mini|Gustav II. Adolf 1630 rahmenlos|rechts|klasse=notpageimage|Unterschrift von Gustav II. Adolf Gustav II. Adolf (* in Stockholm; † bei Lützen) aus dem Haus Wasa war von 1611 bis 1632 König von Schweden und eine der wichtigsten Figuren der schwedischen Geschichte und des Dreißigjährigen Krieges. Er trug durch Reformen und sein militärisch-politisches Handeln wesentlich dazu bei, Schweden eine Hegemonialstellung im nördlichen Europa zu verschaffen, die bis Anfang des 18. Jahrhunderts bestand. Sein zur Durchsetzung dieser Hegemonialstellung motiviertes Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland verhinderte einen Sieg des kaiserlich-katholischen Lagers der Habsburger und sicherte damit auch die Existenz des deutschen Protestantismus.

Herkunft und Ausgangssituation Gustav II. Adolf war der sechste König aus der Familie der Wasa, die erst unter Gustav Wasa den Aufstieg vom mittleren Adel zum Königtum geschafft hatte. Aus einem Aufstand gegen die dänisch geprägte Kalmarer Union war dieser als Widerstandsführer siegreich hervorgegangen und König geworden (Schwedischer Befreiungskrieg). Zu dessen Zeit fasste in Schweden die lutherische Reformation Fuß und wurde auf dem Reichstag von Västerås 1527 verbindlich eingeführt. Dies gab dem König Gelegenheit, auf den Kirchenbesitz zuzugreifen und seine Familie zum größten Landeigentümer Schwedens zu machen – Basis für die Machtposition der Wasa. Obwohl als Land ständisch weiterhin stark konstitutionalisiert, gelang es Gustav Wasa durch einen Vertrag mit dem Reichstag, Schweden zugunsten seiner Familie zu einer Erbmonarchie zu machen.

Gustav Adolfs Vater Karl IX. war erst Reichsverweser neben und unter dem aus der eigenen Familie stammenden katholischen Doppelkönig von Schweden und Polen, Sigismund III. Wasa gewesen, ehe er in einem kurzen Bürgerkrieg gegen Sigismund selbst nach der Krone gegriffen hatte. Sein Recht auf die Königsherrschaft war nicht unumstritten und wurde von den verdrängten polnischen Wasa nicht akzeptiert, von Ständen, lutherischer Kirche, Volk und Adel aber überwiegend anerkannt, da das protestantische Schweden nicht länger bereit war, einen katholischen König zu dulden. Dennoch war die Herrschaft von König Karl IX. nicht unangefochten. Seine Konflikte mit dem Adel waren ernst, da er versuchte, seine königliche Machtbasis auf dessen Kosten konfrontativ auszubauen. Die Herrschaft der Wasa war daher prekär und auch durch wenig erfolgreiche Kriege Karls IX. gegen Polen-Litauen um den Besitz Livlands und gegen Dänemark (Kalmarkrieg) geprägt, die das Land wirtschaftlich zerrütteten.

Gustav II. Adolfs Ausgangssituation war von einer für die schwedischen Wasa nicht vollständig gefestigten Herrschaft über Schweden, einem spannungsreichen Verhältnis zum schwedischen Hochadel, der Rivalität mit Dänemark, dem Konflikt mit den polnischen Wasa im Baltikum, einer stark ständisch geprägten Gesellschaft und politischen Ordnung Schwedens und der lutherischen Grundhaltung seines Landes bestimmt. Aus dieser Ausgangssituation schaffte er es, Schweden zur dominierenden Macht des Nordens und zu einem der modernsten Staaten Europas zu machen.

Leben Erste Jahre Der älteste Sohn des damaligen Reichsverwesers und späteren Königs Karl IX. von Schweden und dessen zweiter Frau Christine von Schleswig-Holstein-Gottorf – Enkelin des in der Reformation bedeutenden hessischen Landgrafen Philipp I. – wurde am 9. Dezember 1594 im Schloss Tre Kronor geboren. Nachdem sein Vater König des verarmten Schweden geworden war, nahm er schon frühzeitig am öffentlichen Leben bei Hofe teil. Mit acht Jahren wohnte er auf Wunsch des Vaters Sitzungen des Senats bei, und im Alter von zwölf Jahren absolvierte er öffentliche Auftritte, wie etwa den Empfang von ausländischen Gesandten. Im Alter von fünfzehn Jahren hielt Gustav Adolf seine erste Thronrede.

