Naval Group, S.A. (bis Juni 2017 Direction des constructions navales (DCNS)) ist ein französischer staatlicher Schiffsbaukonzern tätig in der Konzeption und dem Bau von Marineüberwasserschiffen und U-Booten aller Klassen, sowie im Bereich der erneuerbaren marinen Energien.
Übersicht Der Konzern beschäftigt mehr als 13.612 Mitarbeiter in 16 Ländern. Das privatrechtlich organisierte Unternehmen steht zu 62,25 % im Besitz des französischen Staates, zu 35 % im Besitz der Thales-Gruppe, während 1,8 % der Anteile von den aktiven und ehemaligen Mitarbeitern gehalten werden (0,95 % befinden sich im Eigenbesitz der Firma). DCNS ist das Nachfolgerunternehmen der staatlichen französischen Marine-Werften und der Direction des Constructions et Armes Navales (DCAN), die im Jahr 1991 zur DCN (Direction des Constructions Navales) wurde. 2003 wurde das Unternehmen in eine privatrechtlich organisierte Aktiengesellschaft umgewandelt und 2007 stieg Thales ein. Damit einher ging auch die Namensänderung von DCN zu DCNS. ehemalige DCNS Webseite Aktionäre sind der französische Staat mit 62,25 %, der Rüstungskonzern Thales, sowie Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter mit 1,82 %. 0,93 % sind eigen gehalten (Stand Dezember 2020).
Geschichte mini|Früheres Logo von Naval Group (DCNS) Entstehung der Marine-Werften Im Jahr 1624 arbeitet Kardinal Richelieu, der damalige Premierminister von Ludwig XIII. eine Marinestrategie aus, die darauf abzielt, die Marine-Werften auszubauen, damit die französischen Seestreitkräfte mit denen Großbritanniens rivalisieren können. Diese Politik wird ab 1631 mit der Gründung der Flotte du Ponant auf der Atlantikseite und der Flotte du Levant auf Mittelmeerseite, der Gründung der Marinewerft von Brest und der Erweiterung der unter Heinrich IV.– History of the navy – 3 mars 2014 gegründeten Marinewerft von Toulon zur Umsetzung gebracht. Jean-Baptiste Colbert, der Marineminister von Ludwig XIV. setzt diese Strategie fort und entwickelt mehrere strategisch wichtige Werften: Erweiterung der Werft von Toulon, Aushebung der Becken der Werft von Brest, Gründung der Marinewerft von Rochefort. Sein Sohn Jean-Baptiste Colbert, marquis de Seignelay, der im Jahr 1683 sein Amt übernimmt, führt diese Politik weiter fort. Seite nicht mehr abrufbar, Archivlinks nicht mehr abrufbar Im 18. Jahrhundert wird das Netzwerk der königlichen Marine-Werften noch weiter ausgebaut. So verwandelt der Marquis de Montalembert im Jahr 1750 eine alte Papierfabrik in Ruelle-sur-Touvre in eine Kanonenschmiede. 1777 gründet Antoine de Sartine, der Marineminister Ludwigs XVI. eine Kanonenschmiede in der Nähe der Schiffswerft von Indret. Im gleichen Jahr beginnen die Ausbauarbeiten des Hafens von Cherbourg, die im Jahr 1816 abgeschlossen werden. 1778 tritt die Marinewerft von Lorient an die Stelle der Compagnie des Indes im Hafen von Lorient.– French Shipbuilding Industry Die Marinewerft von Rochefort wird im Jahr 1926 geschlossen. 1937 wird die Niederlassung von Saint-Tropez in den Betriebsanlagen des auf die Torpedoherstellung spezialisierten Unternehmens Schneider gegründet. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten noch heute bestehenden französischen Niederlassungen der DCNS gegründet.
Industrialisierung und technische Innovation Im 19. Jahrhundert verwandeln sich die Werften, um die Entwicklung der Marine hin zur Motorisierung zu begleiten. Die unterschiedlichen Standorte werden industrialisiert und spezialisieren sich nach und nach. So erhält die Marinewerft von Brest im Jahr 1865 eine ausschließlich militärische Ausrichtung, was mit der Schließung des Hafens am Fluss Penfeld für Handelsschiffe einhergeht. Im Jahr 1898 wird die Marinewerft von Cherbourg, nachdem sie sich zunächst von den Segelbooten ab- und Propellerschiffen zugewandt hatte, ausschließlich mit dem Bau von U-Booten beauftragt.
