mini|Belebtes Wasser aus Österreich, das u. a. nach Taiwan exportiert wird: Ein bei Vollmond abgefüllter Liter kostet rund das Dreifache von belebtem Wasser ohne Vollmondabfüllung. mini|Laden für levitiertes Wasser in Kassel
Belebtes Wasser, auch als levitiertes, vitalisiertes, informiertes, strukturiertes, hexagonales oder Granderwasser bezeichnet, ist Wasser, das laut der Behauptung seiner Hersteller und Vermarkter auf verschiedene Weisen behandelt wurde und dadurch für etliche Einsatzzwecke „verbessert“ worden sein soll. Hinweise auf tatsächliche Veränderungen des Wassers gibt es nicht. Außerdem gibt es Produkte, die mit dem Versprechen vermarktet werden, dass sie es den Verbrauchern ermöglichen, selbst belebtes Wasser herzustellen, wobei unter anderem behauptet wird, die „hexagonale Struktur“ von Leitungswasser sei zerstört worden und lasse sich mit einem „Wasserenergetisierer“ wieder herstellen.
In der Schweiz ist es seit 1999 verboten, mit einer therapeutischen Wirkung des Wassers zu werben. In Österreich darf Granderwasser (benannt nach Johann Grander) gemäß einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 2006 als „aus dem Esoterik-Milieu stammender parawissenschaftlicher Unfug“ bezeichnet werden.
„Belebung“ Viele Maßnahmen zur angeblichen Belebung von Wasser werden mit dem österreichischen Parawissenschaftler Johann Grander verknüpft, der eigene Methoden und Geräte dazu entwickelt hat. Exemplarisch wird im Folgenden „Granderwasser“ thematisiert, die wissenschaftlichen Widerlegungen lassen sich jedoch auch auf ähnliche Konzepte übertragen.
Historische Vorläufer (Entwicklung) Folgende Entwicklungen werden von Vertretern der Theorie im Zusammenhang gesehen: In der Fünf-Elemente-Lehre des Daoismus, die unter anderem in der traditionellen chinesischen Medizin von Bedeutung ist, wird jedem Element eine Eigenschaft zugeschrieben und die Wechselwirkung mit einem weiteren Element beschrieben. Daraus wird ein Wechselwirkungskreislauf abgeleitet: „Holz nährt Feuer, Feuer nährt Erde, Erde nährt Metall, Metall nährt Wasser, und Wasser nährt wiederum Holz.“
Hildegard von Bingens Edelsteinwasser: Im vierten Buch ihrer Physica beschreibt sie die Wirkung von 24 Steinen auf den menschlichen Körper, aber auch die Schädlichkeit anderer Steine. Hierbei ist dezidiert keine Belebung des Wassers gemeint, jedoch schrieb sie den Steinen eine Wirkung zu, die über Wasser in den Körper eingeleitet werde.
Im 20. Jahrhundert erforschte der österreichische Förster und Parawissenschaftler Viktor Schauberger die „spezielle Energie des Wassers“. Schauberger berief sich hierbei vor allem auf die dem Wasser eigene positive Wirkung hoher Dichte, wenn es bei niedriger Temperatur eingesetzt wird. Ferner berief er sich auf das Prinzip des hohen sich entfaltenden Energiegehalts von Wasser im Zusammenhang mit zykloider („gesetzmäßiger“) Bewegung. „Niedrige Temperatur und gesetzmäßige Bewegung waren seiner Meinung nach auch die Bedingungen dafür, daß das Wasser seine Trag- und Sogkraft bewahren konnte.“ Für seine Hypothesen fehlt jegliche wissenschaftliche Bestätigung. Unbestritten ist seine erfolgreiche Tätigkeit bei der Konstruktion von Holzschwemmanlagen.
Sogenannte Wasserbelebung nach Grander mini|hochkant|Eine Flasche Granderwasser
Ein von dem 2012 verstorbenen Nordtiroler Unternehmer Johann Grander gegründetes Unternehmen bietet Wasser an, das an einem mit sogenanntem „Informationswasser“ gefüllten Metallzylinder (meist aus Kupfer) vorbeifließt. Dadurch soll es in seiner „Struktur“ verändert werden und besondere, nicht näher beschriebene Eigenschaften erhalten. Angeblich soll ein Glas mit Granderwasser durch solche „Informationsübertragung“ auch das Wasser in einem danebenstehenden Glas so verändern können, dass es die Eigenschaften von Granderwasser bekommen soll.
