Die Bethmann Bank AG war eine deutsche Privatbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie war eine Tochtergesellschaft der niederländischen ABN AMRO Bank N.V. und ging 2004 aus der Fusion des Bankhauses Delbrück & Co mit Bethmann-Maffei hervor. Von 2004 bis Oktober 2011 firmierte sie als Delbrück Bethmann Maffei AG. Im Oktober 2022 wurde die Bank auf die deutsche Niederlassung der ABN AMRO verschmolzen, die den Namen Bethmann Bank aber weiter verwendete. Nach der Übernahme von Hauck Aufhäuser Lampe durch ABN AMRO im Juni 2026 tritt sie unter der gemeinsamen Marke Bethmann HAL auf. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte waren und sind die Vermögensverwaltung, Vermögensberatung und Vermögensplanung.

Geschichte Die Bethmann Bank geht auf die Gründungsgesellschaften des Vorläuferinstituts Delbrück Bethmann Maffei AG, der LGT Bank Deutschland und des Privatkundengeschäfts der Credit Suisse Deutschland AG zurück. Drei der ursprünglich eigenständigen Vorgängerinstitute sind das Bankhaus Delbrück & Co., das Bankhaus Gebrüder Bethmann und das Bankhaus Maffei & Co.:

Bankhaus Delbrück & Co. Von Splitgerber & Daum zu Gebr. Schickler Als ältestes Vorläuferinstitut der Bethmann Bank gründeten David Splitgerber (1683–1764) und Gottfried Adolph Daum (1679–1743) am 16. Juli 1712 das Bank- und Handelsgeschäft Splitgerber & Daum, das als erstes Bankgeschäft Berlins und seit seiner Gründung bis 1910 als Privatbank und Finanzier der preußischen Könige und deutschen Kaiser fungierte. Die ersten Handelsgeschäfte führten die beiden Gründer gemeinsam mit dem Königlichen und Kurfürstlichen Hauptzeughaus in Dresden für August den Starken (1670–1733), Kurfürst von Sachsen und König von Polen, aus. Es folgten weitere Aufträge für König Friedrich Wilhelm I. von Preußen (1688–1740). Schon bald erweiterte das Bank- und Handelshaus seine Geschäftstätigkeit, indem es u. a. Unternehmen des preußischen Staats pachtete, darunter ein Messingwerk, eine Gewehrfabrik und eine Eisenspalterei. Die in den Fabriken erzeugten Produkte verkauften Splitgerber & Daum zu festen Preisen wieder an den preußischen Staat. Neben Büchern und Wein lieferte und kreditierte das Bank- und Handelshaus außerdem auch Marmor und Statuen für die Schlösser und Gärten der preußischen Könige in Potsdam. Die engen Geschäftsbeziehungen zu Preußen wurden ab 1740 unter der Herrschaft von Friedrich II. (1712–1786) weiter ausgeweitet. Insbesondere David Splitgerber avancierte zum Ratgeber Friedrichs des Großen in finanziellen und geschäftlichen Angelegenheiten. Von 1740 bis 1763 unterstützte er Preußen zudem in den drei Schlesischen Kriegen mit der Lieferung von Kriegsmaterial und Getreide. Als Dank für die finanzielle Unterstützung insbesondere während des Siebenjährigen Krieges erhielt das Bankhaus ein Porträtbild Friedrichs des Großen.Vgl. Christian Ratjen, Privatbankiers der Kaiser und Könige – Aufstieg und Glanz des Bankhauses Delbrück, in: Bethmann Bank (Hg.), Menschen, Ideen, Veränderungen (1712–2012), Frankfurt am Main 2012, S. 66–72, hier S. 66 f. und 80.

