mini|Logo der Stadt Biel/Bienne mini|Rechts das Volkshaus im Bahnhofsquartier, dahinter ein Teil der Bahnhofstrasse mit den typischen Häusern der 1920er JahreBiel [], Bieler Dialekt: [], seltener [],Nach Sprachatlas der deutschen Schweiz V 1b sowie Heinrich Baumgartner: Die Mundarten des Berner Seelandes. Frauenfeld 1922 (Beiträge zur Schweizerdeutschen Grammatik XIV), besonders S. 169 ff., zu den Unterschieden zwischen den Dialekten der verschiedenen Bieler Bevölkerungsschichten. [], offiziell Biel/Bienne,Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuchâtel unter der Leitung von Andres Kristol. Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 153f. ist eine Stadt im Schweizer Kanton Bern. Sie liegt am nordöstlichen Ende des Bielersees im Seeland und ist mit Einwohnern die zehntgrösste Stadt der Schweiz.
Biel ist die grösste zweisprachige Stadt der Schweiz und nach Bern die zweitgrösste Stadt des Kantons. Sie ist Hauptort des Verwaltungskreises Biel/Bienne. In der Agglomeration Biel leben gemäss aktueller Definition des Bundesamtes für Statistik (BFS) 101'271 Menschen in 27 Gemeinden. Das Einzugsgebiet wird mit rund 150'000 Personen beziffert. Stadtporträt. In: biel-bienne.ch. (PDF).
Biel ist sowohl für das Seeland als auch für den Berner Jura und Teile des Kantons Solothurn das regionale, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum. Die Hochschulstadt verfügt über mehrere Fachhochschulen. Biel ist vor Le Locle, Grenchen und La Chaux-de-Fonds das wichtigste Zentrum der Uhrenindustrie der Schweiz und wird unter anderem aufgrund des Hauptsitzes der Swatch Group und des Produktionsbetriebes von Rolex als Uhrenweltmetropole bezeichnet. Auch der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH hat seinen Sitz in der Stadt.
Biel zeichnet sich durch eine homogene Neustadt aus, die in der Gründerzeit und – vor allem im Bahnhofquartier – ab den 1920er Jahren nach den Regeln des Bauhauses und des Neuen Bauens errichtet wurde, und durch eine hervorragend erhaltene Altstadt mittelalterlicher Struktur.
Geographie Lage mini|Rathaus am Burgplatz in der Altstadt Die im Norden des Kantons Bern gelegene Stadt Biel befindet sich im Bereich des Drei-Seen-Landes und grenzt direkt an den Bielersee. Sie liegt am Jurasüdfuss.
Das Stadtzentrum Biels liegt grösstenteils um (Zentralplatz), wobei sich das Stadtgebiet von (Seespiegel Bielersee) bis auf bei La Comtesse im Grenzdreieck zwischen Biel, Leubringen und Twann-Tüscherz erstreckt.
Das heutige Zentrum Biels (Innenstadt) ist die Neustadt, die sowohl in der Gründerzeit um 1900 als auch, vor allem im Bahnhofquartier, ab 1920 nach den Prinzipien des Bauhauses errichtet wurde. Sie befindet sich in der Ebene und wird durch den kanalisierten Arm der Schüss am Zentralplatz in einen nördlichen und südlichen Teil unterteilt. Der älteste, im 19. Jahrhundert erbaute Teil der Neustadt befindet sich nördlich der Schüss.
Angrenzend an die nördliche Neustadt befindet sich am unteren Ende der Hänge des Jurasüdfusses die mittelalterliche Altstadt, die durch einen überdeckten Arm der Schüss unterflossen wird, der später in den kanalisierten Arm mündet.
Der dritte natürliche Arm der Schüss fliesst in der Nähe Nidaus und des Bielersees in die Zihl.
Biel liegt 26 km nordnordwestlich von Bern, 28 km nordöstlich von Neuenburg und 23 km westsüdwestlich von Solothurn (jeweils Luftlinie).
Die Nachbargemeinden von Biel sind:
Leubringen, Orvin Leubringen, Orvin Sauge, Pieterlen Twann-Tüscherz klasse=noviewer Orpund, Safnern Bielersee Nidau, Port Brügg
Klima Die Stadt Biel liegt in der warmgemässigten Klimazone (effektive Klimaklassifikation Cfb), wobei die einzelnen Jahreszeiten, wie in der ganzen Schweiz nördlich der Alpen, stark ausgeprägt sind.
Die Jahresmitteltemperatur an der Messstation vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie in Biel beträgt 9,1 °C, wobei im Januar mit −0,3 °C die kältesten und im Juli mit 18,7 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden.
