mini|hochkant=1.5|Hansaviertel am Rande des Großen Tiergartens

Das Hansaviertel oder Hansa-Viertel ist ein Ortsteil des Berliner Bezirks Mitte. Die Bezeichnung bezieht sich auf vier sich überlappende Stadtgebiete:

Hansa-Viertel war die ursprüngliche Bezeichnung für ein 1874 gegründetes Wohngebiet zwischen der Spree und dem Großen Tiergarten. Der Name Hansa-Viertel wurde gewählt, um daran zu erinnern, dass das Bauquartier von der Berlin-Hamburger Immobiliengesellschaft „Hansa“ erschlossen wurde, der überwiegend Hamburger Unternehmer angehörten, dass das Gebiet durch den nahegelegenen Hamburger Bahnhof sowie über Spree und Elbe mit Hamburg verbunden war bzw. ist und schließlich daran, dass Berlin im 14. und 15. Jahrhundert dem Hanse-Bund angehörte. Etwa 90 Prozent der Häuser wurden im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Luftangriffe zerstört. Hansaviertel bezeichnet die Mustersiedlung Südliches Hansaviertel zwischen dem Großen Tiergarten und der Trasse der Stadtbahn. Das Südliche Hansaviertel wurde 1953 geplant und, im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Interbau von 1957, in den Jahren von 1955 bis 1960 ausgeführt; es gilt als Demonstrationsobjekt moderner Stadtplanung und Architektur jener Zeit, der klassischen Moderne oder Nachkriegsmoderne. Nach 1957 wurde der Name Hansaviertel zum Synonym für das Südliche Hansaviertel. Hansaviertel ist (wie auf der nebenstehenden Karte dargestellt) die Bezeichnung für einen Ortsteil im Sinne einer offiziellen Gliederungseinheit des Berliner Verwaltungsgebiets unterhalb der Ebene der Bezirke. Der Ortsteil existiert seit 2001 und gehört zum Bezirk Mitte. Das Areal deckt sich weitgehend mit dem des alten Hansa-Viertels von 1874. Der Ortsteil Hansaviertel ist der kleinstflächige der Berliner Ortsteile, dabei jedoch einer der am dichtesten besiedelten. Hansaviertel ist der Name für ein Statistisches Gebiet von Berlin; es umfasst den Ortsteil Hansaviertel sowie einen Teil des Ortsteils Moabit und trägt die Gebietsnummer 003.

mini|Übersichtsplan des Hansaviertels mini|Akademie der Künste am Hanseatenweg mini|Gedenktafel am Hansaplatz

Geographie Der Ortsteil grenzt im Nordwesten, Norden und Nordosten an die Spree, im Osten und Süden an den Park von Schloss Bellevue sowie an den Großen Tiergarten, im äußersten Süden an die Straße des 17. Juni und im Südwesten an die Königliche Porzellan-Manufaktur sowie an das Gelände der Technischen Universität (die Straße Siegmunds Hof bildet die Grenze, sie gehört, mit allen Gebäuden, noch zum Ortsteil).

Der Ortsteil Hansaviertel grenzt an folgende anderen Berliner Ortsteile: im Nordwesten, Norden und Nordosten an Moabit im Bezirk Mitte, im Osten und Süden an den Tiergarten im Bezirk Mitte, im Südwesten an Charlottenburg im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

Für bezirkliche Planungen wurden die Statistischen Gebiete durch die „lebensweltlich orientierten Räume“ (LOR) abgelöst. Im weitesten Sinne entsprechen sie den Kiezen. Das Planungsgebiet Hansaviertel (07) gehört zur Bezirksregion Moabit Ost (22) im Südwesten. Die Kennnummer 01 02 22 07 setzt sich 01 Bezirk Mitte und 02 für „Prognoseraum Moabit“ zusammen. Das Planungsgebiet umfasst von der Straße des 17. Juni beginnend auch den Bahnhof Tiergarten, im Uhrzeigersinn entlang der Bezirksgrenze, dem südlichen Spreeufer bis durch die Bahnbrücke und am Rand des Großen Tiergartens und das Grundstück der Akademie der Künste einschließend. Ohne den Englischen Garten geht die Führung über die Altonaer Straße umschließt das Eternit-Haus und die benachbarten Bauten zur Händelallee und an der Ostseite der Klopstockstraße zur Straße des 17. Juni. Die nördlichen Anlagen bleiben außen vor und der Kiezrand nach Westen stößt letztlich an die Bahnanlage.

Mit dieser Kennziffer des Planungsraums ist der Zugriff auf die halbjährlich veröffentlichten SozialdatenBevölkerungsstruktur im „Lebensweltlich orientierten Planungsraum“ Hansaviertel. sozialraumdaten.kiezatlas.de möglich.