Grander gab an, die Anweisungen zur Entwicklung des Granderwassers von Gott bekommen zu haben: „…der die Entstehung von Granderwasser auf seine guten Verbindungen zu Gott zurückführt, Antwort auf seine Fragen ‚von oben‘ bekam und von sich selbst behauptete, ein anderer Mensch zu sein, seit ihm vor 30 Jahren Jesus Christus erschienen sei“.Zitat der Aussage Granders am 13. Mai 2005 vor dem Bezirksgericht Kitzbühel; ähnlich im Interview der ORF-Sendung „Report“ am 1. Juli 2008
Grander und die kommerziellen Vertreter seiner Produkte versprechen zudem etliche pseudowissenschaftliche physikalische und biologische Wirkungen, die derart behandeltes Wasser angeblich habe. So werden beispielsweise positive Wirkungen auf Ernährung, Getreideanbau und Gesundheit versprochen. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Studien und keine empirischen Hinweise, die den Nachweis erbringen oder nahelegen, dass derartig behandeltes Wasser die behauptete Wirkung hätte.
Charakteristisch für die Kommunikationspolitik des Grander-Unternehmens ist die Vorgehensweise, die beworbenen Wirkungen nie direkt anzuführen, sondern ausschließlich indirekt über ausgewählte Kundenrückmeldungen, sogenannte Testimonials, herauszustellen. Beispiele dieser Kundenreferenzen sind über mehrere Branchen hinweg ersichtlich.
Das Unternehmen Grander machte 2010 mit dem Vertrieb von Wasserbelebungsgeräten und Utensilien in Verbindung mit dem Granderwasser einen Jahresumsatz von etwa 16 Millionen Schweizer Franken, etwa 12,7 Millionen Euro. Die Jahresumsätze des Unternehmens sind seit 2008 stark rückläufig. Die Rechercheplattform Addendum berichtet von einem Umsatzrückgang von 13 auf 8 Millionen Euro bis 2018. Die Süddeutsche Zeitung beziffert den Jahresumsatz im Juli 2023 mit 6 Millionen Euro.
Angebliche Wirkungen und ihre Bewertung Keine der von Grander oder seinen Kunden behaupteten Wirkungen konnte reproduzierbar nachgewiesen werden. Auf der Internetseite von Grander werden einzelne vorwissenschaftliche und wissenschaftliche Arbeiten vorgestellt: eine Diplomarbeit, eine Dissertationvgl. und eine Studie.
Die folgenden Aussagen wurden naturwissenschaftlich widerlegt: Wasserbelebung habe eine entgiftende Wirkung. Hierzu die österreichische Bundesanstalt für Wassergüte in ihrem Gutachten 1993 wörtlich: „Granderwasser hat keinerlei entgiftende Wirkung. Anders lautende Behauptungen, wie die zuvor von Grander-Vertretern getroffene Aussage (Zitat Gutachten: ‚Das Gerät »Wasserbelebung 380« bewirkt laut Angabe der Vertreter der Umwelt-Vertriebs-Organisation eine Entgiftung von kontaminierten Wässern‘) sind falsch.“ Wasserbelebung bzw. Wasserenergetisierung habe eine bakterientötende Wirkung. In der Zusammenfassung seiner Diplomarbeit schreibt Rudolf Hammer dazu: „Die Ergebnisse zeigen, dass eine generelle Wirksamkeit der Wasserenergetisierungsgeräte der Hersteller UVO KG und Naturkraft Biotechnologie GmbH im mikrobiologischen Bereich der Trinkwasserhygiene besonders im Hinblick auf eine mikrobizide bzw. desinfizierende Wirkung nicht gegeben ist.“ Eine bereits vorhandene Verkeimung werde sich reduzieren, sodass man das „belebte“ Wasser bei Leitungen, die lange keinen Durchfluss hatten, einsetzen kann. Bei Schwimmbädern könne man den Chlorzusatz reduzieren. Auch an Müllkippen befindliche Teiche wurden angeblich bereits so behandelt. Eine mikrobizide oder desinfizierende Wirkung ist jedoch nachweislich nicht gegeben. Die Oberflächenspannung des Wassers werde herabgesetzt.Klaus Faißner: Diplomarbeit zur Grander-Wasserbelebung. Frohnleiten 2000 Dies könne in Wäschereien ausgenutzt werden, wobei beispielsweise der Waschmitteleinsatz wesentlich herabgesetzt werde. Auch Autowaschanlagen seien ein Einsatzgebiet. Diese Behauptung stützt sich auf eine Diplomarbeit von Klaus Faißner, bei der das „belebte“ Wasser durch einen Weichmacher enthaltenden Gummigartenschlauch