Feucht () ist ein Markt im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land und liegt direkt angrenzend am südöstlichen Stadtrand Nürnbergs.
Geographie Lage Rundum vom Reichswald umgeben wird das Ortsbild von Feucht wesentlich geprägt durch das von Nordosten nach Südwesten verlaufende grüne Band des Gauchsbachtales. Um 1928 begradigt und im Innenbereich in ein Betonbett gefasst, wurde der Bachlauf durch verschiedene Renaturierungsmaßnahmen wieder mäandriert.
Gemeindegliederung Der Markt Feucht hat fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Feucht (Hauptort) Gauchsmühle (Einöde) Hahnhof (Dorf) Moosbach (Kirchdorf) Weiherhaus (Weiler)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Feucht, Feuchter Forst (Gemarkungsteil 0) und Moosbach. Die Gemarkung Feucht hat eine Fläche von 6,764 km². Sie ist in 6097 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 1109,43 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort ein Teil des Gewerbeparks Nürnberg-Feucht.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Nürnberg, Winkelhaid, Schwarzenbruck und Wendelstein.
Geschichte Mittelalter Vermutlich im 8. bis spätestens 10. Jahrhundert wurde vom damaligen Herzogs- bzw. Königshof in Altdorf (bzw. von Altdorf-Rasch) aus eine Tochterkapelle in Feucht gegründet. Im Jahre 1189Martin Schieber: Ein Streifzug durch die Geschichte – Feucht. 2011, S. 8, 69. erfolgte die erste Nennung Feuchts, damals gehörte der Ort zu dem von Nürnberg aus verwalteten Reichsdominium und war Sitz eines Reichsdienstmannengeschlechts. Zu Feucht gehörte ab dem 11./12. Jahrhundert eine Zollstelle für den Brückenzoll über die Schwarzach bei Ochenbruck.W. Schwemmer: Alt-Feucht. Feucht 1977, S. 52.
Der Name des Ortes wird auf das althochdeutsche viuhtje – fichta zurückgeführt, also auf die Fichte (mundartlich Féichdn). Das Wappen zeigt das sogenannte Zeidelmännchen mit der Armbrust über der Schulter neben einem Wappen stehend, das auf grünem Grund einen Bienenkorb zeigt. Feucht war seit dem Mittelalter aufgrund seiner Lage im kaiserlichen Reichswald ein Zentrum der Bienenhaltung mit Honig- und Wachsgewinnung, der sogenannten Zeidlerei. Der Feuchter Honig war früher Grundlage für die berühmten Nürnberger Lebkuchen. 1296 hatten die Zeidler eine eigene Gerichtsbarkeit und einen eigenen Zeidelmeister. 1350 wurden die Privilegien der Zeidler von Kaiser Karl IV. bestätigt: u. a. ein eigenes Zeidelgericht (bis 1796) und Zeidlerrechte. Dafür waren sie dem Kaiser zum Waffendienst mit der Armbrust verpflichtet.
Der Steckerlaswald vorwiegend aus Kiefern, der heute den Wald um Feucht prägt, hat seinen Ursprung ab Ostern 1368, als der Nürnberger Ratsherr Peter Stromer begann, den durch Raubbau arg gebeutelten Reichswald durch Baumsaat von schnellwachsenden Nadelhölzern wieder zukunftsfähig zu machen. Als Nichtfachmann – er war Handels- und Montanunternehmer, kein Forstfachmann – hatte er natürlich keine Vorstellung von den Nachteilen dieser Monokultur. Leider wurden diese auch bei der Wiederaufforstung nach dem Kiefernspannerfraß 1894 nicht berücksichtigt.FEUCHT – Oliver Heinl 1999, S. 50–52. mini|Ortskern von Feucht aus der Luft Mit dem Untergang der Staufer löste sich das Reichsland bzw. Reichsdominium auf. In das Machtvakuum stießen die Burggrafen von Nürnberg und die Reichsstadt Nürnberg. Im Reichswald sicherte sich die Stadt Nürnberg zahlreiche Rechte, doch war die genaue Abgrenzung (insbesondere der Gerichtsbarkeit) nicht geregelt. Erst als die Burggrafen mit der Mark Brandenburg belehnt wurden und Geld brauchten, kam es zur Einigung: Die Reichsstadt Nürnberg erwarb 1427 die meisten Rechte, der Burggraf behielt jedoch einige Rechte (den hohen Wildbann, das Landgericht und Waldrechte). Daraus leiteten die Burggrafen bzw. Markgrafen von Ansbach-Bayreuth später Ansprüche auf den ganzen Reichswald und auch auf Feucht ab. Die Folge waren fortdauernde Streitigkeiten, die sich 1502 zu einer größeren Schlacht vor den Toren Nürnbergs u. a. wegen des (abgegangenen) kleinen Wallfahrtsortes Affalterbach im Schwarzachtal ausweiteten.
