mini|hochkant=1.35|Winkelhaider Hauptstraße Winkelhaid ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt etwa 18 km südöstlich von Nürnberg am östlichen Rand des Lorenzer Reichswaldes, im Übergangsbereich vom Mittelfränkischen Becken zum Vorland der Mittleren Frankenalb.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat vier Gemeindeteile: Penzenhofen (heute mit dem Hauptort zusammengewachsen) Richthausen (ebenfalls mit dem Hauptort zusammengewachsen) Ungelstetten (eine Enklave nördlich der BAB 6) Winkelhaid
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Penzenhofen (Gemarkungsteil 1) und Winkelhaid (Gemarkungsteil 0). Die Gemarkung Winkelhaid hat eine Fläche von 23,108 km²und ist in 2895 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort auch die Gemeindeteile Richthausen und Ungelstetten und das gemeindefreie Gebiet Winkelhaid.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Altdorf bei Nürnberg, Schwarzenbruck und Feucht.
Fließgewässer Im Gemeindegebiet befinden sich folgende drei Fließgewässer: Ebenbach: Das Fließgewässer 3. Ordnung hat sein Quellgebiet westlich von Weinhof und fließt durch mehrere Teichketten südöstlich von Penzenhofen, bevor der Bach westlich von Hahnhof mit dem Hennertsmühlgraben zusammenfließt und den Gauchsbach bildet. Das Fließgewässer fällt ebenso wie der Röstbach im Sommer teilweise oder vollständig trocken. Das Einzugsgebiet des Ebenbaches und Röstbaches wird im Wesentlichen durch Lias (Schwarzer Jura) und Feuerletten bestimmt. Der biozönotischen Gewässertyp Ebenbach und Röstbach entspricht der Kategorie karbonatische, fein-bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse des Keupers.
Röstbach (Röst): Der Quellbereich des Fließgewässers 3. Ordnung liegt im Osten von Winkelhaid in der landwirtschaftlichen Flur. Das Gewässer fließt in Ost-West-Richtung. In der Ortsmitte wird der kleine Bach zu einem Weiher am Rathaus aufgestaut. Der Röstbach mündet westlich von Winkelhaid innerhalb des Reichswaldes in den Ebenbach. Der Röstbach ist im Siedlungsgebiet durchgehend reguliert und verbaut.
Röthenbach: Der Fluss fließt westlich von Ungelstetten und ist insgesamt über 21 km lang. Der biozönotische Gewässertyp entspricht der Kategorie feinmaterialreiche, karbonatische Mittelgebirgsbäche des Keupers.
Geologie Das Gemeindegebiet ist geologisch im Wesentlichen durch Lias-Schichten (Schwarzer Jura) geprägt. Die Umgebung von Ungelstetten weist daneben quartären Flugsand über Keuper- und Lias-Ablagerungen auf. Im nordöstlichen Teil von Ungelstetten treten Feuerletten aus dem Keuper auf. Kleinräumige Vorkommen von Feuerletten (Trossingen-Formation) sind zudem im Bereich der Fließgewässer Ebenbach und Röst im Osten von Winkelhaid vorhanden. Entlang des Röthenbachs sind quartäre Talfüllungen mit Schwemmsanden zu beobachten.
Klima Winkelhaid liegt mit seinem humiden Klima in der kühl-gemäßigten Klimazone. Die Gemeinde befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima. Nach der Klimaklassifikation von Köppen-Geiger zählt Franken, einschließlich Winkelhaid, zum gemäßigten Ozeanklima (Cfb-Klima). Dabei bleibt die mittlere Lufttemperatur des wärmsten Monats unter 22 °C und die des kältesten Monats über −3 °C.
Die Niederschlagsmenge beträgt im Jahresmittel 693 mm, wobei ein Übergewicht im Sommer zu verzeichnen ist. Der Juni ist mit 81 mm der niederschlagreichste Monat. Der niederschlagsärmste Monat ist der Februar mit 41 mm. Über das gesamte Jahr ergibt sich eine mittlere Temperatur von 8,2 °C. Der Juli ist mit durchschnittlich 17,5 °C, aus klimatologischer Sicht, der wärmste Monat im Jahresverlauf. Im Januar sind die niedrigsten Temperaturen mit durchschnittlich −1,3 °C zu verzeichnen.
Flächennutzung + Flächennutzung 2016 Nutzung Hektar Fläche der Wohngebiete 102 Verkehrsfläche 55 Waldfläche 172 Landwirtschaftliche Fläche 302 Flächen anderer Nutzung 17 Gesamtfläche 648
Die Flächennutzungstabelle zeigt einen vergleichsweise hohen Anteil an landwirtschaftlich genutzten Flächen, der bei 46,5 Prozent liegt und damit die Hälfte der Gemeindefläche ausmacht. Winkelhaid zeichnet sich durch einen großen Waldreichtum aus. Über ein Viertel der Gemeindefläche nimmt der Reichswald ein, der genaue Anteil beträgt 26,6 Prozent. Die Freiflächen – bestehend aus Wald und Ackerflächen – umfassen fast drei Viertel vom Winkelhaider Gemeindegebiet, der genaue Anteil beträgt 73,1 Prozent.
