Der Braunpelikan (Pelecanus occidentalis), auch Brauner Pelikan oder – seltener – Meerespelikan genannt, ist ein großer Wasservogel, der an den Küsten Nord-, Mittel- und Südamerikas beheimatet ist und zur Familie der Pelikane (Pelecanidae) gehört.

Braunpelikane sind ausgezeichnete Schwimmer, ihr Gang auf Land erscheint jedoch unbeholfen. Ihre langen Flügel machen Braunpelikane zu äußerst ausdauernden und grazilen Fliegern, wobei Gruppen von Braunpelikanen häufig dabei zu beobachten sind, wie sie in Formationen knapp über der Wasseroberfläche fliegen.

Von insgesamt acht Pelikanarten ist der Braunpelikan gemeinsam mit dem – ihm nahe verwandten – Chilepelikan (P. thagus) die einzige, die im Sturzflug ins Wasser taucht, um Fische zu erbeuten. Darüber hinaus sind beide Arten auch die einzigen unter den Pelikanen, die ausschließlich in marinen Gewässern beheimatet sind und eine vorwiegend dunkle Gefiederfarbe aufweisen.

In den 1970er Jahren wurde der Braunpelikan in den Vereinigten Staaten unter Schutz gestellt, nachdem die Anreicherung von Pestiziden – insbesondere DDT – in der Nahrungskette den Stoffwechsel der Tiere störte und zu dünnschaligen Eiern mit hoher Zerstörungsrate führte. Durch die Schutzmaßnahmen und das Verbot von DDT im Jahr 1972 haben sich die Bestände so weit erholt, dass die Art von der IUCN inzwischen als nicht gefährdet eingestuft wird.

Der Braunpelikan ist der offizielle Staatsvogel des US-Bundesstaates Louisiana und wird im Siegel von Louisiana beim Füttern von drei Küken dargestellt.

Merkmale Körperbau und Farbgebung mini|Juveniler Braunpelikan bei Bodega Bay, Kalifornien Braunpelikane erreichen ausgewachsen eine Körperlänge von 1,00 bis 1,37 Metern bei einer Flügelspannweite von rund 2 Metern.Hierzu und zum folgenden vgl. Mark Shields, Brown Pelican (Pelecanus occidentalis), Abschnitt „Distinguishing Characteristics“, in: The Birds of North America Online, hrsg. von A. Poole, Ithaca 2012. Die Länge ihres Schnabels beträgt 25 bis 38 Zentimeter, wobei der Schnabel von männlichen Tieren rund 10 % länger ist als derjenige von weiblichen. Mit einem Körpergewicht von 2 bis 4 Kilogramm sind Braunpelikane leichter und schlanker als andere Pelikanarten. Männliche Braunpelikane sind rund 15–20 % schwerer als weibliche Individuen.

Jungtiere sind an ihrem überwiegend braunen Gefieder mit einem weißen Bauch erkennbar. Ihre endgültige Farbgebung erreichen Braunpelikane im Alter von etwa 3 bis 5 Jahren. Dabei ändert sich die Farbgebung des Gefieders sowie anderer Körperteile adulter Tiere im Verlauf des Jahres grundlegend. Einige Merkmale zur jeweiligen Jahreszeit sind:Hier vereinfacht wiedergegeben. Für eine ausführliche Beschreibung vgl. Ralph W. Schreiber et al., , Natural History Museum of Los Angeles County, Contributions in Science 402 (1989), S. 4. Körperteil Winter Frühjahr Spätsommer Schnabel (proximal) blassrosa, orange bläulich-grau, blassrosa grau Kehlsack (distal) dunkel graugrün blau-schwarz-grau dunkelgrün Stirn und Scheitel blassgelb dunkel gelborange weiß mit dunklen Flecken Haube weiß dunkelbraun rötlich-braun Rücken und Flügeldecken silbergrau silbergrau matt braun Obere Brust graubraun dunkelbraun gefleckt, matt braun Orbitalring graurosa rosa grau Iris hell himmelblau hell himmelblau braun Beine und Füße dunkelgrau schwarz schwarz

Flugbild und Fortbewegung mini|Adulter Braunpelikan im Flug bei Bodega Head, Kalifornien mini|Juveniler Braunpelikan im Flug bei Bodega Head An Land und in flachem Wasser bewegen sich Braunpelikane in einem wankenden und unbeholfen erscheinenden Gang vorwärts, bei dem sie ihr Gewicht abwechselnd von einem auf das andere Bein verlagern.Hierzu und zum folgenden – sofern nicht anders angegeben – Ralph W. Schreiber, Maintenance Behavior and Communication in the Brown Pelican, Ornithological Monographs 22 (1977), S. 25–28. Im langsamen Gang legen sie ihre Flügel an den Körper an, während sie ihre Flügel bei schnelleren Bewegungen vom Körper abspreizen, um das Gleichgewicht zu halten.

