Haderslev () ist eine Stadt in der Region Syddanmark in Dänemark an der Haderslebener Förde. Sie zählt Einwohner (Stand ). Haderslev hat einen Hafen und besitzt eine historische Innenstadt mit Dom und dem heimatkundlichen Haderslev Museum. Die Stadt ist Standort für Maschinen-, Textil- und Nahrungsmittelindustrien. Die Stadt Haderslev ist Verwaltungssitz der Kommune Haderslev.

Haderslev war seit seiner Gründung im Hochmittelalter Teil des Herzogtums Schleswig. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg und dem Ende des dänischen Gesamtstaats gehörte es von 1867 bis 1920 zu Preußen und somit von 1871 bis 1920 zum Deutschen Reich; im nämlichen Jahr wurde es, zusammen mit Nordschleswig, an Dänemark abgetreten. Noch heute lebt eine deutsche Minderheit (deutsche Nordschleswiger) in der Stadt.

2015 wurde Haderslev der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Zur Bedeutung Haderslevs in der Reformationsgeschichte als reformatorisches „Pilotprojekt“ Dänemarks siehe das Stadtporträt des Projekts Reformationsstädte Europas: Reformationsstadt Haderslev. Dänemark. Haderslev – das „Wittenberg des Nordens“. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 17. Juni 2016.

Geschichte bis 1834 mini|Ganggrab am Haderslev Museum Auf dem Gebiet der heutigen Stadt gab es schon früh Siedlungen, wie der steinzeitliche Opferfund von Knud belegt. Ein erster Hafenplatz ist etwas weiter östlich nahe der Kirche zu Starup, der ältesten Kirche der Region, nachweisbar. Westlich der späteren Rechtstadt entstand ein weiterer Siedlungskern mit der heute ebenfalls erhaltenen Kirche St. Severin. Die eigentliche Handelsstadt entwickelte sich am Ende der Haderslebener Förde. Dort entstand auch eine landesherrliche Burg. Haderslev wurde vor 1200 das erste Mal erwähnt. Saxo Grammaticus erzählt in der Sage von einem König Hather, nach dem die Stadt benannt sei. In Hadersleben oder Hathörsleff = Erbe des Hather, wie die älteste Namensform lautete, erbauten die Dominikaner 1228 ein Kloster. 1241 erhielt Haderslev die Marktgerechtigkeit.

Im Krieg zwischen König Erich IV. von Dänemark und Herzog Abel von Schleswig wurde der Ort niedergebrannt. 1292 erhielt Haderslev, wieder aufgebaut, von Herzog Waldemar IV. das schleswigsche Stadtrecht. Burgbezirk und die Siedlung Alt-Haderslev mit der St. Severins-Kirche blieben jedoch außen vor und gehörten zum Amt Haderslev. Die Verleihung des Stadtrechtes war ein Beweis für die Zunahme des Ansehens des Ortes. Die Stadt wurde befestigt und hatte drei Stadttore. Weiteren Schutz der auf einer Anhöhe errichteten Stadt bot die Aufstauung des Mühlenstroms, wodurch westlich der Stadt der Haderslebener Damm entstand. Der Stausee zählt noch heute zu den größten Gewässern in Nordschleswig. Die Altstadt liegt seither auf einer Halbinsel, und die Brücke über den Mühlenstrom ziert noch heute das Stadtwappen.

Im Mittelalter zählte die Stadt zu den wohlhabendsten der Region. Die Marienkirche ist nach dem Schleswiger Dom die zweitgrößte auf dem Gebiet des alten Herzogtums Schleswig. Als Sitz eines Kollegiatkapitels hatte sie eine hervorragende Stellung, und es gab Bestrebungen, die nordöstliche Propstei des Bistums zu einer eigenen Diözese zu erheben.

1351 lag hier der Graf Nikolaus von Holstein mit seinen Truppen zu Felde, als er das Schloss Törning belagerte. Die Landesteilungen der Herzogtümer Schleswig und Holstein, die seit 1460 mit Dänemark unter einem Landesherrn verbunden waren, berührten die Entwicklung der Stadt nachhaltig. Die galt namentlich für die Teilungen von 1523 und 1544. 1523 übergab König Friedrich I. seinem Sohn Christian III. die Ämter Törning und Haderslev mit der Stadt zur Herrschaft. Christian übernahm bald die Lehren Luthers und berief 1526 den Magdeburger Reformator Eberhard Weidensee, unter dessen Einfluss die Stadt zum geistigen Zentrum und Ausgangspunkt der Reformation im Norden wurde. 1528 erließ Herzog Christian mit den Haderslebener Artikeln eine Kirchenordnung, die die Neuordnung des evangelischen Gottesdienstes und der evangelischen Kirche regelte. Da in der Stadt ausgehend von Luthers Bibelübersetzung nun häufig auf Deutsch gepredigt wurde, nahmen Teile des Bürgertums im Laufe der Zeit diese Sprache an, während das ländliche Umland ebenso wie die ärmere Stadtbevölkerung dänisch geprägt blieb.

