mini|hochkant=1.4|Bad Schandau, Blick von der kleinen Bastei Bad Schandau (bis 1920 Schandau) ist eine sächsische Kleinstadt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge an der Elbe. Die Gemeindeteile Bad Schandau (Hauptort), Krippen, Ostrau und Schmilka haben als „Kneippheilbad“ den Status eines staatlich anerkannten Kurorts.

Geographie Bad Schandau liegt rechts der Elbe direkt am Nationalpark Sächsische Schweiz im Elbsandsteingebirge; das Nationalparkzentrum liegt in der Stadt. Der ursprüngliche Ortskern schmiegt sich an die steil aufragenden Sandsteinfelsen des rechten, nördlichen Elbufers und zwängt sich teilweise in das enge Tal der Kirnitzsch. Der Ortskern liegt bei (Markt), während die Höhen über 400 Meter ü. HN liegen. Eine Überlandstraßenbahn, die Kirnitzschtalbahn, begleitet das Flüsschen über mehrere Kilometer und erschließt Teile der Hinteren Sächsischen Schweiz. Die Stadt grenzt unmittelbar an das Nachbarland Tschechien.

Stadtgliederung Die Stadtgemeinde besteht aus den acht Ortsteilen Krippen, Porschdorf (mit Neuporschdorf), Postelwitz, Prossen, Schmilka, Ostrau, Waltersdorf und der alten, namensstiftenden Siedlung Schandau.

Krippen mini|hochkant|Blick auf Krippen Krippen liegt als einziger Ortsteil Bad Schandaus am linken Elbufer. Krippen war Wirkungsbereich von Friedrich Gottlob Keller (1816–1895), dem Erfinder des Holzschliffs zur Papierherstellung, dem hier ein Museum gewidmet ist.

Postelwitz mini|hochkant|Sieben-Brüder-Häuser in Postelwitz Die Sommerfrische Postelwitz ist ein dicht an den Felshang gepresster, aus einer einzigen Häuserzeile bestehender Ortsteil von Bad Schandau ungefähr zwei Kilometer elbaufwärts unterhalb der Schrammsteine. Die ursprünglich slawische Niederlassung von Flößern, Fischern, Steinbrechern und Schiffbauern ist seit 1446 urkundlich nachgewiesen. Schiffsankerschmiede wirkten im Dorf bis 1968. Die ortseigenen Steinbrüche auf Sandstein (zeitweilig die wichtigsten der Gegend) waren seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis 1907 in Betrieb, wurden dann aufgeforstet und sind heute über die Elbpromenade erreichbar. Die erhaltenen Fachwerkhäuser Nr. 55–67, die sogenannten Sieben-Brüder-Häuser, gehen auf eine Sage zurück, in der ein Schiffer für seine Söhne jeweils ein Haus errichtet haben soll. Sein eigenes Gebäude aber hätte alle überragt. An den Häusern Nr. 43 und 69 sowie am Fährmannshaus sind Hochwassermarken der Elbe angebracht. Am 1. April 1934 wurde Postelwitz nach Bad Schandau eingemeindet. 2009 zählte Postelwitz 282 Einwohner (1999: 323 Einwohner).

Schmilka mini|hochkant|Schmilka: Blick auf die Schmilksche Mühle Schmilka ist der Grenzort nach Tschechien an der Elbe mit 75 Einwohnern. Der Ort ist Ausgangspunkt zu Wanderungen, etwa zu den Schrammsteinen und dem Großen Winterberg.

Ostrau Ostrau auf der Ostrauer Scheibe erhebt sich 130 m über der Elbe und liegt auf 245 m ü. NN. Der eiszeitliche Lößlehm auf der Ebenheit der Ostrauer Scheibe ließ in einer frühen Siedlungsperiode die Anlegung eines deutschen Dorfes für ehemals sieben Höfe zu. Mit dem Hauptort ist Ostrau seit 1904 direkt mit einem freistehenden elektrischen Personenaufzug verbunden, der auf Anregung des Hoteliers Rudolf Sendig erbaut und durch ihn auch finanziert wurde. Alte Bauernhöfe im Fachwerkstil, Pensionen, Ferienheime, eine moderne Kuranstalt, Gasthöfe, Villen und Einfamilienhäuschen stellen die Ausstattung des Stadtteils dar. Mit knapp 100 Bewohnern führte der Teilort bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein recht abgeschiedenes Dasein auf seiner exponierten Höhe. Doch gerade diese Lage mit weiter Rundsicht ließ um 1900 den ambitionierten Plan aufkommen, hier ein exklusives Touristenzentrum mit Sportstätten, Gesundheits-Resort und Flugplatz zu schaffen (Projekt Weltsportplatz). Aber es wurde nur der Personenaufzug gebaut, und am Ostrauer Ring entstanden Holzvillen im skandinavischen Stil, ebenfalls auf Initiative von Sendig. Am 1. April 1934 wurde Ostrau nach Bad Schandau eingemeindet. 2007 zählte Ostrau 419 Einwohner (1999: 541 Einwohner).

