mini|alt=Gert Fröbe sitzt vor einem Bier und lacht in die Kamera, Sonnenbrille auf den Kopf geschoben|Gert Fröbe, 1977 mini|Gert Fröbe auf der Premierenfeier der Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten, 1965 rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|180px|Unterschrift Gert Fröbe deutscher Schauspieler Karl Gerhart „Gert“ Fröbe (* 25. Februar 1913 in Oberplanitz bei Zwickau; † 5. September 1988 in München) war ein deutscher Schauspieler. Fröbe gilt als einer der bedeutendsten deutschen Charakterdarsteller des 20. Jahrhunderts. Er wirkte auch in vielen internationalen Produktionen mit. Berühmt wurde er in der Rolle des Kindermörders in dem Krimiklassiker Es geschah am hellichten Tag von 1958 und als Schurke Auric Goldfinger im Film James Bond 007 – Goldfinger von 1964.
Leben mini|Gert Fröbe als der alte Dag im Film Und ewig singen die Wälder; Illustration von Helmuth Ellgaard, 1959 mini|Fröbe-Karikatur von Hans Pfannmüller, 1976 mini|Gedenktafel am Geburtshaus von Gert Fröbe in Oberplanitz
Gert Fröbe war der Sohn des Seilermeisters, Lederhändlers und Schusters Otto Johannes Fröbe (1886–1947) und dessen Frau Helene Alma (1884–1972), geb. Sagewitz, die Schneiderin war. Seinem künstlerischen Drang folgend begann er als Kulissenschieber und Handlanger im Stadttheater Zwickau. Nebenbei verdiente er sich Geld als Stehgeiger in Zwickau und Umgebung und wurde wegen seines rötlichen Haarschimmers hier als Dor rode Geicher von Zwigge (Der rote Geiger von Zwickau) bekannt. Dabei entdeckte er sein schauspielerisches Talent. Von 1933 bis 1935 absolvierte er eine Ausbildung zum Theatermaler an der Sächsischen Staatsoper Dresden. Anschließend nahm er Schauspielunterricht und erhielt bald darauf Statisten- und Nebenrollen. Sein Lehrer Erich Ponto war es, der sein komödiantisches Talent erkannte.Gert Fröbe – Der Hollywoodstar aus Zwickau. In: MDR Zeitreise, 4. Januar 2016. Fröbe hatte allen Mut zusammengenommen, um Erich Ponto etwas vorzusprechen. Dieser winkte zunächst wegen Fröbes unüberhörbaren sächsischen Dialektes ab, nahm ihn später aber doch als Schüler. Das Vorsprechen des Gert Fröbe kommentierte Ponto mit den Worten: „Mephisto war kein Sachse.“
Eigenen Angaben zufolge trat er zum 1. April 1934 im Alter von 21 Jahren der NSDAP bei und zum 18. Oktober 1937 wieder aus.Ein Schurke nur im Film. Süddeutsche Zeitung, 9. März 2018. Allerdings ist das Aufnahmedatum unklar, vermutlich der 1. Mai 1933 (Mitgliedsnummer 2.408.392),Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/42771156 einen Austritt aus der Partei hat es nie gegeben, Fröbe wurde 1938 nach Frankfurt und 1939 nach Wien umgemeldet. Als im Herbst 1944 alle deutschen Theater und Bühnen im Rahmen des „totalen Krieges“ schließen mussten, wurde Fröbe zur Wehrmacht abkommandiert, wo er als Sanitätssoldat im Heer bis zum Kriegsende diente.
Nach dem Krieg folgte ein Engagement im Kabarett Der Bunte Würfel in München.
Nach einem Engagement am Deutschen Volkstheater in Wien unter Walter Bruno Iltz wurde er 1948 in der Rolle des „Otto Normalverbrauchers“ in dem Film Berliner Ballade bekannt. Mit zunehmender Körperfülle bediente er im Laufe seiner Filmkarriere und später auch in internationalen Produktionen oft das Klischee des typischen Deutschen, z. B. den zwischen Jovialität und Brutalität schwankenden Uniformträger.
Fröbe beherrschte ein umfangreiches Rollenspektrum, vom schwergewichtigen Komiker bis zum differenzierten Charakterdarsteller. Trotz seines korpulenten Körperbaus war er in der Lage, durch Haltung, Bewegung und Mimik differenzierte Charakterstudien zu erstellen. Er war darüber hinaus ein herausragender Rezitator und setzte auf seinen Rezitations-Tourneen die Werke von Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Erich Kästner nicht nur verbal, sondern auch mimisch und gestisch in Szene.
