mini|hochkant=1.2|Stadtansicht vom Burgberg
Birkenfeld ist eine Stadt im Landkreis Birkenfeld im südwestlichen Teil von Rheinland-Pfalz. Sie ist Sitz der Kreisverwaltung, ein staatlich anerkannter Erholungsort und gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.
Geographie Birkenfeld liegt im Nahegebiet – nördlich des Flusses – am Rande des Naturparks Saar-Hunsrück. Der 10 km lange Steinaubach (Nahe) entwässert den Ort.
Weitere Gemeindeteile von Birkenfeld sind Burgbirkenfeld, Feckweiler, Staffelhof, Ulmenhof und Waldwiesen.
Angrenzende Gemeinden sind – im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden – Gollenberg, Elchweiler, Schmißberg, Rimsberg, Dienstweiler, Hoppstädten-Weiersbach, Ellweiler, Dambach, Brücken, Buhlenberg und Ellenberg.
Geschichte Der Name Birkenfeld ist fränkischen Ursprungs und bedeutet „beim Feld mit den Birken“. Daraus lässt sich schließen, dass die heutige Siedlung an einer mit dichtem Birkenbestand auffälligen Stelle etwa im Jahre 500 von fränkisch-deutschen Bauern gegründet wurde. Bis heute gibt es einen hohen Birkenbestand im Vogelschutzgebiet an den Tongruben.
Der Name Birkenfeld lautete ursprünglich „Bikenuelt“ (etwa im Jahre 700) oder „Birkinvelt“ bei der urkundlichen Erwähnung des Trierer Bischofs Egbert im Jahr 981. Aus dieser Urkunde geht hervor, dass der Heilige Liutwin (695–713 Erzbischof von Trier) die Kirchen zu Birkenfeld und Brombach dem Kloster St. Paulin in Trier geschenkt hatte.
Funde aus der Eisenzeit weisen jedoch auf eine dichte Besiedelung schon im 8. Jahrhundert v. Chr. hin. Im 1. Jahrhundert v. Chr. eroberten römische Legionen dieses Gebiet, das 400 Jahre lang unter römischer Herrschaft blieb. Dies belegen vor allem Funde in der unmittelbaren Umgebung der Stadt. Das heutige Birkenfeld befindet sich direkt an einer römischen Straße, die als Querverbindung zwischen zwei bedeutenden Heerstraßen diente, nämlich im Norden die Straße Trier-Bingen-Mainz (diese wurde im Jahr 350 in der Mosella von dem römischen Dichter Ausonius erwähnt und entspricht streckenweise der heutigen Hunsrückhöhenstraße) und im Süden die Straße Metz-Mainz. Diese Querverbindung, auch „Bronzestraße“ genannt, verband Glan-Nohen-Mosel miteinander. Die Bronzestraße kreuzte die Nahe in Nohen („villa Aldena“) und verlief weiterhin direkt durch den Wasserschieder Wald, ein bis heute bestehender Staatsforst am Stadtrand von Birkenfeld, über Gollenberg an Börfink vorbei in Richtung Trier.
Die fränkische Siedlung „Birkinvelt“ gehörte im 13. Jahrhundert zum Besitz der Grafen von Sponheim. 1223 wurde die Grafschaft Sponheim geteilt, und Birkenfeld kam zur Hinteren Grafschaft Sponheim in den Besitz der Grafen auf der Starkenburg bei Trarbach. 1293 wird die Burg Birkenfeld erstmals erwähnt. 1332 wurden Birkenfeld die Stadtrechte durch Kaiser Ludwig den Bayern verliehen.
Nach dem Tode des letzten Grafen von Sponheim ging 1437 das Erbe, die Hintere Grafschaft, an die Markgrafen von Baden und die Grafen von Veldenz. 1584 residierte eine Seitenlinie der Wittelsbacher, der Pfalzgraf Karl I. von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld, in diesem Ort. Diese Seitenlinie erbte später zuerst die Kurpfalz und dann Bayern. 1584 begannen auch die Ausbauarbeiten der Burg zu einem Fürstenschloss im Renaissancestil. Genau 140 Jahre später wurden die letzten Reste der Fürstlichen Hofhaltung auf Schloss Birkenfeld aufgelöst. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde die Stadt 1635 unmittelbarer Kriegsschauplatz. Im gleichen Jahr brach die Pest in Birkenfeld aus und forderte 416 Todesopfer.
1776 wurde Birkenfeld unter Markgraf Karl Friedrich Sitz des Oberamtes der Markgrafschaft Baden. In dieser Zeit blühte Birkenfeld auf. Der Ort erlebte einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. 1779 wurde beispielsweise die erste Höhere Schule gegründet.
