mini|Die Kirche Seddin ist ein Ortsteil der Gemeinde Seddiner See im Landkreis Potsdam-Mittelmark mit 1.286 Einwohnern (Dezember 2023) auf einer Fläche von etwa 528 Hektar. Es liegt am Südufer des Großen Seddiner Sees im Naturpark Nuthe-Nieplitz, ein Großteil der zum Ort gehörigen Flächen sind Teil des Landschaftsschutzgebietes Nuthetal – Beelitzer Sander.
Geschichte Etymologie Der Ortsname dürfte vom slawischen Wort zid für ‚flüssig‘ herrühren. Laut Fischer kann der Name aber auch „Siedlung eines Mannes namens Schida“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 157, ISBN 3-937233-17-2. bedeuten.
Besitzgeschichte Der erste Anteil von Seddin gehörte vor 1375 bis 1406 der Familie Schulte (den Schulzen von Beelitz). Von 1406 bis 1670 befand er sich im Besitz der Stadt Beelitz, anschließend von 1670 bis 1826 beim Amt Saarmund. Von 1826 bis 1872 unterstand der Anteil dem Amt Potsdam. Der Besitz umfasste die Obergerichtsbarkeit und den Wagendienst, die bereits 1375 nachweisbar sind. Seit etwa 1570 war dieser Anteil mit dem zweiten Anteil vereinigt. Der zweite Anteil gehörte bis 1447 der Familie Schere. 1447 gelangte er an das Prämonstratenserkloster St. Marien auf dem Berge bei Brandenburg und verblieb dort bis 1552. Anschließend ging der Besitz an das Domkapitel Brandenburg über. Zu diesem Anteil gehörten ein Hof mit vier freien Hufen, vermutlich der Schulzenhof, sowie die kleine Fischerei auf dem Seddinsee. Um 1570 wurde dieser Anteil mit dem ersten Anteil vereinigt.
Frühgeschichte bis 15. Jahrhundert Erste Siedlungsspuren am Großen Seddiner See sind mehr als 10.000 Jahre alt, wie Bodenfunde belegen. Vermutlich ging das heutige Seddin auf ein elbslawisches Dorf zurück, das um den heutigen Kirchplatz lag. Das Bauern- und Fischerdorf wurde als Rundling angelegt, der alte Ortskern blieb in seiner Struktur erhalten. Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 erwähnte für Sedyn 20 Hufen, darunter drei Hufen und eine Zinshufe des Lehnschulzen. Ein Krug war nicht vorhanden. 1481 lagen noch zwei Hufen wüst.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 410)
16. Jahrhundert Bei der Visitation von 1541 besaß der Pfarrer keine Pfarrhufe. Er erhielt von den Einwohnern jährlich 1½ Wispel und 2 Scheffel Korn. Der Küster bezog 18 Brote und Ostereier. Die Kirche besaß eigenes Land, das alle drei Jahre einmal besät wurde; 1575 wurde dessen Umfang mit 6 bis 8 Scheffeln Saat angegeben. Kirchlich war Seddin von 1541 bis 1898 Tochterkirche von Stücken. Das Kirchenpatronat lag bis 1406 bei den Gutsherren, anschließend beim Rat der Stadt Beelitz und seit 1670 beim Kurfürsten beziehungsweise Fiskus.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 411)
17. Jahrhundert 1624 wurden neun Bauern und ein Hirte bei insgesamt 20 Hufen genannt. Nach den Folgen des Dreißigjährigen Krieges bestanden 1652 noch fünf Bauernstellen, darunter die des Schulzen; gezählt wurden lediglich fünf Personen. 1682/1683 umfasste die Gemarkung 20 Sandhufen, von denen vier wüste Hufen in der adligen Kollekte lagen. Um 1690 gehörte die Kirche weiterhin als Tochterkirche zu Stücken.
18. Jahrhundert 1745 bestand Seddin aus neun Bauernstellen, einer Ziegelscheune und einem nahegelegenen Tagelöhnerhaus. 1757 wurden ein Lehnschulze mit vier Hufen und acht Zweihufner genannt. Daneben gab es sieben Büdner, darunter den Schulmeister und den Schmied, ferner vier Paar Hausleute sowie vier einzelne Einlieger. 1772 wurden ein Freischulze, sieben Bauern und zehn Kossäten verzeichnet.
