Die Geschichte Südafrikas ist die des äußersten südlichen Randes des afrikanischen Kontinents zwischen Atlantischem und Indischem Ozean. Sie reicht bis zum Beginn der Hominisation zurück. Südafrika gilt als eine Wiege der Menschheit, die ältesten Fossilfunde von unmittelbaren Vorfahren der Gattung Homo (Hominini) werden auf ein Alter von etwa 3,5 bis 4 Millionen Jahren datiert.
Während der Frühgeschichte siedelte im südlichen Afrika das Volk der San, das bis heute Reste steinzeitlichen Lebens bewahrt. Vor etwa 2000 Jahren differenzierten sich die viehzüchtenden Khoikhoi aus der Gruppe der Khoisan heraus. Von Norden wanderten, wahrscheinlich seit dem dritten Jahrhundert, Bantu-Völker in das Land und bevölkerten den Osten Südafrikas. Nachdem Bartolomeu Diaz 1488 die Südspitze Afrikas erreicht hatte, gründete die Niederländische Ostindien-Kompanie 1652 mit Kapstadt die erste Siedlung am Kap, die sich rasch zur Kapkolonie erweiterte. 1795 besetzten britische Truppen unter General Sir James Henry Craig die Kapkolonie und übernahmen am 16. September 1795 die Kontrolle über Kapstadt. 1806 eroberten die Briten die Kolonie nach der Schlacht von Blaauwberg endgültig und behielten sie dauerhaft. Nach Norden auswandernde europäischstämmige „Buren“ gründeten daraufhin verschiedene Burenrepubliken.
Der burisch-englische Antagonismus gipfelte im Ersten (1880–1881) und im Zweiten Burenkrieg (1899–1902). Nach der Eingliederung der Burenrepubliken in das Britische Königreich entstand 1910 die Südafrikanische Union, als selbst regiertes Dominion im britischen Commonwealth. 1926 erhielt Südafrika die faktische Souveränität, 1931 auch formal die gesetzgeberische Unabhängigkeit von Großbritannien. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschritt Südafrika mit dem System der Apartheid einen rassistischen „Sonderweg“,Marx, S. 265ff. der erst nach 1989/90 überwunden wurde. 1961 schied das Land auf außenpolitischen Druck wegen der Apartheidspolitik aus dem Commonwealth of Nations aus (Wiedereintritt 1994) und gründete die Republik Südafrika. Die erste demokratische Wahl fand 1994 statt. mini|Karte Südafrikas von 1885
Terminologie In der Zeit der Apartheid wurden die demographischen Einteilungen der südafrikanischen Gesellschaft in besonderem Maße ideologisch instrumentalisiert, so dass es Schwierigkeiten bereitet, die Geschichte des Landes mit unvorbelasteten Begriffen zu beschreiben. In besonderem Maße trifft dies auf die Unterscheidung zwischen „Schwarzen“, „Weißen“, „Coloureds“ und „Asiaten“ zu.Zur Terminologie siehe Fisch, S. 17ff.; Hagemann, S. 7f. Die Zuordnung jedes Südafrikaners zu einer dieser Gruppen war seit 1950 durch den Population Registration Act gesetzlich geregelt und die Grundlage für die Politik der strikten Rassentrennung. Lediglich ein Hilfskonstrukt ist die, vom Apartheidregime ebenfalls missbrauchte, ethnische Kategorie „Bantu“, die keine Selbstbezeichnung ist, sondern ein Sammelbegriff für diejenigen Völker, die der Bantu-Sprachfamilie angehören. Ähnliches gilt für zusammenfassende Begriffe wie Nguni oder Sotho. All diese Bezeichnungen behält man heute mangels treffender alternativer Begriffe aus pragmatischen Gründen zumeist bei.Hagemann, S. 7. Abwertende Namen wie „Hottentotten“ (Khoikhoi), „Buschleute“ (San) oder „Kaffern“ (im engeren Sinne die Xhosa, später auf alle bantusprachigen Völker ausgedehnt) werden seit Ende der Apartheid als „Hate Speech“ gewertet und nicht mehr benutzt.Gemäß einem Beschluss des südafrikanischen Parlaments vom 9. April 2000 (Act No. 4 of 2000: Promotion of Equality and Prevention of Unfair Discrimination Act).