Beim Abheben vom Wasser heben die Tiere ihren Oberkörper an, damit ihre Flügel nicht die Wasseroberfläche berühren. Dabei verleihen sie sich durch das gleichzeitige Stoßen der Beine zusätzlichen Vorschub. Während des Abhebens strecken sie ihren Kopf nach vorne, wohingegen der Kopf während des Fluges nach hinten an die Schultern angelegt wird. Üblicherweise starten die Tiere ihre Flugbewegung gegen den Wind.

Im Flug nehmen Gruppen von Braunpelikanen eine V-Formation ein oder fliegen in einer Reihe. Dabei wechseln sich Flügelschläge mit Gleiten ab. Beim Flug über dem Meer gleiten die Vögel häufig dicht über der Wasseroberfläche, um auf diese Weise Energie durch den Auftrieb des Bodeneffekts zu sparen.F. Reed Hainsworth, Induced drag savings from ground effect and formation flight in Brown Pelicans, in: The Journal of Experimental Biology 135 (1988), S. 431–444.

Bei der Landung spreizen Braunpelikane ihre Schwanzfedern und strecken beide Beine nach vorne. Ihre Füße mit den gespreizten Zehen dienen bei der Landung auf dem Wasser als Kufen. Landungen auf Land werden in einem steileren Winkel als auf dem Wasser durchgeführt.

Beim Schwimmen auf dem Wasser bewegen Braunpelikane abwechselnd ihre Beine. Auf diese Weise gelingt es ihnen selbst bei Tidenströmungen von 6 bis zu 10 km pro Stunde, ihre Position zu halten.Schreiber, Maintenance Behavior and Communication in the Brown Pelican, S. 27.

Lautäußerungen Die einzige stimmliche Lautäußerung adulter Tiere besteht in einem heiseren „Hrraa-hrraa“, das von beiden Geschlechtern auf dem Nest als Reaktion auf Bewegungen anderer Individuen ertönt und vor allem im Verlauf der frühen Balz auftritt.Shields, Brown Pelican (Pelecanus occidentalis), Abschnitt „Behavior“. Nestlinge rufen mit einem schrillen, krächzenden Laut, wenn sie um Futter betteln.Shields, Brown Pelican (Pelecanus occidentalis), Abschnitt „Sounds“.

Instrumentallaute treten im Zusammenhang mit agonistischem Verhalten auf. Mit ihren Kiefern erzeugen Braunpelikane bei Angriffen einen knallenden Laut, der durch ihren dehnbaren Hautsack im Unterschnabel verstärkt wird.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitung des Braunpelikans: Braunpelikane leben an den Küsten beider amerikanischen Kontinente.Hierzu und zum folgenden BirdLife International 2012, [ Pelecanus occidentalis], The IUCN Red List of Threatened Species. Version 2014.3. Zuletzt abgerufen am 24. Januar 2015. Am Pazifischen Ozean reicht das Brutgebiet von Nordkalifornien bis nach Chile, am Atlantischen Ozean von South Carolina bis Venezuela und schließt die Westindischen Inseln ein. Außerhalb der Brutzeit werden Braunpelikane von Kanada bis Feuerland gesehen.

Bezüglich der Migration der Braunpelikane werden unterschiedliche Verhaltensweisen angenommen. Während die Populationen vom nördlichen Golf von Mexiko vermutlich aufgrund der in der Region vorherrschenden milden Wintertemperaturen standorttreu sind,Scott T. Walter / Michael R. Carloss / Thomas J. Hess / Giri Athrey / Paul L. Leberg, Movement Patterns and Population Structure of the Brown Pelican, in: The Condor 115, 4 (2013), S. 788–799, hier S. 789. wandern die weiter nördlich angesiedelten Populationen – wie etwa diejenige aus South Carolina – gegen Ende des Jahres nach Süden, um dann im Spätwinter und Frühling wieder zu ihren Brutkolonien zurückzukehren.Ralph W. Schreiber / Patrick J. Mock, Eastern Brown Pelicans: What Does 60 Years of Banding Tell Us?, in: Journal of Field Ornithology 59, 2 (1988), S. 171–182, hier S. 177. Eine ähnliche Abhängigkeit der Migrationsmuster von den jeweiligen Wetterbedingungen zeigen die Populationen in Florida. Beim Eintreffen von Kaltfronten verlassen die Braunpelikane die Westküste Floridas und siedeln in weiter südlich gelegene Regionen außerhalb der Vereinigten Staaten um.Ralph W. Schreiber / Elizabeth Anne Schreiber, Use of Age-Classes in Monitoring Population Stability of Brown Pelicans, in: The Journal of Wildlife Management 47, 1 (1983), S. 105–111, hier S. 109.

