mini|Messdiener, unter ihnen der spätere Papst Johannes Paul II. (sitzend, Zweiter von links) mini|Eine oberpfälzische Fronleichnamsprozession mit weiblichen und männlichen Ministranten, Neumarkt 2016 Der Ministrant (von ‚dienen‘) oder Messdiener ist ein liturgischer Dienst in der römisch-katholischen Kirche. Es gibt auch in den orthodoxen Kirchen, der anglikanischen Kirche, der altkatholischen Kirche und in manchen evangelischen Kirchen entsprechende Dienste. Ministranten übernehmen im Rahmen der liturgischen Ordnung vorgesehene Aufgaben bei der heiligen Messe, bei der Spendung mancher Sakramente und bei Andachten und Prozessionen.

Zum Teil sind die Ministrantendienste aus den früheren niederen Weihestufen des Priesteramtes abgeleitet. Lange wurde der Ministrantendienst als Hinführung zum Priesterberuf angesehen und war deshalb Männern und männlichen Jugendlichen vorbehalten. Erst seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wurden Frauen und weibliche Jugendliche schrittweise zugelassen.

Allgemeines mini|Altarschelle mini|hochkant|Thuriferar mit Rauchfass mini|Ministranten der St. Thomas Basilica in Chennai

Im Jahr 2009 gab es in Deutschland 436.228Pressemitteilung der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj): (2009). Ministranten; ihre Zahl hatte sich damit seit der letzten Zählung 2004 um rund 43.000 erhöht. Im Verlauf der nächsten Jahre schrumpfte diese Zahl wieder auf etwa 360.000 Ministranten im Jahr 2021. Nach Angaben der Bischofskonferenz sind 53 % davon weiblich. In den katholischen Diözesen variiert die Anzahl der Ministranten sehr stark und liegt zwischen 403 im Bistum Görlitz und 44.645 im Bistum Münster. Im überwiegend katholischen Österreich verrichten schätzungsweise 50.000 Ministranten den Dienst am Altar.

Die Voraussetzungen zur Ausübung des Ministrantendienstes sind von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich, als Grundregel gilt meist jedoch, dass ein Ministrant die erste heilige Kommunion bereits empfangen hat. Meist sind es Kinder und Jugendliche, mancherorts, vor allem in Bischofskirchen, auch Erwachsene.

Die Ministranten übernehmen in der Liturgie besondere Aufgaben, die überwiegend der Assistenz des Priesters und des Diakons dienen. Die Messdiener tragen beim Gottesdienst ein liturgisches Gewand. Oft absolvieren sie eine Einführung, in der sie mehr über die verschiedenen Riten, liturgischen Farben, Zeichen und Symbole erfahren und lernen, wann und wie sie in der Liturgie zur Anwendung kommen. Ministranten bilden oft eine feste Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde, mitunter sind sie deren größte Jugendgruppe. Oft treffen sich Messdiener zu Gruppenstunden, machen gemeinsame Ausflüge und helfen auch bei der Organisation von Kirchen- und gemeinnützigen Festen. In einigen Gemeinden gibt es Oberministranten oder Obermessdiener, die vom jeweiligen Pfarrer beauftragt oder von der Ministrantengruppe gewählt sind, die Anliegen der Ministranten in der Gemeinde zu vertreten und die Messdienergruppe zu leiten.

Der am längsten tätige Messdiener war der Brite Peter Reilly, der 91 Jahre lang in der St. Mary’s RC Church in Saltcoats den Ministrantendienst versah, zum letzten Mal an seinem 100. Geburtstag.

Dienste Ministranten übernehmen verschiedene Dienste im Gottesdienst. Die Benennungen der Dienste leiten sich zum Teil aus den früheren niederen Weihestufen des Priesteramtes her. Bei der Eucharistiefeier bringen sie Brot, Wein und Wasser zum AltarGrundordnung des römischen Messbuches, 2007, Nr. 100. und helfen dem Priester beim Lavabo, der Händewaschung. Nach der heiligen Kommunion assistieren sie bei der Purifikation der Gefäße und bringen das Messbuch und die liturgischen Gefäße zur Kredenz zurück. Wo es üblich ist, läuten Ministranten vor den Wandlungsworten und zur Elevation die Altarschellen oder schlagen den Gong an. Sie reichen dem Priester oder dem Diakon liturgische Geräte an und halten als Libriferar liturgische Bücher bereit. Mancherorts sammeln sie die Kollekte ein oder sind für das Läuten der Wandlungsglocken während des Hochgebets verantwortlich. Auch der Dienst des Lektors kann von einem Ministranten übernommen werden.