Der Anteil der Wohngebiete umfasst 15,7 Prozent. Der Verkehrsflächenanteil liegt bei 8,5 Prozent.
Geschichte Vorgeschichte
Etwa 10 vorgeschichtliche Fundstellen zeigen den Fortschritt in der Vorgeschichts-Forschung der letzten 30 Jahre an. Den ältesten Siedlungsnachweis bildet eine Fundstelle östlich von Penzenhofen, die auf Zuwanderer aus dem südostbayerischen Raum in der mittleren Jungsteinzeit in der ersten Hälfte des 5. Jahrtausends vor Christi Geburt hinweist.P. Honig, Eine Siedlung des Südostbayerischen Mittelneolithikums bei Penzenhofen (Gde. Winkelhaid, Lkr. Nürnberger Land), Natur und Mensch, Jahresmitteilungen der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg 1995, Nürnberg 1996, S. 47–50. Seit der Bronzezeit scheint die Winkelhaider Flur bis zur Zeitenwende immer wieder von Menschen besiedelt worden zu sein, aber die geringen Lesefunde lassen nur vorsichtige Schlüsse zu.Alle Fundstelle siehe im Bayerischen Denkmalatlas: geoportal.bayern.de/denkmalatlas Unter den späten Kelten gab es wohl zwei kleinere Siedlungen, bevor die Spuren für Jahrhunderte verschwinden.
Frühes Mittelalter
Vor wenigen Jahren wurde deutlich, dass der unbekannteste Ortsteil Richthausen vielleicht der älteste ist: Das Dorf „Riuthusen“ wurde voraussichtlich schon im 9. Jahrhundert zur Zeit der Nachkommen Kaiser Karls des Großen gegründet und im 12. Jahrhundert am Ostrand des Ortes (heute REWE) um eine Töpferei erweitert, die wohl bis in die frühe Neuzeit bestanden hat.W. Stadelmann, Richthausen – ein karolingischer Rodungsort? 66./67. Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft, Finstermühle 2017/2018, S. 73–78. mini|Richthausen – historische Bauernhäuser und Fachwerkhäuser entlang der Richthausener Straße (2017)
Die ersten Schriftquellen
Von Anfang dürfte das Kirchdorf Penzenhofen an der wichtigen Straße Feucht - Altdorf der bedeutendste Ortsteil gewesen sein. Er tritt im Jahre 1129 in einer Eichstätter Urkunde ins Licht der Geschichte und war damals Sitz der Reichsdienstmannen Turinhart und Hartmann von Penzenhofen.W. Stadelmann, der Besitz des Nürnberger Klosters St. Egidien im Neumarkter Raum, 29. Jahresbericht des Historischen Vereins Neumarkt.Opf., Neumarkt 2020, S. 59 f.
Erste Siedlungsaktivitäten im Gemeindegebiet sind für den Zeitraum zwischen 1040 und 1050 n. Chr. durch archäologische Fundstücke belegt. Die erste urkundliche Erwähnung Winkelhaids stammt aus dem Jahr 1274.
Das späte Mittelalter
Die Dörfer Winkelhaid und Richthausen gehörten seit Urzeiten zur königlichen Hofmark Altdorf und wurden mit ihr 1360 von den Grafen von Nassau an die Burggrafen von Nürnberg verkauft.Monumenta Zollerna, Bd. 3, Nr. 429. 1393 kamen sie vom Herzog von Pommern an den Kurfürsten von der Pfalz,Stadtarchiv Nürnberg, B 11 Nr. 375. der hier zwar die Dorf- und Landesherrschaft, aber längst nicht alle Bauernhöfe innehatte. Denn Nürnberger Bürger und Klöster besaßen 1499 schon sieben Güter in Ungelstetten und vier in Penzenhofen unter Pfälzer Hoheit in der Hauptmannschaft Ludersheim.P. Fleischmann, Das Reichssteuerregister von 1497 der Reichsstadt Nürnberg, Nürnberg 1993, S. 186.