Infolge der Hussitenzüge (1429/30) erhielt Nürnberg 1431 von Kaiser Sigismund das Recht, Feucht zu befestigen. Gleichzeitig wurde mit dieser Urkunde Feucht das Marktrecht verliehen.Feucht - Ein Streifzug durch die Geschichte, 2011, Kap. Gasthöfe, Handwerk und Industrie von Daniela Semann/Martin Schieber (S. 175) 1439–41 wurden Milizen zur Hussitenabwehr gebildet. Feucht wurde Sitz einer Oberhauptmannschaft, zu der auch die Nachbarorte Ochenbruck, Schwarzenbruck, Gauchsmühle, Moosbach, Rummelsberg und Affalterbach Kräfte bereitstellten.W. Schwemmer: Alt-Feucht. Feucht 1977, S. 14.
Neuzeit mini|Luftbild Feucht (2026) Als 1497 der Reichstag den gemeinen Pfennig, eine Steuer aller über 15-Jährigen beschloss, wurden in Feucht 80 Haushalte mit 200 Personen über 15 Jahren gezählt.
1504 zogen im Landshuter Erbfolgekrieg 2.000 pfälzische Soldaten von Neumarkt heran und brannten Feucht und die Zollgebäude in Ochenbruck nieder. 1525 wurde die Reformation eingeführt und 1550 kaufte die Reichsstadt Nürnberg weitere 21 Anwesen in Feucht, um ihre Herrschaft in dem Ort abzusichern. 1552/53 wurden Feucht und die Zollgebäude in Ochenbruck im Zweiten Markgrafenkrieg erneut zerstört.
Mit der Reformation wurde Feucht 1525 der Freien Reichsstadt Nürnberg angegliedert und damit unter Pfarrer Georg Leypoldt evangelisch.
Im Dreißigjährigen Krieg litt die Gemeinde, wie viele andere Orte im Nürnberger Land, unter Einquartierungen: Oktober 1621: Truppen unter Ernst von Mansfeld (evangelische Union) Ende 1621: 21.000 kaiserliche Soldaten unter Tilly, in Verfolgung Mansfelds 1632–34 wechselnde Einquartierungen. Zu dieser Zeit lagen sich in Nürnberg Wallenstein und Gustav Adolf während der Schlacht an der Alten Veste gegenüber. Im September 1649 verließen die schwedischen Truppen Feucht.
Auch in den folgenden Kriegen belasteten Truppendurchzüge Feucht (1697, 1709/10, 1735/38, 1791, 1795–99).
1792 dankte der letzte Markgraf Karl Alexander ab und verkaufte sein Land dem Königreich Preußen. Der preußische Minister Freiherr von Karl August von Hardenberg, der in Ansbach seinen Sitz hatte, setzte die jahrhundertelang beanspruchte Landeshoheit über die Reichswälder durch. 1796 besetzten preußische Truppen das Nürnberger Umland.W. Schwemmer: Alt-Feucht. Feucht 1977, S. 20. Feucht kam zum Amt Burgthann (mit Sitz in Oberferrieden).
1800 kam es bei Feucht zu Gefechten zwischen französischen und österreichischen Truppen. 1805/06 gab es weitere Truppendurchzüge.
mini|Ludwig-Donau-Main-Kanal: Schleuse 60 bei Feucht (2024) Am 6. März 1806 musste Preußen auf französischen Druck die Provinz Ansbach an das Königreich Bayern abtreten. Feucht kam zu dem 1808 eingerichteten königlichen Landgericht Altdorf.
Ab 1836 wurde der Ludwig-Donau-Main-Kanal gebaut, der im Westen an Feucht vorbeiführt. Schwierig gestaltete sich die Errichtung des Schwarzach-Brückkanals, der 1841 fertiggestellt wurde, aber 1844 nochmal neu gebaut werden musste. Der 1846 eröffnete Kanal erfüllte die wirtschaftlichen Erwartungen nicht.
1871 erhielt Feucht durch die Eröffnung der Bahnstrecke Regensburg–Nürnberg wirtschaftliche Impulse. 1878 wurde die Bahnstrecke Feucht–Altdorf eröffnet, 1886 die Bahnstrecke Feucht–Wendelstein.
Die Arbeiter für den Bahnbau kamen oft aus katholischen Gegenden, die Kirche war aber nur den evangelischen Gläubigen vorbehalten. Als Ort für den sonntäglichen Gottesdienst der Katholiken genehmigte die Bistumsleitung in Eichstätt nach anfänglichen Hindernissen den Bau einer Kapelle (12,5 m × 5 m) am damaligen Ortsrand bei der Fischbacher Straße. Sie wurde am 16. Dezember 1877 als Herz-Jesu-Kapelle vom zuständigen Altdorfer Pfarrer Pröll eingeweiht.
