mini|Hauptplatz hinter dem Rathaus vom Stadtturm aus mini|Korneuburg (Südansicht) vom Leopoldsberg aus mini|Historische Karte: Wien und Umgebung (um 1890) Korneuburg ist eine Stadtgemeinde im niederösterreichischen Weinviertel mit Einwohnern (Stand ). Sie ist sowohl der Sitz der Bezirkshauptmannschaft des gleichnamigen Bezirkes als auch des Bezirksgerichtes Korneuburg.
Geographie Korneuburg liegt im Weinviertel in Niederösterreich, linksufrig an der Donau, 12 km nordwestlich von Wien. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 9,71 Quadratkilometer. 20,76 Prozent der Fläche sind bewaldet.
Das Korneuburger Becken erstreckt sich von hier etwa 15 Kilometer nach Norden.
Gemeindegliederung Es existieren keine weiteren Katastralgemeinden außer Korneuburg.
Nachbargemeinden
Geschichte Die Anfänge der Stadt Korneuburg gehen auf einen kleinen Handelsplatz an der Donau zurück, der um 1114 erstmals erwähnt wird („novum forum“) und zu Klosterneuburg (Neuburg) auf der gegenüberliegenden Donauseite gehörte. Um 1200 wurde der mehrmals überschwemmte Marktflecken landeinwärts in ein vor Hochwasser geschützteres Gebiet verlegt, vermutlich nach dem Hochwasser von 1210, und mit einem großen Rechteckplatz und einer Kirche – höchstwahrscheinlich die ehemalige Nikolaikirche auf dem Hauptplatz – neu gegründet. Die in der älteren Forschung vertretene These der ersten Stadtnennung im Jahr 1136 gilt als widerlegt.Heide Dienst: Marktplatz und Stadtwerdung. Die Neuburger Handels- und Handwerkssiedlung (= Korneuburg) von ihrer ersten schriftlichen Erwähnung bis zur Entstehung des Landgerichts. In: Unsere Heimat. 54 (1983), S. 175–185; Niederösterreichisches Urkundenbuch, 2. Band: 1078–1158, Teil 1, St. Pölten 2012, S. 378.
Diese neue Siedlung war nun Ausgangspunkt der weiteren urbanen Entwicklung im 13. Jahrhundert. Sie entwickelte als Markt sowie als Sitz eines Landgerichts und einer Pfarre zentralörtliche Funktion für das Umland und profitierte wirtschaftlich vom Donauhandel, von der nahen Donauüberfuhr (Urfahr) nach Klosterneuburg und den weiterführenden Straßen in den Norden und Osten. Um 1300 fand der Stadtwerdungsprozess unter Herzog/König Albrecht I. mit der Trennung von Klosterneuburg (um 1298) und der Errichtung einer Stadtmauer mit Graben und vier Stadttoren seinen Abschluss. Aus „Neuburg“ beiderseits der Donau wurden zwei selbstständige landesfürstliche Städte: „Neuburg klosterhalben“ (Klosterneuburg) und „Neuburg markthalben“ (Korneuburg). Im Jahr 1311 verlieh Herzog Friedrich der Schöne der Stadt Korneuburg das erste überlieferte, kodifizierte Stadtrecht. Die Urkunde von 1311 war in allen späteren Privilegienbestätigungen stets das älteste vorgelegte Privileg der Stadt,Erstmals in der Privilegienbestätigung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. von 1397 September 3, Stadtarchiv Korneuburg, Urk 1/33. für die in der älteren Literatur angenommene, frühere Stadtrechtsverleihung durch Albrecht I. (1298) – so auch die historistische Darstellung im Rathaus – gibt es bislang keinen Beleg.
Gefördert durch landesfürstliche Handelsprivilegien entwickelte sich Korneuburg im Spätmittelalter zu einer finanzkräftigen Donauhandelsstadt. Grundlage des Wohlstands war der Handel mit den Massengütern Salz, Wein und Getreide. Als einziger Niederlagsort zwischen Krems und Wien am linken Donauufer (Privileg 1327) war die Stadt Ausgangspunkt für die Versorgung des Hinterlandes, vor allem mit Salz aus den alpinen Salinen; Gegenfracht donauaufwärts war Wein aus Eigenbau, vornehmlich am Bisamberg. 1399 wurde Korneuburg der erste Jahrmarkt im Sommer verliehen, dem bald ein zweiter im Herbst (1429) und in der frühen Neuzeit noch zwei weitere folgten. Die Stadt umfasste im Spätmittelalter (um 1430) rund 300 Häuser inklusive der Vorstadt.Kornelia Holzner-Tobisch: Das älteste Korneuburger Stadtbuch: Geschafftpuech (1401–1444) (= Studien und Forschungen aus dem NÖ Institut für Landeskunde. 57). St. Pölten 2014, S. 24–28; ISBN 978-3-901635-70-0
In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfolgte unter Herzog Albrecht V. ein massiver Ausbau der Befestigung mit Erhöhung der Stadtmauer und vorgelagerter Zwingermauer (1420er-Jahre) sowie die Errichtung des Stadtturms über dem Chor der Nikolaikirche auf dem Hauptplatz (Fertigstellung um 1445), der zum Wahrzeichen der Stadt wurde.Günther Buchinger, Doris Schön: Bauhistorische Ersterfassung der Stadtbefestigung von Korneuburg. 2020.