Wärmste Monate sind der Juli und der August. Während des Sommers sind im Mittel 46 Sommertage pro Jahr mit Temperaturen von mindestens 25 °C zu erwarten (berechnet für die Normalperiode von 1960 bis 1990), Hitzetage mit Temperaturen über 30 °C gibt es durchschnittlich 8 pro Jahr und an besonders heissen Sommertagen kann es sogar bis zu 35 °C warm werden.
Im Herbst, während des zumeist im September vorliegenden Altweibersommers, steigen die Temperaturen noch ein letztes Mal an und es herrscht eine gleichmässig schöne Witterung, welche eine gute Fernsicht erlaubt und die Laubverfärbung intensiviert.
Im Winter liegen die durchschnittlichen Tagesmitteltemperaturen um den Gefrierpunkt. Der kälteste Monat ist der Januar mit einer mittleren Temperatur von −0,3 °C. Langjährige Mittelwerte weisen für Biel 80 Frosttage (Minimaltemperatur < 0 °C) und 21 Eistage (Maximaltemperatur < 0 °C) aus.
Im Vergleich zu anderen Orten in der Umgebung weist die Stadt Biel somit ein deutlich milderes Klima vor.
Die 1203 mm Niederschlag fallen über das ganze Jahr verteilt, wobei im März, April, Juli, September und Oktober am wenigsten Niederschlag fällt.
Die Winde aus westlicher Richtung führen normalerweise, wie in der ganzen Westschweiz, den Niederschlag heran. Falls Bise (Ost- oder Nordostwind) herrscht, werden in allen Jahreszeiten kühlere Witterungsphasen als im Mittel vorherrschen. Der in den Alpentälern und am Alpenrand wichtige Föhn zeigt im Normalfall keine speziellen klimatischen Auswirkungen auf Biel.
Bei den Seglern ist der an heissen Sommerabenden einsetzende Wind von den Jurahöhen namens Joran sehr beliebt.
Stadtquartiere
mini|Bieler Quartiere Quartier BFS-CodeBundesamt für Statistik (2006): Nomenklaturen – Amtliches Gemeindeverzeichnis der Schweiz: Quartiere der Gross- und Mittelstädte (Fassung im Internet Archive, 2016) Rebberg/Vignoble 371001 Altstadt/Vieille ville 371002 Neustadt Nord/Nouvelle ville nord 371003 Neustadt Süd/Nouvelle ville sud 371004 Champagne 371005 Bözingen/Boujean (Buschang) 371006 Mett/Mâche 371007 Madretsch Nord 371008 Madretsch Süd 371009 Vingelz/Vigneules 371010
Zwischen 1900 und 1920 wurden die damals autonomen umliegenden Gemeinden Vingelz (1900), Bözingen (1916), Mett (1919) und Madretsch (1919) eingemeindet.
1920 wollten die beide Städte Biel und Nidau unter anderem aufgrund der Siedlungsentwicklung und der zunehmenden wirtschaftlichen Verbundenheit fusionieren und entschieden in getrennten Volksabstimmungen grossmehrheitlich für einen Zusammenschluss.
Der Grosse Rat des Kantons Bern widersetzte sich aber dem Vorhaben und genehmigte den Zusammenschluss von Biel und Nidau nicht. Die damals mehrheitlich bürgerliche Regierung des Kantons wollte nicht, dass der Hauptort des Amtsbezirks Nidau mit dem linken Biel fusionierte. Ein gegen diese Machtdemonstration beim Bundesgericht eingereichter staatsrechtlicher Rekurs änderte nichts an diesem Verdikt.
Auch 1951 lehnte der Grosse Rat des Kantons Bern ein Fusionsbegehren, dieses Mal von Biel und Port ab, obwohl der Zusammenschluss wiederum grossmehrheitlich von beiden Bevölkerungen und beiden Gemeinden gewünscht wurde.
Hinter beiden Fällen stand auch die Furcht des Berner Parlaments, die Stadt Biel könnte, vor allem da sich die Industrie in der Region Biel stark vergrösserte und das Bevölkerungswachstum stark einsetzte, im Kanton Bern zu bedeutend werden.
Heute ist das Siedlungsgebiet von Biel lückenlos mit denjenigen von Brügg, Nidau und Port zusammengewachsen. Zwischen Biel und Orpund bestehen nur kleine Freiflächen oder Waldflächen.
