mini|Krauskopfpelikan im Schlichtkleid mini|Junger Krauskopfpelikan im Flug mini|Der Krauskopfpelikan weist eine Flügelspannweite von über 3 Metern auf. mini|Ein überfliegender Trupp von Krauskopfpelikanen mini|Ein Krauskopfpelikan am Prespasee, an dem das größte europäische Brutvorkommen liegt. mini|Krauskopfpelikane im Wiener Tiergarten Schönbrunn mini|Der Krauskopfpelikan setzt den Schnabel mit Kehlsack beim Fischfang wie einen Kescher ein mini|Hybrid zwischen Krauskopf- und Rosapelikan (P. crispus × onocrotalus) im Zoo Gelsenkirchen. Der Vogel zeigt Merkmale beider Arten.
Der Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus) gehört zur Familie der Pelikane (Pelecanidae). Er ist ein Brutvogel von Südosteuropa über Teile Mittelasiens bis in die Mongolei. Während des nacheiszeitlichen Temperaturoptimums vor etwa 8000 Jahren lebten Krauskopfpelikane für einige Jahrhunderte auch in Südskandinavien. Dies belegen Knochenfunde von steinzeitlichen Siedlungsplätzen. Im Jahr 2006 ist die Art erstmals in Deutschland als Irrgast nachgewiesen worden.Vgl. Wegst, Christian: Der Krauskopfpelikan, eine neue Art für Deutschland. Limicola, Band 22 (2008), Seiten 161–176
Beschreibung Der Krauskopfpelikan ist mit einer Körperlänge von 160 bis 180 cm, einem Körpergewicht von 10 bis 13 Kilogramm und einer Flügelspannweite von 310 bis 345 cm deutlich größer als ein Höckerschwan. Gemeinsam mit dem teilweise noch etwas größer und schwerer werdenden, meist aber ähnlich großen Rosapelikan gehört er zu den größten Arten der Gattung. Die Geschlechter unterscheiden sich im Aussehen nicht, Weibchen sind jedoch durchschnittlich kleiner als Männchen.
Adulte Vögel Der Schnabel ist zwischen 370 und 450 mm lang und bei adulten Vögeln zur Paarungszeit schwarzgrau mit teilweise gelber Oberschnabelkante und orangem „Nagel“ an der Spitze. Der Kehlsack ist dann rotorange mit einem nur gelegentlich sichtbaren schwarzen Streifen entlang des Übergangs zum Unterschnabel. Außerhalb der Paarungszeit ist der Schnabel eher grau mit fleischfarbenen Seiten, der Kehlsack orange bis gelblich.Elliott et al. (1992), siehe Literatur Die Iris ist weißlich bis hellblau mit einem schmalen, blauen Außenring und gelblichen Flecken. Die nackte Gesichtshaut ist weniger ausgedehnt als beim Rosapelikan. Sie beschränkt sich auf die Partie um das Auge und den Zügel.Glutz von Blotzheim, S. 288f, siehe Literatur Zur Paarungszeit ist sie gelborange mit eher hellgelber unterer Partie und dunkelgrauer Begrenzung zum Schnabel hin; ansonsten ist sie weißlich mit schiefergrauem unteren Teil. Beine und Füße sind dunkel- bis mittelgrau.
Das Gefieder an Kopf und Hals ist lang, weich und gekräuselt; zur Brutzeit fällt der lange, krause Federschopf am Hinterkopf auf. Außerhalb der Brutzeit ist der Schopf stark reduziert, das Nackengefieder aber dennoch zu einer struppigen Mähne verlängert. Aufgrund der teilweise sichtbaren grauen Federbasen wirkt die Kopf- und Halspartie gräulich durchsetzt; Ober- und Unterseite sowie der Schwanz, der aus 22 Steuerfedern besteht, sind weiß. Durch feine schwärzliche Schaftstriche auf dem sichtbaren Teil der Federn wirkt das gesamte Gefieder silbergrau überpudert. Besonders offensichtlich ist dies bei großen, vermutlich älteren Exemplaren. Zur Brutzeit ist am Kropf ein gelblicher oder ockerfarbener bis roter Fleck ausgeprägt, der durch äußere Einfärbung des Gefieders entsteht. Der Oberflügel ist auf Daumenfittich, Handschwingen und größeren Handdecken schwärzlich mit gräulichem Anflug; die Armschwingen sind schwärzlich mit silbergrauen Außensäumen, die zu den Schirmfedern hin kontinuierlich heller werden. Die äußeren Großen Armdecken tragen schwarze Schaftstriche und graue bis braunschwarze Zentren. Der übrige Oberflügel ist reinweiß. Die Unterflügel sind weitgehend hellgrau mit dunklen Schwingenspitzen und weißen Großen Unterarmdecken, die ein helles Flügelband bilden.
