alternativtext=Offizielles Logo der Gemeinde|rand|rechts|327x327px|Offizielles Logo der Gemeinde Die Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin ist eine jüdische Gemeinde in Berlin, die 1869 als Gegenbewegung zur reformorientierten Jüdischen Gemeinde zu Berlin gegründet wurde. Nachdem die Gemeinde in der Zeit des Nationalsozialismus zerstört worden war, nahm sie 1986 ihre Tätigkeit wieder auf.

Allgemein

Entstehung Der Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin wurde 1869 in Berlin von bisherigen Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gegründet, die die assimilations- und reformorientierte Richtung dieser seinerzeit Gemeinde nicht mittrugen. „Adass Jisroel“ (hebr.: Adat Israel), ist ein Synonym für das jüdische Volk aus der Tora („Adat“ עֲדַת „Versammlung“, „Gemeinschaft“) und ist hier als jüdische Gemeinde gemeint. Die Gemeindegründer hielten an den überlieferten Vorschriften und Traditionen des orthodoxen Judentums fest. Die Gemeinde Adass Jisroel erhielt 1885 vom deutschen Kaiser und König von Preußen ihre offizielle Anerkennung als neben der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gleichberechtigte jüdische Religionsgemeinde. Seit dem Jahre 1904 hat die Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin, K.d.ö.R. ihren Hauptsitz in Berlin-Mitte, Tucholskystraße 40 (frühere Bezeichnung Artilleriestraße 31). Heute befinden sich dort das Gemeindehaus, die Synagoge sowie alle sonstigen Einrichtungen der Gemeinde. Auch ihr koscheres Restaurant, das „Beth Café“ und ihr „Kolbo“, koschere Lebensmittel, Weine und Judaica.

Religiöses und gesellschaftliches Selbstverständnis Religiös orientierte die Gemeinde sich an den Idealen von Rabbiner Esriel Hildesheimer in Berlin und Samson Raphael Hirsch in Frankfurt am Main. Letzterer hatte einen Abschnitt aus den „Sprüchen der Väter“ von Rabban Gamliel, Sohn von Simeon ben Gamaliel I., zur Leitlinie seines ethischen Wirkens in Gemeinde und Gesellschaft gemacht: „Schön ist die Erfüllung des Thora-Ideals verbunden mit den Forderungen der Zeit“.

Auch für die Adass Jisroel stand dieses Leitwort an ihrer Wiege und fortan. Im Allgemeinen ist dieser Satz als Wahlspruch in die Traditionen des aufgeklärten orthodoxen Judentums eingegangen. Beachtung und Pflege des jüdischen Religionsgesetzes in der modernen Gesellschaft, Öffnung zu Wissenschaft, Kultur und Kunst, kurzum „Tradition plus Aufklärung“ wurden zur Visitenkarte der Gemeinde Adass Jisroel.

Rechtsstellung

Die Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin ist die seit Juli 1869 in der Hauptstadt Deutschlands bestehende gesetzestreue (orthodoxe) jüdische Religionsgemeinschaft. Sie ist die einzige in Deutschland noch existierende altkorporierte jüdische Religionskörperschaft, da sie 1919, zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Weimarer Reichsverfassung bereits eine anerkannte Körperschaft öffentlichen Rechts war. Dass sie noch heute die eine und einzige Adass Jisroel von 1869 ist, hat das Bundesverwaltungsgericht im Oktober 1997 – mit höchstinstanzlichem Urteil – bestätigt. Es wurde festgestellt, dass die mit Sitz in der Tucholskystraße 40 (ehemals: Artilleriestraße 31) bestehende Gemeinde in der institutionellen und personellen Rechtskontinuität und Rechtsidentität der 1869 gegründeten und 1885 vom Preußischen Königshaus zugelassenen Israelitischen Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin steht.

In der deutschen Hauptstadt Berlin gibt es bis heute die zwei alteingesessenen jüdischen Religionsgemeinden aus der Zeit vor der Schoah: Die 1712 entstandene Jüdische Gemeinde zu Berlin mit Hauptsitz in der Oranienburger Straße und die 1869 gegründete Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin mit Hauptsitz in der Tucholskystraße (ehemals: Artilleriestraße), beide Berlin-Mitte.

