mini|hochkant=1.2|Mittelteil des dreiteiligen Flügelaltars der Kölner Stadtpatrone, Köln alternativtext=Maria mit Kind im Garten mit Johannes dem Evangelist und Paulus|mini|Muttergottes im Paradiesgarten, Köln Stefan Lochner, seltener auch Stephan Lochner (* um 1400 bis 1410 in Meersburg oder Hagnau am BodenseeSteven Roger Fischer: Neue Erkenntnisse zur Heimat der Familie Lochner; Wallraf-Richartz-Jahrbuch; Vol. 58, 1997, S. 191–194; Published By: Freunde des Wallraf-Richartz-Museum und des Museum Ludwig e.V.; † 1451 in Köln), Meister Stefan, ist der bedeutendste Maler der Kölner Malerschule. Er war ein Hauptvertreter des Weichen Stils und einer der ersten Rezipienten der neuen niederländischen Malerei um Robert Campin und Jan van Eyck.

Identität, Lebensdaten und Werkbedeutung alternativtext=Aus: Köln und das Reich im Stadtarchiv Best. 51 A 415|mini|Teil der Urkunde zum Kaiserbesuch im Juni 1442 (Kölner Stadtarchiv) mini|hochkant|Darbietung im Tempel, Lissabon Kein Werk Stefan Lochners ist signiert. Der Maler der Madonna im Rosenhag und des Altars der Stadtpatrone war bis zum 19. Jahrhundert, als das Interesse an der Kölner Malerei des Mittelalters erwachte, ein namenloser Unbekannter. 1822 verwies Johanna Schopenhauer, die Mutter des Philosophen, in ihren Schriften auf die Tagebuchnotiz Albrecht Dürers, die dieser in den Aufzeichnungen anlässlich seiner Reise in die Niederlande und dem Aufenthalt in Köln niedergeschrieben hatte.S. Hauschild, S. 28. Dürer berichtet, er habe in Köln zwei Weißpfennige bezahlt, um sich eine Altartafel aufsperren zu lassen, die von der Hand eines „Meister Stefan“ stamme. Nach der Auffindung dieser Notiz suchte die Forschung in den mittelalterlichen Kölner Quellen einen Maler namens Stefan und fand Stefan Lochner, den man demnach mit Dürers „Meister Stefan“ gleichsetzte. Da man davon ausging, dass nur der Altar der Stadtpatrone, der sich zu Dürers Zeiten in der gegenüber dem Rathaus gelegenen Ratskapelle befand, Dürer derart interessiert haben konnte, identifizierte man erstens das von Dürer nicht näher benannte Bild mit dem Altar der Stadtpatrone und zweitens den genannten „Meister Stefan“ mit dem in den Quellen als prominenter Maler belegten Stefan Lochner. Diese Identifizierung ist weithin akzeptiert, jedoch neuerdings wieder in Frage gestellt worden.Michael Wolfson: Vor „Stefan Lochner“? Über den Maler des Kölner Dombildes und den Meister des Heisterbacher Altares. In: Zehnder (Hrsg.): Stefan Lochner, Meister zu Köln. 1993, S. 97–108. Die übrigen als Lochner-Arbeiten geltenden Werke werden ihm aufgrund stilistischer Verwandtschaft mit dem Altar der Stadtpatrone zugeschrieben.

mini|hochkant|alternativtext=Maria mit Kind in der Alten Pinakothek|Maria mit Kind vor der Rasenbank, München In den Quellen ist Stefan Lochner nachweisbar 1442–1451 in Köln tätig, lebte aber vermutlich schon früher dort. Seine Familie stammte vom Bodensee, wie ein Schriftstück belegt, mit dem der Kölner Rat das Erbe von Lochners Eltern im August 1451 in Meersburg am Bodensee einforderte. Daher gilt Meersburg als sein Geburtsort, wenn auch über den Aufenthalt der Eltern, Alhete und Georg, zur Geburtszeit Stefans nichts belegt ist. Sogar ein auf keinerlei Belegen fußendes „Lochner-Geburtshaus“ wurde im 20. Jahrhundert zeitweise in Meersburg ausgeschildert. Der Vater Georg war Schmied. Wie Lochner zur Malerei kam, ist nicht bekannt.S. Hauschild, S. 34 ff.

mini|hochkant|Stigmatisierung des Heiligen Franziskus, Lissabon, (Rückseite) Lochner wurde zweimal, 1447 und 1450, jeweils an Weihnachten zum Ratsherrn der Kölner Schildergaffel gewählt. Zuvor erwarb er im Jahr 1447 das Bürgerrecht der Stadt. Zwei Hauskäufe (Haus Roggendorf in der Großen Budengasse (1442) im Kirchspiel St. Laurenz und ein Doppelhaus am Quatermarkt (1444) im Kirchspiel St. Alban) zeugen von Wohlstand und geben Hinweise auf Wohn- und Arbeitsstätte des Meisters. Für den Rat der Stadt Köln führte er mehrere Aufträge aus, so zum Beispiel Festschmuck (Schilde und Stäbe) zum Kaiserbesuch 1442. Er starb, wie auch seine Frau, nachweislich 1451, vermutlich an der damals grassierenden Pest. Seine Gebeine ruhen auf dem ehemaligen Pestfriedhof oder auf dem Kirchfriedhof am Quatermarkt, bei St. Alban.