Im Jahr 1927 schließlich werden die Bestimmungen der verschiedenen Werften per Dekret festgelegtDecree of 22 avril 1927 on the Navy's organization, Journal Officiel de la République Française, 1927: Brest und Lorient werden mit dem Bau von großen Schiffen beauftragt, Cherbourg mit dem Bau der U-Boote, Toulon, Bizerte und Saigon sind für die Wartung der Flotte zuständig Diese Rationalisierung der Aufgabe der Werften geht mit technischen und militärischen Neuerungen, sowie, vor dem Hintergrund des weltweiten Rüstungswettlaufs und der Kolonisierung, mit einer beschleunigten Schiffsproduktion einher.
So verlässt im Jahr 1858 La Gloire, das erste ozeantaugliche Panzerschiff, die Werft von Toulon. In den Jahren um 1860 entstehen die ersten Torpedoschiffe und Kriegs-U-Boote: Im Jahr 1863 wird mit der Plongeur das erste motorisierte U-Boot zu Wasser gelassen. Aufgrund seiner technischen Probleme gilt es jedoch mehr als ein Prototyp als ein betriebstüchtiges Kriegsschiff; dennoch öffnet es den Weg für den Bau der Gymnote im Jahr 1886 und der Narval im Jahr 1899, der ersten betriebsbereiten Torpedo-U-Boote der Geschichte. Die Produktion schwergewichtiger Überwasserschiffe gewinnt in den Jahren um 1910 ebenfalls an Bedeutung. Zahlreiche Panzerschiffe werden vor Beginn des Ersten Weltkriegs gebaut und im Jahr 1939 ergänzt das 35.000 Tonnen-Schiff Richelieu die französische Kriegsflotte.
Zusammenführung der Geschäftsbereiche Im Jahr 1946 wird das Dekret aus dem Jahr 1927 bezüglich der Aufgabenverteilung der verschiedenen Werften durch eine Bestandsaufnahme der französischen Marinewerften ergänzt. Daraufhin wird Brest mit der Herstellung und Reparatur von Großschiffen, Lorient mit dem Bau von Schiffen mittlerer Größe, Cherbourg mit dem Bau von U-Booten und Toulon mit der Reparatur und Wartung der Flotte beauftragt. Was die nicht an den Küsten gelegenen Standorte betrifft, wird die folgende Regelung getroffen: Indret wird mit den Antriebssystemen der Schiffe beauftragt, Ruelle mit dem Bau von Kanonen, Großteilen und Elektroniksystemen, Saint-Tropez mit der Torpedoherstellung und Guérigny mit der Herstellung von Ketten und Ankern. Fünf Standorte befinden sich in Übersee: Mers el-Kébir, Bizerte, Dakar, Diego-Suarez, Papeete.
Bis zum Jahr 1961 gewährleistet die Staatsmarine über die „Directions des constructions et armes navales“ (DCAN) der unterschiedlichen Marinewerften selbst die Wartung und Reparatur ihrer Flotte. Bei den Ingenieuren der DCAN handelte es sich um Offiziere der Pioniertruppen der Marine. Zu diesem Zeitpunkt werden die Werften von der Marine abgespalten, was wiederum eine Diversifizierung ihrer Tätigkeitsbereiche im Laufe der 1970er Jahre zulässt.
Jetzt ist nur noch eine einzige DCAN für alle Marinewerften des französischen Mutterlandes und Übersees zuständig und untersteht selbst der DTCN (Direction technique des constructions navales). Die DTCN wiederum untersteht der von Michel Debré gegründeten ministeriellen Rüstungsdelegation. Im Jahr 1977 wird die DMA zur Generaldirektion für Rüstung (Direction générale de l’armement, DGA). Ziel dieser Reform ist es, sämtliche Planungs- und Baukapazitäten des Heers in einer heeresübergreifenden Delegation im Auftrag der Regierung zusammenzufassenYves FREVILLE, « La réorganisation du MCO et la création du service de soutien de la flotte », Information report by the French Senate n°426, 2005.
Im Jahr 1958 wird mit der offiziellen Einführung des französischen Kernwaffenprogramms durch General de Gaulle und der Politik der militärischen Abschreckung eine Umstrukturierung der industriellen und technologischen Verteidigungsgrundlage ins Leben gerufen.