Religiöses Zentrum der Stadt ist seit Jahrhunderten die Pfarrkirche St. Ägyd. Als „Gründungsjahr“ galt in der Lokaltradition das Jahr 1212, neueren bau- und kunsthistorischen Forschungen zufolge wurde sie mit hoher Wahrscheinlichkeit im ausgehenden 13. Jahrhundert errichtet.Günther Buchinger, Doris Schön: Bauhistorische Ersterfassung der Stadtbefestigung von Korneuburg. 2020, S. 35. Urkundlich wird die Pfarrkirche erstmals im Jahr 1300 erwähnt.Stadtarchiv Korneuburg, Urk 1/1. Sie lag direkt an der Stadtmauer und war ursprünglich zweitürmig. Vom mittelalterlichen Bau sind der gotische Chor des 14. Jahrhunderts – das architektonische Glanzstück der Kirche – und die spätgotischen Seitenschiffe mit Kreuz- und Netzrippengewölbe des 15. Jahrhunderts erhalten. Ihre heutige neugotische Gestalt erhielt sie um 1900 durch den Umbau von Turm und Westwerk (1899–1903). Die spätestens seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bestehende Pfarre Korneuburg (zuvor zu Klosterneuburg gehörig) ist dem Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg inkorporiert.
Im 16. Jahrhundert war Korneuburg einige Jahrzehnte evangelisch. An der Nikolaikirche auf dem Hauptplatz wirkten von der Stadt bezahlte evangelische Prädikanten. Nach der in den 1580er-Jahren einsetzenden Rekatholisierung entwickelte sich erst wieder um 1860 eine evangelische Gemeinschaft durch zugewanderte Werftarbeiter. Sie wurde 1872 Filialgemeinde und ist seit 1927 selbstständige Pfarrgemeinde. Die erste evangelische Kirche Korneuburgs wurde 1893 erbaut, aber im Zweiten Weltkrieg zerstört (1945). Die heutige Dreieinigkeitskirche aus dem Jahr 1963, errichtet nach Plänen des Architekten Alfred Bastl, ist der jüngste Kirchenbau Korneuburgs.Kornelia Holzner-Tobisch: „Ich wills deutsch haben.“ Evangelisch in Korneuburg: von der Reformation bis heute. Korneuburg 2021, ISBN 978-3-200-07984-7.
Teil des religiösen Lebens waren auch zwei Klöster: Das Augustinerkloster (Augustiner-Eremiten) wurde 1338 von Herzog Otto (der Fröhliche) gegründet. Er stiftete dafür die Gottesleichnamskapelle (auch Blut-Christi-Kapelle), die nach dem Judenpogrom von 1305 – Anlass war angebliche Hostienschändung – auf ehemals jüdischem Besitz errichtet worden war. Obwohl es sich erwiesenermaßen um einen von einem Priester inszenierten Betrug gehandelt hatte, wurde die angeblich geschändete Hostie als wundertätig verehrt und die Legende vom jüdischen „Hostienfrevel“ jahrhundertelang weitererzählt.Eveline Brugger, Birgit Wiedl: „Im Haus des Juden fand man eine blutbefleckte Hostie …“ Hostienschändungsvorwürfe und ihre Folgen für die jüdische Bevölkerung Österreichs im Mittelalter. In: Jahrbuch für Landeskunde von NÖ. N.F. 84, 2018, S. 35–57. Im Spätmittelalter wurde das Kloster von der Bürgerschaft reich bestiftet, verfiel aber während der Reformation. König Ferdinand I. überließ daher 1544 das Klostergebäude der Stadt für die Armenversorgung; eine Wiederbesiedlung durch den Orden erfolgte erst im frühen 17. Jahrhundert (1624). Das Kloster eröffnete eine Lateinschule und konnte sich durch die publikumswirksame Wiederbelebung des „Hostienfrevel“-Narrativs (Mirakelbuch, Bilderzyklus) als Wallfahrtsort etablieren. Im 18. Jahrhundert erfolgte zunächst der Neubau des Klostergebäudes (1727–1734) und danach der Kirche (1745–1773).Günther Buchinger, Doris Schön, Margit Blümel-Keller, Katja Unterguggenberger: Bau- und Funktionsgeschichte der ehem. Augustinerkirche und des ehem. Augustinerklosters in Korneuburg. 2019. Eine Kostbarkeit der spätbarocken Kirche ist das illusionistisch gestaltete Altarfresko „Das letzte Abendmahl“ von Franz Anton Maulbertsch (1773). Nur wenige Jahrzehnte später erfolgte die Aufhebung des Klosters durch kaiserlichen Beschluss (1808); die Augustinerkirche wurde aber weiterhin als Gotteshaus genutzt (bis 2020).
