mini|Konfirmationsritus in der norwegischen evangelisch-lutherischen Staatskirche mini|Konfirmandin vor einer Dorfkirche 1933 mini|Schwedische Konfirmanden in Alben in der Sankt-Marien-Kirche, 2011, Ystad. Konfirmation ( „Befestigung“, „Bekräftigung“, „Bestätigung“) ist ein feierliches öffentliches Glaubensbekenntnis gefolgt von einer individuellen Segenshandlung in den meisten evangelischen Kirchen, in der Neuapostolischen Kirche, der Apostolischen Gemeinschaft und in der Christengemeinschaft. Da das mit der Konfirmation verbundene Bekenntnis zur Kirchenzugehörigkeit die Religionsmündigkeit voraussetzt, wird die Konfirmation meist im Alter von 14 oder 15 Jahren gefeiert.
Im Gegensatz zur Firmung (lateinisch confirmatio) gilt sie jedoch, außer in der Christengemeinschaft, nicht als Sakrament, wie es die römisch-katholische Kirche, die anglikanische und altkatholische Kirche sowie alle orthodoxen und orientalischen Kirchen verstehen. Die begriffliche Unterscheidung zwischen Firmung und Konfirmation, wie sie im Deutschen durchklingt, gibt es allerdings in den meisten anderen Sprachen nicht.
Weil die Konfirmation bis zur Verlegung des Schuljahresendes in den Sommer und der Verlängerung der Schulpflicht für die meisten Volksschüler mit dem Ende der Schulzeit zusammenfiel, war sie auch ein bürgerliches Initiationsritual, das am Wechsel in das Erwachsenenleben stattfand.
Bedeutung Die Zahl der Konfirmierten im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland verringerte sich, analog zu den kleiner werdenden evangelischen Altersjahrgängen, von 240.000 Konfirmierten 2008 auf 166.000 Konfirmierte 2018. Die Quote der Konfirmierten an allen evangelischen Jugendlichen eines Jahrgangs sank in dieser Zeit von 91 Prozent auf 84 Prozent. Trotz der sinkenden absoluten und relativen Zahlen gehört die Konfirmation damit zu einer der stabilsten Ausdrucksformen des Evangelischseins.
Die Konfirmation hat in ihrer geschichtlichen Entwicklung vier Bedeutungen bekommen:Glaubens-ABC: Konfirmation, ekd.de. die persönliche Bestätigung der Taufe und damit das bewusste Ja zum christlichen Glauben und zur Kirchenzugehörigkeit. Abschluss des kirchlichen Unterrichtes mit „Lehrbefragung“ bzw. Katechismusprüfung Zulassung zum Abendmahl Eintritt ins (kirchliche) Erwachsenenleben
Die Konfirmation wird kirchenrechtlich als Übertritt zum mündigen Kirchenmitglied gesehen, wobei die konkreten Rechte in den verschiedenen Kirchen unterschiedlich sind:
In einigen Kirchen, insbesondere der lutherischen Tradition, dürfen nur Konfirmierte am Abendmahl teilnehmen. In Kirchen, die eine offene Kommunion oder das Kinderabendmahl praktizieren, hat dieser Punkt keine Bedeutung mehr. In vielen Kirchen haben Konfirmierte das Recht, Taufpaten zu sein, auch wenn sie noch nicht volljährig sind. In einigen Schweizer Kirchen ist mit der Konfirmation das Stimmrecht und das aktive und passive Wahlrecht in der Kirchengemeinde verbunden, es kann also im Prinzip ein 16-jähriger Konfirmierter Kirchenältester oder Synodale werden. Auch in einigen deutschen Landeskirchen besitzen 14-jährige Konfirmierte bereits das aktive Wahlrecht für das Presbyterium bzw. den Kirchenvorstand. Das aktive Wahlrecht fällt somit mit der Konfirmation zusammen. Wegen der eingeschränkten Geschäftsfähigkeit ist das passive Wahlrecht in den meisten EKD-Gliedkirchen an die Volljährigkeit gebunden. Zudem besitzen sie das Recht, in Notfällen Ungetaufte zu taufen (Nottaufe).
Ritus Die Konfirmation wird im Rahmen eines Festgottesdienstes vollzogen, in dem die Konfirmanden ihren Glauben öffentlich bekräftigen sollen. Damit wird an ihre Taufe als Kind angeknüpft, bei der Eltern und Paten stellvertretend für sie den Glauben bekannt haben. In einigen Kirchen geschieht das durch das Sprechen des apostolischen Glaubensbekenntnisses, in anderen wird kein spezifisches Bekenntnis verlangt, sondern die Teilnahme an der öffentlichen Feier gilt als öffentliche Bekräftigung des Glaubens.
