Die Stadt Tönisvorst liegt am Niederrhein im Westen des Landes Nordrhein-Westfalen und ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Viersen im Regierungsbezirk Düsseldorf. Sie besteht aus den beiden ursprünglich eigenständigen Hauptorten St. Tönis und Vorst – wobei letzterer von der Fläche, nicht aber der Einwohnerzahl her den größten Stadtteil darstellt – sowie den Siedlungen Laschenhütte, Hüserheide, Hochbend und Kehn.

Mit 29.319 Einwohnern (Stand: Dezember 2022) ist sie die fünftgrößte Stadt im Kreis Viersen. Die Stadt besteht in ihren heutigen Grenzen seit 1970, als im Rahmen der kommunalen Neugliederung die Vereinigung der vier heutigen Stadtteile aus den vorher zum Kreis Kempen-Krefeld zählenden Einzelgemeinden zur Gemeinde Tönisvorst beschlossen wurde, die 1979 die Stadtrechte erhielt.

Geografie Tönisvorst gehört zum Kreis Viersen, Regierungsbezirk Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen und grenzt unmittelbar an die Städte Krefeld, Willich, Kempen und Viersen sowie an die Gemeinde Grefrath.

Die höchste in Deutschland aufgezeichnete Temperatur wurde in Tönisvorst am 25. Juli 2019 mit 41,2 °C gemessen. Die Stadt hielt diesen Rekord zusammen mit Duisburg-Baerl, wo am selben Tag die gleiche Temperatur aufgezeichnet wurde. Dieser Wert wurde mit 41,3 °C am 26. Juni 2026 in Saarbrücken-Burbach im Rahmen der Hitzewelle in Europa im Juni 2026 übertroffen.Temperaturrekord in Deutschland gemessen. In: Tagesschau.de, 26. Juni 2026. Abgerufen am 26. Juni 2026. Die tiefste je in Tönisvorst registrierte Temperatur trat am 16. Februar 1956 mit −20,5 °C auf.

Geschichte Tönisvorst wurde am 1. Januar 1970 aus den Gemeinden St. Tönis und Vorst sowie aus Teilen der Gemeinden Anrath, Neersen und Oedt gebildet.

Am 27. März 1979 wurde Tönisvorst durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen das Recht verliehen, künftig die Bezeichnung Stadt zu tragen.

Frühzeit In der Bronze- und Eisenzeit siedelten sich germanische und keltische Volksstämme am Niederrhein an. Erste Siedlungsspuren sind jungsteinzeitliche Funde wie ein Steinbeil (heute im Kramer-Museum Kempen) und Spuren eisenzeitlicher Siedlungsplätze an der heutigen Butzenstraße. Zwischen 58 und 51 v. Chr. eroberte Cäsar den linken Niederrhein. Brand- und Urnengräber, die an „Hinkes Weißhof“ in Vorst gefunden wurden, belegen eine römisch-germanische Siedlung im Raum Vorst.

5. bis 15. Jahrhundert Während der fränkischen Landnahme siedelten nach Abzug der Römer fränkische Stammesverbände am Niederrhein, die das entstandene Machtvakuum füllten. Fränkische Siedler nahmen die schon unter den Römern hier ansässigen Germanenstämme in sich auf und legten in Form von Ackerburgen Einzelhofsiedlungen an. Mit Einfall der Wikinger etwa ab 900 zog sich der fränkische Landadel in die sumpfigen Niersniederungen zurück und legte hier Wehr- und Wohntürme auf künstlichen („Motten“) oder natürlichen Erhebungen („Donken“) an. Vorst wurde Honschaft („Große Honschaft“), das heißt ein Zusammenschluss mehrerer Gehöfte, denen ein Honne vorstand. Diese bäuerliche Verwaltungseinheit gehörte zusammen mit fünf weiteren Honschaften zum Amt Kempen, das wiederum zum Erzbistum Köln gehörte. Der Erzbischof war sowohl geistlicher als auch weltlicher Herrscher.

Die erste Erwähnung einer Kirche datiert aus dem Jahr 1131. Es wird vermutet, dass die Kirche auf die kleine Holzkapelle des Hauses Brempt – Ursprung und Keimzelle von Vorst – zurückgeht, die ihrerseits an der Stelle errichtet wurde, an der bereits die Germanen ihren Göttern gehuldigt haben. Dabei soll es sich um die höchste Erhebung in der Landschaft gehandelt haben. Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg schenkte der Vorster Kirche Reliquien des heiligen Godehard, dem späteren Schutzpatron der Kirche. 1188 folgte die älteste Erwähnung von St. Tönis als Osterveerd. Die öde Heide im südlichen Teil der „Kleinen Honnschaft“ wird in einer Urkunde erstmals erwähnt und „Osterveerd“ genannt. 1259 war die erste schriftliche Erwähnung von Haus Donk.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts folgte die erste Erwähnung von Haus Raedt und dem Gelleshof. Die kleine Holzkapelle von Vorst wurde durch einen romanischen Tuffsteinbau ersetzt. 1310 soll sie erste Pfarrrechte – das Trauen – erhalten haben. 1330 bis 1380 wurde das Amt Kempen mit einer sogenannten „Landwehr“ umgeben, einem Schutzwall aus Gräben, Wällen und Hecken. 1380 wurden in den Vorster Kirchen neben Trauungen auch Beerdigungen gestattet. Der Ort wurde Osterhaide genannt (= östliche Heide) und erhielt von Erzbischof Friedrich von Saarwerden die Genehmigung für eine Kapelle. St. Tönis entwickelte sich demnach auf dem Gebiet der „Kleinen Honschaft“ des kurkölnischen Amtes Kempen. Vermutlich wurde für die umliegenden Höfe eine schneller zu erreichende Kapelle gebaut. Die Kirche wurde mit der Zeit zur Keimzelle für die weitere Entwicklung.