Die Selbstbezeichnung der Afrikaans sprechenden Weißen ist „Afrikaner“. In der deutschen Übersetzung wird dies üblicherweise in Analogie zum Afrikaans und zur Unterscheidung von schwarzen Afrikanern in „Afrikaaner“ umgeformt. Im Englischen hat sich die Variante „Afrikaners“ durchgesetzt. Mit „Afrikaner“ sind im Deutschen dagegen die indigenen afrikanischen Völker gemeint. Eine annähernd synonym verwendete Bezeichnung für die Afrikaaner ist der Begriff „Buren“, der sich ursprünglich nur auf die niederländischstämmigen Bauern bezog und von britischer Seite als Schimpfwort verwendet wurde. Die Bezeichnung „Briten“ für englischsprachige Weiße ist in der Sache eindeutig und wird deshalb benutzt, obwohl es sich nicht um britische Staatsbürger handelt.Fisch, S. 19.
Südafrika vor der Kolonisierung Hominisation, Vor- und Frühgeschichte mini|Das „Kind von Taung“ (Replikat, Naturmuseum Senckenberg) In Südafrika wurden diverse Funde von Vormenschen entdeckt, die zu den frühesten Zeugnissen der Hominisation gehören. Funde von frühen Vorfahren des Menschen, Hominini der Art Australopithecus africanus, werden auf ein Alter von etwa 3,3 bis 3,5,Ulrich Jürgens, Jürgen Bähr: Das südliche Afrika. Klett-Perthes, Gotha 2002, S. 39. einer neueren Schätzung zufolge sogar von etwa 4 Millionen JahrenMartin Pabst: Südafrika. 2., völlig überarbeitete und ergänzte Auflage, Verlag C. H. Beck, München 2008, S. 20. datiert. Besonders prominente Funde dieser fossilen Art sind das „Kind von Taung“ und „Mrs. Ples“; das besonders vollständige Fossil „Little Foot“ gehört hingegen vermutlich einer zweiten südafrikanischen Australopithecus-Art an. Die als „Wiege der Menschheit“ bezeichneten, zum Weltkulturerbe zählenden Höhlen von Sterkfontein, Kromdraai, Swartkrans und Makapansgat sind die bedeutendsten Fundstellen Südafrikas. In der Höhle Rising Star wurde die Art Homo naledi entdeckt. Die ältesten Funde des Homo erectus aus Swartkrans sind rund eine Million Jahre alt, der altsteinzeitliche moderne Mensch (Homo sapiens) ist im südlichen Afrika – wie die Hinterlassenschaften der sogenannten Pinnacle-Point-Menschen belegen – schon seit 165.000 Jahren nachweisbar. Als Bindeglied zu den außerafrikanischen Vertretern des modernen Menschen gilt der rund 36.000 Jahre alte Hofmeyr-Schädel.
mini|links|Felszeichnung der San in den Drakensbergen. Mit dem Übergang von der mittleren zur Jungsteinzeit traten vor rund 35.000–20.000 Jahren kleine Gruppen der San als nomadische Jäger und Sammler hervor.Fisch, S. 31; Hagemann, S. 11. Bis zu 26.000 JahreHagemann, S. 12. alte Felsmalereien haben sich an vielen Orten im südlichen Afrika erhalten.
Vor etwa 2000 Jahren übernahmen in den fruchtbaren Gegenden Gruppen der San Viehzucht und Keramik von nördlich siedelnden schwarzen Völkern und entwickelten eine differenzierte Sozialordnung, für die persönlicher Besitz bedeutsam wurde.Hagemann, S. 13f. Die Gesellschaft dieser Khoikhoi, von den Holländern später abfällig als Hottentotten bezeichnet, war im Gegensatz zu derjenigen der San nicht nur in kleinen Familienverbänden und Clans organisiert, sondern auch durch übergeordnete Stämme.Fisch, S. 34. Sie gelangten um die Zeitenwende südwärts in das Gebiet des heutigen westlichen Südafrika und übernahmen dort später Metallwerkzeuge und Waffen von schwarzen Völkern aus dem Osten. Da die Lebensweise der Khoikhoi eine größere Bevölkerungsdichte möglich machte und ihre Rinder und Schafe die ohnehin dünne Grasnarbe des semiariden Landes verbrauchten, gerieten beide Gruppen zunehmend in Konflikt- und Konkurrenzsituationen. Als Folge dieser Auseinandersetzungen wurden die San in die Trockengebiete zurückgedrängt, wo sich bis heute Reste steinzeitlichen Lebens erhalten haben. Die verschiedenen Gesellschaften der San und Khoikhoi werden häufig als Khoisan zusammengefasst.
