Die Karotte (Daucus carota subsp. sativus), auch bezeichnet als Möhre, Mohrrübe, Gelbrübe, Gelbe Rübe, Rüebli, Riebli oder Wurzel, ist eine nur in Kultur bekannte Form der Möhre (Daucus carota) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Von dieser Gemüsepflanze wird fast ausschließlich die Pfahlwurzel genutzt.

Bezeichnung und Wortherkunft mini|Eine grüne Karotte. Querschnitte durch die Pfahlwurzel Die Bezeichnung Karotte oder Möhre für die Pflanze wie auch die Rübe ist regional unterschiedlich: In Nord-, West- und Ostdeutschland überwiegt Möhre, wobei in Süddeutschland junge Rüben Karotten genannt werden; Sorten mit kleinen, kugelförmigen Wurzeln werden deutschlandweit als Karotten bezeichnet. In Norddeutschland, vorzugsweise in Niedersachsen und Umgebung, findet sich auf den Märkten und in der Umgangssprache auch die Bezeichnung Wurzel (im Niederländischen wortel). Im Saterfriesischen heißt die Karotte auch Wuttel. Im Badischen, Schwäbischen, Fränkischen und Bairischen verwendet man oft den Terminus Gelbe Rübe, ebenso im Saarländischen und Pfälzischen, woraus sich dann Gelleriwe bzw. im Badischen Gelleriebe ableitet. In Österreich überwiegt im Hochdeutschen Karotte,Stichwörter Karotte und Möhre. In: Österreichisches Wörterbuch. 40. Aufl. Herausgegeben im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. öbvhpt, Wien 2006, ISBN 978-3-209-05511-8. während in der Deutschschweiz gebräuchliche Namen (Schweizerisch) Rübchen oder (mundartlich) Rüebli (halblanger oranger Typ) und Feldrüebli (Gelbe Rübe) sind.Fritz Keller, Jürg Lüthi, Kurt Röthlisberger: 100 Gemüse. Verlag Landwirtschaftliche Lehrmittelzentrale, Zollikofen 1986, ISBN 3-906679-01-2, S. 130–133.

Die sprachliche Entwicklung in Deutschland geht hin zu „Möhre“ und „Karotte“.Atlas Alltagssprache, Artikel Möhre/Karotte, abgerufen am 26. April 2026„Der Gebrauch von ‚Möhre‘ und ‚Karotte‘ breitet sich immer weiter aus, während die anderen Begriffe langsam verschwinden. […] Die Macht der großen Supermarktketten ist gegenüber regionalen Lebensmittelgeschäften und Wochenmärkten in den letzten Jahrzehnten immer mehr gewachsen, auch die Sprachmacht.“ Friederike Milbradt: Die Namen der Möhre. In: ZEIT-MAGAZIN, , Nr. 5/2016, 15. Februar 2016. Rubrik: Deutschlandkarte, abgerufen am 16. Juni 2016 (Mit Deutschlandkarte zur Verteilung des Wortgebrauchs). Die Bezeichnung „Karotte“ leitet sich (über volkslateinisch carotta) wie auch die englische, französische und italienische Bezeichnung vom lateinischen Wort carota (und dieses von griechisch karōtón, Mehrzahl karōtá „Möhren“) ab.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 353 f.

Das Wort „Möhre“ entwickelte sich über die alt- und mittelhochdeutschen Namen moraha, morha, mokra, morke, morhe und more aus einem gleichbedeutenden germanischen Wort (morhōn), aus welchen mit griechisch tà brákana, „wildwachsendes Gemüse“ und russisch morkov ein unsicheres indogermanisches **mṛk, „essbare Wurzel“ erschlossen werden könnte. Letzteres wird jedoch nicht in neueren Ausgaben des „Kluge“ vertreten.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. 2011.

Beschreibung und Ökologie mini|Doppeldoldiger Blütenstand von oben mini|Habitus eines blühenden Pflanzenexemplars im zweiten Jahr

Vegetative Merkmale Die Karotte ist eine zweijährige krautige Pflanze, wird aber – außer zur Samengewinnung – nur einjährig kultiviert. Im ersten Jahr bildet sie eine grundständige Blattrosette aus doppelt bis dreifach gefiederten Laubblättern und eine Pfahlwurzel aus. Diese verdickt sich im Laufe des Wachstums und wird so zum Speicherorgan. Im zweiten Jahr verlängert sich die Sprossachse, die Blattrosette wird aufgelöst und es entsteht ein verzweigter, beblätterter blütentragender Stängel.

In der Pfahlwurzel werden Reservestoffe gespeichert. Die Pfahlwurzel besteht aus der Krone (Kopf), der Rinde (Bast), der Korkschicht, dem im Innern gelegenen Mark (dem „Holzteil“) und von ihr gehen Adventivwurzeln aus.