Als Splitgerber 1764 starb, übernahmen seine Schwiegersöhne Johann Jacob Schickler und Friedrich Heinrich Berendes die Geschäftsführung des Unternehmens. 1775 wurde der Firmenname in David Splitgerbers seel. Erben geändert. Nach Vermögensaufteilung unter den einzelnen Erbengemeinschaften (Daum, Berendes und Splitgerber) und nach dem Ausscheiden von Erben durch Tod oder Abfindung gelangte das Bank- und Handelshaus schließlich 1795 in das Eigentum der beiden Enkel Splitgerbers, der Brüder David Schickler sen. (1755–1818) und Johann Ernst Schickler (1761–1801), die das Unternehmen daraufhin unter dem Namen Gebrüder Schickler fortsetzten.Nadja Stulz-Herrnstadt: Berliner Bürgertum im 18. und 19. Jahrhundert. Unternehmerkarrieren un Migration, Familien und Verkehrskreise in der Hauptstadt Brandenburg-Preußens, die ältesten der Korporation der Kaufmannschaft zu Berlin. 2002, S. 122, ISBN 3-11-016560-0 (). Im Laufe des 19. Jahrhunderts erfuhr das Bankhaus eine Reihe von Generations- und Gesellschafterwechseln: 1804 wurde David Schickler jun. (1777–1866), Sohn von David Schickler sen., Mitinhaber der Bank. Nach dem Tod von David Schickler sen. 1818 trat dessen Neffe Johann Georg Schickler in den Inhaberkreis ein und wurde nach dem Ausscheiden von David Schickler jun. 1820 Alleininhaber des Bankhauses. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts übernahm sein Sohn Arthur Freiherr von Schickler im Jahre 1852 die Verantwortung über das Bankhaus Gebrüder Schickler. 1859 folgte ihm sein Bruder Ferdinand Freiherr von Schickler und wurde Mitinhaber der Bank. Gleichzeitig stiegen Hermann Zwicker und Gustav Sonntag in die Geschäftsführung ein. Auch im 19. Jahrhundert beruhten die wirtschaftlichen Aktivitäten des Bankhauses auf Verbindungen zu staatlichen Institutionen. Außerdem beteiligte sich die Bank an Handelsgesellschaften und Schiffen und besaß unterschiedliche Industrieunternehmen wie eine Stahl- und Eisenfabrik, eine Gewehrfabrik, eine Zuckerraffinerie sowie eine Spiegelmanufaktur.Vgl. Ratjen, Privatbankiers der Kaiser und Könige, hier S. 68.

Gründung von Delbrück Leo & Co. (Berlin) Im Jahr 1857 gründeten Adelbert Delbrück (1822–1890) und Heinrich Leo die Generalagentur Delbrück Leo & Co. Bank- und Kommissionsgeschäft, Berlin. Stille Beteiligte waren die Concordia Lebensversicherung und Franz Wilhelm Koenigs. Das Bankhaus finanzierte junge Großunternehmen wie Siemens, Krupp und andere. 1869 wurde das Bankhaus in Delbrück Leo & Co. umbenannt. Ab 1878 war der Schaaffhausen’sche Bankverein, der die stillen Beteiligungen der Concordia und Franz Wilhelm Koenigs' übernommen hatte und in der Koenigs' Sohn Ernst Friedrich Wilhelm Koenigs Direktor war, als alleiniger Kommanditist am Kapital des Bankhauses Delbrück Leo & Co. beteiligt.Vgl. Ratjen, Privatbankiers der Kaiser und Könige, hier S. 69. Das Bankhaus hatte seinen Sitz in der Mauerstraße 61/62 in Berlin-Mitte.Vgl. Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) 600-K-Kons/0301, Schreiben von Delbrück Leo & Co. (Berlin, Mauerstraße 61/62) an das Bankhaus Sal. Oppenheim vom 5. August 1876. Adelbert Delbrück war 1870 mit weiteren Gesellschaftern Gründungsmitglied der Deutsche Bank AG, wo er von 1871 bis 1885 als Vorsitzender des Aufsichtsrats tätig war. In den Jahren der Gründerzeit entstanden durch sein Mitwirken etwa der Berliner Bankverein oder die Aktiengesellschaft für Boden- und Communalcredit in Straßburg.Vgl. Ratjen, Privatbankiers der Kaiser und Könige, hier S. 69.

Fusion zu Delbrück Schickler & Co. mini|Bankhaus Delbrück, Schickler & Co., Mauerstraße 63–65 Im Jahr 1910 fusionierten die Bankhäuser Gebrüder Schickler & Co. und Delbrück Leo & Co. zum Bankhaus Delbrück Schickler & Co. Neben Teilhabern wie den Bankiers Franz Koenigs und Gustaf Ratjen gehörte mit Marguerite Gräfin von Pourtales, geborene Freiin von Schickler und Tochter von Arthur Freiherr von Schickler, ab 1910 erstmals auch eine Frau dem Inhaberkreis der Bank an.Vgl. Ratjen, Privatbankiers der Kaiser und Könige, hier S. 68 ff.

Aufgrund der politischen Unruhen nach Ende des Ersten Weltkriegs in Berlin wurde durch Eintritt des Gesellschafters Karl von der Heydt 1918 in Köln die Schwestergesellschaft Delbrück von der Heydt & Co. gegründet. Neben Karl von der Heydt (1858–1922) gehörten Adelbert Delbrück (1898–1979), Gustaf Ratjen (1881–1928), der Justizrat Otto Strack (1869–1940) sowie der jüdische Industrielle Richard Merton (1881–1960) zu den Gesellschaftern der Bank.Vgl. Ratjen, Privatbankiers der Kaiser und Könige, S. 70 f.; Lothar Gall, Der Bankier Hermann Josef Abs. Eine Biografie, München 2004, S. 21.; Andrea Schneider-Braunberger, Das Bankhaus Metzler im Nationalsozialismus, München 2022, S. 67.