Im Zuge des Projekts Cœlacanthe werden die DTCN und die CEA zusammengefasst und im Jahr 1967, wird mit dem Redoutable das erste französische Atom-U-Boot in Betrieb genommen. DCNS Webseite
Unternehmerische Veränderungen In den 1970er Jahren veranlassen die Weltwirtschaftslage und die Dekolonisierung die DCAN dazu, sich auf neuen Märkten weiterzuentwickeln. Zum Verlust der Übersee-Arsenale kommen die geringere Nachfrage der französischen Marine an Kriegsschiffen und die Schwierigkeit, sich weiter zu finanzieren hinzu. Diese Entwicklung wird mit dem Ende des Kalten Kriegs trotz der Diversifizierung der Aktivitäten der DCAN und deren Ausdehnung auf die Wartung des Stromnetzes und die Minenräumung des Küstengebiets noch weiter beschleunigt. So spezialisieren sich einige Standorte auf zivile Projekte: Brest baut Eisenbahnwagons und Guérigny Landmaschinen, Toulon zivile Schiffe (Jachten und Passagierdampfer).
Doch neben der problematischen Auftragslage wird insbesondere der staatliche Charakter der DCAN immer mehr in Frage gestellt, da der hiermit verbundene Verwaltungsaufwand als Hindernis für die mögliche Weiterentwicklung der französischen Werften angesehen wird.
Die darauf folgende Entwicklung erfolgt in mehreren Schritten. Im Jahr 1991 ändert die DCAN ihren Namen und wird zur DCN (Direction des Construction Navales); im gleichen Jahr wird die internationale DCN gegründet. Hierbei handelt es sich um eine Aktiengesellschaft zur Förderung der Geschäftstätigkeit der DCN auf internationaler Ebene und zur Erleichterung des Exports ihrer Produktion.
Im Jahr 1992 schließlich werden die staatlichen Aktivitäten der DCN dem „Service des Programmes Navals“ (SPN) unterstellt, der mit der Bauleitung von Booten für die staatliche Marine beauftragt ist. Somit ist die DCN nicht mehr nur für die industrielle Tätigkeit zuständig und bleibt dabei gleichzeitig innerhalb der DGA. Mit dieser Status-Veränderung kann DCN International zum Ende der 1990er Jahre die DCN auf wirtschaftlicher und rechtlicher Ebene bei der Entwicklung ihrer internationalen Angebote begleiten.
Diese von DCN International getragene Entwicklungsstrategie schlägt sich in mehreren großen Verträgen nieder. So werden im Jahr 1994 3 Agosta U-Boote an Pakistan geliefert und im Jahr 1997 zwei Scorpène U-Boote für Chile gebaut. Im Jahr 2000 wird das Unternehmen von Singapur mit dem Bau von 6 Fregatten der Kategorie Formidable beauftragt. 2002 unterzeichnet es über sein Tochterunternehmen Armaris einen Vertrag mit Malaysia für die Lieferung von 2 Scorpène U-Bootenhttp://www.nti.org/analysis/articles/france-submarine-import-and-export-behavior/.
Daneben erhält die DCN im Jahr 1997 Aufträge im Bereich der Off-Shore Ölförderung; so modernisiert der Standort von Brest beispielsweise die Plattform Sedco 707 und errichtet mehrere Erdölplattformen der Kategorie SFX.
Im Jahr 1999 wird die DCN ein direkt dem Verteidigungsministerium unterstellter Staatlicher Kompetenzservice (SCN). 2000 erfolgt die Lieferung des Flugzeugträgers Charles De Gaulle und im Jahr 2001 beschließt die französische Regierung schließlich, die DCN in eine vollkommen in Staatsbesitz stehende private Aktiengesellschaft zu verwandeln. Die Statusänderung tritt im Jahr 2003 in Kraft.
Entwicklung der DCNS-Unternehmensgruppe Im Jahr 2007 erwirbt der Konzern den Geschäftsbereich Schiffsbau Frankreich des Hauses Thales, Armaris, das ehemals zu gleichen Teilen von DCN und Thales gehaltene Tochterunternehmen, sowie MOPA2, das mit dem Projekt des zweiten Flugzeugträgers beauftragte Unternehmen. Thales erwirbt 25 % des Konzernkapitals und DCN wird zu DCNS, wobei das S den Servicebereich symbolisiert. Im Jahr 2011 erhöht Thales seine Beteiligung auf 35 % des Kapitals von DCNS.