Die Adass Jisroel in der Nazizeit und danach Wie alle jüdischen Institutionen in Deutschland wurden auch die beiden Gemeinden Berlins in der NS-Zeit zerschlagen und ausgeplündert, ihre Mitglieder entrechtet und verfolgt, vertrieben, verschleppt, ermordet. Obwohl sie schon zuvor wieder tätig war, wurde die Jüdische Gemeinde zu Berlin im September 1951 formal neu gegründet; ihre historischen Rechte wurden dabei nicht anerkannt. Die Adass Jisroel konnte ihre Tätigkeit Mitte der 1980er Jahre wieder aufnehmen und wurde 1997 durch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts als altkorporierte Religionskörperschaft des öffentlichen Rechts, mit ihrer Rechtsidentität und Rechtskontinuität bezüglich der Vorkriegsgemeinde, bestätigt. Beide Gemeinden sind religiös, kulturell und sozial für ihre Mitglieder und zum Wohle des jüdischen Lebens in Berlin tätig.

Adass Jisroel Gestern und Heute

Adass Jisroel in der Gründerzeit Unabhängig von dem im 19. Jahrhundert herrschenden Druck zu gesellschaftlicher und weltanschaulicher Assimilation war die Gründung der Israelitischen Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin 1869 das bewusste Bekenntnis von 100 jüdischen Familien aus Berlin zum jüdischen Religionsgesetz in seiner überlieferten Form und Tradition. Weder die Reform einerseits noch eine emanzipationsfeindliche Abkapselung andererseits war das Ziel der Gemeinde Adass Jisroel, sondern die Vereinheitlichung von gesetzestreuem Leben mit der Offenheit für Kultur, Wissenschaft, Bildung und Kunst der Umwelt – Emanzipation und aktive Teilnahme an der Gesellschaft sollten unter Wahrung der jüdischen Tradition verwirklicht werden.

Entwicklung der Gemeinde bis zur Schoa mini|Nachman Schlesinger mit der Grundschulklasse der Israelitischen Synagogengemeinde (Adass Jisroel) Berlin in 1924

Mit der Eröffnung von Religionsschulen, Synagogen und rituellen Einrichtungen gleich nach 1869 entfaltete die Adass Jisroel ein eigenständiges Gemeindeleben in Berlin. Als erster Rabbiner wurde der in Halberstadt geborene, im ungarisch-österreichischen Eisenstadt wirkende, Rabbiner Esriel Hildesheimer berufen, der 1873 das mit der Adass Jisroel eng verbundene Rabbiner-Seminar zu Berlin gründete. 1880 weihte die Adass Jisroel in Berlin-Weißensee an der Falkenberger Chaussee, heute Wittlicher Straße 14, ihren Gemeindefriedhof ein. Anfänglich befanden sich Gemeindehaus und Synagoge in der Gipsstraße 12 (heute zerstört) um am Freitag, 29. September 1904, am Vorabend des jüdischen Neujahrsfestes „Rosch Haschaná“ 5665, in den Neubau der Gemeinde Artilleriestraße 31 (heute: Tucholskystraße 40) verlegt zu werden, da wo sie sich noch heute befinden. Dieser Gemeindekomplex umfasste sowohl die Adass Jisroel als auch das Rabbiner-Seminar zu Berlin und war in den Jahren 1902–1904 von der Gemeinde auf das Land, das die Gemeinde 1897, mit der Hilfe ihres Mitglieds Israel Kessler, erworben hatte, erbaut worden. Mit dem Anwachsen der Gemeinde wurden 1924 neben den Religionsschulen ein zweites Gemeindezentrum in Berlin-Tiergarten, Siegmundshof 11 mit Synagoge, Realgymnasium und Oberlyzeum – dem ersten und bis heute einzigen jüdisch-religiösen Gymnasium Deutschlands – eingerichtet. Ein eigenes Krankenhaus, das Israelitische Krankenheim der Adass Jisroel, wurde in Berlin-Mitte 1909 eröffnet. Die Gemeinde unterhielt bzw. unterstützte zusätzlich einige kleinere Betstuben in Mitte, Prenzlauer Berg, Tiergarten und Charlottenburg. Das 1873 gegründete, mit der Gemeinde ideell, institutionell und räumlich verbundene, Rabbiner-Seminar wurde mittlerweile zur bedeutendsten Ausbildungsstätte gesetzestreuer Rabbiner mit internationaler Ausstrahlung. Anfang der 1930er Jahre war ein Sechstel der Berliner Juden mit der Adass Jisroel verbunden, sei es als Mitglieder, sei es als Anhänger, die die Dienstleistungen der Gemeinde in Anspruch nahmen und am Gemeindegeschehen aktiv oder passiv teilnahmen.

Der Adass Jisroel erging es wie allen jüdischen Gemeinden in Deutschland. Nach zahllosen vorangegangenen Akten der Verfolgung und Entrechtung ordnete die Gestapo im Dezember 1939 die Zerschlagung der Adass Jisroel und ihre Eingliederung in die von den Nazis gegründete und gelenkte „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ an. Damit wurde die Adass Jisroel ihrer Rechte und ihrer historischen Gemeindestätten beraubt.