Jugendkleider Bei Vögeln im Jugendkleid ist der Schnabel grau mit etwas dunklerem Oberschnabel. Der „Nagel“ an der Spitze wird recht bald hornfarben gelb bis orange. Der Kehlsack ist gelblich-fleischfarben. Die Iris ist bräunlich, die nackte Augenpartie weißlich mit dunkler grauem unteren Rand. Der Federschopf am Hinterkopf ist kurz und spitz, erinnert etwas an die aufrecht stehende Mähne eines Wildpferds und verläuft ein Stück weit den Nacken herunter. Kopf und Hals sind hellgrau mit mehr weißem Scheitel und hinteren Ohrdecken. Die braungrauen Federbasen lassen die Partie zu einem sehr variablen Anteil dunkel erscheinen. Ab dem unteren Hals ist die Unterseite mattweiß. Oberer Rücken, Schulterfedern und Oberflügeldecken sind bräunlich grau, wobei die Kleinen Oberflügeldecken an der Flügelbasis weißlich sind, die Großen Oberflügeldecken dunkle Zentren tragen und zur Flügelbasis hin deutliche weißliche Säume bekommen. Die Schwingen sind schwarz, Fittich und Handdecken überwiegend schwärzlich-braun. Die Unterflügeldecken und Achselfedern sind mattweiß, die Schwingen dunkel bespitzt. Hinterer Rücken und Oberschwanzdecken sind weißlich, die Steuerfedern silbergrau bis bräunlich mit weißen Innenfahnen. Das gesamte Gefieder zeigt dunkle Federschäfte. Beine und Füße sind grau und können einen gelblichen Anflug an der Sohle zeigen.
Das Adultkleid ist offenbar erst nach einigen Jahren voll ausgeprägt. Oft sind Reste dunkler Federn auch noch bei brütenden und fütternden Vögeln zu sehen. Der krause Schopf adulter Vögel fehlt noch im zweiten Jahr. Die Oberseite wird Stück für Stück intensiver weiß, was mit dem Armdeckenfeld zwischen den kleineren und den größten Armdecken beginnt.
Hybriden In menschlicher Obhut kommen Hybriden sowohl mit dem Rosa- als auch mit dem Rötelpelikan vor. In der Natur wurde dies bislang trotz gemischter Kolonien nicht nachgewiesen.Eugene M. McCarthy: Handbook of Avian Hybrids of the World, Oxford University Press, New York 2006, ISBN 978-0-19-518323-8, S. 193 Werden freilebende Hybriden beobachtet, handelt es sich wohl immer um Gefangenschaftsflüchtlinge., Fotos eines Hybriden in Frankreich, abgerufen am 16. Dezember 2015
Stimme Die stimmlichen Äußerungen des Krauskopfpelikans lassen sich zum einen in blökende und grunzende, zum anderen in zischende, fauchende oder stöhnende Laute einteilen. Hinzu kommen Instrumentallaute, die mit dem Schnabel erzeugt werden. Die Analyse der Bedeutung einzelner Laute gestaltet sich wegen des hohen Lärmpegels in den Kolonien schwierig.Glutz von Blotzheim, S. 290, siehe Literatur
Adulte Krauskopfpelikane sind wenig ruffreudig. Gelegentlich begrüßen sich die Vögel mit einem weichen, langgezogenen Zischen. Der Warnruf ist ein heiser bellendes wò wò wò, der Drohlaut ein langes Fauchen. Bei der Balz und der Kopula sind verschiedene zischende Laute zu vernehmen, die beim Männchen eher dumpf, beim Weibchen heller klingen. Zu verschiedenen Gelegenheiten wird ein Schnabelklappen eingesetzt.
Die Lautäußerungen der Jungen (Hörbeispiel) bestehen aus Rufreihen eher tiefer, schafähnlich blökender Laute, die je nach Erregungsgrad variiert werden können und sich vor allem zu den Fütterungen intensivieren. Je nachdem, ob der Schnabel dabei geöffnet ist, können sie als dumpfes muoh mouh mouh oder als helleres wah wah wah beschrieben werden.