Nachdem Christian III. dänischer König und Herzog von Schleswig geworden war, musste er seine jüngeren Brüder abfinden. Dadurch kam es 1544 zu einer weiteren Landesteilung, deren Folgen nachhaltiger sein sollten als die Konsequenzen von 1490 und 1523: Haderslev wurde Residenzstadt von Herzog Johann dem Älteren, der nun unter anderem über die nordwestlichen Teile des Herzogtums Schleswig, die Insel Fehmarn und Teile Holsteins um die Stadt Rendsburg gebot. Der Herzog ersetzte die alte Burg durch das prächtige Schloss Hansburg etwas weiter östlich und setzte sich sehr für die Rechtsprechung in seinem Landesteil ein. In der Nachfolge des eingegangenen Klosters gründete er am Südrand der Stadt ein Hospital, das bis heute seinen Namen trägt.

mini|Grundtriß der Stadt Haderschleben Anno 1651 Als Herzog Hans 1580 kinderlos verstarb, erlosch das Herzogtum Schleswig-Holstein-Hadersleben wieder und wurde unter den beiden anderen Linien der Landesherrschaft aufgeteilt. Haderslev blieb von nun an beim königlichen Landesteil. 1627 wurden die Bewohner von einer Feuersbrunst heimgesucht. Die Kriege des 17. Jahrhunderts verschonten die Stadt nicht. Auch Schloss Hansburg wurde zerstört, als der schwedische General Wrangel das Schloss belagerte und eroberte. Dabei geriet es in Brand und wurde durch die Explosion des in den Gewölbe lagernden Pulvers in die Luft gesprengt. Es wurde nicht wieder aufgebaut. Die Reste wurden zum größten Teil zur Ausbesserung des Koldinger Schlosses verwendet. Der Kanal, der Schloss und Stadt trennte, verschwand und war schon 1729 ganz ausgefüllt. Da das Manövrieren für größere Schiffe auf der schmalen Förde schwierig war, büßte die Stadt einen Teil ihrer Bedeutung als Handelsstadt ein, blieb jedoch unbestritten das Zentrum für den Norden des Herzogtums Schleswig. Eine unliebsame Konkurrenz wurde das 1771 nur 13 km nördlich der Stadt gegründete Christiansfeld. Die Herrnhuter Brüdergemeine genoss dort weitgehende Handels- und Gewerbefreiheiten.

Geschichte 1834 bis 1920 mini|Gaststätte Papageistraße 582 (heute Vestergade 50), um 1910 mini|Haderslev Bank, Nørregade, 2017 1834 wurde der Schlossgrund eingemeindet. Im 19. Jahrhundert geriet die Stadt in den Sog des deutsch-dänischen Konflikts, der sehr schnell die Frage nach politischer Liberalisierung und Demokratisierung überlagerte. Während der deutschsprachige Teil des Bürgertums für die deutsch-schleswig-holsteinische Seite optierte, schlossen sich andere Einwohner sowie der überwiegende Teil des ländlichen Umlandes der dänischen Seite an. Anders als die Nachbarn in Tondern und Apenrade schloss sich die Stadtverwaltung nicht umgehend den Schleswig-Holsteinern an, als diese 1848 während der Erhebung zunächst die Oberhand gewannen. Nach Kriegsende 1851 wurden die früheren Verhältnisse wiederhergestellt, und in der Stadt galten Deutsch und Dänisch gleichberechtigt als Amtssprachen, wobei der Schulunterricht fortan aber vorwiegend auf Dänisch erteilt werden sollte.

Der deutsch-dänische Konflikt war damit jedoch nicht beigelegt und flammte 1863 wieder auf, als die dänische Regierung eine gemeinsame Verfassung für das Königreich und Schleswig anstrebte. Darin erkannte der Deutsche Bund unter preußischer Führung einen Verstoß gegen das Londoner Protokoll von 1852. Zum einen argumentierte man, das zum Deutschen Bund gehörende Holstein könne nicht ohne Verfassung bleiben (diese war von der holsteinischen Ständeversammlung 1858 ausgesetzt worden); zum anderen war im Londoner Protokoll festgelegt worden, dass das dänische Lehen Schleswig nicht enger an Dänemark gebunden werden durfte als Holstein. Der Deutsch-Dänische Krieg endete 1864 mit der dänischen Niederlage, worauf die Elbherzogtümer abgetreten werden mussten.