Der Braunpelikan und sein naher Verwandter, der Chilepelikan (P. thagus), sind die einzigen Pelikanarten, die ausschließlich an Meeresküsten beheimatet sind. Sie werden nur äußerst selten im Binnenland angetroffen. Dabei bevorzugen Braunpelikane flache Meeresabschnitte oder Buchten und vermeiden die offene See. Für die Brut bevorzugt der Braunpelikan flache und kaum bewachsene Inseln oder trockene Küstenabschnitte. Während der Brutsaison entfernen sich die Tiere nur selten mehr als 20 km vom Land, um das Nahrungsangebot in den flacheren Küstengewässern auszunutzen.Kenneth T. Briggs et al., Brown Pelicans in Central and Northern California, in: Journal of Field Ornithology 54, 4 (1983), S. 353–373, hier S. 363f. Darüber hinaus sind Braunpelikane häufig in der Nähe von Häfen anzutreffen, wo sie sich von Fischereiabfällen ernähren.

Lebensweise Nahrungserwerb und Nahrung mini|hochkant|Braunpelikan beim Stoßtauchen

Unter den Pelikanen gehört der Braunpelikan gemeinsam mit dem Chilepelikan zu den einzigen Arten, die ihre Nahrung hauptsächlich tauchend erbeuten. Bei seiner Nahrungssuche erspäht er seine Beute aus der Luft und taucht dann von einer Höhe bis zu 20 Metern mit angelegten Flügeln ins Wasser.Shields, Brown Pelican (Pelecanus occidentalis), Abschnitt „Food habits“. In der Abwärtsbewegung führt der Braunpelikan eine leichte Linksdrehung durch, vermutlich um die auf der rechten Halsseite gelegene Luft- und Speiseröhre beim Aufprall zu schützen. Sobald der Schnabel die Wasseroberfläche trifft, legt der Vogel seine Beine und Flügel nach hinten an, damit die Bewegung zur Beute hin nicht abgebremst wird.Ralph W. Schreiber et al., Prey Capture by the Brown Pelican, in: The Auk 92, 4 (1975), S. 649–654, hier S. 651. Gleichzeitig vermindern Luftpolster im Bauchbereich die Wucht des Aufpralls und verhindern das vollständige Eintauchen des Braunpelikans ins Wasser.Frank Richardson, Functional Aspects of the Pneumatic System of the California Brown Pelican, in: The Condor 41, 1 (1939), S. 13–17, hier S. 16. Damit stehen den Tieren lediglich diejenigen Beutetiere zur Verfügung, die sie mit ihrem unter der Wasseroberfläche befindlichen Kopf und Schnabel erreichen können. Beim Eintauchen des Schnabels ins Wasser wird das Beutetier zwischen den oberen und unteren Kiefer gebracht und der Schnabel dann geschlossen. Das hierbei ebenfalls aufgenommene Wasser wird beim Auftauchen durch eine Drehung des Kopfes aus dem Schnabel befördert, sodass lediglich das Beutetier im Kehlsack verbleibt.Schreiber et al., Prey Capture by the Brown Pelican, S. 653f.

Eine 1987 durchgeführte Studie zur Erfolgswahrscheinlichkeit der von den Braunpelikanen angewandten Technik zum Nahrungserwerb ergab, dass die Häufigkeit eines erfolgreichen Beutesturzfluges linear proportional zum Alter der Tiere zunahm.Hierzu und zum folgenden Robert A. Carl, Age-Class Variation in Foraging Techniques by Brown Pelicans, in: The Condor 89, 3 (1987), S. 525–533, hier S. 529–532. Die Untersuchung legt nahe, dass erfahrenere Tiere den Sturzflug gewöhnlich in größerer Höhe beginnen und in einem geringeren Winkel auf das Wasser auftreffen. Darüber hinaus scheinen Braunpelikane die Spiegelung der Sonne auf der Wasseroberfläche dadurch zu vermeiden, dass sie sich während des Sturzfluges von der Sonne abwenden.