Im Jahr 1396 wurde erstmals ein Kirchhof in der Nähe der Kapelle erwähnt. Im 15. Jahrhundert gab es erste Hinweise auf die Existenz einer Schule. 1443 wurde die Landwehr am „Stock“ und an der „Hückelsmay“ erweitert.

Im Jahr 1444 schlossen sich junge Männer zu Wehren zusammen, um Feld und Flur sowie Haus und Hof gegen Raubüberfälle zu schützen. Die Schützenbruderschaft St. Sebastianus wurde erstmals urkundlich erwähnt.

Von 1447 bis 1449 während der Soester Fehde stritten sich der Kölner Erzbischof und der Herzog von Kleve um die Vorherrschaft am Rhein. Vorst und St. Tönis mussten wie andere Honnschaften des Erzbistums Köln Mittel zu Kriegs- und Rüstungszwecken abliefern, was in Vorst zunächst in Form von Hafer erfolgte. Im Jahr 1479 war die erste urkundliche Erwähnung einer Windmühle in der St. Töniser Heide. Sie soll auf dem Ühlenberg am Weg nach Vorst gestanden haben. Dabei handelte es sich um eine Bockwindmühle.

Im Jahr 1482 wurde ein romanisches Kirchenschiff aus Tuffstein durch ein gotisches ersetzt, welches im Jahr 1894 abgebrochen wurde.

16. Jahrhundert Im Jahr 1510 erhielt die St. Töniser Kirche einen Taufstein und damit das Recht, zu taufen. 1559 erhielt Vorst sämtliche Pfarrrechte, 1564 war das Gründungsjahr der Bürger-Junggesellen-Schützenbruderschaft, 1573 wurde auf einer Landkarte das heutige St. Tönis als „Sanct Antonius in der Heyde“ genannt. 1583 im Truchsessischen Krieg gehörten Vorst und St. Tönis nach wie vor zu Kurköln. Als sich der Kölner Erzbischof und Kurfürst Gebhard Truchsess von Waldburg zur Reformation bekannte, wurde er vom Papst und Deutschen Kaiser sämtlicher Ämter enthoben. Truchsess verbündete sich daraufhin mit dem ebenfalls reformierten Grafen von Moers sowie den Niederlanden, die sich im Freiheitskampf gegen Spanien befanden. In Köln regierte derweil Ernst von Bayern als Kölner Kurfürst. Bei Hüls besiegte Truchsess mit Graf Adolf zu Neuenahr und Moers den neu eingesetzten Kurfürsten von Köln, Ernst von Bayern. Die Folge: Söldner beherrschten das ungeschützte Land des Amtes Kempen und plünderten in der Folge Vorst und steckten die 1482 erbaute gotische Kirche in Brand. 1583 kam es in St. Tönis zu einem Hexenprozess. Von 1599 bis 1603 kam es nach dem Truchsessischen Krieg immer wieder zu Plünderungen in Vorst und St. Tönis durch niederländische Truppen und Truppeneinquartierungen.

17. Jahrhundert Vor allem in den Jahren 1607, 1617 und 1634, in denen große Seuchen in der Gegend herrschten, kamen zahlreiche Prozessionen nach St. Tönis (oft bis zu 4000 Menschen), um beim Heiligen Antonius, dem Schutzpatron der Haustiere, Fürbitte zu erlangen. 1609 erfolgte die Genehmigung und Baubeginn für Befestigung (Wall, Graben, Tore) zum Schutz vor umherstreifenden Soldatengruppen. St. Tönis wurde mit Verteidigungswall, Graben und drei Toren umgeben. Damit einher gingen für den Marktflecken St. Thönis Rechte und Privilegien, wie das Abhalten von Jahrmärkten sowie das Privileg, von zusätzlichen Geldgaben und anderen Bedrängungen befreit zu sein.

