mini|hochkant=1.5|

Sonneberg (ostfränkisch-regional Sumbarch) ist eine Stadt im fränkisch geprägten Süden Thüringens und Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Sie ist ein Mittelzentrum und bildet mit der angrenzenden oberfränkischen Partnerstadt Neustadt bei Coburg eine geografisch und ökonomisch zusammenhängende urbane Einheit, die seit 2013 zur „Europäischen Metropolregion Nürnberg“ gehört.Thüringische Stadt Sonneberg ist neues Mitglied der Metropolregion Nürnberg, 2. Oktober 2013, abgerufen am 23. August 2022.

Bekannt wurde Sonneberg als „Weltspielwarenstadt“ – woran heute das Deutsche Spielzeugmuseum erinnert – und in Fachkreisen durch die 1925 gegründete Sternwarte Sonneberg. An die Stadt grenzt das Thüringer Schiefergebirge mit dem Frankenwald im Osten.

Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt in den Tälern der aus dem Thüringer Schiefergebirge nach Süden in Richtung Oberfranken abfließenden Röthen und Steinach am Nordrand des Obermainischen Hügellands (südlich Fränkische Linie) und erstreckt sich über die davor liegende Linder Ebene bis unmittelbar an die thüringisch-bayerische Landesgrenze.

Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend: Gräfenthal (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt), Tettau (Landkreis Kronach), Föritztal (Landkreis Sonneberg), Neustadt bei Coburg (Landkreis Coburg), Frankenblick, Steinach, Lauscha, Neuhaus am Rennweg (alle Landkreis Sonneberg)

Stadtgliederung Gemäß Hauptsatzung der Stadt Sonneberg ist das Stadtgebiet in die Ortsteile Haselbach, Vorwerk, Hasenthal, Schneidemühle, Friedrichsthal, Eschenthal, Georgshütte, Hönbach, Blechhammer, Hüttengrund, Neufang, Oberlind, Spechtsbrunn, Unterlind untergliedert.

Außerdem gibt es die Ortschaften Bettelhecken, Hüttensteinach, Köppelsdorf, Malmerz, Mürschnitz, Steinbach, Wehd, Wolkenrasen und die Stadtviertel Altstadt Obere Stadt und Innenstadt Untere Stadt.

Das Stadtgebiet besteht aus den Gemarkungen Sonneberg, Bettelhecken, Hönbach, Hüttensteinach, Köppelsdorf, Malmerz, Mürschnitz, Neufang, Oberlind, Steinbach, Unterlind, Spechtsbrunn, Hasenthal, Haselbach, Hohenofen, Eschenthal und Hüttengrund.Hauptsatzung der Stadt Sonneberg vom 13. Januar 2020. (PDF)

Eingemeindungen 1919: Bettelhecken 1922: Hönbach 1923: Neufang 1950, 1. Juli: Köppelsdorf (1923 durch den Zusammenschluss von Hüttensteinach, Köppelsdorf und Steinbach entstanden), Malmerz, Mürschnitz und Oberlind. 1994, 30. Juni: Unterlind 2013, 31. Dezember: Oberland am Rennsteig (am 1. Januar 1997 durch den Zusammenschluss von Engnitzthal und Haselbach entstanden)

Geschichte Ursprung bis zum 14. Jahrhundert mini|Burg Sonneberg um 1555

Diese nicht kritikfreie Darstellung fußt auf der Geschichte der Franken des Abtes Johannes Trithemius aus dem Jahr 1514.Johannes Trithemius: De origine gentis Francorum compendium = An abridged history of the Franks. Herausgegeben und übersetzt von Martin Kuelbs und Robert Sonkowsky. AQ-Verlag, Dudweiler 1987, ISBN 978-3-922441-52-6.