Nach der Einnahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen wurde die Region im Jahr 1797 von Frankreich annektiert. Von 1798 bis 1814 war Birkenfeld Hauptort des gleichnamigen Kantons im Departement der Saar.
Im Februar 1797 beging der als Schinderhannes bekannt gewordene Räuber Johannes Bückler einen nächtlichen Einbruch in die Tuchfabrik der Gebrüder Stumm – die späteren Kohle- und Stahlunternehmer an der Saar. Das während dieses Einbruchs gestohlene Tuch verkaufte der Schinderhannes zum großen Teil an einen Hehler in Hundheim bei dem Stumpfen Turm.Peter Bayerlein: Schinderhannes-Ortslexikon. Mainz-Kostheim 2003, S. 38.
Nach dem Wiener Kongress (1815) gelangte das Gebiet des späteren Fürstentums Birkenfeld 1817 an das Großherzogtum Oldenburg. Unter der oldenburgischen Herrschaft wurde 1821 das neue Schloss, das heute Sitz der Kreisverwaltung ist, gebaut. Nicht nur das neue Schloss, sondern auch weitere Gebäude im Regierungsviertel, wie beispielsweise die Infanteriekaserne (bis 1963 Gebäude des Gymnasiums, heute Amt für Verteidigungslasten) prägen bis heute das Birkenfelder Stadtbild im klassizistischen Stil der Oldenburger Zeit.
Im Dritten Reich wurde der Ort am 1. April 1937 Teil des preußischen Landkreises Birkenfeld, der aus den ehemaligen oldenburgischen Gebieten und dem Restkreis Sankt Wendel-Baumholder gebildet wurde. Somit endete die Zugehörigkeit zu Oldenburg nach 120 Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Birkenfeld zur französischen Besatzungszone und ist seit 1946 Kreisstadt in Rheinland-Pfalz.
Bis 2014 war Birkenfeld ein bedeutender Militärstandort der Amerikaner und danach für die Bundeswehr. Die 2. Luftwaffendivision hatte ihren Sitz in der Heinrich-Hertz-Kaserne. In Verbindung mit dem Kommandobunker Börfink war Birkenfeld bis 2002 ein wichtiger NATO-Standort. Während der Flüchtlingskrise in Europa 2015 wurden in der Heinrich-Hertz-Kaserne 1.100 Flüchtlinge untergebracht. swr.de
Bevölkerung
Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Birkenfeld, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:
Konfessionsstatistik Am 30. Juni 2005 waren 50,0 % der Einwohner evangelisch, 30,9 % katholisch und 19,1 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an. Mit Stand Juni 2025 waren von den Einwohnern 33,9 % evangelisch, 22,1 % katholisch und 44,0 waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Stadt Birkenfeld Gemeindestatistik. statistik.ewois.de; abgerufen am 9. Juli 2025. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt gesunken.
Christentum
Neben den beiden großen Kirchengemeinden – Evangelische Kirchengemeinde Birkenfeld und Katholische Kirchengemeinde St. Jakobus Birkenfeld – gibt es eine Mennoniten-Brüdergemeinde und eine Neuapostolische Kirche mit einem Mitglied.
Politik Birkenfeld ist seit 1947 Kreisstadt und bildet mit 30 weiteren Gemeinden eine Verbandsgemeinde – die Verbandsgemeinde Birkenfeld.
Im Oktober 2010 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.
Stadtrat Der Stadtrat in Birkenfeld besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.
+ Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU Grüne FDP FW BFL BfB Gesamt 2024 7 7 2 – 6 – – 22 Sitze 2019 7 11 – – – 4 – 22 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2014 9 9 – 1 – 2 1 22 Sitze 2009 8 8 – 1 – 2 3 22 Sitze BFL: Birkenfelder Freie Liste e. V. BfB: Bürger für Birkenfeld e. V.
Bürgermeister Hans-Peter Lampel (SPD) wurde am 16. Juli 2024 Stadtbürgermeister von Birkenfeld. Bei den Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich bei einer Wahlbeteiligung von 52,4 % mit 55,1 % der Stimmen gegen seine einzige Mitbewerberin Christine Tholey-Martens (CDU) durchgesetzt.
Frühere Amtsträger waren: Eugen Ruppenthal von 1923 bis 1933 und von 1949 bis 1953 Oswald Morenz von 1953 bis 1961 Werner Käufer von 1961 bis 1970 Erich Mörsdorf von 1971 bis 1990 Manfred Dreier von 1990 bis 2000, SPD Peter Nauert von 2000 bis 2014, CDU Miroslaw Kowalski von 2014 bis 2023, CDU
Werner Käufer war der letzte hauptamtliche Bürgermeister der Stadt Birkenfeld. Zwar wurde er 1968 noch mit großer Mehrheit für weitere 12 Jahre im Amt bestätigt, musste dann aber bereits 1970 aufgrund der rheinland-pfälzischen Gemeindereform, bei der Städte unter 7500 Einwohner in Verbandsgemeinden eingegliedert wurden, sein hauptamtliches Amt aufgeben.