floss, die Vergleichsmuster aber nicht, was einen methodischen Fehler darstellt. Die Messdaten konnten nicht reproduziert werden. Moderne Waschmittel können zudem sehr gering dosiert werden und haben in Verbindung mit zeitgemäßen Anlagen immer noch vertretbare Waschergebnisse. Weder der pH-Wert noch die Leitfähigkeit oder der Sauerstoffgehalt werden durch die „Belebung“ verändert, die Wasserhärte ebenfalls nicht. Belebtes Wasser sei „energiereicher“ und soll deshalb weniger UV-Strahlung absorbieren. Dieser Zusammenhang wurde in der Berner Fachhochschule im Jahr 2005 widerlegt. Als Zusatz in Heiz- oder Kühlanlagen sollen Ablagerungen in Leitungen und Kühltürmen verhindert werden. Dies würde zunächst eine Senkung der Wasserhärte bedingen, die jedoch erwiesenermaßen nicht stattfindet. Belebtes Wasser wirke sich positiv auf das Wachstum von Pflanzen aus. Hintermann und Basler 1998 dazu: „Granderwasser hat keinen Einfluss auf das Pflanzenwachstum, ebensowenig wie andere ‚esoterische‘ Verfahren.“ „Weder das Versuchsgerät ‚Flexibler Wasserbeleber’ der Firma Innutec (Grander) noch der physikalische Wasseraufbereiter Aquavital erzielte die versprochenen Resultate.“
Zu den folgenden Aussagen sind keine direkten Untersuchungen bekannt:
Das Wasser werde „in einen Zustand höherer Ordnung versetzt“. Vorgebliche Funktionsweise: In diesen Geräten ist eine kleine Menge Granderwasser eingeschweißt. Das „belebte“ Wasser kommt also nie in Berührung mit dem zu veredelnden Leitungswasser, dem Wasser werde nichts hinzugefügt und nichts weggenommen. Dennoch wird behauptet, das durch das Gerät hindurchfließende Leitungswasser werde durch die Grander-Technologie in einen Zustand höherer Ordnung versetzt. Dies widerspricht dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, wonach in einem geschlossenen adiabatischen System die Entropie nicht abnehmen und das System ohne Energiezufuhr daher nur in einen Zustand niedrigerer Ordnung übergehen kann. Bäckereien benötigten für den gleichen Teig und dieselbe Menge Brot weniger Wasser, und das so hergestellte Brot bliebe länger frisch. Auch diese Wirkung ist sehr unwahrscheinlich, da der pH-Wert, die Leitfähigkeit und der Sauerstoffgehalt durch die „Belebung“ nicht verändert werden und auch die Wasserhärte nicht verändert wird. Die Haltbarkeit des Wassers werde ohne Qualitätsverlust um einige Jahre verlängert, weshalb angeblich auch große Mineralwasserabfüller ihr Wasser damit behandeln.
2019 verbreitete die Firma Grander über die eigene Website sowie über eine PR-Seite im Kitzbüheler Anzeiger die Meldung, die Wirksamkeit des Granderwassers sei nun wissenschaftlich nachgewiesen.Theoretische Grundlagen der GRANDER®-Wasserbelebung wissenschaftlich nachgewiesen. In: grander.com. 2. November 2019, abgerufen am 4. Mai 2020. Der Physiker Florian Aigner beurteilte die Meldung kritisch: Der veröffentlichte Artikel habe keinen Bezug zu den vom Unternehmen aufgestellten Behauptungen der „Wasserbelebung“.
Im Dezember 2019 wurde das Unternehmen für sein „Lebenswerk“ mit dem Negativpreis Goldenes Brett vorm Kopf ausgezeichnet.Homöopathie-Unternehmen erhält das Goldene Brett vorm Kopf. In: derstandard.at. 13. Dezember 2019, abgerufen am 13. Dezember 2019.
Naturwissenschaftliche Einschätzung mini|Wasserbelebungsmodul für Hauptwasserleitungen Wassermoleküle sind Dipolmoleküle und liegen im flüssigen Wasser nicht frei und voneinander unabhängig vor, sondern sind über Wasserstoffbrückenbindungen vernetzt. Dadurch bilden sich auch größere kurzlebige Einheiten, sogenannte „Wassercluster“.
Vom belebten Wasser sagen die Hersteller, dass dessen Information verändert sei, indem die Cluster beispielsweise durch Wasserwirbel „umstrukturiert“ würden. Worin genau diese Veränderung bestehen soll und welche Strukturen was auslösen würden, wird von den Herstellern nicht definiert bzw. als „nicht bekannt“ deklariert.