Die Gemeinde nach der Schoa – Überblick Nach der Schoa war es den überlebenden und emigrierten Mitgliedern der Adass Jisroel-Gemeinde zunächst nicht möglich, sich in Berlin erneut als Gemeinde zu organisieren. Eine aktive Unterstützung oder Einladung seitens staatlicher Stellen zur Rückkehr oder zum Wiederaufbau der Gemeinde erfolgte nicht.

In West-Berlin wurden das Schulgebäude und die Synagoge in der Siegmundshofstraße ohne Beteiligung der ursprünglichen Eigentümer veräußert und 1955 abgerissen. Auch in Ost-Berlin wurde die große Synagoge der Gemeinde 1967 abgetragen. Erst ab 1985 begannen in beiden Teilen der damals noch geteilten Stadt Initiativen zum Wiederaufbau der Gemeinde.

Die Regierungen in Ost- und West-Berlin – die DDR-Regierung und der Berliner Senat – entschieden sich unabhängig voneinander, keine Maßnahmen zur Wiederherstellung der historischen Rechte der Adass Jisroel-Gemeinde zu ergreifen. Eine offizielle Anerkennung der Verantwortung für die durch nationalsozialistische Verfügungen erfolgte Auflösung der Gemeinde blieb aus.

Seit Sommer 1985 hat die Adass Jisroel unter erschwerten Bedingungen, mit Duldung und punktueller Unterstützung der DDR-Behörden und hauptsächlich mit der Hilfe von Freiwilligen aus Ost und West, ihren verwüsteten und verwilderten Friedhof in Berlin-Weißensee von der Zerstörung gerettet und restauriert.

Am 18. Dezember 1939 hatte die Gestapo die Auflösung der Gemeinde Adass Jisroel verfügt. Am 18. Dezember 1989, dem 50. Jahrestag der NS-Auflösungsverfügung, erklärte die erste DDR-Regierung nach Öffnung der Mauer die Wiedereinsetzung der Israelitischen Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin in ihre in der NS-Zeit entzogenen Rechte. Die Rechte der Gemeinde im Osten der Stadt waren damit wieder hergestellt. Der Wiederaufbau der Gemeinde konnte beginnen. Zu Purim 1990 (5750) wurde im Gemeindehaus eine behelfsmäßige Synagoge wiedereingeweiht, Thorarollen kamen aus Israel, es wurde gefeiert. In Anwesenheit von Oberrabbiner Israel Meir Lau wurde im Juli 1991 im Gemeindehaus das koschere Restaurant Beth Café eröffnet und der rekonstruierte Gemeindefriedhof wiedereingeweiht; im April 1992 folgte der Laden für koschere Lebensmittel und jüdische Ritualien „Kolbo“. Ein Synagogenneubau sowie die Restaurierung der zerstörten rituellen Quellbäder (Mikwaot) wurden geplant.

Gemeindearbeit Neben den regelmäßigen Gottesdiensten wurden in der Gemeinde Hebräischunterricht, Religionskurse für Kinder und Erwachsene, Vorträge und Lesungen zur jüdischen Tradition und Kultur in Geschichte und Gegenwart eingerichtet. Eine Bibliothek mit einer Abteilung für Archiv und Dokumentation zum jüdischen Geschehen in Berlin wurden aufgebaut. Der im Gemeindehaus eröffnete Kinderklub („Mo’adonit“) wurde zu einem Magnet für große und kleine Kinder. In der Sozialarbeit widmete sich die Adass Jisroel der Aufnahme und Integration der Zuwanderer aus der früheren Sowjetunion. Die Gemeinde war die erste jüdische Institution Berlins, die ab März 1990 hunderte zugewanderte Familien und Einzelpersonen betreute, ihnen mit Rat und Tat in allen sozialen, beruflichen, gesundheitlichen und Wohnungsfragen zur Seite stand. Viele Zuwanderer hatten zum ersten Mal die Gelegenheit, Teil einer jüdischen Gemeinde zu werden und jüdisches Leben praktisch zu erfahren und aufzunehmen. Auch wandte sich die Gemeinde der Altenfürsorge, der Krankenseelsorge und der Betreuung jüdischer Gefangener in Berliner Haftanstalten zu. Generell ist die Gemeinde auf dem Gebiet der jüdischen Erziehung und der Wohlfahrt tätig.

In ihrem Selbstverständnis ist und bleibt die Adass Jisroel der Bewahrung und Tradierung des gesetzestreuen Judentums, der Stärkung jüdischen Lebens in Berlin sowie der Pflege der Bande zu Israel verpflichtet.

Der Senat von Berlin und die Gemeinde