Die Konfirmanden empfangen den Segen durch Handauflegung sowie einen biblischen Konfirmationsspruch, der sie weiter durch ihr Leben begleiten soll. Danach (heute oft auch am Vorabend oder zu einem anderen geeigneten Zeitpunkt) nehmen sie häufig zum ersten Mal am Abendmahl teil. Seit in einigen evangelischen Landeskirchen das Kinderabendmahl eingeführt wurde, verliert diese Zulassung zum Abendmahl jedoch zunehmend an Bedeutung. Das eigene „Ja“ zum Glauben gewinnt dafür an Gewicht.
Die Konfirmation ist gewöhnlich mit einem Familienfest und Geschenken verbunden. Die Geschenke waren traditionell am Übertritt ins Erwachsenenleben orientiert. So wurde regelmäßig die erste Armbanduhr oder Aussteuer an den Konfirmanden geschenkt.Julia Katschke, Sonja Kümper: Arbeit am Kranich-Gymnasium Salzgitter, auf der Website des Religionspädagogischen Instituts Loccum. 24. Oktober 2007 (PDF; 54 kB). In früheren Jahrhunderten – etwa in der Barockzeit – wurde den Konfirmanden anlässlich ihres Ehrentages oft eine besonders aufwändig gestaltete Bibel mit Namens- und Jahresprägung als Erinnerung geschenkt. So finden sich Exemplare von Konfirmationsbibeln aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die ein handliches Format und eine edle Gestaltung mit schwarzem Ledereinband und ziseliertem Goldschnitt auf allen drei Buchschnittseiten aufweisen. Wurde eine Konfirmandenbibel auch verbunden mit dem Wunsch verschenkt, dass der Beschenkte diese zur Bibellektüre verwenden möge, so zeigt der fast makellose Erhaltungszustand mancher barocker Konfirmationsbibeln in historischen Bibliotheken, dass diese wenig bis gar nicht benutzt wurden (was übrigens auch oft für historische Traubibeln gilt). Daneben lassen sich auch Exemplare finden, die belegen, dass der Konfirmand seine Bibel als Begleiter durch sein ganzes Leben verwendet hat, etwa wenn starke Gebrauchsspuren und handschriftliche biographische Einträge zu finden sind.Stefan René Buzanich, Veronika Macek: „A present from my dear mother, given on my wedding day …“. Die Trau- und Konfirmationsbibeln des 18. und 19. Jahrhunderts in der historischen Bibliothek der Österreichischen Bibelgesellschaft und ihre Geschichte(n). In: biblos. Beiträge zu Buch, Bibliothek und Schrift, Band 62, 1 (2013), , S. 73–77.
Traditionell trugen Konfirmanden in Deutschland festliche schwarze Kleidung. Jungen bekamen früher oft ihre ersten langen Hosen.Dagmar Stuhrmann: in: Zollern-Alb-Kurier, 24. April 2010.Viola Katemann: In: Von Zeit zu Zeit. Die Geschichtswerkstatt von Stuttgarter Zeitung und Stadtarchiv Stuttgart, abgerufen am 4. Dezember 2015. In anderen Ländern sind dagegen weiße Kleider (der Mädchen) oder Alben (für alle Konfirmanden) zur Konfirmation üblich, die vergleichbar dem Taufkleid die Reinheit des Getauften symbolisiert.
Zeitpunkt mini|hochkant|Georg Vilhelm Pauli: Französische Konfirmation In den deutschen Landeskirchen findet die Konfirmation üblicherweise im Alter von 14 Jahren statt. Der ursprüngliche Grund lag darin, dass die meisten Volksschüler mit der 8. Klasse an Ostern ihre Schulzeit beendeten und vielfach von zuhause weggingen. Auch nach der Verlängerung der Schulzeit und der Verlegung des Schuljahresendes auf den Sommer wurden sowohl das Konfirmationsalter als auch die Jahreszeit beibehalten. Das Alter wurde beibehalten, weil Jugendliche in Deutschland seit der Weimarer Republik mit Vollendung des 14. Lebensjahres religionsmündig sind und nun selbst über ihre Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft entscheiden und bestimmen können.