Bei feierlich gestalteten Gottesdiensten tragen Ministranten als Thuriferar das Weihrauchfass und als Navikular das Schiffchen.Grundordnung des römischen Messbuches, 2007, Nr. 133. Als Ceroferare tragen sie Kerzen und Leuchter, als Kruziferar das Vortragekreuz.Grundordnung des römischen Messbuches, 2007, Nr. 120 b, 133, 188. Sie tragen das Weihwassergefäß mit dem Aspergill und reichen es dem Priester oder Diakon an (Weihwasserträger). In Pontifikalämtern halten sie als Mitrafer und Baculifer Mitra und Stab des Bischofs, solange er diese Insignien nicht benötigt. Vielerorts übernehmen Ministranten auch das Tragen von Vortragefahnen. Erfahrene Ministranten amtieren in größeren Gottesdiensten als Zeremoniare.

Ähnliche Aufgaben haben Ministranten bei besonderen Gottesdiensten etwa im Triduum Sacrum, an Weihnachten und Fronleichnam, bei Pontifikalämtern, bei Prozessionen, im feierlichen Stundengebet und bei den sogenannten Kasualien wie Taufe, kirchliche Trauung und Begräbnisfeier.

Dienste außerhalb der Liturgie Häufig sind Ministranten auch außerhalb der Liturgie in ihrer Gemeinde tätig. So ist es in vielen Gemeinden üblich, dass sie zahlreich bei den Sternsingern vertreten sind oder in der Karwoche als Klapperjungen (oder Klabasterjonge, in Bayern und Österreich auch Ratschenbuben bzw. -kinder) durch die Straßen ziehen. Oftmals gestalten die aktiveren Ministranten auch die örtliche kirchliche Jugendarbeit.

Gewänder mini|hochkant|Ministranten auf einem Bild von Domenico Ghirlandaio aus dem Jahr 1475 In der Regel tragen Ministranten einen schwarzen oder roten Talar bzw. statt des Talars einen Rock und einen dazugehörigen Kragen. Regional verwendet man die liturgische Farbe des Tages, benutzt also auch grüne und violette Talare; wenn die liturgische Farbe des Tages weiß ist, wird ein roter Talar getragen. Darüber trägt man immer das weiße Chorhemd, oft nicht ganz richtig auch Rochett genannt, das an das Taufkleid erinnert. Über dem Chorhemd wird mancherorts noch ein Kragen oder eine Mozetta in rot, schwarz oder der liturgischen Tagesfarbe getragen. Statt Talar und Chorhemd kann auch ein knöchellanges weißes Gewand, die Albe, getragen werden, das die Beziehung zum Taufkleid besonders deutlich macht. In manchen Pfarreien tragen die Ministranten ein Zingulum in der liturgischen Farbe. Auch können ein Kreuz oder eine Plakette die Ausstattung ergänzen.

Geschichte Die Anfänge des Ministrantendienstes Ministranten verdeutlichen, dass der Priester den Gottesdienst nicht allein feiert. So schreibt bereits der Apostel Paulus im 1. Brief an die Korinther:

Texte aus dem zweiten und dritten Jahrhundert berichten von den sonntäglichen Versammlungen der Christen, in denen eine Aufgabenteilung praktiziert wurde: Während der Bischof der Liturgie vorstand und die Gebete sprach, umstanden ihn die Priester, die zusammen mit den Diakonen die Eucharistie bzw. die Agape austeilten. Lektoren lasen die biblischen Texte und Kantoren übten ihren Dienst als Vorsänger aus.

Die Aufgaben, aus denen später der Dienst der Ministranten hervorging, wurden in der römischen Kirche von Akolythen übernommen. Diese brachten die Gaben zum Altar und halfen dem Priester oder Bischof während der Eucharistiefeier.

Seit dem Aufkommen von Privatmessen in fränkischer Zeit übernahmen Messdiener die Antworten der Gemeinde auf die Akklamationen des Priesters.Martin Conrad, in Liturgia et unitas, Martin Klöckener und Arnaud Join-Lambert (Hrsg.), Univ.-Verlag, Freiburg, 2001, S. 388.

