mini|hochkant=1.31|Blick auf Schnaittach vom Rothenberg mini|Stadttor mini|Rathaus Schnaittach ist ein Markt im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land.

Geographie Geografische Lage Der Kernort Schnaittach liegt im Schnaittachtal am Fluss gleichen Namens, einem Nebenfluss der Pegnitz, westlich des Rothenbergs am Rande der Frankenalb. Der Untergrund (Höhen 330–) besteht entweder aus Sandstein/Sand oder Lehm bzw. Hanggeröll der Fränkischen Alb. In Lagen über 400 Meter ist auch Kalkstein anzutreffen. Sand und Ton werden in Gruben der Umgebung abgebaut, Kalkstein in Brüchen. Der Kernort liegt westlich des Veldensteiner Forstes und östlich des Nürnberger Reichswaldes.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Nordosten beginnend im Uhrzeigersinn) Betzenstein, Kirchensittenbach, Neunkirchen am Sand, Lauf an der Pegnitz, Eckental, Igensdorf, Weißenohe und Simmelsdorf.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde hat 33 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bondorf, Freiröttenbach, Germersberg, Großbellhofen, Haidling, Hedersdorf, Kirchröttenbach, Osternohe, Rabenshof, Schnaittach und Siegersdorf. Die Gemarkung Schnaittach hat eine Fläche von 7,572 km². Sie ist in 3456 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 2190,88 m² haben.

Kirchen

Pfarrkirche St. Kunigund, Römisch-katholische, denkmalgeschützte Pfarrkirche Christuskirche, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Walburga Kirchröttenbach

Geschichte Schnaittach (Ort) Der altbairische Name Sneit-aha = Grenz-bach deutet auf eine Besiedlung aus der heutigen Oberpfalz hin, wohl im 10. Jh. Mit der Grenze ist die des bairischen Nordgaus zum Herzogtum Franken gemeint. Die Ersterwähnung stammt aus dem Jahr 1011, in der Kaiser Heinrich II. den Hof „Sneitaha“ neben anderen dem kurz zuvor gegründeten Bistum Bamberg schenkte.Martin Schieber und Ina Schönwald: Schnaittach, Geschichte des Marktes am Fuße des Rothenbergs, hrsg. v. Markt Schnaittach, Nürnberg: Sandberg Verlag, 2011, S. 20–22. In der Stauferzeit wurde eine Burg auf dem Alten Rothenberg im Westen erbaut und so der Grundstein zur Herrschaft Rothenberg gelegt, deren Hauptort Schnaittach bis 1806 war. Nach der Zerstörung dieser Burg 1301 wurde eine neue Burg gegenüber im Osten erbaut und dieser Berg trotz seiner weißen Kalksteine ebenfalls Rothenberg genannt. 1360 kaufte Kaiser Karl IV. die Herrschaft Rothenberg. Im Böhmischen Salbüchlein von 1366–68 erscheint Schnaittach als ein Dorf von zwölf Höfen und einem anschließenden Marktplatz.Martin Schieber und Ina Schönwald: Schnaittach, Geschichte des Marktes am Fuße des Rothenbergs, hrsg. v. Markt Schnaittach, Nürnberg: Sandberg Verlag, 2011, S. 26–29. 1401 wurde Schnaittach von den Pfälzer Wittelsbachern erobert. Diese verkauften die Herrschaft Rothenberg 1478 an eine Kapitalgesellschaft fränkischer Ritter.Martin Schieber und Ina Schönwald: Schnaittach, Geschichte des Marktes am Fuße des Rothenbergs, hrsg. v. Markt Schnaittach, Nürnberg: Sandberg Verlag, 2011, S. 33. So wurde Schnaittach zweihundert Jahre lang der Hauptort der „Raubritter GmbH“ der Rothenberger Ganerben. 1504 eroberten die Nürnberger im Landshuter Erbfolgekrieg das Gebiet der Städte Lauf an der Pegnitz, Hersbruck und Altdorf östlich von Nürnberg von den Wittelsbachern, jedoch nicht den Rothenberg. Seitdem war die Herrschaft Rothenberg als der Stachel im Fleisch der Freien Reichsstadt Nürnberg gefürchtet. Für viele Ritter aus der Gegend war es eine Ehre, sich in Schnaittach einkaufen zu dürfen, denn die Burg Rothenberg bot eine sichere Zuflucht bei Fehden.Martin Schieber und Ina Schönwald: Schnaittach, Geschichte des Marktes am Fuße des Rothenbergs, hrsg. v. Markt Schnaittach, Nürnberg: Sandberg Verlag, 2011, S. 36–38.

Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 bekam Bayern vom Kaiser 1628 die Oberpfalz und damit auch Schnaittach als Kriegsentschädigung. Diese führten die Gegenreformation ein. Seitdem ist Schnaittach und sein Umland ein mehrheitlich katholischer Fleck in einer sonst evangelisch geprägten Gegend. Nach dem Westfälischen Frieden sollte die Herrschaft Rothenberg an die Ganerben zurückgehen. Jedoch hatte Bayern seine strategische Bedeutung erkannt und kaufte daher die Anteile daran auf. Mit der letzten Rate fiel Schnaittach 1698 endgültig an Bayern.Martin Schieber und Ina Schönwald: Schnaittach, Geschichte des Marktes am Fuße des Rothenbergs, hrsg. v. Markt Schnaittach, Nürnberg: Sandberg Verlag, 2011, S. 51. Als Nürnberg 1806 Bayern zugeschlagen wurde, endete die strategische Bedeutung Schnaittachs als bayerischer Vorposten in Franken.Martin Schieber und Ina Schönwald: Schnaittach, Geschichte des Marktes am Fuße des Rothenbergs, hrsg. v. Markt Schnaittach, Nürnberg: Sandberg Verlag, 2011, S. 119.

Das jüdische Schnaittach mini|Ehemalige Synagoge mit Rabbinerwohnung Zur Erhöhung der Rendite der Ganerbengesellschaft erlaubten die Ganerben ausdrücklich die Ansiedlung von Juden gegen Abgaben. Besonders die Vertreibung der Juden aus Nürnberg 1499 bot den Ganerben die Chance, Juden Schutz zu gewähren und an den Schutzbriefen zu verdienen. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entwickelte sich eine florierende jüdischen Gemeinde. Seit 1537 gab es einen jüdischen Friedhof, 1569 wurde die Synagoge erbaut, seit 1605 ist ein Rabbiner nachgewiesen und seit 1615 eine Jeschiwa. Die Ganerben waren sich des Wirtschaftsfaktors der jüdischen Gemeinde sehr bewusst und ignorierten Gesuche zur Unterdrückung und Ausweisung der Juden regelmäßig. Auch unter kurfürstlich-bayerischer Verwaltung waren die Schutzbriefe für die Juden für die Gemeinde und die Regierung der Oberpfalz sehr einträglich. Daher setzen sie diese Politik fort, auch gegen Anweisungen aus München.Martin Schieber und Ina Schönwald: Schnaittach, Geschichte des Marktes am Fuße des Rothenbergs, hrsg. v. Markt Schnaittach, Nürnberg: Sandberg Verlag, 2011, S. 72–73. Das Rabbinat Schnaittach betreute auch die Orte Ottensoos, Forth und Hüttenbach, und für diese vier Orte bürgerte sich in jüdischen Kreisen die Bezeichnung Medinat Aschpah ein, nach ihren hebräischen Anfangsbuchstaben,Nach Angabe des Jüdischen Museums Schnaittach auf deren Homepage, abgerufen am 9. Mai 2021. zugleich ein Wortspiel mit dem gleichlautenden hebräischen Wort אַשְׁפָּה Aschpah („Müll“). Die jüdische Bevölkerung Schnaittachs lebte wie meist im Landjudentum vom Vieh- und vom Kurzwarenhandel.Martin Schieber und Ina Schönwald: Schnaittach, Geschichte des Marktes am Fuße des Rothenbergs, hrsg. v. Markt Schnaittach, Nürnberg: Sandberg Verlag, 2011, S. 74. 1825 war Schnaittach zu 25 % jüdisch. Durch die jüdische Emanzipation in Bayern und das zugehörige Recht der Freizügigkeit 1871 sank der Anteil der jüdischen Bevölkerung jedoch rapide und lag 1910 nur noch bei 2,5 %. Dies bedeutete auch finanzielle Probleme bei der Besetzung der Ämter und der Reparatur der Gebäude.Martin Schieber und Ina Schönwald: Schnaittach, Geschichte des Marktes am Fuße des Rothenbergs, hrsg. v. Markt Schnaittach, Nürnberg: Sandberg Verlag, 2011, S. 78–79.

Schikanen gegen Schnaittachs Juden begannen schon bald nach der Machtergreifung 1933. In der Reichspogromnacht wurden auch in Schnaittach jüdische Geschäfte zerstört, Juden verhaftet und verprügelt, jüdische Friedhöfe geschändet und die Synagoge angezündet. Letztere wurde jedoch gelöscht, um darin ein Heimatmuseum einzurichten. Bis Anfang Januar 1939 waren alle Juden aus Schnaittach geflohen. Mindestens 14 von ihnen wurden im Holocaust verhaftet, deportiert und ermordet. Nur ein einziger kehrte 1945 zurück, der 1952 verstarb.

So hat Schnaittach heute drei jüdische Friedhöfe und eine ehemalige Synagoge, aber keine Juden mehr. Das Heimatmuseum in der ehemaligen Synagoge teilt sich seine Räume seit 1990 mit dem Jüdischen Museum Franken.Martin Schieber und Ina Schönwald: Schnaittach, Geschichte des Marktes am Fuße des Rothenbergs, hrsg. v. Markt Schnaittach, Nürnberg: Sandberg Verlag, 2011, S. 80–83.