Er erhielt eine gründliche humanistische und politische Erziehung, unter anderen durch Johannes Bureus und Johan Skytte.Felix Berner: Gustav Adolf. Der Löwe aus Mitternacht. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1982, S. 91. Militärisch wurde er von dem erfahrenen Berufssoldaten Jakob De la Gardie ausgebildet, der ihn mit den Heeresreformen des Moritz von Oranien vertraut machte. Mit seiner Mutter sprach er nur Deutsch, so dass Gustav zwei Sprachen fließend beherrschte. Unterrichtet wurde er in allen Fächern auf Latein, dazu lernte er noch Französisch und Niederländisch und auch Altgriechisch. Später lernte er durch Gespräche während seiner Feldzüge auch etwas Russisch und Polnisch.

Regierungszeit in Schweden mini|Denkmal für Gustav II. Adolf in Göteborg Gustav wurde während des laufenden Kalmarkrieges mit Dänemark, in dem er bereits als Thronfolger mitgekämpft hatte, vorzeitig für mündig erklärt und bestieg 1611, erst 17-jährig, den schwedischen Thron. Er übernahm kein gefestigtes Reich, sondern ein verarmtes Land, das in einen tiefen Konflikt mit seinem Nachbarn Dänemark verstrickt war, den er unter für Schweden sehr harten Bedingungen im Frieden von Knäred 1613 beenden musste. Seine Machtposition war keinesfalls absolut, sondern in vielerlei Hinsicht von der Kooperation des schwedischen Reichstags abhängig, der seine Unterstützung nicht kostenlos zu geben gewillt war. Während sein Vater gegenüber dem Adel noch konfrontativ regiert hatte, konnte Gustav Adolf sich das machtpolitisch nicht mehr leisten. Erst sechs Jahre nach seinem Regierungsantritt wurde er am im Dom zu Uppsala zum König von Schweden gekrönt.

Machtgleichgewicht mit den Ständen Bei Regierungsantritt des jungen Königs wurden durch eine königliche Erklärung Reichsrat und Reichstag politische Mitspracherechte eingeräumt – Ausdruck eines prekären Machtgleichgewichts zwischen Krone, Adel und den anderen Ständen des Landes. Der Reichsrat bekam eine deutliche Rolle im Rahmen der Regierung, und in Fragen um Krieg und Frieden, Steuern und Aushebungen mussten Beschlüsse des Reichstages eingeholt werden. Daraus entwickelte sich eine Rechtspraxis, die für das Land konstitutiv wurde. Die vier im Reichstag vertretenen Stände spiegelten die Gesellschaftsstruktur dieser Zeit wider: Der Adel, dem Gustav Adolf 1612 umfassende Privilegien einräumen musste, hatte das Monopol auf alle höheren Ämter. Gleichzeitig erwies sich diese Standesgrenze – hierin vom Rest Europas sehr verschieden – als durchlässig und für einen Aufstieg durch Leistung offen. Der geistliche Stand der lutherischen Kirche spielte eine wichtige Rolle bei der Verwaltung des Landes, wie etwa bei der Formung eines evangelisch geprägten Staats- und Nationalbewusstseins. Das Bürgertum erlangte im Rahmen einer merkantilistischen Wirtschaftspolitik insbesondere in den Städten eine wachsende Bedeutung. Dass auch die Bauern als vierter Stand im Reichstag vertreten waren, war in Europa einzigartig und lässt sich historisch damit erklären, dass mehr als ein Drittel des Grundbesitzes in der Hand freier Bauern war. Sie spielten, vor allem durch ihre lokalen Institutionen, in Steuerfragen und in Fragen der (von den Pfarrämtern mitkoordinierten) Aushebung von Soldaten eine wichtige Rolle.