Nach fast 40 deutschsprachigen Filmen spielte Gert Fröbe – neben Heinz Rühmann – 1958 in Es geschah am hellichten Tag nach einer Drehbuchvorlage von Friedrich Dürrenmatt einen Kindermörder. Dieser Film avancierte zu einem Klassiker, in der Rolle des psychisch gestörten Mörders Schrott erlangte Fröbe nachhaltige Berühmtheit. Seine Darstellung beeindruckte auch die englischen Produzenten der James-Bond-Filme, die den Schauspieler 1964 für den dritten Bond-Film James Bond 007 – Goldfinger unter Vertrag nahmen. Hier spielte Fröbe den titelgebenden Schurken Auric Goldfinger, einen sadistischen Größenwahnsinnigen. Der Erfolg des Films machte Fröbe weltweit bekannt und verschaffte ihm zahlreiche Rollen in internationalen Kinoproduktionen. Bereits 1962 war er in einer kleineren Rolle als „Unteroffizier Kaffeekanne“ in dem epischen Kriegsfilm Der längste Tag aufgetreten, in dem auch der spätere Bond-Darsteller Sean Connery zu sehen war (die beiden Schauspieler hatten allerdings keine gemeinsame Szene).
Fröbe musste bei der Bond-Produktion hinnehmen, dass er aufgrund seines starken deutschen Akzents in der Originalfassung von dem englischen Schauspieler Michael Collins synchronisiert wurde. Doch bereits bei seinem nächsten Film, Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten von 1965, war Fröbes Originalstimme auch im englischen Original zu hören. In dieser Komödie spielte er einen deutschen Offizier der wilhelminischen Ära. Ein bedeutender Film dieser Zeit war auch der 1961 produzierte Via Mala nach dem gleichnamigen Roman von John Knittel, wo Fröbe an der Seite von Edith Schultze-Westrum den brutalen Gutsbesitzer „Jonas Lauretz“ verkörperte. Darüber hinaus war Fröbe regelmäßig in französischen Filmen zu sehen, zum Beispiel in Die Nacht der Liebenden (1960), 100.000 Dollar in der Sonne (1964), Der Mann ohne Gesicht (1974) oder Die Sache mit dem Regenschirm (1980).
Nachdem Fröbe in einem Interview mit der Daily Mail 1965 berichtet hatte, dass er 1934 Mitglied der NSDAP geworden sei (aus der er 1937 wieder ausgetreten war), wurden seine Filme in Israel auf den Index gesetzt. Das Verbot wurde jedoch acht Wochen später wieder aufgehoben, als bekannt wurde, dass Fröbe in der Zeit des Nationalsozialismus eine jüdische Familie untergebracht und mit Lebensmitteln unterstützt hatte.
mini|Grabstätte von Gert Fröbe im Waldfriedhof Icking
Gert Fröbe war insgesamt fünfmal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit Clara Peter stammte sein leiblicher Sohn Utz (1940–2014).King County Deaths vom 2. Juli 2014. In: Seattlepi.com, 3. Juli 2014, aufgerufen am 21. August 2017. Von 1953 bis 1959 war Fröbe mit der Filmkritikerin Hannelore Görtz verheiratet. Seine dritte Ehefrau, die Schauspielerin und Sängerin Tatjana Iwanow, brachte ihren Sohn Andreas Seyferth mit in die Ehe, den Fröbe adoptierte.Gert Fröbe Biografie bei steffi-line.deIch bin der geheime Adoptiv-Sohn von Gert Fröbe BZ; 18. Mai 2007 Mit der RIAS-Journalistin Beate Bach war er von 1962 bis zu ihrem Tod 1968 verheiratet. 1970 ehelichte Fröbe Karin Pistorius, deren Tochter Beate ebenfalls von ihm adoptiert wurde. Anfang der 1970er-Jahre zahlte Gert Fröbe Utz Fröbe und Andreas Seyferth mit jeweils 25 000 Mark aus. Beide Söhne sah er danach nur noch sporadisch. in: focus.de Nr. 9 vom 25. Februar 2013
Seine letzte Fernsehrolle hatte Fröbe in der ZDF-Fernsehserie Die Schwarzwaldklinik. Die Folge „Hochzeit mit Hindernissen“, in der er mitwirkte, wurde erst nach seinem Tod, am 25. März 1989, ausgestrahlt.