Wenngleich es keine gesicherten Hinweise des fränkischen Heerführers Sunno im Obermainland und der Errichtung einer Burg als Schutzwehr gegen die einfallenden Thüringer gibt, verweist dies auf erste Besiedlungen in diesem Gebiet bereits ab dem 5. Jahrhundert. Als das älteste Kulturdenkmal im Sonneberger Stadtgebiet gilt vielfach die sogenannte Cella Antiqua, eine in Sandstein gehauene Mönchszelle hinter dem Anwesen Gerichtssteig 1, die vermeintlich aus dem 9. Jahrhundert stammt.Thomas Schwämmlein: Cella oder Mönchskeller? Zu einer Sandsteinhöhle in Sonnebergs Altstadt. In: Rundbrief Heimatpflege. 1/2010. Einziger Beweis für diese Deutung ist ein auf den 13. März 1361 datierter Eintrag in einem Lehensregister. Danach erhielt ein niederer Adeliger „kempnatam antiquam et camerum super cellam in castro Sunneberg“ – also die alte Kemenate sowie einen Wohnraum über einer Cella in der Burg Sonneberg – als Lehen. Diese Cella lag also innerhalb der Mauern des Schlosses, nicht in der Altstadt, in der die sogenannte „Cella Antiqua“ liegt. Auch ist mit dem Wort „cella“ im zeitgenössischen Sprachgebrauch nicht notwendig eine einzelne Mönchszelle gemeint. Ebenso könnte der Eintrag auf eine Kapelle oder ein kleines Kloster Bezug nehmen. Thomas Schwämmlein verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass auch auf dem Coburger Burgberg ab dem 13. Jahrhundert eine kleinere monastische Gemeinschaft gesichert ist. Auf der Sonneberger Burg könnte es demnach ein kleines Kloster gegeben haben, das in dem Lehensregister als „cella“ bezeichnet wurde. Die sogenannte „Cella Antiqua“ in der Sonneberger Altstadt ist eher als Lagerraum deutlich jüngeren Datums anzusehen. Wahrscheinlich wurde in dem kühlen Sandsteinkeller Bier gelagert, das zu brauen den Bürgern der Stadt ab dem späten Mittelalter erlaubt war. Ein erhabenes Reliefkreuz, wie es in der Cella Antiqua zu finden ist, war bis 1994 auch in einer anderen Kelleranlage in der Altstadt anzutreffen. Dort war es wohl dazu gedacht, Gottes Segen für das in der Sandsteinhöhle gelagerte Bier zu erflehen.

Der Name Sonneberg wurde 1207 erstmals urkundlich erwähnt. Er geht auf das Adelsgeschlecht der Herren von Sonneberg zurück, das im 12. und 13. Jahrhundert beurkundet ist und unterhalb der Burg Sonneberg eine Siedlung gründete, die ursprünglich aus dem Gutshof und zwei Weilern bestand, dem in der Herrnau vermuteten Dorf „Alt-Rötin“ und dem „Stätlein zu Rötin unter der Burg Sonneberg“. Die Herren von Sonneberg waren Ministerialen im Dienst der Herzöge von Andechs-Meranien, die als bayerisches Adelsgeschlecht eine herrschaftliche Verwaltung in der Region um Sonneberg und Coburg errichteten. Nach dem Ende des Herzogtums Meranien erwarb Heinrich II. von Sonneberg im Umland umfangreicheren Besitz und stifteten 1252 das Kloster Sonnefeld. Dieser Höhepunkt des Geschlechts läutete im weiteren Verlauf des 13. Jahrhunderts auch den Verfall ein, bis 1310 das Geschlecht in männlicher Linie ausstarb.Erich Fhr. von Guttenberg: Die Territorienbildung am Obermain (= Bericht des Historischen Vereins Bamberg. 79) Bamberg 1926, S. 437 f.; Walter Lorenz: Campus solis. Geschichte und Besitz der ehemaligen Zisterzienserinnenabtei Sonnefeld bei Coburg (= Schriften des Instituts für fränkische Landesforschung an der Universität Erlangen. Historische Reihe, Band 6). Kallmünz 1955; Thomas Schwämmlein: Zur ersten urkundlichen Erwähnung des Namens „Sonneberg“. Quelle, Überlieferung, historisches Umfeld. In: Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins. Jahrgang 22, 2007, S. 43–59.

Nach dem Aussterben der Sonneberger fiel die kleine Herrschaft 1317 an die Grafen von Henneberg. 1349 bestätigte und erweiterte die neue Landesherrin, die Regentin Jutta von Henneberg, die städtischen Rechte Sonnebergs mit einer Urkunde. 1353 fiel Sonneberg zusammen mit dem nahe gelegenen Coburg an die Wettiner. Rat und Bürgermeister hatten die Niedergerichte inne. Die an der Straße von Coburg nach Saalfeld gelegene Stadt mit der Johanniskirche war ummauert.