Bei Delbrück von der Heydt & Co. war von September 1921 bis Februar 1923 der gelernte Bankkaufmann Hermann Josef Abs (1901–1994) als Angestellter tätig. Im Jahr 1929 stieg er als Prokurist im Berliner Schwesterinstitut Delbrück Schickler & Co. ein. 1932 erhielt er Einzelprokura; zum 1. Januar 1935 wurde er Teilhaber von Delbrück Schickler & Co. Als Prokurist bewahrte Abs die Bank während der Weltwirtschaftskrise ab 1929 und der daraus resultierenden Bankenkrise 1931 vor erheblichen Verlusten. Er war maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich das Bankhaus 1931 von seiner finanziellen Verbindung zur Warenhauskette Hermann Tietz (später Hertie) löste.Vgl. Gall, Der Bankier Hermann Josef Abs, S. 31. Auch an der Sanierung der in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Karstadt AG war das Bankhaus Delbrück Schickler & Co. neben weiteren Banken beteiligt. Durch die Initiative Abs‘ gelang 1936 zudem die Reprivatisierung der Commerz- und Privatbank (heute: Commerzbank), die 1931 verstaatlicht worden war. Unter der Führung des Bankhauses Delbrück Schickler & Co. übernahm ein Konsortium von Banken – darunter das jüdische Bankhaus J. Dreyfus & Co. (Berlin), das der Commerzbank nahestehende Bankhaus J. H. Stein (Köln) und die Reichskreditgesellschaft – in zwei Tranchen Aktien der Commerz- und Privatbank im Gesamtwert von rund 22,3 Millionen Reichsmark, die vom Staat gehalten wurden, platzierte diese an der Wertpapierbörse und brachte die Aktien der Commerzbank somit wieder in Privatbesitz. Anfang 1938 wechselte Abs zur Deutschen Bank, wo er zum 2. Januar 1938 in den Vorstand berufen wurde.Vgl. Ratjen, Privatbankiers der Kaiser und Könige, hier S. 71; Gall, Der Bankier Hermann Josef Abs, S. 40 ff; Johannes Bähr, Die deutsche Bankenkrise 1931, in: Ders., Bernd Rudolph, 1931 Finanzkrisen 2008, München 2011, S. 15–144, hier S. 116.

Adolf Ratjen (1910–1989), Sohn des Teilhabers Gustaf Ratjen, trat 1938 als Teilhaber ein. Als Gesellschafter fungierte er bis zu seinem Tod 1989.Vgl. RWWA 298-59-11, O.V., Adolf Ratjen 75 Jahre, in: FAZ vom 27. August 1985. Die beiden jüdischen Teilhaber des Berliner Bankhauses Delbrück Schickler & Co., Richard Merton und Alfred Lehmann, wurden während der nationalsozialistischen „Entjudung“ als „nichtarische“ Teilhaber aus dem Gesellschafterkreis der Bank gedrängt; Merton schied 1935 aus, Lehmann 1937.Vgl. Ingo Köhler, Die „Arisierung“ der Privatbanken im Dritten Reich. Verdrängung, Ausschaltung und die Frage der Wiedergutmachung (= Schriftenreihe zur Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, B. 14), München 2005, S. 357 und im Anhang S. 587. Richard Merton soll zunächst ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert, wieder freigelassen worden und später mit seiner Frau nach England emigriert sein.Vgl. Schneider-Braunberger, Das Bankhaus Metzler, S. 67. Er kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem englischen Exil zurück. Das Kölner Bankhaus J. H. Stein war seit 1935 mit einer stillen Einlage am Bankhaus Delbrück von der Heydt & Co. beteiligt.Vgl. Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) 174-91-13, Schreiben an das Bankhaus J. H. Stein von Delbrück von der Heydt & Co. (Köln) am 10.05.1985; Übersicht über Gewinnausschüttungen an J. H. Stein von 1939-44.

Über die Aktivitäten des Bankhauses während der Zeit des Nationalsozialismus ist wenig bekannt. Neben zwei weiteren Bankhäusern (E. J. Meyer, Deutsche Landvolkbank, Berlin) gewährten die Bankhäuser Delbrück Schickler & Co. in Berlin sowie Delbrück von der Heydt in Köln 1940/41 dem Bankier und NS-Kunsthändler Alois Miedl (1903–1970), der vor allem mit NS-Raubkunst handelte und engen Kontakt zu Hermann Göring pflegte, einen Kredit über vier Millionen Reichsmark. Dieser hatte als Sicherheit für Kredite Bilder – u. a. ein Gemälde von Rembrandt, das nach dem Zweiten Weltkrieg als Raubkunst konfisziert wurde – beim Bankhaus E. J. Meyer hinterlegt.Vgl. Schneider-Braunberger, Das Bankhaus Metzler, S. 125 f. Beim Bankhaus Delbrück wurden vom damaligen Chef der Reichskanzlei Hans Heinrich Lammers erhebliche Teile des Vermögens Adolf Hitlers angelegt.