Inhaltsstoffe Die meisten Inhaltsstoffe befinden sich in der Rinde der Pfahlwurzel. In der Züchtung wird daher seit jeher auf einen hohen Rindenanteil und einen kleinen, zarten „Holzteil“ hingearbeitet. Im Mark, dem Zentralzylinder, befindet sich weniger Carotin, weshalb es heller als die Rinde ist, der Saccharose-Gehalt ist niedriger, der Nitrat-Gehalt höher. Die Rübe kann je nach Sorte lang, halblang, kurz, zylindrisch, kreisel- oder kegelförmig mit je spitzen oder stumpfen Enden sein. Farbvarianten sind hell- oder dunkelrot, orangefarben, weiß und violett. Die Färbung hängt von der Sorte, den Kulturbedingungen und der Witterung ab. Die Färbung geht auf Carotinoide, Anthocyane und Chlorophyll zurück.

In der Tabelle rechts angegeben sind Durchschnittswerte, die je nach Kulturweise und Sorte stark abweichen können. Außer den angegebenen Werten ist der Carotingehalt (vorwiegend α- und β-Carotin, „Provitamin A“)Günter Jeromin: Organische Chemie: Ein praxisbezogenes Lehrbuch. 2. Auflage, Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-8171-1732-1, S. 160; 4. Auflage (= Edition Harri Deutsch). Verlag Europa-Lehrmittel Nourney, Vollmer, Haan-Gruiten 2014, ISBN 978-3-8085-5619-1.Jürgen Stein, K.-W. Jauch (Hrsg.): Praxishandbuch klinische Ernährung und Infusionstherapie. Band 2. Springer, Berlin/Heidelberg 2003, ISBN 978-3-642-62625-8, S. 109 ff. von Bedeutung. Je nach Sorte und Anbaubedingungen liegt er zwischen 5 und 30 mg pro 100 g Frischsubstanz. Für den Geschmack verantwortlich sind neben dem Zuckergehalt die ätherischen Öle und Fruchtsäuren. Bei letzteren herrscht die Äpfelsäure vor, gefolgt von Citronensäure, Chinasäure, Bernsteinsäure und Fumarsäure.Georg Vogel: Handbuch des speziellen Gemüsebaues. Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-5285-1, S. 958. Darüber hinaus enthalten Karotten vergleichsweise hohe Mengen an Pektinen (im Schnitt 1,4 % des Gewichtsanteils).

Generative Merkmale mini|links|Früchte Im zweiten Jahr entwickelt sich der reich verzweigte Stängel, der die Blütenstände trägt und Wuchshöhen von bis zu 150 cm erreicht. Die Blütezeit beginnt im Juni. Im doppeldoldigen Blütenstand befinden sich viele Blüten. Die Blüten sind meist zwittrig und können auch steril oder teilsteril sein. Sie sind cremefarben. Es überwiegt Fremdbestäubung, die durch Insekten erfolgt. Die Bildung der Blütenstände kann auch bereits im ersten Jahr durch einen Kältereiz (Vernalisation) von 1 bis 10 °C nach der Jugendphase ausgelöst werden.

Die Teilfrüchte sind länglich oval. Außen sind sie mit feinen Härchen besetzt. In Mitteleuropa reifen sie zwischen August und September. Das Tausendkorngewicht beträgt 0,8 bis 1,8 g.

Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.

Taxonomie Die Karotte wurde als Unterart der Wilden Möhre Daucus carota subsp. sativus durch Gustav Schübler und Georg von Martens in Flora von Würtemberg 1. Auflage Seite 179 erstbeschrieben. Sie verwendeten als Basionym die Varietät Daucus carota var. sativus, die Georg Franz Hoffmann 1791 in Deutschlands Flora oder botanisches Taschenbuch .... 1791, ... für das Jahr 1791 Seite 91 beschrieben hatte. Sie wird daher korrekt als Daucus carota subsp. sativus bezeichnet.

Anbau mini|Karottenanbau in England mini|Junge Karotten auf Sandboden Am besten wachsen Karotten in tiefgründigen, steinfreien Sandböden oder sandigen Lehmböden sowie auf Löß mit durchlässigem Untergrund. Der pH-Wert liegt optimalerweise zwischen 6,5 und 7,5. Der Anbau erfolgt von der gemäßigten Zone bis in subtropische Gebiete, die besten Erträge werden allerdings in kühleren Gebieten mit Tagesdurchschnittstemperaturen zwischen 16 und 18 °C erzielt. In der Fruchtfolge ist ein dreijähriger Abstand zu anderen Doldenblütlern zu beachten, bei Befall mit Nematoden auch länger.