Der Landesteil Schleswig mit der Stadt Hadersleben wurde zunächst preußisch verwaltet. Mit dem Besitzergreifungspatent von 1866 wurde er dann Teil des Königreichs Preußen. Die neue Staatsgrenze verlief nun 15 Kilometer nördlich der Stadt und störte die bisherige wirtschaftliche Verflechtung nach Norden. Mit der einsetzenden Neuausrichtung nach Süden konnte die Stadt einen gewissen industriellen Aufschwung verzeichnen. 1867 wurde das Amtsgericht Hadersleben eingerichtet. Die Garnisonstadt wurde zudem zu einem beliebten Altersruhesitz, wovon noch heute zahlreiche repräsentative Villen künden. 1910 wurden die westliche Vorstadt Alt-Hadersleben und die südliche Vorstadt Süderotting eingemeindet. Ein Nachteil war, dass 1862 die Haupteisenbahnlinie von Hamburg über Flensburg nach Fredericia (Vamdrup-Padborg-Bahn) aus militärstrategischen Erwägungen an Hadersleben vorbeilaufend geplant worden war. 1866 wurde die Stadt aber mit der Bahnstrecke Vojens–Haderslev an das Schienennetz angebunden. Ab 1899 entstand die Haderslebener Kreisbahn.

Geschichte 1921 bis 1970 mini|Sønderbro um 1927 mini|Sønderbro um 1959 Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kam die Stadt zur I. Zone für die deutsch-dänische Volksabstimmung über die künftige staatliche Zugehörigkeit Schleswigs. Am 10. Februar 1920 stimmten rund 60 % der Einwohner für Dänemark, und da in Nordschleswig en bloc mit einem Ergebnis von insgesamt 75 % pro Dänemark abgestimmt wurde, gehört die Stadt seit dem 15. Juni 1920 zum Königreich Dänemark. Der nationale Konflikt war damit jedoch nicht bewältigt, und weite Teile der deutschen Minderheit fanden sich nicht mit der neuen Staatsgrenze ab. Kurz nach der Vereinigung mit Dänemark wurde die Stadt Bischofssitz.

Als am 9. April 1940 deutsche Truppen Dänemark besetzten, kam es in Haderslev kurzzeitig zu Kampfhandlungen, bei denen mehrere dänische Soldaten ums Leben kamen. Die Grenze wurde von den Deutschen jedoch nicht verschoben. 1943 erklärte der in Opposition zur Minderheitenführung stehende deutsche „Haderslebener Kreis“ in der Haderslebener Erklärung seine Loyalität gegenüber dem dänischen Staat. In dieser Zeit wurde für die Luftwaffe zirka 15 km westlich des Stadtzentrums der Fliegerhorst Hadersleben errichtet, der heute als Kampfflugzeugstützpunkt der dänischen Luftwaffe genutzt wird. Mit dem Kriegsende wurde die Grenzfrage eine Zeitlang erneut diskutiert. Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen beendeten 1955 jedoch den deutsch-dänischen Konflikt. Heute gibt es in der Stadt eine deutsche Schule, einen deutschen Kindergarten und mehrere deutsche Vereine.

Die größte Tragödie in der jüngeren Geschichte der Stadt geschah 1959, als das Ausflugsschiff Turisten auf dem Haderslebener Damm in Brand geriet. 57 Menschen starben in den Flammen oder ertranken.

Geschichte nach 1970 Wirtschaftlich nahm die Stadt weiter Aufschwung und dehnte sich immer weiter aus. Neue Industriegebiete entstanden im Nordwesten und im Süden der Stadt.

1970 wurde die Stadt mit den Gemeinden Moltrup, Vonsbæk, Åstrup, Øsby, Halk, Grarup, Starup, Vilstrup und Hoptrup und den Resten von Gammel Haderslev zur neuen Kommune Haderslev zusammengelegt. 2007 folgen die Kommunen Gram und Vojens sowie die Kirchspiele Bevtoft, Hjerndrup, Bjerning und Fjelstrup. Die Einwohnerzahl der neuen Großkommune Haderslev beträgt damit (Stand ).