Die Neuzeit
Eine große Veränderung brachte der Landshuter Erbfolgekrieg 1504, in dem die Reichsstadt Nürnberg das benachbarte kurpfälzische Amt Altdorf erobern und behaupten konnte. Seitdem gehörten alle Winkelhaider Ortsteile mit den wesentlichen Rechten zum neu entstandenen Nürnberger Land. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts konnten für Winkelhaid bereits 50 Anwesen nachgewiesen werden. Ende des 18. Jahrhunderts wohnten etwa 380 Einwohner im Ort. Die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Nürnberg-Feucht-Winkelhaid-Altdorf (1878) brachte neue Chancen, denn viele Winkelhaider fanden in Nürnberg einen Arbeitsplatz.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 der Hauptort Penzenhofen der gleichnamigen aufgelösten Gemeinde eingegliedert.
Einwohnerentwicklung 1925 wurden 724 Einwohner gezählt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der Ort durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen, so dass die Bevölkerung bis 1950 auf 1388 Einwohner anwuchs. Durch den Rückgang der Landwirtschaft wurden Felder in Bauland umgewandelt, 1976 war die 3000-Einwohner-Grenze erreicht. Im Jahre 2017 lebten in Winkelhaid 4274 Einwohner, bei einer Bevölkerungsdichte von 674 Einwohnern je Quadratkilometer.
Politik mini|Rathaus Winkelhaid im Mai 2012
Gemeinderat Der Gemeinderat setzt sich aus 16 Gemeinderäten und dem Ersten Bürgermeister zusammen. CSU SPD Grüne FWG UWA *) Gesamt 2020 9 - 3 3 2 16 Sitze 2014 9 3 2 2 1 16 Sitze 2008 9 4 2 2 16 Sitze (Stand: Kommunalwahl am 15. März 2020)
Erläuterung: *) Unabhängige Winkelhaider Alternative
Gemeinderatsmitglieder, auf winkelhaid.de
Religion mini|Mariä Aufnahme in den Himmel in Winkelhaid mini|Dreieinigkeitskirche in Winkelhaid Katholische Kirche Mariä Aufnahme in den Himmel. Evangelische Dreieinigkeitskirche.
Bürgermeister Seit Mai 2008 ist Michael Schmidt (CSU) Erster Bürgermeister. Vorgänger war seit 1978 Dietmar Trautmann (CSU, auch Kreisrat im Nürnberger LandWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1258.).
Wappen
Gemeindepartnerschaften Die Ortschaft Teis in Südtirol Die Landgemeinde Apc in Nordungarn
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bau- und Bodendenkmäler
Johanniskirche mini|Johanniskirche in Penzenhofen (2017) Die Johanniskirche in Penzenhofen wurde um 1400 im gotischen Stil errichtet.
Ein Saalbau mit rechteckigem, leicht eingezogenem Chor und ein markanter Westturm mit Spitzhelm zeichnen die evangelisch-lutherische Kirche aus. Im Jahre 1690/91 erfolgte eine umfangreiche Wiederherstellung des Gebäudes. Das Turmkranzgeschoss und Fachwerk wurden 1948 erneuert.
Die Kirche wurde als Studentenkapelle der Theologischen Fakultät der Universität Altdorf genutzt. Angehende Theologen hielten hier ihre ersten Predigten.
Park Sedansgärtlein mini|Sedansgärtlein in Winkelhaid mini|Kriegerdenkmal im Sedansgärtlein Die als Sedansgärtlein bezeichnete Grünfläche befindet sich in der Ortsmitte von Winkelhaid zwischen Penzenhofener Straße und Richthausener Straße. Der dreiecksförmige kleine Garten wurde mit sogenannten Gedenk- und Friedensbäumen im Jahre 1648 anlässlich des Westfälischen Friedens beziehungsweise 1871 zur deutsche Reichsgründung bepflanzt. Zwei ortsbildprägende Linden und eine Eiche sind ein zentrales Gestaltungselement der Anlage. Inmitten der Baumgruppe befindet sich ein Kriegerdenkmal, das 1922 errichtet wurde. Das Sedansgärtlein stand von 1910 bis 1995 unter Naturschutz.
Die Gartenanlage ist vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal (D-5-74-164-30) ausgewiesen.
Schutzgebiete mini|alt=|Weißmoos-Kiefernwald im EU-Vogelschutzgebiet Nürnberger Reichswald bei Winkelhaid (2017) Nördlich von Winkelhaid befindet sich das Naturschutzgebiet Flechten-Kiefernwälder südlich Leinburg. Nordöstlich liegt das Naturdenkmal und Geotop Röthenbachklamm.
Westlich des Siedlungsgebiets von Winkelhaid befindet sich das EU-Vogelschutzgebiet Nürnberger Reichswaldwww.protectedplanet.net, Nürnberger Reichswald (Abgerufen am 11. August 2017). Hier dominieren Weißmoos-Kiefernwälder mit Preiselbeere und Heidelbeere als Unterwuchs. Moose, Heide und sehr kleinflächige Flechtenbestände bilden zudem die Bodenvegetation. mini|Eichenhain bei Penzenhofen