Die Fläche von Hansaviertel ist mit 534.475 m² angegeben. Von dieser Fläche sind 55,6 % der Wohnnutzung, 2,9 % Kerngebietsnutzung zugeordnet. 21,4 % sind Straßen und 11,0 % Ver- und Entsorgungseinrichtungen und 5,7 % als Verkehrsflächen ausgewiesen, 3,4 % als Park/Grünfläche. Die größte Einzel(grund)fläche mit 29,7 Hektar gilt der Wohnnutzung.

Gliederung Die quer durch den Ortsteil verlaufende Strecke der Stadtbahn gliedert ihn in ungefähr zwei gleich große Bereiche. Die Stadtbahnbögen werden für Gewerbezwecke genutzt, beispielsweise für Lagerräume und Werkstätten, aber auch für Gaststätten und Läden. Das Zentrum des Ortsteils ist der Hansaplatz.

Merkmale Charakteristische Merkmale des Ortsteils sind: Er ist ein Wohnviertel, der Anteil der Gewerbeflächen ist gering. Bei den Häusern handelt es sich überwiegend um Neubauten (darunter die Mustersiedlung Südliches Hansaviertel). Er liegt in der Nähe der Technischen Universität, der City West, des Kulturforums und des Parlaments- und Regierungsviertels. Er grenzt unmittelbar an zwei Erholungsgebiete, an den Großen Tiergarten und an die Spree mit ihren Spazier- und Radwegen. Er ist verkehrsmäßig gut eingebunden: in den öffentlichen Personennahverkehr durch zwei S-Bahnhöfe der Stadtbahn und einen U-Bahnhof sowie durch die unmittelbare Nähe zum Bahnhof Zoologischer Garten und zum Hauptbahnhof, in den Autoverkehr durch die Straße des 17. Juni, die eine seiner Grenzen bildet, sowie durch den Großen Stern, von dem er nur einige hundert Meter entfernt liegt. Er wird durch die Stadtbahn in zwei Hälften geteilt. An verschiedenen Stellen des Hansaviertels wird nach Erhebungen des Berliner Senats der Schwellenwert für chronischen Lärmstress überschritten, unter anderem entlang der Bahntrasse und der Hauptverkehrsstraßen (Altonaer Straße, Bachstraße, Lessingstraße und Bartningallee), wo die Beschallung im 24-Stunden-Durchschnitt höher als 65 dB(A) liegt. und Er besitzt einige Anziehungspunkte für Besucher aus anderen Teilen der Stadt und für Touristen: das Grips-Theater, das Südliche Hansaviertel und die Akademie der Künste am Hanseatenweg.

Geschichte mini|Plan des Tiergartens von 1765 mini|Straßenführung im alten Hansaviertel, 1893 mini|Hansaviertel um 1900, hinten der Vorkriegsbau der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche

Altes Hansaviertel Das 1874 gegründete Wohngebiet Hansa-Viertel gehörte bis 1920 zum Stadtteil Tiergarten, nach Gründung der Gemeinde Groß-Berlin zum Bezirk Tiergarten. Als Berlin im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs unter den Alliierten aufgeteilt wurde, kam das Hansaviertel zum Britischen Sektor und blieb dort bis nach dem Mauerfall und zum Zusammenschluss mit Ost-Berlin 1990. Der Bezirk Tiergarten kannte keine Untergliederung in amtlich definierte Ortsteile.

mini|hochkant|Wiederaufbau des Viertels und Neubau der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche im Rahmen der Interbau 1957

Neues Hansaviertel

Erweiterungsbauten

Zwischen 1955 und 1960 wurde auf einem Teil des alten Wohngebiets die Mustersiedlung Südliches Hansaviertel errichtet, die damit ebenfalls zum Bezirk Tiergarten gehörte. Nach der Berliner Wiedervereinigung wurde die Berliner Verwaltungsreform eingeleitet; sie führte dazu, dass die alte Bezirksaufgliederung beseitigt wurde (Gebietsreformgesetz von 1998): Seit Anfang 2001 ist der bisherige Bezirk Tiergarten zum Ortsteil geworden, das Areal wurde dem neu zusammengesetzten Bezirk Mitte zugerechnet. Seither gehört das Wohngebiet Hansaviertel zum neuen Bezirk Mitte, nicht mehr zum Bezirk Tiergarten. Die Reform schuf neue Ortsteile in den neuen Bezirken; einer der sechs Ortsteile des Bezirks Mitte ist der Ortsteil Hansaviertel. Er trägt die Ortsteilnummer 0103 (wobei „01“ für den Bezirk 1 steht, den Bezirk Mitte). Das Areal des neuen Ortsteils Hansaviertel deckt sich weitgehend mit dem des alten, 1874 gegründeten Wohngebiets Hansa-Viertel. Die Mustersiedlung Südliches Hansaviertel ist seither eine Ortslage innerhalb des Ortsteils Hansaviertel im Bezirk Mitte.