Als Folge des Kiefernspannerfraßes in den Reichswäldern (1892–1896) mussten weite Flächen des Waldes gerodet werden; dies führte viele Waldarbeiter nach Feucht.
Da auch diese meist aus der Oberpfalz kamen, wuchs die katholische Bevölkerung rasch an, so dass die Kapelle nicht mehr ausreichte. Am 1. Juni 1895 bekamen die Feuchter Katholiken einen eigenen Seelsorger, den Expositus Ludwig Heumann. Dieser initiierte die dringliche Erweiterung der Kapelle und leitete Vorplanungen für den Bau einer angemessenen eigenen Kirche im Ortskern ein. Nach-Nachfolger Theodor Madlener gründete 1899 einen Kirchenbauverein. Die neue Herz-Jesu-Kirche wurde nach knapp 9-monatiger Bauzeit am 13. Dezember 1903 eingeweiht.Klaus Gruber – Vom Missionsposten zur Pfarrei – Die Entwicklung der kath. Gemeinde in Feucht von 1870 – 1921
20./21. Jahrhundert mini|Siedlung Äußere Weissenseestraße (2024) mini|Die Feuchter Hauptstraße (2023)
Anfang Mai 1921 wurde die zuvor Altdorf unterstellte katholische Gemeinde mit dem seit 1915 amtierenden Expositus Franz Xaver Schmid zur Pfarrei erhoben.
Die baufällige Kapelle bei der Fischbacher Straße hatte ihre Tage hinter sich und wurde um 1922 abgerissen.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden mehrere Kleinsiedlungen (zumeist Eigenheime) errichtet: ca. 1922 die Alte Siedlung nordöstlich gegenüber dem Bahnhof ab 1935 die Jägersruh ab 1935 das Schottenfeld ab 1938 die Zeidlersiedlung ab 1938 die Mietshaussiedlung am Bahnhof
Ab 1934 wurde im Reichswald bei Feucht eine Munitionsanstalt (Muna) errichtet, ein eigener Bahnanschluss gebaut und große Mengen Munition verarbeitet und gelagert.Dokumentation der Muna bei Nürnberg-Feucht im virtuellen wehrtechnikmuseum.de Während des Krieges waren dort zusätzliche Baracken errichtet, in denen Zwangsarbeiter sowie polnische und sowjetische Kriegsgefangene beschäftigt wurden.Evang.-Luth. Kirchengemeinde Feucht: Das vergesse ich nie. Feucht 1995, S. 58.
Ebenfalls vor dem Krieg wurde die heutige A9 Berlin–München direkt am Westrand des Ortes gebaut. Der benötigte Sand wurde in einer Sandgrube im Westen gewonnen, daraus entstand ein Baggersee, der in den 1970er Jahren zum Jägersee renaturiert wurde.
Mit dem Beginn des Luftkrieges während des Zweiten Weltkrieges wurden in Feucht als Teil der Flugabwehr für Nürnberg mehrere Flak-Stellungen eingerichtet: an der Kreuzung Schwabacher Straße/B8, an der Altdorfer Straße auf Höhe des heutigen Freibads und am Fischbacher Weg. Flakscheinwerfer standen im Norden, Horchgeräte im Süden und Osten des Marktes.Evang.-Luth.Kirchengemeinde Feucht: Das vergesse ich nie. Feucht 1995, S. 42, 49.
Im März 1943 fielen (wahrscheinlich als Fehlwürfe des Angriffes am 8./9. März auf Nürnberg) einige Bomben auf Feucht und Häuser beim Friedhof brannten aus. Am 10./11. August wurde Feucht ebenfalls durch Fehlwürfe bei Angriffen auf Nürnberg schwerer getroffen: 15 Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt, 12 Häuser wurden leicht beschädigt.Evang.-Luth.Kirchengemeinde Feucht: Das vergesse ich nie. Feucht 1995, S. 16 f.
Zum Ende des Krieges näherten sich am 17. April 1945 von Altdorf amerikanische Einheiten des 3. Bataillons des 157. Infanterieregimentes und drangen ohne Gegenwehr über die Altdorfer Straße und das Gauchsbachtal nach Feucht ein. Die Muna-Besatzung und der Volkssturm hatten sich vorher abgesetzt.Evang.-Luth.Kirchengemeinde Feucht: Das vergesse ich nie. Feucht 1995, S. 43.
Nach dem Krieg wurden in der Muna Bunker und Munitionsbestände von den Amerikanern gesprengt. Im Sommer 1946 entstanden dabei wiederholt Waldbrände. Am 4. Mai 1946 geriet ein Waldbrand außer Kontrolle, viel Munition sowie ein Güterzug mit 300 Gefechtsköpfen der V2 und 50 Gebäude explodierten; wegen Gasgefahr wurde der Ort evakuiert.