Einwanderung der Bantu-Völker Da schriftliche Quellen über die Frühgeschichte der südlichen Bantu fehlen und die südafrikanische Forschung über die Geschichte der Schwarzen immer stark politisch instrumentalisiert wurde, sind verlässliche Aussagen über die Einwanderung der Bantu-Völker schwer zu machen. Besonders zur Zeit der Apartheid vertraten südafrikanische Historiker energisch die These, dass die Bantu erst seit dem 17. Jahrhundert, also gleichzeitig mit den Europäern, in das Land eingewandert seien, so dass die Weißen ihnen auch kein Land hätten nehmen können.Vgl. dazu Hagemann, S. 15. Vieles spricht jedoch dafür, dass diese Völkerwanderung bereits um das Jahr 1000 weitgehend abgeschlossen war.Franz Ansprenger, Geschichte Afrikas, Beck, München 2002, S. 22. So wurden im nördlichen und nordöstlichen Teil Südafrikas rund 600 Schmelzstätten für Eisen- und Kupfererz, Töpferwaren, Befestigungsanlagen sowie Skelette aus der Zeit zwischen dem dritten und zwölften Jahrhundert gefunden, die mit einiger Sicherheit Vertretern der Bantu-Sprachfamilie zugerechnet werden können.Hagemann, S. 16f; Fisch, S. 38. Ackerbau ist in Transvaal und Natal seit etwa 200 n. Chr. nachweisbar.Fisch, S. 38. Die Siedlungsgrenze scheint sich dabei in der Osthälfte Südafrikas zunächst entlang der Küstenlinie sowie der Wasserläufe langsam nach Süden verschoben und zwischen 1300 und 1600 das Highveld im höher gelegenen Landesinneren erreicht zu haben. Am Great Kei River endete die Expansion, eine Besiedlung der Westhälfte des Landes verhinderte die Trockenheit, die den Anbau der von den Bantu eingeführten Pflanzen (vor allem Sorghum) nicht zuließ. Der Westteil Südafrikas blieb deshalb das Land der Khoisan. Dass mehrere südafrikanische Bantusprachen, insbesondere Xhosa und Zulu, die charakteristischen Klicklaute der Khoisansprachen übernahmen, spricht für ein weitgehend friedliches Verhältnis zwischen den Ethnien. Lediglich entlang der Küste expandierten die Bantu-Völker noch, sicherlich auch gewaltsam gegen die Konkurrenz der dort ansässigen Khoikhoi. Im 14. und 15. Jahrhundert drangen Shona über den Limpopo in den Norden der heutigen Republik Südafrika ein. Die südlichen Bantu differenzierten sich im 18. Jahrhundert in die großen Gruppen der Nguni, Tsonga, Sotho und Venda. Diese gliederten sich wiederum in die Völker der Zulu, Xhosa, Swasi, Basotho, Batswana, Ndebele und Pedi.
Europäische Entdecker Als erste Europäer erreichten die Portugiesen Südafrika. Sie suchten seit Anfang des 15. Jahrhunderts einen Seeweg nach Indien um Afrika herum, um den arabischen, türkischen und venezianischen Zwischenhandel auf der Gewürzroute auszuschalten. Erstmals gelang es Bartolomeu Diaz 1488, bis zur Südwestspitze Afrikas vorzudringen, die er Kap der Stürme taufte. König Joao II. von Portugal änderte den Namen in Kap der Guten Hoffnung, da der Weg nach Indien nun offen war. Am 4. November 1498 erreichte die kleine Flotte von Vasco da Gama die Sankt-Helena-Bucht an der Westküste Südafrikas, wo die Schiffe überholt und mit Einheimischen Handelskontakte geknüpft wurden. Weiter fuhr man in großem Bogen um die Südspitze Afrikas und landete am 25. November in der Mosselbaai (Angra de São Braz). Hier, am Start der letzten Etappe des Seewegs nach Indien angelangt, wurde ein Padrão aufgestellt. Zu Weihnachten erreichte Vasco da Gama einen Küstenstrich Südafrikas, den er Natal (Weihnachten) nannte. Viele nachfolgende Seefahrer machten Station am Kap, doch trotz der strategischen Bedeutung des Kaps gründeten die Portugiesen dort nie eine ständige Niederlassung. Bei einem Zusammenstoß mit den Khoikhoi fanden der portugiesische Vizekönig Francisco de Almeida und etwa 50 Gefährten 1510 den Tod – dies sollte in der Region für alle Zeit das verlustreichste Gefecht für die Europäer bleibenFisch, S. 53. und trug dazu bei, dass zunächst keine feste Kolonie am Kap eingerichtet wurde.
Kolonialzeit Kapkolonie Die Kapkolonie unter niederländischer Herrschaft