Beschreibung

Das alte Hansa-Viertel wurde auf einem Wiesengelände errichtet, an dessen Rand einige Gastwirtschaften und Villen lagen. Das Gebiet trug den Namen Schöneberger Wiesen, da es 1762 an Schöneberger Bauern verkauft worden war. Zu den Villen gehörten das Wohnhaus des Seidenhändlers und Bankiers Johann Gottfried Siegmund (1792–1865) (im Bereich des heutigen Studentenwohnheims Siegmunds Hof), die Villa Finkenherd, ein 1824 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel gebautes Landhaus des Chirurgen Carl Ferdinand von Graefe, in dem 1828 der bekannte Augenarzt Albrecht von Graefe geboren wurde (die Villa lag westlich der heutigen Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche) die 1864–1865 im Siegmunds Hof 22 gebaute Villa Ende des Architekten und Bauunternehmers Hermann Ende im Cottage-Stil (auf dem Gebiet, das heute durch die Ecke Siegmunds Hof/Bach-/Wegelystraße gebildet wird). Wegen der in unmittelbarer Nähe errichteten S-Bahn-Strecke wurde das Haus jedoch bereits 1893 wieder abgetragen. 1892–1893 wurde eine fast identische Kopie der Villa in Potsdam als Villa Gericke gebaut.Wolfgang Brönner, Jürgen Strauss: Bürgerliche Villen in Potsdam. Strauss, Potsdam 2000, ISBN 3-929748-13-4, S. 28, 32.

Das Viertel wurde 1874 gegründet. Für das Gebiet waren verschiedene Bebauungspläne eingereicht worden, und eine Königliche Order vom 21. März 1874 bestätigte den Plan der Berlin-Hamburger Immobiliengesellschaft. Der Gesellschaft gehörten überwiegend Hamburger Kaufleute an. Bereits 1882 kam es zur Liquidation; ehemalige Hamburger Teilhaber der Gesellschaft gründeten noch im selben Jahr die Baugesellschaft Bellevue, die das Projekt fortsetzte.

Der Bebauungsplan bezog sich auf ein Gebiet, das im Nordwesten, Norden und Nordosten durch die Spree begrenzt war, im Osten durch das Gelände des späteren Parks Bellevue, im Süden durch den Tiergarten und im Südwesten durch die Königliche Porzellan-Manufaktur in Charlottenburg. Der Plan legte fest, dass nicht mehr als zwei Obergeschosse gebaut werden sollten, dass Vorgärten anzulegen seien und dass die Straßen im südlichen Teil des Viertels einen sternförmigen Platz bilden sollten. Festgelegt wurden auch die Straßennamen, die allesamt – auch die Dichternamen – an die Hanse erinnern sollten – der Name Lessingstraße sollte an Lessings Hamburgische Dramaturgie erinnern usw. Die Bautätigkeit begann 1874/1875; 1879 wurde amtlich verkündet, dass ein neuer Bezirk gegründet worden sei, der die Bezeichnung Hansaplatz – Bezirk Nr. 211 erhalten habe.Bertram Janiszewski: Das alte Hansa-Viertel in Berlin. Berlin 2000, ISBN 3-7759-0460-3, S. 33. Dieser Name konnte sich nicht durchsetzen, ab Ende des Jahrhunderts war Hansa-Viertel die übliche Benennung. Etwa um die Wende zum 20. Jahrhundert war die Errichtung des neuen Wohngebiets abgeschlossen.

Das Zentrum bildete der Hansaplatz, an ihm kreuzten sich Klopstock-, Lessing- und Altonaer Straße sternförmig. Die ältere Brückenallee am östlichen Rand des Viertels wurde in den Straßenplan integriert. An ihr lagen die besten Grundstücke, auf denen Ein- und Mehrfamilienhäuser im Landhausstil errichtet wurden. Die restliche Bebauung bestand vorwiegend aus mehrgeschossigen Wohnhäusern. Auf königlichen Erlass hin durften bis 1910 im Hansaviertel keine Fabrik- und Gewerbebauten entstehen. Die Höhe der Gebäude war zwar auf drei Stockwerke beschränkt, viele Bauherren hielten sich jedoch nicht an diese Auflagen. Charakteristisch waren drei besonders repräsentativ gestaltete Hauptgeschosse, dazu ein Souterrain-Geschoss und ein Mansarden-Geschoss. Es entstand eine für Berlin typische Blockrandbebauung mit Seitengebäuden, Quergebäuden und Hinterhöfen.