Zusammenarbeit mit Axel Oxenstierna Als Kanzler des Reiches spielte Axel Oxenstierna eine besondere Rolle. Neben seinem König Gustav Adolf war er die dominierende politische Gestalt seines Landes, und es gelang beiden, ein enges Arbeitsverhältnis zu finden und dann aufrechtzuerhalten. Die Zusammenarbeit von Gustav Adolf und Axel Oxenstierna war eine Modernisierung und führte zu einem stabilen und produktiven Gleichgewicht, in dem sich König und Stände auf eine gemeinsame Staatspolitik verständigen konnten. Innere Reformen und eine ehrgeizige Außenpolitik schufen die Grundlage für die Stellung Schwedens als wirtschaftliche und militärische Großmacht.

Gerichtsbarkeit Mit dem Svea hovrätt schufen Gustav Adolf und Oxenstierna ein schwedisches Höchstgericht, das erstmals in der schwedischen Geschichte abschließendes Recht im Namen des Königs ohne dessen persönliche Beteiligung nach einer überprüfbaren und von Oxenstierna ausgearbeiteten Prozessordnung sprechen konnte. Den königlichen Gesetzen wurde damit, zumindest theoretisch, Vorrang vor der königlichen Person eingeräumt,Felix Berner: Gustav Adolf. Der Löwe aus Mitternacht. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1982, S. 137. wobei der König sich allerdings ein Kassationsrecht vorbehielt.Günter Barudio: Gustav Adolf der Grosse. Eine politische Biographie. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1998, S. 145.

Reichsrat Die Aufgaben des Reichsrates und der einzelnen Ämter in ihm wurden klarer geregelt und der Rat wurde unter dem Kanzler Oxenstierna zunehmend zu einer Art Regierung neben und unter dem König.

Reichstag und Adelsordnung Der Reichstag wurde stärker konstitutionalisiert und festen Regularien unterworfen. Die in ihm dominierende Schicht des Adels wurde in Klassen eingeteilt und einerseits gegen reiche Aufsteiger abgegrenzt, die sich einen adligen Lebensstil leisten konnten und früher gewohnheitsrechtlich zum Adel zählten. Andererseits aber wurden Aufsteiger nun häufiger aufgrund von Verdiensten durch den König geadelt: Neben den einheimischen schwedisch-finnischen Erbadel trat ein vom König geförderter Briefadel, der durch die Einwanderung von Spezialisten und die Rolle Schwedens als baltische Großmacht zunehmend international geprägt war und auch eine Reihe bürgerlicher Experten umfasste, die dem schwedischen Staate dienten. So adelte Gustav Adolf seinen alten Lehrer Johan Skytte, der als Kanzler der Universität Uppsala diese entscheidend prägte.

Bildungssystem Besonderes Augenmerk des Königs lag auf dem schwedischen Bildungssystem, das unter ihm ausgebaut und als staatliche Aufgabe begriffen wurde. Die Universität Uppsala wurde massiv gefördert. Die Unterstützung des Königs ermöglichte eine Vergrößerung der Anzahl der Lehrstühle, eine bessere Bezahlung der Professoren und die Aufnahme neuer Fächer und Methoden. Finanziell wurde die Universität Uppsala durch eine beträchtliche Stiftung von Landgütern wirtschaftlich eigenständig.Felix Berner: Gustav Adolf. Der Löwe aus Mitternacht. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1982, S. 237.

Neben den humanistischen Gymnasien – das erste wurde 1623 gegründet – versuchte er auch, praktisch orientierte weiterführende Trivialschulen zu etablieren, scheiterte aber an der Umsetzung durch die von der lutherischen Kirche dominierte und mit ihr teilweise identische Lehrerschaft. Erfolgreicher war die Gründung zahlreicher elementarer Schulen, in denen die Grundlagen des Lesens und Schreibens vermittelt wurden. Die Alphabetisierungsrate Schwedens nahm allmählich spürbar zu.Felix Berner: Gustav Adolf. Der Löwe aus Mitternacht. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1982, S. 238.

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