15. Jahrhundert bis 19. Jahrhundert Die katholische Pfarrei gehörte seit alters her zum Bistum Würzburg. 1526 wurde die Reformation in Sonneberg eingeführt. Bald darauf wurde die Lateinschule eröffnet.

Nach der „Leipziger Teilung“ 1485 kam die Pflege Coburg (so wurde das Gebiet, zu dem Sonneberg gehörte, genannt) an die ernestinische Linie dieses Hauses. Nachdem Coburg und somit Sonneberg zwischen 1542 und 1553 unter Herzog Johann Ernst von Sachsen schon einmal ernestinische Sekundogenitur war, kam es 1572 zur Abtrennung dieses Territoriums vom ernestinischen Gesamtstaat, und es entstand ein Fürstentum Sachsen-Coburg, das gemeinschaftlich von den Herzögen Johann Casimir und Johann Ernst regiert wurde. 1596 teilten beide dieses Fürstentum in Sachsen-Coburg und Sachsen-Eisenach. Nach dem Tod Johann Casimirs 1633 kurzzeitig unter Johann Ernst wieder vereint, kam es nach dessen Tod 1638 an Sachsen-Altenburg und 1672 an Sachsen-Gotha. Im Zuge der „Gothaischen Teilung“ 1680 entstand erneut ein Fürstentum Sachsen-Coburg unter Herzog Albrecht, das allerdings beträchtlich kleiner war als dessen Vorgänger.Wolfgang Huschke: Politische Geschichte von 1552 bis 1775. In: Hans Patze, Walter Schlesinger (Hrsg.): Geschichte Thüringens. Band 5: Politische Geschichte in der Neuzeit. Teilband 1 (= Mitteldeutsche Forschungen. Band 48). Böhlau, Köln 1985, ISBN 3-412-04281-1; Thomas Schwämmlein, Landkreis Sonneberg, S. 25.

1699 verstarb Albrecht von Sachsen-Coburg ohne Erben, und es kam zu langwierigen Erbauseinandersetzungen. 1735 wurde dem Herzogtum Sachsen-Meiningen zwar die Stadt Sonneberg zugesprochen, diese verblieb aber weiter als Herzoglich-Sachsen-Coburg-Meiningischer Anteil beim Herzogtum Coburg. Erst 1826 erfolgte die Eingliederung nach Sachsen-Meiningen.

Seit 1500 ist der Abbau von Wetzsteinen und Schiefer für Schindeln und Schiefertafeln bezeugt. Aus der alteingesessenen Holzwarenherstellung entwickelte sich vom 16. Jahrhundert an die Herstellung des als „Nürnberger Tand“ bekannten Sonneberger Spielzeugs. Um 1700 wurde mit der Firma Dressel, ab 1873 Firma Cuno & Otto Dressel, der größte Hersteller und Exporteur von Spielwaren in Sonneberg gegründet. Ab 1805 entwickelte sich Sonneberg durch die Einführung des Papiermachés vor allem in der Puppenherstellung zu einem Spielzeugproduktionszentrum mit Weltgeltung (siehe auch: F. M. Schilling). 1840 zerstörte ein Stadtbrand das alte Stadtzentrum um den Marktplatz in der heutigen Oberen Stadt. 1883 wurde im Haus Mühlgasse 4 die Industrieschule eröffnet, in der die künstlerische Porzellan-, Glas- und Spielzeuggestaltung gelehrt wurde.

20. Jahrhundert mini|Versand von Puppen in der Spielwarenstadt Sonneberg (November 1931)

Spielwaren-Stadt Durch den hohen Anteil der Sonneberger Produktion am Weltmarkt wurde um 1913 der Begriff „Weltspielwarenstadt“ geprägt. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden im Raum Sonneberg rund 20 % der auf dem Weltmarkt gehandelten Spielwaren vorwiegend in HeimarbeitOskar Stillich: Die Spielwaren-Hausindustrie des Meininger Oberlandes. Verlag Fischer, Jena 1899. hergestellt. Neben dem Begriff Weltspielzeugstadt avancierte Sonneberg zur „Werkstatt des Weihnachtsmannes“.