Geschichte In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erwarben deutsche Ansiedler die Elbwiesen zwischen Rathmannsdorf und Postelwitz von der Feudalherrschaft Hohnstein und gründeten hier einen Handelsplatz. Schandau wurde 1445 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt durch seine wichtige Lage als Handelsplatz an der Elbe 1467 durch Ratsverfassung faktisch den Status einer Stadt. Seit zirka 1800 ist Bad Schandau Kurort und Sommerfrische. 1877 bekam der Ort mit der Carolabrücke eine feste Elbquerung. 1920 wurde der Stadt der amtliche Titel „Bad“ verliehen, 1936 und abermals 2010 wurde sie zum Kneippkurort ernannt. Im Januar 2024 erhielten die Gemeindeteile Bad Schandau (Hauptort), Krippen, Ostrau und Schmilka die Auszeichnung als „staatlich anerkanntes Kneippheilbad“.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Absatz 5 des Sächsischen Kurortegesetzes vom 24. Januar 2024 (SächsABl. 2024 S. 171) auf: revosax.sachsen.de

Im Ort wurde 1953 ein Zeltlager der Freien Deutschen Jugend (FDJ) für die Delegierten der 4. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Bukarest errichtet.Facebook-Eintrag

Am 1. Januar 2000 bildeten die Gemeinden Bad Schandau, Porschdorf, Rathmannsdorf und Reinhardtsdorf-Schöna die Verwaltungsgemeinschaft Bad Schandau, um die Verwaltungsgeschäfte gemeinsam erledigen zu können. Verwaltungssitz wurde Bad Schandau. Zum 1. Januar 2012 wurde die Gemeinde Porschdorf mit den Ortsteilen Neuporschdorf, Waltersdorf und Prossen nach Bad Schandau eingemeindet.Bilanz 2011: 12 freiwillige Gemeindezusammenschlüsse in Sachsen, Medienservice Sachsen Beide Orte verband nur ein sehr kurzes Grenzstück.

Bad Schandau war von den Elbhochwasserereignissen der Jahre 1845, 2002, 2006 und 2013 schwer betroffen. Das Hochwasser stand am 16./17. August 2002 9,78 m über Mittelwasser, 4,28 m über dem Markt und 3,46 m hoch in der Kirche. Der Höchstpegel wurde in Schöna mit 12,04 m gemessen (Höchstpegel Bad Schandau 11,88) bei einer Durchflussmenge von 4780 m³/s. Es wurde ein Höchststand 4 cm unter dem Hochwasser von 1845 festgestellt. Am 3. April 2006 erreichte das Hochwasser um ca. 23:00 Uhr einen Höchststand von 6,78 m über Mittelwasser und 1,28 m über dem Markt. Der Höchstpegel in Schöna lag bei 8,88 m, die Durchflussmenge betrug 2720 m³/s. Der Markt wurde bei Pegel Schöna 7,60 m überflutet. Am 6. Juni 2013 erreichte das Hochwasser um ca. 15:00 Uhr einen Höchststand von 8,55 m über Mittelwasser und 3,05 m über dem Markt. Der Höchstpegel Schöna betrug 10,65 m.Hochwasser in Bad Schandau – Leben mit der wiederkehrenden Katastrophe auf faz.net, abgerufen am 8. Juni 2017

Politik

Stadtrat Die Stadtratswahl vom 9. Juni 2024 führte zu den nebenstehenden Ergebnissen. Frühere Wahlen sind tabellarisch aufgelistet.

mini|hochkant=1.2|links|Rathaus von Bad Schandau

+Vergangene StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %AfD531,6121,8––Wählervereinigung Tourismus323,0426,5525,4Bürgerinitiative Naturpark Sächsische Schweiz322,8––––CDU317,5426,3534,2Linke–3,018,1214,9Grüne–2,0––––WV Prossen––17,917,5NPD–––4,816,7WV Waltersdorf–––4,7–3,9WV Porschdorf––––17,4Wahlbeteiligung72,8 %69,9 %60,5 %

Bürgermeister Im Juni 2015 wurde im zweiten Wahlgang Thomas Kunack zum Nachfolger von Andreas Eggert gewählt.statistik.sachsen.de + Vergangene Bürgermeisterwahlen Wahl Bürgermeister Vorschlag Wahlergebnis2022 Thomas Kunack WV Tourismus 92,7 %2015 58,7 %2008 Andreas Eggert Eggert 78,3 %2001 52,6 %1994Klaus HeidrichCDU 67,0 %

Verwaltung Bad Schandau ist erfüllende Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft mit den Gemeinden von Reinhardtsdorf-Schöna und Rathmannsdorf.