Als Vorfrüchte sind solche geeignet, die mit Stallmist gedüngt werden. Grund dafür ist, dass Ertrag wie Ertragssicherheit der Karotte wie auch der Inhaltsstoffgehalt besser sind, je höher der Gehalt an organischer Substanz im Boden ist. Gute Kombinationen in der Fruchtfolge ergeben sich mit Feldfutterpflanzen (mit Ausnahme von Luzerne und Rot-Klee als Wirte für Wurzelgallenälchen), mit Leguminosen und Kohl-Arten. Hinsichtlich des Nitratgehaltes ist Getreide eine gute Vorfrucht.

Der Bedarf der Karotte an Stickstoff ist im Vergleich zu anderen Gemüsen sehr gering. Sie ist allerdings stark Kalium-bedürftig, gegen Kalkgaben ist sie empfindlich. Wichtige Mikronährstoffe sind Magnesium, Bor, Kupfer und Molybdän.

Je nach der Entwicklungsdauer der Karotten und dem Erntetermin wird zwischen mehreren Anbauformen unterschieden: Frühmöhrenanbau mit 70 bis 90 Tagen Sommermöhren mit 110 bis 135 Tagen Spätmöhrenanbau mit 170 bis 220 Tagen

Bei Frischmöhren überwiegt der Beetanbau. In Gebieten mit hohem Grundwasserstand wie in den Niederlanden werden die Karotten auf Dämmen angebaut.

Nach ihrem Verwendungszweck wird unterschieden zwischen Karotten ohne Laub für den Frischverzehr, zur Lagerung und als Industrieware und Karotten mit Laub, die als Bundware dem Frischverzehr dienen. Übliche Bezeichnungen sind daher auch Industriemöhren, Lagermöhren, Wasch- und Bündelmöhren für den Frischmarkt. Sowohl Industriemöhren wie Möhren für den Frischverzehr werden heute in großflächigem Anbau erzeugt, der einen hohen Grad an Mechanisierung aufweist. Zur mechanisierten Ernte können zum Beispiel Siebkettenroder Verwendung finden, wie sie auch zur Kartoffelernte eingesetzt werden.Ulrich Sachweh (Hrsg.): Der Gärtner. Band 3: Baumschule, Obstbau, Samenbau, Gemüsebau. 2. Aufl. Ulmer, Stuttgart 1986/1989, ISBN 3-8001-1148-9, S. 49.

Die Karotte wird seit etwa 1900 intensiv züchterisch bearbeitet. Es gibt EU-weit rund 300 Sorten. Mithilfe der Hybridzüchtung konnte ein Heterosis-Effekt genutzt werden, um besonders die Ausgeglichenheit der Wurzelform, -färbung und -größe zu erreichen, das Verhältnis von Mark zu Rinde zu vergrößern sowie den Zucker- und Carotingehalt zu erhöhen. Bauern und Gärtner können solches Hybridsaatgut nicht selbst ernten, sondern müssen es für jede Aussaat von internationalen Saatgutherstellern kaufen.

Krankheiten und Schädlinge mini|„Eisenmadigkeit“ durch Möhrenfliegenbefall mini|Schwarzfäule Die Möhrenscheckung oder Möhrenrotblättrigkeit wird durch zwei verschiedene Viren ausgelöst, wobei das carrot mottle virus (Tombusviridae: Umbravirus) die Gelbscheckung und das carrot red leaf virus (Luteoviridae: Polerovirus) die Rotfärbung verursacht. Das Laub bleibt bei Befall in der Entwicklung zurück. Ein weiteres Virus, das Karotten befällt, ist das Carrot virus Y (CarVY, Potyviridae: Potyvirus).

Die Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea) tritt als Schwäche- und Wunderreger auf und kann weitreichende Wurzelfäule auslösen. Die Schwarzfäule (Alternaria radicina) verursacht grauschwarze Flächen. Andere Pilze, die schwarze Wurzelfäule verursachen, ausgelöst z. B. durch zu feuchte Lagerbedingungen oder der Ernte nachgeschaltete Prozessschritte, sind Thielaviopsis basicola und Chalaropsis thielavioides und Rhexocercosporidium carotae. Die Weißfäule (Sclerotinia sclerotiorum) bildet ein üppiges, watteartiges Myzel, und die Möhrenschwärze (Alternaria dauci) verursacht Fäulnis und nekrotisches Rindengewebe. Sie befällt Rübe und Laub und kann zu erheblichen Ertragsausfällen führen. Der Violette Wurzeltöter (Rhizoctonia crocorum) befällt den unteren Teil der Karotten mit einem violetten Myzel, die befallenen Stellen verfaulen.

Athelia arachnoidea löst in seiner Nebenfruchtform als Rhizoctonia carotae eine Fäule aus.