Das Jahr 1642 war das „Hessenjahr“ im Dreißigjährigen Krieg. In der Schlacht an der Landwehr zwischen Krefeld und St. Tönis (Hückelsmay) errangen die Protestanten einen Sieg. Die protestantische Seite, bestehend aus französischen, hessischen und weimarerischen Truppen, bezogen auf kurkölnischem Land, nämlich hinter der Landwehr der „Großen Honschaft“, ihr Winterquartier. Der Kölner Erzbischof rief daraufhin die kaiserlichen Truppen zu Hilfe, um die Fremden zu vertreiben. Die kaiserlichen Truppen stellten sich in dem heutigen Forstwald, also nördlich der Landwehr, auf. Die Franzosen und Hessen allerdings besiegten die katholisch-kaiserlichen Truppen und verwüsteten anschließend Höfe und Dörfer des Amtes Kempen, so auch Vorst und St. Tönis. In St. Tönis fiel die Kirche den Flammen zum Opfer. 1652 war das Gründungsjahr der Kehner Junggesellen-Schützenbruderschaft. 1659 wurde auf einer Landkarte des Amtes Kempen der Ort als „St. Antonius“ bezeichnet.

18. Jahrhundert Im Jahr 1731 entstand der Koitzhof (heute unter Denkmalschutz als Beispiel eines wasserumwehrten niederdeutschen Bauernhofes). Nach der Gründung einer Seidenfabrik in Krefeld konnten viele Vorster Hausweber, entstanden durch die Tradition der Leinenweberei, die Fabrik beliefern. 1745 wurde das heute älteste äußerlich unveränderte Wohnhaus – das Mertenshaus an der Kirchstraße – gebaut. 1758 gewann Preußen eine der entscheidenden Schlachten im Siebenjährigen Krieg auf Tönisvorster Boden, an der Hückelsmay auf der St. Töniser Heide, bei der Herzog Ferdinand von Braunschweig die Franzosen besiegte. Die Franzosen zogen sich nach Köln zurück, Vorst und St. Tönis fielen an Preußen. Das bestehende Vorster Schulgebäude – wohl in der Nähe der damaligen Kirche gelegen – wurde erweitert. 1765 wurde im Kehn das Hagelkreuz errichtet. 1769 erfolgte der Bau der Streuff-Mühle an der Kempener Straße (heute Gelderner Straße) durch die kurfürstliche Hofkammer. Diese aus Stein gebaute Turmwindmühle ersetzte die alte Bockwindmühle der Kölner Kurfürsten. Die Mühle war noch bis zum Zweiten Weltkrieg in Betrieb. Sie gilt als Wahrzeichen von Tönisvorst und verlor im Januar 2007 beim Orkan Kyrill ihre Flügel. Im Jahr 1781 wurde der Wall abgetragen. 1785 erfolgte der Bau eines Schulgebäudes.

Im Jahr 1794 besetzten französische Revolutionstruppen das linke Rheinufer und damit auch St. Tönis und Vorst. Im Jahr 1798 wurde das Rheinland von den Franzosen in vier Departements (Rur/Roer, Rhein-Mosel, Saar und Donnersberg) aufgeteilt. Als unterste Verwaltungseinheit (Departements waren unterteilt in Arrondissements/etwa Regierungsbezirke, diese wiederum in Cantone/etwa Kreise und diese wieder in Mairien/Bürgermeistereien) in diesem Gebiet entstanden im Kanton Kempen die beiden Mairien Vorst und St. Tönis.GenWiki: Kanton Kempen Die Urkunden wurden von nun an auf Französisch abgefasst. Im Jahr 1799 wurden aufgrund der französischen Gesetze (Code Civil) erstmals Standesämter in St. Tönis und Vorst eingerichtet, fortan zuständig für die Schließung von Zivilehen sowie für die Registrierung von Geburten und Sterbefällen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren diese Aufgaben den Kirchen vorbehalten.

19. Jahrhundert Im Jahr 1801 wurde im Frieden von Lunéville der Niederrhein offiziell an Frankreich abgetreten und St. Tönis in Saint Antoine umbenannt. 1809 wurde der Rettungsverein in St. Tönis gegründet, welcher zur Freiwilligen Feuerwehr Tönisvorst wurde. 1813 verwüstete ein Feuer Teile von Vorst, eine Bäckerei, eine Gaststätte und alle Häuser am westlichen Markt sowie einige Häuser der Kuhstraße.

Beim Wiener Kongress im Jahr 1815 kam es zur Wiederherstellung der vorrevolutionären politischen Ordnung und Neuaufteilung Europas. Der Niederrhein und demzufolge auch Vorst und St. Tönis kamen zu Preußen. Die beiden französischen Mairien waren nun preußische Bürgermeistereien, die 1816 in den neuen Kreis Kempen eingegliedert wurden. 1816/1817 war ein Hungerwinter, der Schulunterricht fiel aufgrund der Kälte aus. Um 1818/1819 wurde die Honschaft Kehn mit Vorst zusammengefasst. Ab 1821 wurde St. Tönis ohne „h“ geschrieben.