Kirchröttenbach Der westlich von Schnaittach an der Grenze zu Eckental liegende Gemeindeteil Kirchröttenbach wurde 1054 als „Rotenbach“ erstmals urkundlich erwähnt, um 1500 dann in Kirch-Röttenbach umbenannt. Die katholische Kirche St. Walburga war zeitweise eine Kirchenburg und im 18. Jahrhundert eine beliebte Wallfahrtsstätte.

Bellhofen Der Ortsname Bellhofen („Pelhoven“) von Großbellhofen, das zwischen Schnaittach und Kirchröttenbach liegt, deutet auf die Höfen eines Bello hin.

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinden: Freiröttenbach (mit Lillinghof und Schäferhütte) am 1. Juli 1971 Germersberg (mit Laipersdorf) am 1. Juli 1971 Großbellhofen (mit Kleinbellhofen, Röhrischhof und Weigensdorf) am 1. Juli 1971 In Großbellhofen findet jährlich am letzten Juli-Wochenende die Kirchweih (mundartlich Kirwa) statt. Das Fest wird traditionell von der Dorfjugend organisiert. Hedersdorf (mit Lochhof und Poppenhof) am 1. Juli 1971 Hier findet die Kirchweih traditionell an Fronleichnam und dem darauffolgenden Wochenende statt. Hormersdorf (mit Bernhof, Götzlesberg und Reingrub) am 1. Januar 1972. Kirchröttenbach (mundartlich Räinbo) am 1. Juli 1972 Osternohe (mit Bondorf, Frohnhof, Haidling und Schloßberg) am 1. Juli 1971 Rabenshof (mundartlich Rammershuf) am 1. Juli 1931 zu Siegersdorf, Eingemeindung von Siegersdorf am 1. Juli 1971 Siegersdorf (mit Enzenreuth, Hinterhof und Kaltenherberge) am 1. Juli 1971 Siegersdorf leistete im Mittelalter seine Abgaben an den klösterlichen Oberverwalter auf dem Hohenstein. Rabenshof wurde 1275 das erste Mal urkundlich erwähnt. Es gehörte im Mittelalter zur Abtei Bergen. Hinterhof ist der kleinste Schnaittacher Gemeindeteil, der alte Name war früher Hinterrabenshof. Untersdorf Untersdorf liegt auf einer Höhe von . Der Ortsname (mundartlich Unnerschduaf) wurde ab 1285 in den Bamberger Domnekrologen als „Tunderatesdorf“, Dorf eines Tunderat, erwähnt. Im Zweiten Markgrafenkrieg 1552/52 wurde der Ort durch Brandschatzungen von Markgraf Albrecht Alcibiades geschädigt, der Schaden betrug nach Aufzeichnungen 84 Gulden. 1662 existiert ein Seelenverzeichnis mit neun Haushalten, in denen vier Katholiken und 38 Lutheraner lebten. 1987 war Untersdorf auf 28 Wohngebäude mit 106 Einwohnern gewachsen.

Einwohner 2003 lebten 8236 Menschen in Schnaittach.Pegnitzzeitung, Stand 30. Juni 2003 2018 waren es 8423.

Religionen mini|hochkant|Evangelische Kirche Bis 1806 war die christliche Bevölkerung Schnaittachs, im Gegensatz zum Umland, überwiegend katholisch. Schnaittach hatte seit dem 15. Jahrhundert eine große jüdische Gemeinde und bald einen eigenen jüdischen Friedhof. Heute befindet sich im ehemaligen Gebäudekomplex der Synagoge das Jüdische Museum in Franken (zweiter Standort in Fürth).

Politik Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat von Schnaittach besteht aus 20 Marktgemeinderäten und dem Ersten Bürgermeister. CSU SPD Grüne FW FAIR Bunte Liste Gesamt 2020 9 4 2 3 0 2 20 Sitze 2014 9 7 0 0 0 4 20 Sitze 2008 8 7 1 2 2 0 20 Sitze (Stand: 15. März 2020)

Bürgermeister seit 2014 Frank Pitterlein (CSU) 2002–2014 Georg Brandmüller (SPD) Gemeindepartnerschaften Gemeindepartnerschaft mit Frohnleiten, Österreich Gemeindefreundschaft mit Schlettau Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bekannt ist Schnaittach durch das Jüdische Museum Franken und die bedeutende Rokoko-Festung Rothenberg (Bauzeit von ca. 1729 bis 1750). Auf dem Neuen Friedhof erinnert seit 1952 ein Denkmal an 39 jüdische Einwohner, deren Grabsteine in der NS-Diktatur zerstört wurden. Jeder Hinweis auf die im Holocaust Deportierten und Ermordeten fehlt.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 191 An Opfer des Nationalsozialismus, die in Schnaittach lebten und wirkten, erinnern 17 Stolpersteine (siehe auch Liste der Stolpersteine in Schnaittach).

Vereine BRK Wasserwacht OG Schnaittach