Nach jahrelanger Erkrankung an einem Mundhöhlenkarzinom, von dem er wieder genesen schien, starb Gert Fröbe im Alter von 75 Jahren unerwartet 1988 nach einem Rezitationsabend infolge eines Herzinfarkts. Er wurde auf dem Waldfriedhof in Icking beigesetzt.Foto: Das Grab von Gert Fröbe. In: knerger.de.
Filmografie
Dokumentarfilme 1978: Gert Fröbe – Als wär’s heut’ gewesen, ZDF 1988: Das Porträt. Kurzfilm. Deutschland, 10 Min., Buch und Regie: Hans Borgelt, Karlheinz Quade Filmproduktion 2015: Gert Fröbe – Der Hollywoodstar aus Zwickau. Dokumentarfilm mit Spielszenen, Deutschland, 42:27 Min., Buch und Regie: Christian Schulz, Regie der Spielszenen: Rene Pippig, Produktion: MDR, Reihe: Geschichte Mitteldeutschlands, Erstsendung: 9. August 2015 bei MDR, Inhaltsangabe von MDR. 2010: Gert Fröbe. Der Mann mit den tausend Gesichtern. Dokumentation, Deutschland, 43:34 Min., Buch und Regie: Michael Strauven, Produktion: CineCentrum, SWR, Reihe: Legenden, Erstsendung: 16. August 2010 im ARD, Inhaltsangabe der ARD, Besprechung: . In: Berliner Morgenpost. 17. August 2010..
Synchronrolle Fröbe war auch als Synchronsprecher tätig und synchronisierte Mickey Shaughnessy im Militärdrama Verdammt in alle Ewigkeit.
Hörspiele 1982: Erwin Neuner: David und ich (Karl May) – Regie: Ferdinand Ludwig (Original-Hörspiel – NDR) 2011 Komische Verse Audio CD – Hörbuch, von Christian Morgenstern (Autor), Joachim Ringelnatz (Autor), Robert Gernhardt (Autor), Sprecher: Gert Fröbe, Harry Rowohlt, Verlag: Kein & Aber
Tourneen 1981: Beginn der Tournee Morgenstern am Abend im Grenzlandtheater Aachen
Auszeichnungen 1959: Preis der deutschen Filmkritik 1961: Ernst-Lubitsch-Preis 1961: Preis beim Festival Internacional de Cine de San Sebastián (Bester Darsteller) für Der Gauner und der liebe Gott 1966: Bambi 1967: Bambi 1973: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland 1976: Deutscher Kleinkunstpreis Förderpreis der Stadt Mainz 1976: Karl-Valentin-Orden 1978: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film 1982: Bayerischer Verdienstorden 1983: Goldene Kamera 1985: Silbernes Blatt der Dramatiker-Union Das American Film Institute stellte eine Liste der 100 besten Schurken der Filmgeschichte auf und wählte die Figur des „Auric Goldfinger“ auf Platz 49.
Veröffentlichungen Gert Fröbe: Morgenstern am Abend, nach Christian Morgenstern, mit Zeichnungen von Hans Pfannmüller, Verlag R. S. Schulz, Percha am Starnberger See 1981. Gert Fröbe: Auf ein Neues, sagte er … und dabei fiel ihm das Alte ein: Geschichten aus meinem Leben. Ullstein, Frankfurt/M. / Berlin 1988, ISBN 3-548-20995-5.
Literatur Gregor Ball: Gert Fröbe. Seine Filme – sein Leben (= Heyne Filmbibliothek. Band 37). Heyne, München 1982, ISBN 3-453-86041-1. Corinna Müller: Gert Fröbe – Schauspieler. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 12, 1988. Michael Strauven: Jedermanns Lieblingsschurke. Gert Fröbe. Eine Biographie. Rotbuch, Berlin 2012, ISBN 978-3-86789-165-3. Beate Strobel: Gert Fröbe. Vom Stehgeiger zum Goldfinger. Braumüller, Wien 2012, ISBN 978-3-99100-078-5. Markus Grieb und Stefan Lüsse: Gert Fröbe: 1913–1988. Belleville, München, 2023, ISBN 978-3-943157-84-0.
Weblinks
Geliebtes Scheusal. 100. Geburtstag von Gert Fröbe. von Michael Wenk, Neue Zürcher Zeitung vom 25. Februar 2013. . In: MDR Zeitreise Radiosendung Von Tag zu Tag mit Gert Fröbe im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek BR Retro - Interview mit Gert Fröbe anlässlich James Bond - Goldfinger (Fernsehbeitrag von 1965) via ARD Mediathek, abgerufen am 11. Mai 2022
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