Wappen Schandau erhielt 1480 von Prinz Ernst von Sachsen das Recht, ein Wappen und Siegel zu führen. Das Wappen zeigt ein Schiff mit Segel, ein mutmaßlicher Hinweis auf die Bedeutung der Elbschifffahrt.

Städtepartnerschaften Bad Schandau unterhält Städtepartnerschaften mit Überlingen, Gößweinstein, Fichtenau in Deutschland Česká Kamenice in Tschechien

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|St.-Johannis-Kirche in Bad Schandau mini|Hotel Elbresidenz auf dem Markt mini|hochkant|Personenaufzug mini|Toskana-Therme

Museen Stadtgalerie Heimatmuseum Nationalparkzentrum – betrieben durch die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt; in ehem. Kinogebäude, erbaut 1953 (informiert über Flora und Fauna der Nationalparkregion Sächsisch-Böhmische Schweiz und deren Zusammenhang mit der Geologie des Elbsandsteingebirges und der Landnutzung) Friedrich-Gottlob-Keller-Museum Krippen, Friedrich-Gottlob-Keller-Straße 76 (informiert über Erfindung und Erfinder des Holzschliffpapiers)

Bauwerke / Sehenswürdigkeiten Bad Schandaus rechtselbische Stadtsilhouette wird durch die die Elbe säumenden Hotels der Gründerzeit, die zwei Elbbrücken und die St.-Johannis-Kirche geprägt.

Von 2002 bis 2007 wurden umfassende Sanierungsarbeiten an den Gründerzeit-Hotels der Elbfront vorgenommen – das bekannteste im 19. Jahrhundert war das Dampfschiff. Die Gebäude wurden von Grund auf entkernt und die Fassaden restauriert. Einige Appartementkomplexe sind in Bäder-Villen untergebracht. Das Ensemble wurde 2007 unter dem Namen Elbresidenz Bad Schandau wiedereröffnet.

Die massige evangelische St.-Johannis-Kirche mit ihrem achteckigen Westturm besteht in ihrer heutigen Form seit 1679. Die laternenbekrönte Barockhaube erhielt der Turm 1711 nach einem Stadtbrand. Die Innengestaltung der Kirche mit hölzerner Kassettendecke, einstöckigen Emporen und farbigen Fenstern im Altarraum ist das Ergebnis der grundlegenden Umgestaltung 1876/77. Besonders wertvoll ist der zweigeschossige Renaissancealtar aus Sandstein, den der Dresdner Bildhauer Hans Walther ursprünglich für die Dresdner Kreuzkirche schuf und der von 1760 bis 1902 in der Dresdner Annenkirche stand.

Hauptsehenswürdigkeit des Marktplatzes mit Rathaus (1863) und einigen Renaissancebauten (Brauhof Gambrinus, Haus Nr. 1 mit Fachwerkobergeschoss) war seit 1896 der vor der Kirche platzierte Sendig-Brunnen, der im Zweiten Weltkrieg aus bisher ungeklärter Ursache seinen Jugendstil-Aufsatz mit Skulpturen eingebüßt hat. Von 1994 bis 2011 wurde die Rekonstruktion dieses Aufsatzes durchgeführt.

Die Kureinrichtungen und der 3.500 m² große Botanische Garten mit über 1.500 Pflanzenarten (1.900 angelegt) befinden sich am Eingang des Kirnitzschtals. An der Haltestelle der Kirnitzschtalbahn steht der sogenannte Eiszeitstein zum Zwecke der Dokumentation, dass im Pleistozän die geschlossene Inlandeisdecke von Skandinavien bis hier reichte. Westlich vom Stadtpark befindet sich der Schandauer Schlossberg, unter anderem mit dem Burgstall Schomberg.

In der Nähe des Parkhotels und des Personenaufzugs nach Ostrau steht direkt vor dem rechtselbischen Hang die katholische Kirche. Dieses Gebäude wurde als russische Diplomatenunterkunft im klassizistischen Sankt Petersburger Villenstil des 19. Jahrhunderts errichtet und wird seit 1924 von der katholischen Kirche als Sakralgebäude genutzt.

Der historische Personenaufzug nach Ostrau ist eine 50 Meter hohe, freistehende Eisenkonstruktion, die zum höher gelegenen Ortsteil Ostrau führt. Der Hotelier Rudolf Sendig ließ diesen elektrisch betriebenen Aufzug 1904 durch die Firmen Kelle & Hildebrandt (Eisenkonstruktion) und Kühnscherf & Söhne (Aufzug) errichten. Am Ostersonntag 1905 wurde der Aufzug offiziell eingeweiht, die seit 1954 denkmalgeschützten Nietfachwerkkonstruktion wurde 1989–1990 restauriert. Wegen der Aussicht über die Sächsische Schweiz um Bad Schandau, insbesondere die Schrammsteine, aber auch wegen der dezenten Jugendstilornamentik zählt eine Fahrt mit dem technischen Denkmal zu den touristisch beworbenen Attraktionen.