mini|Weibliche Brüste mini|hochkant=0.75|Ein Säugling wird gestillt.
Die weibliche Brust (Mamma feminina) zählt anatomisch zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen und besteht aus Fett- und Bindegewebe sowie der Brustdrüse (Glandula mammaria). Diese kann bei stillenden Frauen durch Sekretion Muttermilch durch feine Ausführungsgänge abgeben, die in der Brustwarze (Papilla mammae) münden. Die weibliche Brustdrüse ist homolog zu den Milchdrüsen aller anderen Säugetiere. Die biologische Funktion ist das Stillen von Säuglingen mit Muttermilch.
Anatomie mini|Schematischer Querschnitt durch die weibliche Brust: 1. Brustkorb 2. großer Brustmuskel 3. Brustdrüse 4. Brustwarze 5. Warzenhof 6. Milchgänge 7. Fettgewebe 8. Haut
Entwicklungsstadien Im embryonalen Entwicklungsstadium entsteht bei beiden Geschlechtern die Anlage zur Brustdrüse aus dem Ektoderm. Die Brustentwicklung findet durch hormonelle Umstellungen statt. Bei Mädchen erfolgt dies während der Pubertät – bei Jungen wird es in der normalen Entwicklung hormonell unterdrückt. Durch ein hormonelles Ungleichgewicht können sich auch beim Mann die vorhandenen Brustgewebsnester zu einer Brustdrüse ausbilden, was als Gynäkomastie bezeichnet wird. Während der Schwangerschaft und Laktation erfüllt die Brustdrüse ihre Funktion als Milch absondernde Drüse. Im Alter verändern sich die Form und die Größe der Brust durch eine Reduzierung des Fettgewebe- und Bindegewebeanteils.
Lage und Form Die Brust befindet sich unter der Haut auf dem großen Brustmuskel und dem kleinen Brustmuskel, sie erstreckt sich dort von der zweiten bis zur siebten Rippe.
Entgegen landläufiger Meinung wird das zunehmende Durchhängen der Brust (fachsprachlich Mastoptosis) nicht vom Stillen verursacht, sondern neben der Lockerung des BindegewebesChristian J. Gabka, Heinz Bohmert: Plastische und Rekonstruktive Chirurgie der Brust. 2., komplett aktualisierte und erweiterte Auflage. Thieme, Stuttgart / New York 2006, ISBN 978-3-13-100562-5, S. 4 (). unter anderem von der Brustgröße vor der Schwangerschaft, vom Body-Mass-Index, vom Rauchverhalten und vom Medikamentenkonsum.
Brustgröße Weibliche Brüste haben die unterschiedlichsten Formen und Größen. Diese hängen von genetischen Faktoren und dem Anteil des Fett- und Bindegewebes ab. Hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus oder Hormonveränderungen während der Schwangerschaft beeinflussen Form und Größe einer Brust ebenfalls.
Es gibt mehrere Arten, die Brust zu vermessen. Die Entwicklungsstadien während der Pubertät werden nach dem Tanner-Schema klassifiziert. Die Oberweite wird mit einem Maßband als maximaler horizontaler Umfang ermittelt. Für die Körbchengröße beim Büstenhalter gibt es zusätzliche Einteilungen, in Europa nach der Norm EN 13402. Das Brustvolumen (und damit auch ihre Masse) kann mit den verschiedenen bildgebenden Verfahren sowie zusätzlich mit der Methode der Wasserverdrängung oder mit Hilfe von Gipsabdrücken ermittelt werden.
Aufbau der Brustdrüse mini|Aufbau eines Lobulus
Die Brustdrüse besteht aus einem bindegewebigen Drüsenkörper (Corpus mammae) und einem ihn umgebendes Fettgewebspolster. Der Drüsenkörper besteht aus 12 bis 20 Einzeldrüsen, die von einem Mantelbindegewebe umgeben sind.Walther Graumann: CompactLehrbuch Anatomie. Band 3. Schattauer Verlag, 2004, ISBN 978-3-7945-2063-3, S. 327–328.
mini|Lichtmikroskopisches Schnittbild der menschlichen proliferierenden Milchdrüse; oben im Bild ein kleiner Milchgang, von dem Drüsenepithel ins Bindegewebe sprosst Der Feinbau der Brustdrüse ist abhängig vom Menstruationszyklus, von einer Schwangerschaft oder Stillperiode. Nur während dieser ist die Drüse voll ausgebildet. Das kleinste funktionelle System der Brustdrüse ist das Drüsenläppchen (Lobulus glandulae mammariae), das ein Hohlraumsystem ist. Ein Lobulus setzt sich hauptsächlich aus den Milchbildungszellen (Drüsenepithelen, auf der Abbildung „Sekretionzelle“), einem Lumen, in dem sich die Milch sammelt, und zu einem kleineren Anteil aus Myoepithelzellen, die die Milch aus dem Lobulus pressen, zusammen. Alle Zellen haben sich azinös (beerenartig) um das Lumen gruppiert.
Das Lumen hat einen Ausführungsgang, den Terminalduktus. Dieser mündet in einem kleinen Milchgang, den Ductus lactifer. Der gesamte Lobulus ist von einer dünnen Kollagen-Schicht umgeben.
Der zweitgrößte Komplex ist die Ansammlung mehrerer Lobuli zu einem traubenförmigen Lobus (Drüsenlappen), dem Lobus glandulae mammariae. Aus dem Lobus führt ein großer Milchgang, der Ductus lactifer colligens, der sich aus dem Gangsystem der kleinen Milchgänge gebildet hat. Jeder große Milchgang mündet in der Brustwarze. Kurz vor der Einmündung in die Brustwarze erweitert sich der große Milchgang zu einem Milchsäckchen, dem Sinus lactifer. Die Brustdrüse enthält insgesamt 10 bis 20 Lobi, die zusammen mit den großen Milchgängen fast sternförmig um die Brustwarze herum angeordnet sind.
Leicht unterscheidbar sind die erhabenen hellbraunen oder hellroten bis dunkelbraunen Brustwarzen, inmitten des flacheren gleichfarbigen Warzenhofes (lateinisch Areola), der sich wiederum in der Mitte der Brust befindet. Berührungen der Brustwarzen wirken oft stimulierend, erregen den Geschlechtstrieb oder führen insbesondere nach der Schwangerschaft zur Absonderung von Muttermilch. Diese tritt aus mehreren Öffnungen auf der Oberfläche der Brustwarze aus und kann herausgesaugt werden oder bei Druck auf die Brust auch in feinen Strahlen herausspritzen.
Der Lymphabfluss aus der Brustdrüse erfolgt über vier Wege: teils unter Durchfluss durch die um die Brustdrüse gelegenen Lymphknoten (Nodi lymphoidei paramammarii) in die Achsellymphknoten und von dort über die infra- und supraklavikulären Lymphknoten zum Venenwinkel. von den Nodi lymphoidei paramammarii direkt zu den infra- und supraklavikulären Lymphknoten. über die Nodi lymphoidei interpectorales zu den infra- und supraklavikulären Lymphknoten. Schließlich ziehen auch Lymphbahnen zu den Parasternallymphknoten im Brustkorbinneren.Werner Platzer: Taschenatlas Anatomie, Band 1: Bewegungsapparat. 11. Auflage. Georg Thieme Verlag, 2013, ISBN 978-3-13-151071-6, S. 396.
Hormonabhängige Veränderung des Brustgewebes
Brüste während des Menstruationszyklus Während des Menstruationszyklus kommt es zu Veränderungen im Brustgewebe, die teilweise nur getastet werden können, teilweise aber auch sichtbar sind. Das Gewebe der Brüste reagiert auf hormonelle Veränderungen. Vor allem die Sexualhormone Östrogen und Progesteron üben einen starken Einfluss auf das Brustgewebe aus.Frauenärzte im Netz:
In der ersten Phase des Zyklus, während der Periode, ist die Konzentration dieser Hormone im Blut sehr niedrig. Das Brustgewebe ist weich und flexibel, die Brüste sind kleiner. Vor allem in den ersten Tagen der Periode können kleine Knoten spürbar sein. Das sind angeschwollene Milchdrüsen, die sich auf eine Schwangerschaft vorbereitet haben. Während der Periode nimmt diese Schwellung schnell ab. Die Brust ist nun noch kleiner und weicher, das Innere gut ertastbar. Deshalb eignet sich die Zeit um den dritten Tag nach der Periode auch besonders für ein Selbstabtasten der Brust zur Brustkrebsvorsorge.
In der zweiten Phase des Zyklus, nach dem Eisprung, schwillt die Brust an. Die Konzentration der Hormone Östrogen und Progesteron steigen stark. Das führt zu Wassereinlagerungen in den Brüsten, das Gewebe um die Drüsenläppchen schwillt an.Frauenärzte im Netz: Während dieser Phase kann es zu starkem Spannungsgefühl, beidseitigen Schmerzen und Überempfindlichkeit kommen. Starkes „Rucken“, wie beim Treppensteigen oder Joggen können als schmerzhaft empfunden werden. Diese Schmerzen werden Mastodynie genannt und zählen zu den klassischen Symptomen des prämenstruellen Syndroms. Sie betreffen in leichter oder schwerer Form ungefähr jede zweite Frau.
Brüste während der Schwangerschaft
In Vorbereitung auf die Milchproduktion vergrößern sich die Milchdrüsen. Hier ist das Hormon Prolaktin hauptverantwortlich für das Anschwellen der Brüste.
Zwischen der fünften und achten Schwangerschaftswoche werden die Brüste größer und schwerer, auch das kann zu Spannungsgefühl und Brustschmerzen führen. Die Brüste wachsen während einer Schwangerschaft meist so sehr, dass große Brüste als Anzeichen für eine unentdeckte Schwangerschaft gewertet werden.
Brüste während der Wechseljahre Während das Verhältnis von Fettgewebe zu Drüsen- und Bindegewebe im geschlechtsreifen Alter ungefähr eins zu zwei ist, nimmt mit zunehmendem Alter und während der Wechseljahre der Anteil des Drüsen- und Bindegewebes ab, und der Fettanteil nimmt zu (sogenannte Involution). Dieser Prozess geht häufig mit einem Elastizitätsverlust der Haut sowie Veränderungen in Form (Ptosis) und Volumen einher. Schmerzen, die durch den Zyklus verursacht werden, treten nun nicht mehr auf, ein monatliches Spannungs- oder Völlegefühl verschwindet.
Erkrankungen und Fehlbildungen der Brust Krankhafte Veränderungen der Brüste kann man durch Abtasten (PalpierenKlaus Holldack, Klaus Gahl: Auskultation und Perkussion. Inspektion und Palpation. Thieme, Stuttgart 1955; 10., neubearbeitete Auflage ebenda 1986, ISBN 3-13-352410-0, S. 58 f.), genaue Betrachtung der Haut, Ultraschalluntersuchung, Mammographie, Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Thermografie und Gewebeprobenentnahmen feststellen.
Erkrankungen der Brust können angeboren oder erworben sein. Viele Veränderungen sind von Östrogenen und Gestagenen, zum Teil auch vom Prolaktin, abhängig. Insbesondere in der Thelarche, bei der Ovulation, während einer Schwangerschaft, im Wochenbett, während der Laktation sowie in der Postmenopause macht die weibliche Brust gravierende hormonelle Veränderungen durch. Entzündliche und (möglicherweise) bösartige Veränderung bedürfen immer der ärztlichen Behandlung. Brustschmerzen, Mastitiden, Warzenrhagaden und eine schwergehende Brust zählen zu den postpartalen Brustkomplikationen.Heinrich Stamm, Hans E. Stamm, Erhard Müller: Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett. In: Dieter Klaus, Dieter Tetzlaff, Wolf Vogler (Hrsg.): Praxis der Allgemeinmedizin. Band 5. Verlag Urban & Schwarzenberg, München / Wien / Baltimore 1983, ISBN 3-541-10191-1, S. 218.
Eine Einteilung der häufigsten Brusterkrankungen ist in der folgenden Tabelle wiedergegeben: Anomalien Amastie: Fehlen einer Brustdrüse, besonders nach Mastektomie oder Mammektomie (Ablatio mammae simplex) Polymastie: zusätzliche Drüsenanlagen Limb-Mammary-Syndrom: Fehlbildungen von Hand und Fuß zusammen mit Hypo- oder Aplasie der Brustdrüse und der Brustwarze. Poland-Syndrom: Fehlen eines Brustmuskels und Fehlbildung der ipsilateralen Brustdrüse. Gynäkomastie: Brustentwicklung beim Mann Form und GrößeLois Jovanovic, Genell J. Subak-Sharpe: Hormone. Das medizinische Handbuch für Frauen. (Originalausgabe: Hormones. The Woman’s Answerbook. Atheneum, New York 1987) Aus dem Amerikanischen von Margaret Auer, Kabel, Hamburg 1989, ISBN 3-8225-0100-X, S. 374 (Fibrosis). Makromastie: sehr große Brust Mikromastie: kleine Brust (als Anlageanomalie) Anisomastie: ungleiche Größe beider Brüste (harmlose Entwicklungsanomalie oder infolge einseitiger Tumorbildung) Mastoptose: Hängebrust (Mamma pendulans, früher: Mamma pendulaWalter Guttmann: Medizinische Terminologie; Ableitung und Erklärung der gebräuchlichsten Fachausdrücke aller Zweige der Medizin und ihrer Hilfswissenschaften. 35. Auflage, herausgegeben von Herbert Volkmann, bearbeitet von Kurt Hoffmann, Urban & Schwarzenberg, München / Berlin 1951, Spalte 598.) Symptome Mastodynie: schmerzhafte oder druckschmerzhafte Brust Galaktorrhoe: Milchfluss (außerhalb der Stillperiode) Mastitis: Entzündung der Brustdrüse (Mastadenitis) Mastitis puerperalis: Entzündung in der Stillperiode (Mastitis lactantium) Mastitis nonpuerperalis: Entzündung ohne Schwangerschaft und Stillvorgang Mammaabszess: Abszess der Brust