19. Jahrhundert 1801 bestand das Dorf aus einem Lehnschulzengut, acht Ganzbauern, neun Büdner und 13 Einliegern. Vorhanden waren außerdem ein Krug und eine Ziegelei. Die Gemarkung umfasste 84 Morgen Holz, 20 Bauernhufen und 29 Feuerstellen. 1837 wurden 30 Wohnhäuser gezählt. Zu Seddin gehörte 1842 der Gasthof Zum lustigen Studenten.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 409) 1858 bestand das Dorf mit dem Wohnplatz Chausseehaus Kunersdorf aus vier öffentlichen Gebäuden, 33 Wohngebäuden und 64 Wirtschaftsgebäuden; im zugehörigen Schutzbezirk standen ein Wohngebäude und zwei Wirtschaftsgebäude. 1898 wechselte die kirchliche Zugehörigkeit von Stücken nach Wildenbruch. Die kirchliche Aufsicht lag vor 1573 bis 1806 bei einer Inspektion, von 1806 bis 1925 bei der Superintendentur Beelitz und seit 1926 bei der Superintendentur Beelitz-Treuenbrietzen. Eingepfarrt war Seddin nach Kunersdorf.
20. Jahrhundert Um 1900 wurden 62 Häuser verzeichnet. Die Gemeinde Neuseddin wurde 1928 eingemeindet. 1931 umfasste Seddin 84 Wohnhäuser mit 124 Haushaltungen. 1939 bestanden ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb über 100 Hektar, drei Betriebe mit 20 bis 100 Hektar, sechs mit 10 bis 20 Hektar, neun mit 5 bis 10 Hektar sowie 44 Betriebe mit 0,5 bis 5 Hektar.
Im Zuge der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1946 insgesamt 269 Hektar enteignet, darunter 1,4 Hektar Acker, 0,7 Hektar Wiese, 2,5 Hektar Wald und 265 Hektar See, und an die Gemeinde übertragen. Zusätzlich erhielt die Gemeinde 177,5 Hektar Waldzulage von der Gemeinde Ferch. Von diesen Flächen wurden 60 Hektar verteilt, davon 28 Hektar an sieben Bauern, vier Hektar an einen Siedler sowie 28 Hektar an sieben nichtlandwirtschaftliche Arbeiter und Handwerker. 1960 bestanden zwei LPG Typs I mit 91 Mitgliedern und 132 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Beide wurden 1961 zusammengeschlossen und 1967 an die LPG Typ III Kähnsdorf angeschlossen. 1973 befanden sich im Ort ein Betriebsteil des VEB Binnenfischerei Potsdam, das Entenkombinat sowie die Revierförstereien Beelitz-Seddin und Seddin-Kunersdorf.
Am 6. Dezember 1993 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Kähnsdorf, Neuseddin (wo auch der Rangierbahnhof Seddin liegt) und Seddin freiwillig zur Gemeinde Seddiner See zusammen.Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1993 StBA
Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Seddin von 1772 bis 1971 Jahr 1772 1801 1817 1837 1858 1895 1925 1939 1946 1964 1971 Einwohner 124 161 165 227 2521858: Dorf Seddin 246 Einwohner, Schutzbezirk Seddin 6 Einwohner. 334 700 682 1033 807 832
Sehenswürdigkeiten Die Kirche des Dorfes wurde 1735 errichtet, ein Jahr darauf wurde ein Friedhof bei der Kirche angelegt. Die letzte Beerdigung auf diesem erfolgte 1912. 1945 wurde der Platz als Friedhof aufgehoben. 1996 erfolgte eine Umgestaltung des Platzes und die verbliebenen vier Grabstätten wurden beseitigt.Schild auf dem Kirchplatz
Die Gehöfte standen einst kreisförmig zueinander und waren Lehm-Fachwerk-Bauten. Einige sind noch erhalten, so das denkmalgeschützte rohrgedeckte Haus in der Hauptstraße.
mini|Seddiner See Weiterhin gehört der See zu einem beliebten Ausflugsziel in der Region. Im Sommer bieten der Seddiner See, der Kähnsdorfer See sowie der Strand am Zeltplatz Bademöglichkeiten.
Literatur Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band VIII, 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940 (Digitalisat in Universitätsbibliothek Potsdam). Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 409ff.)
Weblinks
Website der Gemeinde, Einzelheiten zu den Ortsteilen unter „Geschichtliches“
Fußnoten
Kategorie:Geographie (Seddiner See) Kategorie:Ort im Landkreis Potsdam-Mittelmark Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Potsdam-Mittelmark) Kategorie:Naturpark Nuthe-Nieplitz Kategorie:Ersterwähnung 1375 Kategorie:Gemeindeauflösung 1993