In der Agglomeration Biel leben nach aktueller Definition des BFS 101'271 Personen in 27 Gemeinden (Stand 2012). Gemäss dieser Definition gehören neben der Kernstadt Biel die Gemeinden Aegerten, Bellmund, Brügg, Evilard, Ipsach, Nidau, Port, Schwadernau, Studen und Worben zum Hauptkern der Agglomeration. Zum Agglomerationsgürtel gehören Mörigen, Orpund, Pieterlen, Safnern, Sauge, Scheuren, Sutz-Lattrigen sowie die gegenüber der Definition von 2000 neu hinzugestossenen Jens, Ligerz, Meinisberg, Merzligen, Orvin, Péry-La Heutte, Romont und Twann-Tüscherz.
Geschichte Ortsname Der heutige Ortsname ist seit der Mitte des 12. Jahrhunderts belegt (1142 apud Bielnam, 1148 de Byelne, Bielno). Er wird auf den Namen der Gottheit *Bĕlĕna zurückgeführt, die weibliche Form zum keltischen Götternamen Belenos. Der Ortsname bezieht sich damit auf ein altes Quellheiligtum, wohl die heutige Römerquelle, wo etliche hundert Kupfermünzen aus dem 1. bis 4. nachchristlichen Jahrhundert gefunden wurden.Ortsnamenbuch des Kantons Bern. Teil I/4. Francke, Basel/Tübingen 2011, S. 313–315 (Digitalisat). Der Gleichsetzung mit dem Wort Beil, mittelhochdeutsch und schweizerdeutsch Biel, ist volksetymologisch, widerspiegelt sich aber im ab 1260 bezeugten sprechenden Stadtwappen.
Frühgeschichte mini|Ansicht der Stadt Biel in der Topographia Helvetiae von Matthäus Merian, 1642 mini|Zentralplatz im Jahre 1903 mit Blick auf die obere Bahnhofstrasse und die Schüss mini|Stadtplan von 1906
Die ältesten bekannten Siedlungsspuren auf dem Gebiet der heutigen Stadt Biel sind Pfahlbauten im Bereich des Hafens von Biel-Vingelz. Die frühsten Fundstücke wurden auf das Jahr 2970 v. Chr. datiert. Diese Funde sind Teil der prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen, welche 2011 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurden. Am Seeufer im unmittelbar an Biel angrenzenden Nidau wurden Siedlungsreste gefunden, welche bereits eine Besiedlung der Bieler Seebucht um 3800 v. Chr. belegen und möglicherweise gar auf eine Besiedlung im 5. Jahrtausend v. Chr. hinweisen. (Seite 4f.; PDF; 275 kB) Abgerufen am 18. April 2012.
Archäologische Funde belegen die Existenz frühmittelalterlicher Siedlungen auf Bieler Boden. Spuren einer Siedlung oder eines Kastells aus der Römerzeit fehlen dagegen. 1846 wurden römische Münzen (1. Jahrhundert v. Chr. bis 4. Jahrhundert n. Chr.) in der Brunnquelle oberhalb der Altstadt gefunden; sie wird seither als Römerquelle bezeichnet.
Mittelalter Nach 1230 wurde Biel zu einer Stadt. Der Fürstbischof von Basel war der Stadtherr. Biel errichtete eine Stadtmauer. Unmittelbar daneben errichtete der Fürstbischof eine Burg. So wurde Biel zu einer Festung an der südlichen Grenze des Fürstbistums Basel.
Das Bieler Rechtsgebiet umfasste auch Vingelz, Leubringen und Bözingen. Im Jahre 1275 bekam die Stadt von König Rudolf von Habsburg das Stadtrecht verliehen.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 212–219. Durch Burgrechtsverträge verband sich Biel mit Solothurn, Bern und Freiburg. Die Stadt entwickelte eine eigene Verwaltung, an deren Spitze als Vertreter des fürstbischöflichen Stadtherrn der Meier stand. Kleiner und Grosser Rat («Rät und Burger»), Burgermeister, Venner und Säckelmeister bestanden aber auf einer weitgehenden Autonomie der Stadt.
Im Jahr 1327 verlieh der Basler Fürstbischof Hartung Münch den Bürgern von Biel das Recht, zweimal im Jahr einen viertägigen Markt abzuhalten. Dieses Recht und das Recht, ein Umgeld zu erheben, wurde 1336 durch Bischof Johann Senn von Münsingen bestätigt.Bieler Geschichte Band 1
Anfang des 14. Jahrhunderts stand der Basler Fürstbischof auf dem Höhepunkt seiner Macht. Sein Herrschaftsgebiet reichte von Pfirt (Ferrette) im Sundgau bis Neuenstadt, von der Ajoie bis zum Hauenstein. Doch dann geriet er zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten und verlor Ländereien.