Das Kapuzinerkloster wurde im frühen 17. Jahrhundert zur Rekatholisierung der Stadt errichtet (1623–1625), gefördert vom niederösterreichischen Landmarschall Balthasar von Hoyos und dem Bischof von Passau. Bei der Grundsteinlegung soll sogar die kaiserliche Familie anwesend gewesen sein.Albert Starzer: Geschichte der landesfürstlichen Stadt Korneuburg. Korneuburg 1899, S. 608. Die Kapuziner waren aufgrund ihrer strenge Lebensführung, ihres Einsatzes für die Kranken und ihrer verständlichen Predigten in der Stadt sehr geachtet. Ab 1683 beherbergte das Kloster auch eine theologische Lehranstalt für Ordensangehörige, 1783 verfügte Kaiser Joseph II. die Aufhebung des Klosters, das in der Folgezeit u. a. als Salzmagazin und Amtsgebäude genutzt wurde (heute Finanzamt).
Vom jüdischen Leben zeugt die mittelalterliche Synagoge aus dem zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts in der Roßmühlgasse, das älteste erhaltene Gebäude der Stadt.Arne Herbote, Simon Paulus: Die spätere „Roßmühle“ in Korneuburg: Anmerkungen zur mittelalterlichen Synagoge. In: DAVID. Jüdische Kulturzeitschrift. Heft 66 (2005), S. 48–50 1305 kam es wegen des nachweislich falschen Vorwurfs der Hostienschändung zu einem JudenpogromWinfried Stelzer: Am Beispiel Korneuburg: Der angebliche Hostienfrevel österreichischer Juden von 1305 und seine Quellen. In: Willibald Rosner (Hrsg.): Österreich im Mittelalter. Bausteine zu einer revidierten Gesamtdarstellung (= Studien und Forschungen aus dem Niederösterreichischen Institut für Landeskunde. 26). St. Pölten 1999, S. 309–347. und mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung Korneuburgs. Wohl um die Jahrhundertmitte konnte sich wieder eine jüdische Gemeinde etablieren; Juden und die Funktion des Judenrichters sind in den 1360er-Jahren urkundlich für Korneuburg belegt.Eveline Brugger, Birgit Wiedl: Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter. Band 2: 1339–1365. Innsbruck-Wien-Bozen 2010, Nr. 1059, 1063, ISBN 978-3-7065-4831-1. Die Gemeinde errichtete die Synagoge und bestand bis zur landesweiten Vertreibung der Juden und Jüdinnen auf Befehl Albrecht III. (Bayern) (1420). Die Synagoge wurde danach nicht mehr religiös genutzt; sie war ab 1460 als Geschenk Kaiser Friedrichs III. in städtischem Besitz und ist seit dem 18. Jahrhundert in Privatbesitz. Sie diente u. a. als Getreidespeicher, als von Pferden angetriebene Mühle („Rossmühle“) und als Werkstatt. Erst im 19. Jahrhundert entstand wieder eine jüdische Gemeinde in Korneuburg.
Ende des Mittelalters erlitt die Stadt schwere Schäden im Zuge der Belagerung und Eroberung durch die Ungarn unter König Matthias Corvinus (1477, 1484), vermutlich der Grund für die Aufgabe der vorstädtischen Besiedlung in der Folgezeit. In der frühen Neuzeit ging die Bedeutung der Stadt als Handelszentrum zurück. Gründe waren die Verlagerung der Verkehrswege infolge des Baus der Wiener Donaubrücken (um 1440), die erfolgreiche wirtschaftliche Konkurrenz Stockeraus und die Verlandung stadtnaher Donauarme durch Veränderungen der Gewässertopographie.Michaela Laichmann-Krissl: Stagnation und Wandel – Korneuburg vom 14. bis zum 17. Jahrhundert. In: Unsere Heimat. 63, 1992, S. 301–312. Anfang des 18. Jahrhunderts verlor Korneuburg schließlich seine Salzladstätte, die nach St. Johann bei Grafenwörth und dann nach Stockerau verlegt wurde.Helga Papp: Wie Korneuburg seine Salzladstätte verlor. In: Korneuburger Kulturnachrichten. 1992/4, S. 3–6.
Zur Katastrophe für die Stadt wurde im Dreißigjährigen Krieg das Jahr 1646, als die kaiserlichen die im Jahr davor von den Schweden besetzte Stadt belagerten und rückeroberten. Zwei Drittel der Häuser wurden beschädigt oder zerstört, über 70 Prozent der Bevölkerung verarmte.