Verbreitung und Bestand Die Brutverbreitung des Krauskopfpelikans ist auf die Paläarktis beschränkt. Sie reicht von den sehr zerstreuten Vorkommen in Südosteuropa bis in den Osten Zentralasiens, wo die Art im Westen der Mongolei vorkommt. Der Weltbestand wird auf etwa 4000–5000 Brutpaare (BP) geschätzt, wobei mit etwa 2700–3500 BP die meisten in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion (Russland, Aserbaidschan, Turkmenistan und Kasachstan) zu finden sind. Der europäische Bestand wird auf 1600–2000 Brutpaare geschätzt. Eine sehr kleine Population von unter zehn Brutpaaren gibt es im Iran.Behrouz Behrouzi-Rada: Wintering Position and first Record of Breeding of Dalmatian Pelican Pelecanus crispus on Tiff Island in Khore Mosa in Persian Gulf in 2010, Octa Journal of Environmental Research, Vol. 1 (2), 2013, , S. 77–88, (PDF-Download) Das Vorkommen in der Mongolei ist anscheinend nahezu erloschen; die letzte Schätzung belief sich auf nur 50 Brutpaare. mini|500px|Verbreitungsgebiete des Krauskopfpelikans (Pelecanus crispus)(grün = Brutgebiete, dunkelgrün = ganzjähriges Vorkommen, hellblau = Migration, blau = Überwinterungsgebiete) Die Art musste in Europa im 19. und 20. Jahrhundert aufgrund von Lebensraumzerstörung, Störungen in den Kolonien, Verfolgung durch Fischer und Bejagung starke Bestandseinbußen hinnehmen. Die Rückgänge hielten etwa bis in die 1970er und 1980er Jahre an, danach stabilisierte sich der Bestand in den wenigen verbleibenden Kolonien. Heute halten Griechenland mit etwa 1400–1500 Brutpaaren, Rumänien mit 400–550 BP, das europäische Russland mit 350–450 BP und die Türkei mit etwa 220–250 BP die größten Bestände.Bauer et al. (2012), siehe Literatur Der Bestandstrend ist in Europa positiv, weltweit jedoch weiterhin abnehmend. Die Art wird daher als gefährdet (“vulnerable”) angesehen.
Die vermutlich weltweit größte Kolonie befindet sich mit 500–1400 Brutpaaren am Prespasee in Griechenland, ein Vorkommen am benachbarten Ohridsee ist erloschen.Glutz von Blotzheim, S. 290f, siehe Literatur Das zweitgrößte europäische Vorkommen findet sich im Bereich des Donaudeltas, wo in Rumänien etwa 320–410 Paare brüten, am in der Ukraine gelegenen Kuhurluj hingegen nur 10–12 Paare. In Bulgarien findet sich eine Kolonie mit 20–110 Brutpaaren an der Donau in Srebarna. In Montenegro konnte durch umfassende Schutzbemühungen der Brutbestand am Skutarisee auf über 100 Vögel im Jahr 2017 gesteigert werdenKrausköpfe im Brutfieber, EuroNatur Magazin 2/2017, S. 23, (), abgerufen am 23. Juli 2017 und in Albanien brüten etwa 11–62 BP an der Lagune von Karavasta.
In der Türkei waren 2010 fünf Kolonien bekannt:Onmuş et al. (2010), siehe Literatur im Gediz-Delta (35–87 BP), am Manyas Gölü (35–40 BP), im Delta des Großen Mäanders (42 BP), am Karzachi-See (5–10 BP) und am Işıklı Gölü (6 BP).
An zahlreichen anderen Orten in Europa ist die Art ausgestorben. Teilweise haben sich dort die Lebensräumverhältnisse aufgrund von Trockenlegungen dramatisch verändert. So kam der Krauskopfpelikan in Ungarn vormals an der Theiß, in Serbien in den Sümpfen von Vojvodina, in den Donauauen des rumänischen Calafat, im Norden Bulgariens und in Dalmatien, an der Crna Reka in Nordmazedonien, an den griechischen Flüssen Kalamas, Acheloos und Vardar, im Evros-Delta und im Delta des Dnister in der Ukraine vor.Crivelli / Michev (1997), siehe Literatur
Obwohl die Art und ihre Brutkolonien fast überall geschützt sind, werden Schutzmaßnahmen oft nicht konsequent genug umgesetzt. Hauptgefährdungsursachen sind nach wie vor die Lebensraumzerstörung durch Trockenlegungen und wasserbauliche Veränderungen, aber auch Störungen an den Kolonien durch Birder und Fotografen, seltener auch die Verfolgung durch Fischer oder illegale Bejagung. Umweltbelastungen und Gifte wie DDE, Schwermetalle oder Chlororganische Verbindungen können sich maßgeblich auf den Bruterfolg auswirken. Außerdem finden viele Vögel den Tod an ungesicherten Freileitungen. Schutzmaßnahmen können der restriktive Schutz an den Kolonien, Unterbindung der Jagd, die Errichtung von Brutflößen, die Erhaltung oder Renaturierung der Lebensräume, die Entschärfung von Freileitungen und Öffentlichkeitsarbeit sein.
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