An der früher weit verbreiteten Festlegung der Konfirmation auf den Palmsonntag wird in einigen Landeskirchen festgehalten. Die Feier am Palmsonntag hat ihren Ursprung darin, dass die Konfirmation in Verbindung mit der Entlassung aus der Volksschule gesehen wurde und vor Antritt der oft am 1. April beginnenden Lehre erfolgen sollte. In anderen deutschen Landeskirchen gelten heute andere Regelungen; so sollen die Konfirmationen beispielsweise im RheinlandRahmenordnung für den Kirchlichen Unterricht, Abschnitt II, Absatz 2: „Er beginnt spätestens nach den Sommerferien. Er endet in der Regel zwischen Ostern und Pfingsten des übernächsten Jahres mit dem Konfirmationsgottesdienst.“ und in WestfalenVgl. Ordnung Konfirmandenarbeit (GOKA), § 13, Abs. 4, Satz 3: Der Konfirmationsgottesdienst „findet nach Ostern des übernächsten Kalenderjahres statt.“ zwischen Ostern und Pfingsten, frühestens also an Quasimodogeniti und spätestens an Exaudi, stattfinden. Quasimodogeniti ist als der Sonntag nach Ostern in der alten Kirche der Sonntag, an dem die Täuflinge der Osternacht ihre weißen Taufgewänder wieder ablegten, und damit ein Tag der Tauferinnerung. Die Verbindung zur Konfirmation liegt somit nahe. Im badischen Markgräflerland wird die Konfirmation traditionell am Sonntag Judika gefeiert; deshalb wird sie im regionalen alemannischen Dialekt oft noch als „Judika“ bezeichnet.
In den Schweizer Landeskirchen findet die Konfirmation im Alter von 15 oder 16 Jahren statt, wodurch sie mit dem Abschluss der obligatorischen Schulzeit zusammenfällt und auch so einen Übertritt ins Erwachsenenalter markiert. Mit der landesweiten Einführung des Schuljahrendes im Sommer gegen Ende des 20. Jahrhunderts ist die früher selbstverständliche Feier der Konfirmation an Palmsonntag hinfällig geworden, und sie findet oft im Frühsommer statt.
In der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche können Konfirmationen ganzjährig gefeiert werden.
Vorbereitungszeit: Die Konfirmandenarbeit mini|hochkant|Konfirmandenunterricht 1949 Die Vorbereitung auf die Konfirmation dauert je nach Kirchenordnung zwischen neun Monaten und mehreren Jahren. Da während der nationalsozialistischen Herrschaft der Religionsunterricht meist nicht den Vorstellungen der Kirche entsprach, wurde in den 1930er Jahren in vielen Gemeinden ein drittes Unterrichtsjahr eingeführt, und der Unterricht begann bereits in der 6. Klasse. Damit wurde zwischen Vorkatechumenen, Katechumenen und Konfirmanden unterschieden. Im zweijährigen Modell werden die Jugendlichen während des ersten Unterrichtsjahrs als Vorkonfirmanden, Katechumenen oder Präparanden, während des zweiten Jahres als Konfirmanden bezeichnet.
Traditionell findet der Konfirmandenunterricht einmal wöchentlich statt und wird von einem Pfarrer oder einer Pfarrerin abgehalten. In den letzten Jahrzehnten werden daneben in vielen Landeskirchen andere Formen wie 14-täglicher Unterricht, Kursunterricht oder Blockunterricht praktiziert. Statt des traditionellen Terminus „Konfirmandenunterricht“ wird daher in Anlehnung an die Jugendarbeit inzwischen zumeist von „Konfirmandenarbeit“ gesprochen. Gemeinsame Freizeiten oder sogenannte „Konfi-Camps“ gewinnen an Bedeutung. Zunehmend wirken auch Ehrenamtliche, jugendliche Mitarbeiter und Eltern in der Konfirmandenarbeit mit. An vielen Orten beginnt der Unterricht inzwischen schon in der 3. oder 4. Klasse, eine Phase der Jugendarbeit schließt sich an, bevor dann nach einem weiteren Unterrichtsjahr die Konfirmation mit 14 Jahren stattfindet.
Im Konfirmandenunterricht sollen Glaubensinhalte behandelt werden. Das früher übliche Auswendiglernen von Katechismustexten, Bibelversen und geistlichen Liedern sowie Abfragen des Erlernten tritt seit den 1970er-Jahren mehr und mehr zurück. Die Kirche in ihrer ganzen Vielfalt zu erfahren und zu verstehen, durch klassischen Unterricht, Besuche oder Praktika, sowie Begleitung während einer Phase der Pubertät zu bieten, sind stattdessen in den Vordergrund getreten.
In der Konsequenz wurde der Vorstellungsgottesdienst weithin umgeformt: Die Prüfung durch Abfragen von Erlerntem wurde durch das gemeinsame Erarbeiten eines Gottesdienstes ersetzt, womit die Jugendlichen ihr Verständnis eines Themas zeigen.