Welt. Mit Bildern von Katharina Maillard. Gerhard Stalling, Oldenburg 1953. Hanselmann hat große Pläne. Mit Bildern von Katharina Maillard. Gerhard Stalling, Oldenburg 1954. Die Hundefarm von Pudelslust. Mit Bildern von Lieselotte Mende-Neupert. Gerhard Stalling, Oldenburg 1954. Christoffel und sein Schimmelchen. Mit Bildern von Irene Schreiber. Gerhard Stalling, Oldenburg 1956. Ladislaus und Annabella. Mit Bildern von Beatrice Braun-Fock. Alfred Holz, Berlin 1957. Susebilles große Reise. Mit Bildern von Ingrid und Peter Paxmann. Gerhard Stalling, Oldenburg 1957. Henriette Bimmelbahn. Mit Bildern von Lisl Stich. Boje Verlag, 1957. Der blaue Autobus. Mit Bildern von Lisl Stich. Boje Verlag, 1958. Der kleine Doppeldecker. Mit Bildern von Lisl Stich. Boje Verlag, 1959. ABC, ABC, Arche Noah sticht in See! Mit Bildern von Beatrice Braun-Fock. Obpacher Buch- und Kunstverlag, 1959. Der Reisepudel Archibald. Mit Bildern von Erich Hölle. Boje Verlag, Stuttgart 1960. Eine lustige Froschreise. Mit Bildern von Lisl Stich. Boje Verlag, 1960. 3 × 3 an einem Tag: Ein Bilderbuch für alle, die bis drei zählen können. Mit Bildern von Eva Johanna Rubin. Betz Verlag, 1963. Hendrikje mit den Schärpen. Mit Bildern von Lisl Stich. Boje Verlag, 1964. Die ganz besonders nette Straßenbahn. Mit Bildern von Lisl Stich. Boje Verlag, 1965. Der Dreckspatz und das Plappergänschen. Text: James Krüss. Boje-Verlag, 1967. Ich wär’ so gerne Zoodirektor. Mit Bildern von Lisl Stich. Boje Verlag, 1969. Wer rief denn bloß die Feuerwehr? Mit Bildern von Erika Meier-Albert. Boje Verlag, 1971. Die Geschichte vom großen A. Mit Bildern von Eleonore Schmid. Thienemanns Verlag, 1972.

Kinder- und Jugendbücher Der Sängerkrieg der Heidehasen. Carlsen Verlag, Hamburg 1952, ISBN 3-551-35137-6. Der Leuchtturm auf den Hummerklippen. Mit Bildern von Jutta Benecke-Eberle. Oetinger Verlag, 1956; Neuausgabe: mit Bildern von Maja Bohn. Atrium Verlag, 2023, ISBN 978-3-85535-678-2. Die Glücklichen Inseln hinter dem Winde. Verlag Neues Leben, Berlin 1958 (beide Reisen in einem Band); Oetinger Verlag, Hamburg 1959/1960 (in zwei Bänden); Carlsen-Verlag, 2000 (in einem Band), ISBN 3-551-55268-1. Mein Urgroßvater und ich. Mit Bildern von Jochen Bartsch. Oetinger Verlag, Hamburg 1959, ISBN 978-3-7891-4043-3. So viele Tage wie das Jahr hat. Gedichte für Kinder und Kenner. Mit Illustrationen von Eberhard Binder Straßfurth. Sigbert Mohn Verlag, Gütersloh 1959. Tetjus Timm: Die abenteuerliche Chronik seines Lebens zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Ausgedacht und aufgezeichnet von Peter Goettsche in S/W, in Verse gebracht von James Krüss. Heft 1–5, Alfred Holz, Berlin 1961. Der wohltemperierte Leierkasten. 12 mal 12 Gedichte für Kinder, Eltern und andere Leute. Mit Bildern von Eberhard Binder-Staßfurt. 1961, ISBN 978-3-570-15512-7. Florentine. Mit Bildern von Erika Meier-Albert. 1961, ISBN 3-551-55270-3. Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen. Oetinger Verlag, Hamburg 1962, ISBN 3-7891-4040-6. Zehn kleine Negerlein. Eine musikalische Reise durch die Welt und das Einmaleins, Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, ISBN 3-570-00002-8. Mein Urgroßvater, die Helden und ich. Mit Bildern von Jochen Bartsch. Oetinger Verlag, Hamburg 1967, ISBN 978-3-7891-4042-6. Bienchen, Trinchen, Karolinchen. Boje-Verlag, Stuttgart 1968, ISBN 3-423-07030-7. In Tante Julies Haus. Oetinger Verlag, Hamburg 1969, ISBN 978-3-414-82130-0. Die Abenteuer des kleinen Elefanten Gongo. Mit Bildern von Erika Meier-Albert. Boje-Verlag, Stuttgart 1976, ISBN 3-414-11860-2. Das kleine Mädchen und das blaue Pferd. Cover und Innenillustrationen von Aiga Rasch. Boje-Verlag, Stuttgart 1977, ISBN 3-414-11870-X.