Ministranten in der mittelalterlichen Liturgie Ab dem 8. Jahrhundert war der Ministrantendienst in der heiligen Messe unerlässlich, da es für Priester üblich wurde, täglich die heilige Messe zu feiern. Weil dies durch wachsende Priesterzahlen als Feier mit der Gemeinde kaum noch möglich war, kam es zur Einführung der Privatmessen (missa privata), bei denen der Priester allein „die Messe las“. Das Konzil von Mainz 813 verordnete, dass bei der Feier einer Messe wenigstens zwei andere Gläubige anwesend sein mussten, das Konzil von Paris 829 nannte diese ministri, und das Konzil von Trier verfügte im Jahr 1227, dass kein Priester die Messe feiern dürfe ohne die Anwesenheit eines anderen Klerikers, der die Antworten gebe. Dies brachte Schwierigkeiten vor allem für ländliche Gemeinden mit sich, in denen es nur einen Priester gab.

Am Klerikerkonvent St. Stephan in Weißenburg/Elsass werden bepfründete Knaben erstmals 1247Archives Departementales Bas-Rhin = ABDR 12 J 1677, Bl. 17. in der Stiftung des Kanonikers Gotebert erwähnt. Damals hatte „der Wochenpriester der Frühmesse unter Assistenz der Knabenpfründner (assistentibus sibi pueris prebendariis) die Matutin und die zweite Vesper zu halten“.Anton Doll mit Unterstützung durch Hans Ammerich: Der Landdekanat Weißenburg (mit Kloster St. Peter in Weißenburg). (= Palatia sacra. Kirchen- und Pfründebeschreibung der Pfalz in vorreformatorischer Zeit Bd. 2) Mainz 1999, ISBN 3-929135-29-9, S. 286. Den Knaben standen für diesen Dienst zwei Pfennige zu. Ihr Aufgabenbereich beinhaltete das Amt des Messdieners, das Singen der Versikel und der Responsorien beim Stundengebet sowie das Singen der drei ersten Lesungen an Festen mit neun Lesungen. Wohl Ende des 14. JahrhundertsADBR 12 J 1677, Bl. 35’. wurde vorübergehend bestimmt, dass der vorletzte Knabe in der Liturgie als Dyaconus und der achte als Subdyaconus fungieren sollten.

Ministranten waren jahrhundertelang eine Stufe auf dem Weg zum Priesteramt. Das änderte sich auch mit der Neuordnung der liturgischen Dienste durch das Konzil von Trient (1545–1563) nicht.

Ministranten als Vorstufe zum Priesterdienst mini|hochkant|Der Messdiener, Gemälde von Franz Meyerheim, 1874 Für die Aufgaben der Ministranten als Vertreter der Gemeinde im Altarraum bedurfte es einer besonderen Ausbildung. Seit Beginn des Mittelalters wurden Jungen in Chorschulen aufgenommen, in denen sie für ihren Dienst in der Messe vorbereitet wurden.

Diese Chorknaben wurden als potenzieller Priesternachwuchs gesehen. So kam es, dass Ministranten bereits früh in den Stand der Kleriker bis zum Subdiakonat aufgenommen wurden. Das Idealbild des Ministranten vom Mittelalter bis in die Neuzeit war das des „Klerikerministranten“, der sich bereits als Kind oder als Jugendlicher auf die Priesterweihe vorbereitete, in die Liturgie eingeführt wurde und Latein lernte.

Das Konzil von Trient in der Mitte des 16. Jahrhunderts behandelte diese Frage, als es die Dienste in der Liturgie neu ordnete. Schließlich legte die Synode von Aix 1585 fest, dass eine schriftliche Erlaubnis des Bischofs nötig sei, wenn Laien am Altar ministrierten.

Die Unsicherheit über den Umgang mit Ministranten, die nicht dem Klerus angehörten, hielt sich bis ins 19. Jahrhundert, auch wenn die Weisung der Synode von Aix bei weitem nicht überall aufgenommen wurde. Der Codex Iuris Canonici von 1917 schrieb in can. 813 die Anwesenheit eines (männlichen) Ministranten bei der Feier der heiligen Messe verpflichtend vor; eine Frau durfte notfalls aus der Distanz antworten, jedoch durfte sie nicht an den Altar treten.§1 Sacerdos Missam ne celebret sine ministro qui eidem inserviat et respondeat. §2. Minister Missae inserviens ne sit mulier, nisi, deficiente viro, iusta de causa, eaque lege ut mulier ex longinquo respondeat nec ullo pacto ad altare accedat. ‚Der Priester soll nicht ohne Diener zelebrieren, der ihm behilflich ist und antwortet. Der Diener soll keine Frau sein; nur wenn ein Mann fehlt, möge eine Frau aus gerechtem Grund aus der Ferne antworten, sie soll jedoch keinesfalls an den Altar treten.‘ 1947 sprach Papst Pius XII. in seiner Enzyklika Mediator Dei unter Bezugnahme auf den CIC erstmals von Ministranten: