Das Wallis (Kürzel VS; , , , frankoprovenzalisch Valês), amtlich Kanton Wallis oder Staat Wallis beziehungsweise Canton du Valais oder État du Valais, ist ein Kanton im Südwesten der Schweiz. Der westliche Teil des Kantons hat eine französischsprachige (teilweise frankoprovenzalischsprachige), der östliche Teil eine deutschsprachige Bevölkerung. Entsprechend gehört das Wallis zur Romandie und zur Deutschschweiz. Der Hauptort ist Sitten (Sion). Das Wallis ist auf die Fläche bezogen der drittgrösste Kanton der Schweiz und liegt vollständig im Gebiet der Alpen.

Geographie Lage und Landschaft mini|Blick ins Tal der Rhone von Martigny aus Richtung Osten

Das Wallis besteht (mit Ausnahme kleinerer Gebiete jenseits der Pässe Simplon und Gemmi) aus dem Tal der Rhone (Rotten) vom Rhonegletscher bis zum Genfersee und den Rhone-Seitentälern. Im Norden liegen die Berner und Waadtländer Alpen, im Süden die Walliser Alpen mit den mächtigsten und höchsten Bergmassiven der Alpen (Monte Rosa, Mischabel und Weisshorngruppe). Die höchsten Berge der Walliser Alpen und der Schweiz sind die Dufourspitze mit (höchster Berg der Schweiz und damit des Wallis), Nordend , Zumsteinspitze , Signalkuppe , Dom (höchster ganz auf Schweizer Staatsgebiet liegender Berg), Liskamm , Weisshorn , Täschhorn , Matterhorn , Parrotspitze , Dent Blanche , Ludwigshöhe , Nadelhorn , Grand Combin und Lenzspitze Mit dem Aletschgletscher, dem Gornergletscher und dem Walliser Fieschergletscher befinden sich im Wallis die drei grössten Gletscher der Alpen.

Durch den Schutz der umliegenden Berge ist das Haupttal des oberen Wallis, aber auch das Vispertal ausgesprochen trocken und warm mit einem Steppenklima. Die Wasserversorgung wird vielerorts durch Wasserleitungen, sogenannte Suonen oder Bissen, gewährleistet, die in den niederschlagsarmen Zonen im Wallis mindestens bis in die römische Zeit zurückreichen.Helvetia archaeologica, Nr. 129.

Der tiefste Punkt liegt bei am Genfersee. Wichtige Seitentäler Die wichtigsten Seitentäler sind nördlich der Rhone das Fieschertal, Lötschental und Dalatal. Südlich der Rhone liegen das Binntal, Nanztal, Saastal, Mattertal, Turtmanntal, Val d’Anniviers (deutsch ), Val d’Hérens (deutsch ), Val de Bagnes (deutsch oder auch ), Val d’Entremont und Val d’Illiez.

Natur

Durch seine exponierte Lage, die weiten Teilen des Wallis ein Steppenklima beschert, besitzt das Wallis eine eigene Flora und Fauna. Es ist eine eigene kleine Welt, isoliert vom Rest der Schweiz. Bei den grösseren Tieren des Wallis ist das Mufflon (Ovis gmelini) zu erwähnen. Von diesem Wildschaf existiert im Wallis die einzige Wildpopulation in der Schweiz, sie findet sich in den Südtälern des französischsprachigen Wallis. Daneben gibt es Populationen aller anderen Grosssäuger der Alpen (Hirsch – Cervus, Steinbock – Capra ibex, Gämse – Rupicapra, Reh – Capreolus, Wolf – Canis lupus und Luchs – Lynx). Der Bär (Ursus arctos) ist ab 2018 sporadisch im Wallis aufgetaucht. Es handelte sich um wandernde Bären aus der Population im italienischen Trentino, auf der Suche nach neuen Territorien, keiner ist bisher im Wallis geblieben. Auf der Südseite des Simplonpasses liegt das Ossola-Tal an dessen Osthand der Nationalpark Valle Grande liegt. Sobald die Bären auch den Park Valle Grande dauerhaft besiedeln, womit in Kürze zu rechnen ist, werden Bären auch im Wallis öfters auftreten. Speziell ist auch, dass der Blindmaulwurf (Talpa caeca) den Simplonpass überquert hat; das Simplontal ist sein einziges Verbreitungsgebiet in der Deutschschweiz.

Bei den Vögeln leben im Wallis die einzigen Populationen der Alpenkrähe (Pyrrhocorax), die Populationen sind auf wenige hundert Tiere geschrumpft. Seit wenigen Jahren nisten im Sommer auch Bienenfresser (Merops apiaster) im Gebiet des Pfynwaldes. Dieser mediterrane Vogel erweitert sein Sommerhabitat durch die Klimaerwärmung laufend nach Norden. Bei dem gewöhnlichsten Vogel des Wallis, dem Sperling (Spatz – Passer), muss man genau hinschauen: es gibt Feld-, Haus- und Italiensperling. Der Italiensperling (Passer italiae) kommt nördlich der Alpen sonst nicht vor. Erfolgreich angesiedelt wurde der Bartgeier (Gypaetus barbatus), er nistet inzwischen in verschiedenen Tälern. Weitere endemische Vögel im Wallis sind die Blaumerle (Monticola solitarius), der Ortolan (Emberiza), und gelegentlich wird der Schlangenadler (Circaetus) gesichtet.

Bei den Amphibien ist das Wallis als Trockenzone eher artenarm. Zu erwähnen ist, dass der einst weit verbreitete gewöhnliche Wasserfrosch (Pelophylax lessonae) ausgestorben ist. Er wurde durch den wesentlich grösseren, eingeschleppten Seefrosch (Pelophylax ridibundus) verdrängt – fast alle Wasserfrösche im Wallis sind Seefrösche. Im Rhonedelta findet sich der italienische Laubfrosch (Hyla intermedia), welcher nur südlich der Alpen auftritt. Feuersalamander (Salamandra) gibt es im Wallis nur auf der Südseite des Simplonpasses, um Gondo. Bei den Molchen ist nur der Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) bis ins Oberwallis vorgestossen.

Bei den Reptilien findet man im Unterwallis als südliche Spezialitäten die Zornnatter (Hierophis viridiflavus)und die Aeskulapnatter (Zamenis longissimus), welche bis ins Oberwallis zu finden ist. Daneben finden sich auch die Schlingnatter (Coronella), Ringelnatter (Natrix) und Aspisviper (Vipera aspis). Die Walliser Viper ist nicht besonders zu fürchten, Bissunfälle sind selten. Bei der Ringelnatter findet sich die südliche Art (Natrix helvetica), die nördliche Ringelnatter (Natrix natrix) findet sich in der Schweiz nur in der Bodensee-Region. Bei den Eidechsen ist die leuchtend grüne Smaragdeidechse (Lacerta bilineata) zu erwähnen, die leider immer seltener wird. Die häufigste Eidechse ist die Mauereidechse (Podarcis muralis), die in riesigen Populationen auftritt. Blindschleichen (Anguis) und Zauneidechsen (Lacerta agilis) finden sich entlang der Rhone, in höheren Lagen findet man auch die Bergeidechse (Zootoca vivipara).

Bei den Wirbellosen Tieren (Insekten, Spinnen, Schnecken etc.) ist besonders das Vorkommen von Gottesanbeterinnen (Mantis religiosa) (Fangschrecke) zu erwähnen. Sie jagt andere Insekten, mit Vorliebe Heuschrecken. Die ausgewachsenen Gottesanbeterinnen findet man nur im Sommer, sie sterben mit dem ersten Frost. Bei Martigny befindet sich eines der wenigen Vorkommen des grössten Schweizer Insekts, der grossen Sägeschrecke (Saga pedo). Sie wird 15 cm lang. Neu entdeckt wurde 2019 ein Vorkommen der kleinen, flugunfähigen Gottesanbeterin Ameles spallanzania. Im Wallis finden sich auch die grössten Populationen des Hirschkäfers (Lucanus cervus) in der Schweiz. Skorpione (Euscorpius und Alpiscorpius) finden sich nur sehr lokal bei Sion und im Zwischenbergental, auf der Südseite des Simplonpasses. Ebenfalls am Rhoneknie ist der einzige Fundort der Spinne Drapeta rutilans.

Die Flora der Nord- und Südseite des Rhonetals unterscheidet sich stark. Während auf der Südseite, der Schattenseite, Föhren und Lärchen dominieren, findet man auf der Sonnenseite – der Nordseite – am Hang die Felsensteppe. Hier dominiert Wacholder, Wermuth, Steineiche und verschiedene Hauswurze. Leider wurden durch den extensiven Anbau der Weintrauben grosse Zonen der einst artenreichen Felsensteppe zerstört. Die Weinberge prägen weite Zonen der Nordhänge im Rhonetal. Inzwischen gedeihen an verschiedenen Stellen eingeschleppte Kakteen (Opuntien) am Hang, diverse Arten sind winterhart. Oberhalb von Brig geht die Felsensteppe in Nadelwald über. Die seltenste und bedrohteste Pflanze im Wallis ist die Grengjer-Tulpe (Tulipa grengiolensis). Diese gedeiht nur auf dem Gemeindegebiet der Oberwalliser Gemeinde Grengiols.

Die wichtigsten Naturschutzgebiete und Naturpärke sind der Naturpark Binntal, Naturpark Pfyn-Finges, Schutzgebiet Les Follatères bei Martigny, der Naturpark Trient, das Rhonedelta Les Grangettes (das zum Kanton Waadt gehört), das Schutzgebiet Marais d’Ardon und Rigolende Vionnaz.

Städte und Orte mini|Kantonshauptstadt Sitten mit Weinbergen

Im Kanton Wallis gab es per acht Einwohnergemeinden mit mehr als 10'000 Einwohnern.

Politische Gemeinde Einwohner Ausländeranteilin Prozent Sitten (Sion) Martigny (Martinach) Monthey Siders (Sierre) Brig-Glis Val de Bagnes VS Naters Crans-Montana Collombey-Muraz

Regionen und Bezirke mit Hauptort mini|Bezirke des Wallis

Das Wallis besitzt 13 Bezirke, welche aus den 7 Zehnden und aus deren Untertanengebieten hervorgegangen sind. Auf dem Kantonswappen werden sie durch 13 Sterne repräsentiert.

Die beiden Halbbezirke Westlich Raron und Östlich Raron bildeten früher einen gemeinsamen Zehnden, Zugriff am 6. April 2014 und tragen heute dieselbe vom Bundesamt für Statistik (BFS) vergebene Bezirksnummer.

Region Bezirk Einwohner Hauptort Einwohner Oberwallis Goms (frz. Conches) Münster 441 Östlich Raron (frz. Rarogne oriental)Westlich Raron (frz.Rarogne occidental) Mörel-Filet Raron Brig (frz. Brigue) Brig-Glis Visp (frz. Viège) Visp Leuk (frz. Loèche) Leuk Mittelwallis Sierre (dt. Siders) Sierre (dt. Siders) Sion (dt. Sitten) Sion (dt. Sitten) Conthey (dt. Gundis) Conthey (dt. Gundis) Hérens (dt. Ering) Vex Unterwallis Entremont Sembrancher Martigny (dt. Martinach) Martigny (dt. Martinach) Saint-Maurice Saint-Maurice Monthey Monthey Total (13)

Klima mini|Mit Suonen wurde früher die Wasserversorgung im trockenen Rhonetal sichergestellt. Heute führen entlang der Suonen beliebte Wanderwege.Wallis: Suonen

Das Wallis ist ein inneralpines Trockental und weist ein besonders trockenes Klima auf mit nur 500 bis 600 Millimeter Niederschlag pro Jahr: kalte Winter, trockene Sommer, starke Temperaturunterschiede und klare Luft. Grund dafür ist seine Lage zwischen den Gebirgsmassiven der Walliser Alpen im Süden und der Berner Alpen im Norden, die beide bis auf über reichen und einen Grossteil der Niederschläge abfangen, die von Norden oder vom Mittelmeer her gegen die Alpen strömen. Das Unterwallis gehört zu den trockensten Tälern Europas. Das Steppenklima hat auch starken Einfluss auf die Vegetation, so dass nebst Weinreben auch Kakteen gedeihen.

Luftqualität Die Luftqualität im Wallis hat sich in den letzten 20 Jahren, also seit 2004, deutlich verbessert. Insbesondere die Konzentrationen von Stickstoffdioxid und Feinstaub sind langfristig zurückgegangen. Fast alle gesetzlichen Immissionsgrenzwerte werden heute eingehalten, mit der wichtigen Ausnahme Ozon.Bericht Luftqualität 2024, abgerufen am 27. November 2025.

Geschichte und Kultur

Historische Entwicklung

Nach 57 v. Chr. wurde das von den Römern Vallis Poenina genannte Gebiet des heutigen Wallis erobert und zur römischen Provinz Alpes Poeninae. Um 888 wurde es Teil des Königreichs Burgund. Danach wurden mehrere Pässe des Wallis vom Emirat von Fraxinetum kontrolliert. König Rudolf III. von Burgund übergab 999 die Grafschaft Wallis mit allen Rechten und Privilegien an den Bischof von Sitten. Ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis 1798 war das Wallis in sieben Zehnden eingeteilt und wurde daher auch Republik der sieben Zehnden genannt. Diese Republik setzte im 16. Jahrhundert ihre Eigenständigkeit von den Bischöfen von Sitten durch. 1802 erklärte Napoleon I. das Gebiet zur unabhängigen Republik Wallis und 1810 zum französischen Département Simplon. 1815 trat das Wallis als 22. Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei. Die noch heute gültige Verfassung wurde 1907 verabschiedet, seitdem wurden jedoch einige Passagen durch Volksabstimmungen geändert. Die Frauen des Kantons sind seit 1970 stimmberechtigt. Im Jahr 2000 gab es starke Hochwasser an der Rhone.

Walliserdeutsch Das Walliserdeutsch des Oberwallis hat, zusammen mit den im Piemont, im Aostatal und im Tessin gesprochenen Südwalserdialekten, die Deklinations- und Konjugationsvielfalt des Althochdeutschen in mancherlei Hinsicht bewahrt. Es wird heute von rund 80'000 Wallisern gesprochen.