Lochner ist bekannt für die in fließende Gewänder gehüllten, puppenhaften Figuren mit lieblichen Gesichtern und bunten Farben. Für seine Werke ist charakteristisch, dass er den Weichen Stil der Zeit um 1400–1420 konserviert und ihn mit dem neuartigen Naturalismus der niederländischen Malerei (Jan van Eyck) verbindet. Seine Malerei fußt in der Tradition der Kölner Meister wie des Veronika-Meisters. Ob es sich beim Meister des Heisterbacher Altars um einen anderen, von Lochner beeinflussten Künstler handelt, ob dieser Meister ein Vorläufer Lochners war oder ob womöglich der Heisterbacher Altar ein Frühwerk Lochners ist,So: Michael Wolfson: Vor „Stefan Lochner“? Über den Maler des Kölner Dombildes und den Meister des Heisterbacher Altares. In: Zehnder (Hrsg.): Stefan Lochner, Meister zu Köln. 1993, S. 97–108. bleibt umstritten. Die Anregungen der neueren Kunst erhielt Lochner möglicherweise auf einer Reise in die Niederlande, doch auch eine Beeinflussung durch nach Köln gekommene niederländische Werke oder Maler ist denkbar.

Im Auftrag des Rates der Stadt Köln schuf er eben den Altar der Stadtpatrone, bei dem die Gesichter der Heiligen Drei Könige „lebensecht“ abgebildet worden seien.Roberti de Monte Chronica in 1164, MGH 6, p. 513, 48; 2. Annales Isingrimmi maiores in 1168, MGH, Scriptores, 17 p. 314, 37; 3. William of Newburgh book 2, chapter 8; 4. Gilles of Orval: Gesta episcoporum Leodiensium, in 1250, MGH 25, p. 108, 57; 5. Ottonis Frisingensis chronica, MGH, Scriptores, 20, p. 310, 51; 6. Aegidius Gelenius: De admiranda sacra et civili magnitudine Coloniae Claudiae Agripinensis Augustae Ubiorum urbis. Köln 1645, S. 233: & ferme integris corporibus, nervis, & cute arida ac impurribili conspicui sunt, ope, ut putatur, Balsami aliorumque Arabiae liquorum, quibus corpora curari olim mos fuit. Das epochale Werk wird oft „Dombild“ genannt, obwohl es sich ursprünglich nicht im Kölner Dom, sondern in der Ratskapelle befand. Im Dom befindet es sich erst seit 1810.

Lochner hat die Heiligen in geradezu verschwenderischer Weise mit kostbaren, reich mit Edelsteinen und Perlen besetzten Werken der Goldschmiede geschmückt. Köln war im 15. Jahrhundert die deutsche Hochburg der Goldschmiede. Maria, Ursula, Katharina und Andere tragen Kronen, Jungfrauen Diademe. Hüte, Barette und Turbane sind mit Agraffen ausgezeichnet. Vor der Brust von Maria und Ursula findet man prächtige Kleinodien. Gewänder, Borten und Mitren sind vielfach mit leuchtenden Edelsteinen und Perlen besetzt. Die naturalistischen Darstellungen lassen vermuten, dass es für die Kostbarkeiten reale Vorbilder gegeben hat.

Stets malte Lochner auf hohem Niveau und mit kostbaren Hilfsmitteln (Gold und teure Pigmente). Seine Werke waren meist Auftragsarbeiten für betuchte und gebildete Kölner mit religiösen Bedürfnissen. Aufgestellt waren sie überwiegend in Kirchen und Klöstern.S. Hauschild, S. 171

„Madonna im Rosenhag“

mini|hochkant|Stefan Lochner, Madonna im Rosenhag, etwa 1448, Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

Neben den Altarwerken ist Lochners Madonna im Rosenhag (auch: Muttergottes in der Rosenlaube) eines seiner bekanntesten Werke. Der Betrachter hat die Chance, hier einen Blick in den Himmel, ins himmlische Paradies zu werfen. Es entstand um 1445, eventuell noch 1451, und befindet sich heute im Wallraf-Richartz-Museum in Köln. Vermutlich ist in diesem Werk das letzte erhaltene Werk Lochners, also aus der reifen Zeit seiner Kunst, zu sehen. Es ist etwa 50 Zentimeter hoch und 40 Zentimeter breit und wurde in Mischtechnik auf Eichenholz gemalt.