Peter Nauert ist der erste Bürgermeister, der in einer Urwahl der Birkenfelder Bürger gewählt wurde. Seine beiden Vorgänger, Manfred Dreier und Erich Mörsdorf, standen in Personalunion sowohl der Stadt als auch der Verbandsgemeinde Birkenfeld vor.
Miroslaw Kowalski amtierte seit 2014 und war bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 mit einem Stimmenanteil von 79,01 % für weitere fünf Jahre als Stadtbürgermeister bestätigt worden. Im November 2023 legte er das Ehrenamt jedoch vorzeitig nieder, da er am 16. November das Amt des Landrats im Landkreis Birkenfeld antrat. Bis zur Ernennung des Nachfolgers übte daher die Erste Beigeordnete Christine Tholey-Martens (CDU) für acht Monate die Amtsgeschäfte aus.
Wappen Das Stadtwappen, das vom Ministerium des Innern zu Oldenburg am 29. Oktober 1923 genehmigt wurde, entstammt einem alten Gerichtssiegel aus dem Jahre 1577. Es zeigt auf blauem Grund auf einem grünen Hügel einen bewurzelten Baum in natürlicher Farbe. Ein Teil des Stammes ist mit einem rot-silber-geschachten Schild bedeckt. Der Baum, der eine Birke darstellt, deutet auf den Ortsnamen hin (Redendes Wappen). Der aufgelegte Schild erinnert an das Wappen der Hinteren Grafschaft Sponheim, zu der die Stadt einst gehörte.
Städtepartnerschaften Zu der französischen Stadt Audun-le-Tiche im Département Moselle besteht seit 2010 eine Städtepartnerschaft.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Lambdazismus im Ortsdialekt In früheren Zeiten wies der Birkenfelder Ortsdialekt eine Besonderheit auf: Er ersetzte häufig die Laute /d/ und /t/ durch /l/ (Lambdazismus); gleiches galt für den Laut /r/. Wortbeispiel: „Fulerlale“ für „Futterladen“, oder, als Satzbeispiel, der Birkenfelder Küster „Fuchs Karl“ zum Kirchenrat und Pfarrer Haag: „Jo, jo, Herr Kirjerot, pririje kann e jela, awa noch lang net loule!“ (Ja, ja, Herr Kirchenrat, predigen kann ein jeder, aber noch lange nicht läuten!).
Der Lambdazismus ist jedoch aus dem Birkenfelder Dialekt mittlerweile völlig verschwunden und stattdessen dem im Hunsrücker Dialekt üblichen Rhotazismus gewichen.
Museen Das Landesmuseum des Vereins für Heimatkunde im Landkreis Birkenfeld bietet einen Überblick über 2500 Jahre Kulturgeschichte. Im Mittelpunkt steht die interaktiv ausgerichtete Keltenerlebnisausstellung „Kelten, Kunst und Kult erleben“. Dort werden dem Besucher anhand von Rekonstruktionen und archäologischen Funden und Repliken das Leben und das Handwerk dieser vorgestellt. Daneben beschäftigt sich ein großer Teil der Ausstellung mit der Regional- und Territorialgeschichte des Birkenfelder Landes. Geschichtliche Höhepunkte stellen in diesem Zusammenhang das Hochmittelalter (13. bis 15. Jahrhundert) sowie ab dem frühen 20. Jahrhundert die Oldenburger Zeit des Fürstentums Birkenfeld dar. Regelmäßig wechselnde Ausstellungen beschäftigen sich mit historischen und aktuellen Themen.
Maler-Zang-Haus Unmittelbar neben dem Landesmuseum Birkenfeld befindet sich das Maler-Zang-Haus. Das 1883 im bürgerlich-klassizistischen Stil erbaute Haus ist das ehemalige Wohnhaus des Malers Hugo Zang (1858–1946). Im Jahr 2006 wurde damit begonnen, das Haus denkmalschutzgerecht zu restaurieren. Seit 2008 beherbergte das Gebäude neben der Volkshochschule des Landkreises Birkenfeld sieben Galerieräume für wechselnde Ausstellungen regionaler und überregionaler Künstler. Die Kreisverwaltung hat 2016 das Gebäude umgewidmet und nutzt die Räumlichkeiten nur noch als Büroräume. swr.de
Bauwerke mini|Das Torhaus der Birkenfelder Burg