Zentrale Figur ist die vor einer Rasenbank sitzende, in einen leuchtend blau schattierten Mantel gehüllte Maria. Sie ist dreieckig angelehnt, wobei ihr Kopf leicht aus der Achse hinausrückt, was dem Bild eine Dynamik verleiht. Das Dreiecksmotiv des Brokatvorhangs schließt das Kompositionssystem nach oben konsequent ab. Der Mantel Mariens ist in kostbarem Lapislazuliblau gemalt. Hier zeigen sich unzählige Abstufungen des Blautons. Die Malschichten sind mit feinstem Pinsel aufgetragen und geben dem Bild ihre Leuchtkraft und eine fast überirdische Aura. Maria ist hier als Himmelskönigin dargestellt und mit der Bügelkrone ausgezeichnet. Auf ihrem Schoß befindet sich das Jesuskind, das in der Hand einen Apfel hält – Sinnbild der Überwindung der Erbsünde durch den Kreuzestod Christi. Geflügelte Engel (oder auch Putten) umrahmen die Figur der Madonna mit dem Kind. Vier im Vordergrund sitzende Engel musizieren. Die Flügel des zweiten Engels auf der linken Seite, der eine Laute in den Händen hält, erinnern an die Federn eines Pfaus. Der Pfau ist unter anderem Symbol der Auferstehung und somit ein Christussymbol. Außerdem wurden seine tausend Augen als Zeichen der Allwissenheit Gottes gedeutet.

Drei Engel auf der linken Seite symbolisieren das Himmlische, die Trinität, getrennt von der rechten Seite, wo vier Engel hocken – Vier ist die Zahl der vier Elemente Wasser, Erde, Luft und Feuer; diese Engel stehen für das Erdliche. Zusammen ergeben die Maria umgebenden Engel die Zahl Sieben – jene Zahl, die Erde und Himmel verbindet.

Auffällig ist, dass der Kopf Marias leicht nach rechts geneigt ist – ein Symbol jungfräulicher Empfängnis. Der Samen Gottes (dargestellt durch eine weiße Taube, sie symbolisiert den Heiligen Geist, welcher von Gott gesandt den Samen überbringt) wird nach zeitgenössischem Denken über das Ohr empfangen. Die Rechtsneigung des Kopfes der Maria ist ein sehr oft anzutreffendes und markantes Element von Marienbildnissen und symbolisiert die unbefleckte Empfängnis. Als Schlüsselszene bzw. optisches Zentrum ist der Apfel des Jesuskindes zu nennen, er wird ihm von einem Engel gereicht, diese Verbindung zum Erdlichen (die vier Engel) symbolisiert die Prädestination Jesu – er wird einen irdischen Weg gehen, er ist sterblich.

Von symbolischer Bedeutung ist auch die Einhornbrosche Marias (Symbolbeschreibung im Hauptartikel) und die Himmelskrone, die das Zeichen ihrer königlichen Würde ist. Die goldene Brosche ist zugleich Bildmittelpunkt.

Vor allem die Blumen sind marianische Symbole: Die Madonna sitzt auf einem Teppich aus Erdbeeren, die sich auf den Rasenbänken fortsetzen. Wegen ihrer roten Farbe gemahnt diese Pflanze an die Passion Christi. Die dreiteiligen Blätter verweisen auf die Trinität. Erdbeeren sind wegen ihrer Eigenschaft, gleichzeitig zu blühen und zu fruchten, jedoch auch ein Symbol der Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen.

Hinter der Figur Marias befinden sich rechts außerdem Madonnen-Lilien, die als Symbol der Reinheit, Keuschheit und der unbefleckten Empfängnis zu den bekanntesten Attributen der Jungfrau Maria gehören. Von besonderer Bedeutung sind hier aber die Rosen. Einer alten Legende zufolge hatte die Rose vor dem Sündenfall der Menschen keine Dornen und da Maria von der Erbsünde bewahrt blieb, wurde sie „Rose ohne Dornen“ genannt. Infolge dieser Tradition verbreitete sich der Bildtypus der „Rosenmadonna“ oder „Madonna im Rosenhag“. Für letzteren Typus, in dem Maria umgeben von Engeln und Heiligen in einer Rosenlaube oder vor einem Rosenstrauch sitzt, ist Lochners Bild ein typisches Beispiel.

Die „Madonna im Rosenhag“ entspricht ebenfalls dem Typus der Madonna im Paradiesgarten, wo sie als Himmelskönigin mit ihrem Kind thront. Unterstützt wird dieser Bildtypus, wie bereits beschrieben, durch den symbolischen Apfel, die musizierenden Engel und den Goldgrund, der den Eindruck vom himmlischen Paradies unterstützt.

Weltgerichtsaltar alternativtext=Weltgericht|mini|Lochners Weltgerichtsaltar, Walraff-Richartz-Museum, Köln